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	<title>Pala &#187; Leben</title>
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		<title>Problembewusstsein</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 09:14:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Messern kann man sich verletzen, daher soll man sie vermeiden; Türklinken sind tatsächlich mit Bakterien bedeckt. Wer weiß, ob man mitten im Symphoniekonzert nicht doch plötzlich auf die Toilette muß, oder ob man das Schloß beim Nachprüfen nicht irrtümlich aufgeschlossen hat? Der Vernünftige vermeidet daher scharfe Messer, öffnet Türen mit dem Ellbogen, geht nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Mit Messern kann man sich verletzen, daher soll man sie vermeiden; Türklinken sind tatsächlich mit Bakterien bedeckt. Wer weiß, ob man mitten im Symphoniekonzert nicht doch plötzlich auf die Toilette muß, oder ob man das Schloß beim Nachprüfen nicht irrtümlich aufgeschlossen hat? Der Vernünftige vermeidet daher scharfe Messer, öffnet Türen mit dem Ellbogen, geht nicht ins Konzert und überzeugt sich fünfmal, daß die Tür wirklich abgesperrt ist. Voraussetzung ist allerdings, daß man das Problem nicht langsam aus den Augen verliert. Die folgende Geschichte zeigt, wie man das vermeiden kann:</p>
<p>Eine alte Jungfer, die am Flußufer wohnt, beschwert sich bei der Polizei über die kleinen Jungen, die vor ihrem Haus nackt baden. Der Inspektor schickt einen seiner Leute hin, der den Bengeln aufträgt, nicht vor dem Haus, sondern weiter flußaufwärts zu schwimmen, wo keine Häuser mehr sind. Am nächsten Tage ruft die Dame erneut an: Die Jungen sind immer noch in Sichtweite. Der Polizist geht hin und schickt sie noch weiter flußaufwärts. Tags darauf kommt die Entrüstete erneut zum Inspektor und beschwert sich: »Von meinem Dachbodenfenster aus kann ich sie mit dem Fernglas immer noch sehen!«</p>
<p>Man kann sich nun fragen: Was macht die Dame, wenn die kleinen Jungen nun endgültig außer Sichtweite sind? Vielleicht begibt sie sich jetzt auf lange Spaziergänge flußaufwärts, vielleicht genügt ihr die Sicherheit, daß irgendwo nackt gebadet wird. Eines scheint sicher: Die Idee wird sie weiterhin beschäftigen. Und das Wichtigste an einer so fest gehegten Idee ist, daß sie ihre eigene Wirklichkeit erschaffen kann.<br />
<small>(Paul Watzlawick &#8211; Anleitung zum Unglücklichsein)</small></p></blockquote>


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		<title>Humorkritik</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 12:58:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was hätten die Komik, die Satire und das Kabarett doch für Möglichkeiten; Möglichkeiten, die Masken von den Gesichtern zu reißen! Doch nichts dergleichen geschieht! Die Masken bleiben Tarnung, die Machthaber und ihre kruden Ideen, Vorhaben und Reformen scheinen unantastbar. Wie Weiß Ferdl tappen sie zaghaft an politischen Bekenntnissen vorbei, betreiben Albernheiten statt Komik, Beleidigungen statt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><a href="http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/07/versohnend-komisch.html">Was hätten die Komik, die Satire und das Kabarett doch für Möglichkeiten; Möglichkeiten, die Masken von den Gesichtern zu reißen! Doch nichts dergleichen geschieht! Die Masken bleiben Tarnung, die Machthaber und ihre kruden Ideen, Vorhaben und Reformen scheinen unantastbar. Wie Weiß Ferdl tappen sie zaghaft an politischen Bekenntnissen vorbei, betreiben Albernheiten statt Komik, Beleidigungen statt entwaffnendes Narrenrecht, welches es erlauben würde, den Herrschenden jede Wahrheit an den Kopf zu werfen &#8211; und dabei sind sie auch noch wahre Publikumshelden. Bloß nicht mit denen anecken, die sich wehren können!, lautet deren Devise. Haut auf die Schwachen, verprügelt die Arbeitslosen, thematisiert Trivialitäten &#8211; und wenn es doch unbedingt politisch sein muß, dann witzelt über Frisuren und Brillengestelle, Sprachfehler und &#8211; sofern man ein Bad-Boy-Image zu pflegen hat &#8211; Behinderungen!</a></p></blockquote>
