Humorkritik
Es spricht mir aus dem Herzen, was im verlinkten Artikel über das Metier der Satire und des Kabaretts geschrieben steht. »Comedians« nennen sich die meisten der dort als Beispiele Genannten selbst, was schon aussagt, worin sie ihre Aufgabe sehen: Sie möchten lustig sein, mehr nicht, und sie möchten damit Erfolg haben. Für diejenigen mit Biss, die tatsächlich kritischen Verstand zur Sprache bringen, scheitert es an niedrigen Einschaltquoten, an mangelnder Massenkompatibilität oder an mehr oder minder direkten Sanktionen durch diejenigen, denen sie auf die Füße treten, was letztlich seinerseits als Erfolg zu werten ist, wenn auch von anderer Qualität, weil er eben nicht auf Quantität abzielt. Auch die von mir verehrte Titanic weist, so zumindest mein subjektiver Eindruck, in neuerer Zeit einen Verlust an Biss auf, der vielleicht stellvertretend für den Großteil der Zunft stehen kann. Das ist schade.
Für Twitter als Mikrobühne mag ich, erneut aus rein subjektiver Sicht, ähnliche Schlüsse ziehen, was Erfolg und Massenkompatibilität angeht, scheinen dort doch ebenfalls diejenigen der sich als solche inszenierenden Amateur-Humoristen (was nicht als Wertung, sondern rein als Abgrenzung zu tatsächlicher hauptberuflicher Tätigkeit verstanden werden soll) am erfolgreichsten zu sein, die “treffend und harmlos zugleich [sind], frei vom Geist der Negation, voll des aufbauenden und versöhnenden Humors“, der bestenfalls lustig, aber eben völlig harmlos ist. Vielleicht hinkt das Übertragen der im verlinkten Artikel dargelegten Beschreibungen, doch erlaubt der erweiterte Blick auf beispielsweise Twitter eine Erfassung viel breiterer Bevölkerungsgruppen als der Fokus auf professionelle Kabarettisten oder Comedians. Der Unterschied zu den professionellen Humoristen ist dann jedoch, dass der harmlose Spott der Amateure, dieser versöhnende Humor, der nichts kritisiert und niemandem auf die Füße tritt, der sich wehren könnte, nicht einmal mit ökonomischen Gründen erklärt und dem auch nicht die Erfüllung des Berufs vorgeschoben werden kann. Der harmlose, unkritische, teils affirmative Humor als Spiegelbild eines gesellschaftlichen oder zumindest im beobachteten Milieu vorherrschenden Klimas?
