Dez 24 2009

Eiland

Noch kleinste Feuer zu entflamm’n,
tun tausend Sätze sich stets schwer,
doch Dir gelingt’s, mit wenig’ Zeichen
spielend Wärme zu erreichen -
Du brauchtest einst bei mir nicht mehr.

Recht viele Menschen trifft man an,
im Laufe eines Lebens hier,
von denen doch, was leicht zu spürn,
nur wenige uns echt berührn,
und sucht nach jemandem wie Dir.

Rund um die Welt würd’ ich dafür -
und endlos weiter – barfuß gehn,
obgleich es schwer zu glauben ist,
weil Du doch auch unglaublich bist -
wer würde Weg und Sinn verstehn?

Bist Wasser in der Wüste hier;
das Eiland weit, allein im Meer;
gleich einer Blume, stark und frei,
die tief im Schnee noch stolz gedeih’ -
solch Mensch ist selten, sogar sehr,

der so phantastisch ist wie kaum
ein Traum sich vorzustellen schafft;
dank klugem Kopf, so hübsch und smart,
der unverwechselbaren Art,
wirkst Du auf mich gar: zauberhaft.

Kenn’ Dich nun nicht so gut ich’s wünscht’,
weil jeder Wunsch nicht gleich geschieht,
nur macht das schlicht, mag’s auch zu klagen
Grund mir sein, so kann ich sagen,
für das hier keinen Unterschied.

Denn all die Verse wolln bedeuten:
find’ Dich kostbar, sollst Du wissen;
ist mir Freude, Dich zu kennen,
und ich möcht’ Dich, will’s benennen,
nicht mehr missen, nicht mehr missen.

(Mischa Mandl // 24. Dezember 2009 // für A.)


Jul 15 2009

Arschloch

Ganz überraschend, heimlich, still
kam, wie der Teufel es wohl will,
ein Arschloch plötzlich so daher
- und seitdem freu’ ich mich nicht mehr.

Ich weiß nicht, was das Arschloch ritt,
doch kam es an und nahm sich mit
aus meinem Leben hier ein Stück
- und seitdem misse ich das Glück.

Warum ein Arschloch dann und wann
so etwas einfach machen kann,
ist mir ein Rätsel, geht zu weit
- und seitdem zähl’ ich hier Zeit.

Das Arschloch ist, ich weiß genug,
nicht gerade hübsch und auch nicht klug,
und dennoch ging sie mit ihm fort
- und seitdem hass’ ich diesen Ort.

Versprech’ dem Arschloch größten Schmerz,
bricht’s nur im Ansatz mal ihr Herz;
ich bin ein Mensch, stets friedlich, gut
- doch seitdem treibt mich diese Wut.

Die Freunde raten stetig an
“Verfolg doch den Gedankengang:
Er nahm sie weg, es ist vorbei,
statt einem Arschloch sind’s halt zwei”.

Ein Arschloch jedoch ist sie nicht,
sonst schrieb ich ihr nun dies’ Gedicht;
sie steht auf eins, wer weiß, warum
- und seitdem halt’ ich sie für dumm.

(Mischa Mandl // 2009)


Jul 14 2007

Narzisstisch

Du denkst nicht – glaubst, du hast immer Recht,
Hältst dich für den Star dieser Welt,
Du ignorierst stets, was dir nicht passt,
Und siehst nur, was dir gefällt.

Deine Welt ist ganz klein, sie dreht sich um dich,
Und alle soll’n für dich springen,
Was andere sagen, zählt für dich nicht,
Hörst nur deine Stimme erklingen.

Umgibst dich mit Leuten, die du nicht kennst,
Sie dienen stets deinem Kalkül,
Du nennst sie Freunde - das sind sie nicht,
Denn du hast für sie kein Gefühl.

Du nutzt sie oft aus, behandelst sie schlecht,
Sie sollen so werden wie du,
Doch sollten sie einmal Sorgen haben,
So schaust du ihnen bloß zu.

Wer etwas sagt, das dir nicht gefällt,
Den siehst du nicht mehr an,
Vor Diskussionen hast du Angst,
Weil jemand wie du das nicht kann.

Was immer du tust, du suchst nur Applaus,
Und wälzt dich in Euphorie,
Bei fremdem Erfolg, da zeigst du Neid,
Und hetzt gleich gegen sie.

Du machst dich zum Narren, die Augen auf dir,
Tut gut, dass andre dich sehen,
Das Rampenlicht ist alles für dich,
Du könntest im Dunkeln nicht stehen.

Wer du selbst bist, das weißt du nicht,
Vielleicht kommt ja einmal die Zeit,
Zu der du schmerzlich feststellen wirst:
Man kommt damit nicht weit.

(Mischa Mandl // 08.05.2003)