<p>Es spricht mir aus dem Herzen, was im verlinkten Artikel über das Metier der Satire und des Kabaretts geschrieben steht. »Comedians« nennen sich die meisten der dort als Beispiele Genannten selbst, was schon aussagt, worin sie ihre Aufgabe sehen: Sie möchten lustig sein, mehr nicht, und sie möchten damit Erfolg haben. Für diejenigen mit Biss, die tatsächlich kritischen Verstand zur Sprache bringen, scheitert es an niedrigen Einschaltquoten, an mangelnder Massenkompatibilität oder an mehr oder minder direkten Sanktionen durch diejenigen, denen sie auf die Füße treten, was letztlich seinerseits als Erfolg zu werten ist, wenn auch von anderer Qualität, weil er eben nicht auf Quantität abzielt. Auch die von mir verehrte <a href="http://www.titanic-magazin.de/">Titanic</a> weist, so zumindest mein subjektiver Eindruck, in neuerer Zeit einen Verlust an Biss auf, der vielleicht stellvertretend für den Großteil der Zunft stehen kann. Das ist schade.</p>
<p>Für Twitter als Mikrobühne mag ich, erneut aus rein subjektiver Sicht, ähnliche Schlüsse ziehen, was Erfolg und Massenkompatibilität angeht, scheinen dort doch ebenfalls diejenigen der sich als solche inszenierenden Amateur-Humoristen (was nicht als Wertung, sondern rein als Abgrenzung zu tatsächlicher hauptberuflicher Tätigkeit verstanden werden soll) am erfolgreichsten zu sein, die &#8220;<em>treffend und harmlos zugleich [sind], frei vom Geist der Negation, voll des aufbauenden und versöhnenden Humors</em>&#8220;, der bestenfalls lustig, aber eben völlig harmlos ist. Vielleicht hinkt das Übertragen der im verlinkten Artikel dargelegten Beschreibungen, doch erlaubt der erweiterte Blick auf beispielsweise Twitter eine Erfassung viel breiterer Bevölkerungsgruppen als der Fokus auf professionelle Kabarettisten oder Comedians. Der Unterschied zu den professionellen Humoristen ist dann jedoch, dass der harmlose Spott der Amateure, dieser versöhnende Humor, der nichts kritisiert und niemandem auf die Füße tritt, der sich wehren könnte, nicht einmal mit ökonomischen Gründen erklärt und dem auch nicht die Erfüllung des Berufs vorgeschoben werden kann. Der harmlose, unkritische, teils affirmative Humor als Spiegelbild eines gesellschaftlichen oder zumindest im beobachteten Milieu vorherrschenden Klimas?</p>


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		<title>Gefühlskiller</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 10:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[A Tale Of Two Lives]]></category>
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		<description><![CDATA[Giampaolo Macorig Ihr seid die lieblosesten Menschen, die ich kenne. Ihr guckt euch Sendungen an, in denen Menschen, die in ihrem Leben noch nie eine ernsthafte Partnerschaft erlebt haben, einmal von der Liebe sprechen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr, ihr macht euch über sie lustig, weil sie in euren Augen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildquelle" style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-893" title="The way out? (from Hell)" src="http://pala.mischamandl.de/wp-content/uploads/2010/05/197398590_a80070dbf6.jpg" alt="" width="500" height="374" />
<p><a class="cc" href="http://www.flickr.com/photos/gmacorig/197398590/"><span>Giampaolo Macorig</span></a></p>
</div>
<p>Ihr seid die lieblosesten Menschen, die ich kenne. Ihr guckt euch Sendungen an, in denen Menschen, die in ihrem Leben noch nie eine ernsthafte Partnerschaft erlebt haben, einmal von der Liebe sprechen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr, ihr macht euch über sie lustig, weil sie in euren Augen so unglaublich peinlich sind. Sie mögen peinlich sein, doch noch peinlicher seid schließlich ihr, die ihr euch hämisch über so etwas amüsiert, mag es gestellt sein oder nicht, auf sie herabblickt, ihre Vorstellung von Liebe und Gefühlen in den Dreck zieht, und das bisschen Glück, das diese Menschen für sich haben, erst auf den Boden werft und dann mit Füßen tretet. Ihr wendet euch ab, wenn sich zwei Menschen küssen, ihr verabscheut jegliches Verhalten, das Anderen zeigt, dass man ein Pärchen ist, ihr würdet sie am liebsten trennen, allesamt, ihrem Glück ein Ende bereiten, denn für euch ist das kein Glück, was ihr da seht, also kann es das für andere doch auch nicht sein. Ihr seid Gefühlsspießer – wenn ihr nicht könnt, sollen alle anderen auch nicht dürfen.<br />
Ihr wollt sie nicht, die Liebe, sagt ihr dann und wiederholt das wie ein Mantra. Wen wollt ihr damit überzeugen, die Welt oder am Ende bloß euch selbst? Anstatt sie als Geschenk anzunehmen, selbst wenn ihr euch vielleicht doch Anderes just wünscht, blockt ihr sie ab, zerredet sie und macht sie klein. Wer immer euch mal liebt, den stoßt ihr eiskalt weg. Das Übel, sagt ihr, wollt ihr an der Wurzel ausradieren. Hört ihr euch manchmal selbst beim Reden zu? Ihr verschanzt euch hinter Zynismus, der bequem ist, hinter Traumgebilden, die naiv sind, oder hinter dem, was ihr Vernunft nennt, was doch bloß Angst in anderem Kleide ist. Ihr findet so viele gute Gründe, euch nicht auf jemanden einzulassen, so viele schlaue Rationalisierungen, und nicht einen einzigen Grund dafür. Ihr begreift nicht, dass ihr umsonst sucht, denn es gibt gar keinen Grund dafür, weil das Dafür doch eines Grundes nicht bedarf: „Ich liebe dich, weil…“, das sagt kein Mensch, der wahrhaft liebt. Auf der anderen Seite verstecken sich Millionen Gründe dagegen, und ihr, ihr findet sie alle. Ihr wollt sie unbedingt finden. Dann wägt ihr ab: Kein Grund dafür, so viele dagegen, ihr zieht Bilanz und rechnet aus, als ob es um den Einkauf geht. Und ihr, die ihr so lieblos sprecht, ihr wagt es dann, euch über jene lauthals zu brüskieren, die sich schlicht glücklich in Gefühlen baden?<br />
Wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist, die euch umhaut, die von euch Besitz ergreift, dann wollt ihr sie nicht haben. Seid ehrlich zu euch selbst: Wie oft habt ihr das schon erlebt? Für euch ist Liebe wie die magische Bohne, aus der ganz plötzlich eine Ranke bis zum Himmel wächst. Dass es auch anders geht, dass Liebe auch als zartes Pflänzchen reifen kann, das reichlich Zeit zum Wachsen braucht, das kommt euch gar nicht in den Sinn, denn wenn dann doch mal etwas keimt, kommt ihr gleich mit der Sichel an. Ihr seid so abgebrüht. Ihr wollt Pärchen im Park vergiften und amüsiert euch übers Glück der Anderen. Wie kann man da Respekt vor euch haben? Ihr seid umgeben von Liebe, sie klopft sogar an eure Tür, und alles, was ihr dafür übrig habt, ist Hohn aus eurer Burg. Ihr informiert euch über bio-chemische Prozesse, ihr theoretisiert das Gefühl, doch Theorie wird euch nicht küssen, wird euch niemals nur umarmen oder euch je Wärme spenden. Ihr phantasiert so gern von riesigen Gefühlen, verfolgt Schimären, lest in Büchern über sie, von denen ihr in Wahrheit keine Ahnung habt, weil ihr doch nicht einmal die kleinen schätzt. Ihr lehnt sie ab, ihr macht sie schlecht, stets wollt ihr sie zerstören, ihr untergrabt und verschandelt sie, wo immer ihr sie seht, ihr gönnt den Anderen kein Glück. Wenn unerwartet Liebe zu euch kommt, so schlagt ihr sie wie einen zugelaufenen Hund, weil ihr doch lieber weiterhin in eurer Festung wohnt. Ist’s da ein Wunder, wenn die Liebe euch nichts gibt? Ist eure Abgebrühtheit, euer Hass, die ganze Missgunst und das kalte Herz, kurz all eure Verbitterung nicht vielmehr Ausdruck eurer eigenen Enttäuschung? Wie wollt ihr jemals glücklich sein, wenn ihr den Schmerz so konserviert?</p>


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		<title>Weniger ist mehr</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 09:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Here was a man who, if he wanted, could spend every waking moment in self-pity, feeling his body for decay, counting his breaths. So many people with far smaller problems are so self-absorbed, their eyes glaze over if you speak for more than thirty seconds. They already have something else in mind &#8211; a friend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Here was a man who, if he wanted, could spend every waking moment in self-pity, feeling his body for decay, counting his breaths. So many people with far smaller problems are so self-absorbed, their eyes glaze over if you speak for more than thirty seconds. They already have something else in mind &#8211; a friend to call, a fax to send, a lover they&#8217;re daydreaming about. They only snap back to full attention when you finish talking, at which point they say &#8220;Uh-huh&#8221; or &#8220;Yeah, really&#8221; and fake their way back to the moment. (&#8230;) We are great at small talk: &#8220;What do you do?&#8221; &#8220;Where do you live?&#8221; But <em>really</em> listening to someone &#8211; without trying to sell them something, pick them up, recruit them, or get some kind of status in return &#8211; how often do we get this anymore? I believe many visitors in the last few months of Morrie&#8217;s life were drawn not because of the attention they wanted to pay to him but because of the attention he paid<em> to them</em>. Despite his personal pain and decay, this little old man listened the way they always wanted someone to listen.<br />
<small>(Mitch Albom &#8211; Tuesdays with Morrie)</small></p></blockquote>
<p>Selten treffe ich mich oder unternehme etwas mit mehr als drei Menschen auf einmal. Vielleicht mag das unsozial erscheinen, doch für mich ist es genau das Gegenteil. Ich meide Massenveranstaltungen und bleibe Treffen fern, wenn am Ende mehr Menschen dabei sein werden, als ich für angenehm befinde. Das liegt vor allem daran, dass alles über vier Personen für mich schon eine Gruppe ist, und ich Gruppen nicht besonders leiden kann - besonders dann nicht, wenn darunter Menschen sind, die ich mag. Je mehr von ihnen ich mag oder je mehr ich einzelne darunter mag, desto weniger möchte ich sie zeitgleich mit anderen in eine Gruppe stecken. Es ist nicht unbedingt so, dass ich mich in einer Gruppe unwohl fühle, denn oft verspricht es großen Spaß mit einer solchen, doch ist es der Mangel an Nähe und Exklusivität, der mich Gruppen in der Regel eher meiden lässt. Es geht mir dabei nicht um Nähe und Exklusivität, die ich von anderen erwarten, einfordern oder gar verlangen würde, sondern um Nähe und Exklusivität, die ich selbst gerne denjenigen Menschen zukommen lassen möchte, die ich mag. Ich möchte meine Aufmerksamkeit gegenüber diesen Menschen nicht hin und her springen lassen müssen, will mein Interesse nicht spalten und meine Gedanken nicht hetzen, will mich auf ein Gegenüber konzentrieren und für diese Person voll und ganz da sein, einzig und allein, absolut und ungeteilt.<br />
Einst saß ich mit fünfzehn weiteren Personen zum Abendessen an einem langen Tisch und feierte den Geburtstag einer Freundin &#8211; nur eine Situation von vielen, die aber charakteristisch ist für das, was ich zum Ausdruck bringen möchte. Links von mir konnte ich Gespräche verfolgen, rechts von mir konnte ich Gespräche verfolgen, und ich selbst unterhielt mich mit meinen Nachbarn über dieses und über jenes. Es ist, wie es immer ist, wenn so viele Menschen aufeinandertreffen: Man steigt aus Gesprächen aus und in andere ein, man wechselt den Gesprächspartner, wenn es langweilig zu werden droht, man teilt die Aufmerksamkeit, man rast hin und her, zumindest in Gedanken, man verliert Fokus und Konzentration, man fragmentiert die Anteilnahme. Alle Unterhaltungen sind gleich, indem sie unpersönlich bleiben: Man begnügt sich mit Small Talk. Je mehr Menschen sich zusammenfinden, umso größer die Wahrscheinlichkeit ungleicher Freundschaftsbeziehungen. Wenn wie hier sechszehn Personen an einem Tisch sitzen, ist es recht unwahrscheinlich, dass alle diese Personen das gleiche Freundschafts- und Vertrauensverhältnis teilen oder allesamt untereinander beste Freunde sind. Vielleicht sind einige sich völlig fremd und gar nicht mal sympathisch! In derlei Konstellationen unterhält man sich notgedrungen nicht über allzu Persönliches, weil Ohren anwesend sind, die es vermutlich nichts angeht. Was man dem besten Freund oder der Freundin erzählt, das teilt man hier nicht allen mit. Der Ausweg ist das oberflächliche Gespräch oder das seichte Amüsement. Beides gibt mir nichts, mit beidem kann ich nichts anfangen.<br />
Das seichte Amüsement in der Gruppe, der oberflächliche Spaß, das unbeschwerte Lachen für Zwischendurch, wenn tiefe Gespräche nicht zur Debatte stehen und große Nähe nicht in Frage kommt, ist im Moment, in dem es stattfindet, für mich so schön wie für jeden anderen Beteiligten, doch nehme ich daraus nichts mit. Ich habe mit Leuten eine schöne Zeit, ja, mit Freunden gar, doch wenn ich dann nach Hause komme, bleibt in mir ein unbefriedigendes Gefühl zurück, der Wunsch nach mehr, nicht an Quantität, sondern an Qualität. Es kommt mir wie Verschwendung vor, wenn da jemand ist, mit dem ich gerne in die Tiefe abtauchen würde, aber es nicht kann, weil wir in einer Gruppe gefangen sind, die auf der Oberfläche des größten gemeinsamen Teilers treibt. Es erscheint mir wie Vergeudung von Freundschaft, bloß Spaß mit ihnen zu haben. Entscheidend ist das »bloß«. Nicht: Spaß mit ihnen zu haben, sondern: <a href="http://pala.mischamandl.de/2008/03/24/freundliche-beziehungen/">bloß Spaß mit ihnen zu haben</a>. Die Reduktion auf eine Dimension, wo doch so viele sind, sein sollten. Auf die Spitze getrieben: Für Spaß allein, da reichen schon Bekannte, ja sicherlich schon Unbekannte, denn es steckt Unverbindlichkeit und Austauschbarkeit darin. Die oberflächliche „gute Zeit“, der spaßige Abend, die kurzweilige Unterhaltung verhält sich wie die Prostituierte zur großen Liebe, da diese „gute Zeit“ so einfach zu haben ist, während die echte, die nicht in Anführungszeichen steht, für mich ganz andere Qualitäten hat, die Nähe, Offenheit und Exklusivität vereint.<br />
Auf der anderen Seite das oberflächliche Gespräch, das sich am Level des Freundschaftsverhältnisses orientiert, den die gesamte Gruppe gemein hat, und der ist meist recht klein, mündet letztlich eben in Small Talk. Was jemand macht, was er am Tag gegessen hat, welche Möbel er erwarb, wie viel Geld er verdient oder welches Auto er fährt, das alles interessiert mich nicht. Ich stelle diese Fragen nicht, weil mich die Antworten nicht kümmern. Gespräche dieser Art belästigen mich nicht, doch halte ich mich dann zurück und gebe den Beobachter, nehme alles in mich auf und ziehe meine Schlüsse, möchte aber nicht mitreden. Was mich wirklich interessiert, das ist die Person, wer jemand ist, und wie es demjenigen gerade geht. Überhaupt die Frage, wie es jemandem geht: Wer beantwortet sie schon ehrlich? Die meisten erzählen daraufhin, wie sie mit ihrer Arbeit zurechtkommen, was das Finanzamt von ihnen verlangt oder dass sie sich nun einen neuen Fernseher gekauft haben. Antworten auf Fragen, die nicht gestellt wurden, während die gestellten völlig unbeantwortet bleiben. Auf diese Fragen bekommt man selten eine wahre Antwort, noch seltener so unter Vielen, und wenn, zumindest ist das meine Erfahrung, dann nur unter vier Augen. Das ist die Art von Gespräch, die ich führen möchte, denn nichts ist so befriedigend, erkenntnisreich, offen, einfühlsam und verbindend wie diese. Stets ist die Enttäuschung daher für mich am größten, wenn jemand, mit dem ich verabredet bin, plötzlich ungefragt Dritte noch hinzu holt. Das war nicht abgemacht und hätte ich&#8217;s gewusst, ich hätte vermutlich abgesagt, nicht weil ich die Freunde meiner Freunde nicht mag, sondern weil es die Grundlagen des Treffens maßgeblich verändert, es gewinnt dadurch an Beliebigkeit und verliert an Tiefe, büßt Nähe ein zugunsten einer größeren Teilnehmerzahl und zerstört die Zweisamkeit, die vor allem, aber eben nicht allein nur fürs Romantische so wichtig ist.<br />
Wenn ich mich mit jemandem treffen möchte, dann tue ich das in der Regel, um den Menschen, die ich mag, im doppelten Wortsinn nah zu sein. Und das geht nicht, wenn man unter Vielen ist.</p>


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		<title>Das Ende der Liebe</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 08:47:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind &#8211; nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind &#8211; nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muß es sein. Wir können nicht mehr! Wir kündigen ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfaßbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei. „Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, „wofür ich dich gehalten habe“. Und wofür hat man sich denn gehalten? Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.<br />
<small>(Max Frisch &#8211; Tagebuch 1946-1949)</small></p></blockquote>


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		<title>Selbstannahme</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 11:10:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele erkennen sich selbst, nur wenige kommen dazu, sich auch selbst anzunehmen. Wieviel Selbsterkenntnis erschöpft sich darin, den andern mit einer noch etwas präziseren und genaueren Beschreibung unserer Schwächen zuvorzukommen, also in Koketterie! Aber auch die echte Selbsterkenntnis, die eher stumm bleibt und sich wesentlich nur im Verhalten ausdrückt, genügt noch nicht, sie ist ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Viele erkennen sich selbst, nur wenige kommen dazu, sich auch selbst anzunehmen. Wieviel Selbsterkenntnis erschöpft sich darin, den andern mit einer noch etwas präziseren und genaueren Beschreibung unserer Schwächen zuvorzukommen, also in Koketterie! Aber auch die echte Selbsterkenntnis, die eher stumm bleibt und sich wesentlich nur im Verhalten ausdrückt, genügt noch nicht, sie ist ein erster, zwar unerläßlicher und mühsamer, aber keineswegs hinreichender Schritt. Selbsterkenntnis als lebenslängliche Melancholie, als geistreicher Umgang mit unserer früheren Resignation ist sehr häufig, und Menschen dieser Art sind für uns zuweilen die nettesten Tischgenossen; aber was ist es für sie? Sie sind aus einer falschen Rolle ausgetreten, und das ist schon etwas, gewiß, aber es führt sie noch nicht ins Leben zurück&#8230; Daß die Selbstannahme mit dem Alter von selber komme, ist nicht wahr. Dem Älteren erscheinen die früheren Ziele zwar fragwürdiger, das Lächeln über unseren jugendlichen Ehrgeiz wird leichter, billiger, schmerzloser; doch ist damit noch keinerlei Selbstannahme geleistet. In gewisser Hinsicht wird es mit dem Alter sogar schwieriger. Immer mehr Leute, zu denen wir in Bewunderung emporschauen, sind jünger als wir, unsere Frist wird kürzer und kürzer, eine Resignation immer leichter in Anbetracht einer doch ehrenvollen Karriere, noch leichter für jene, die überhaupt keine Karriere machten und sich mit der Arglist der Umwelt trösten, sich abfinden können als verkannte Genies&#8230; Es braucht die höchste Lebenskraft, um sich selbst anzunehmen&#8230; In der Forderung, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst, ist es als Selbstverständlichkeit enthalten, daß einer sich selbst liebe, sich selbst annimmt, so wie er (&#8230;) ist. Allein auch mit der Selbstannahme ist es noch nicht getan! Solange ich die Umwelt überzeugen will, daß ich niemand anders als ich selbst bin, habe ich notwendigerweise Angst vor Mißdeutung, bleibe ihr Gefangener kraft dieser Angst&#8230;<br />
<small>(Max Frisch &#8211; Stiller)</small></p></blockquote>


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		<title>Have you ever been in love?</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 19:49:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Have you ever been in love? Horrible isn&#8217;t it? It makes you so vulnerable. It opens your chest and it opens up your heart and it means that someone can get inside you and mess you up. You build up all these defenses, you build up a whole suit of armor, so that nothing can [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Have you ever been in love? Horrible isn&#8217;t it? It makes you so vulnerable. It opens your chest and it opens up your heart and it means that someone can get inside you and mess you up. You build up all these defenses, you build up a whole suit of armor, so that nothing can hurt you, then one stupid person, no different from any other stupid person, wanders into your stupid life&#8230; You give them a piece of you. They didn&#8217;t ask for it. They did something dumb one day, like kiss you or smile at you, and then your life isn&#8217;t your own anymore. Love takes hostages. It gets inside you. It eats you out and leaves you crying in the darkness, so simple a phrase like &#8216;maybe we should be just friends&#8217; turns into a glass splinter working its way into your heart. It hurts. Not just in the imagination. Not just in the mind. It&#8217;s a soul-hurt, a real gets-inside-you-and-rips-you-apart pain. Nothing should be able to do that. Especially not love. I hate love.<br />
<small>(Neil Gaiman &#8211; The Sandman)</small></p></blockquote>


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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 16:30:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In a vacuum all photons travel at the same speed. They slow down when travelling through air or water or glass. Photons of different energies are slowed down at different rates. If Tolstoy had known this, would he have recognised the terrible untruth at the beginning of Anna Karenina? &#8216;All happy families are alike; every [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>In a vacuum all photons travel at the same speed. They slow down when travelling through air or water or glass. Photons of different energies are slowed down at different rates. If Tolstoy had known this, would he have recognised the terrible untruth at the beginning of Anna Karenina? &#8216;All happy families are alike; every unhappy family is unhappy in its own particular way.&#8217; In fact it&#8217;s the other way around. Happiness is a specific. Misery is a generalisation. People usually know exactly why they are happy. They very rarely know why they are miserable. (&#8230;) Misery is a vacuum. A space without air, a suffocated dead place, the abode of the miserable. Misery is a tenement block, rooms like battery cages, sit over your own droppings, lie on your own filth. Misery is a no U-turns, no stopping road. Travel down it pushed by those behind, tripped by those in front. Travel down it at furious speed though the days are mummified in lead. It happens so fast once you get started, there&#8217;s no anchor from the real world to slow you down, nothing to hold on to. Misery pulls away the brackets of life leaving you to free fall. Whatever your private hell, you&#8217;ll find millions like it in Misery. This is the town where everyone&#8217;s nightmares come true.<br />
<small>(Jeanette Winterson &#8211; Written on the Body)</small></p></blockquote>


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		<title>Orientierung</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 13:11:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es ist eine ebenso überraschende und merkwürdige wie wertvolle Erfahrung, sich im Walde zu irgendeiner Zeit zu verirren. Oft kommt man in einem Schneesturm selbst bei Tage auf eine wohlbekannte Straße und ist nicht imstande zu sagen, in welcher Richtung das Dorf liegt. Obgleich man tausendmal hier gegangen ist, kann man nichts Bekanntes daran erkennen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Es ist eine ebenso überraschende und merkwürdige wie wertvolle Erfahrung, sich im Walde zu irgendeiner Zeit zu verirren. Oft kommt man in einem Schneesturm selbst bei Tage auf eine wohlbekannte Straße und ist nicht imstande zu sagen, in welcher Richtung das Dorf liegt. Obgleich man tausendmal hier gegangen ist, kann man nichts Bekanntes daran erkennen, und die Straße ist einem so fremd, als ob sie in Sibirien wäre. Bei Nacht ist die Verwirrung natürlich unendlich größer. Auf unsern alltäglichen Gängen steuern wir beständig, wenn auch unbewußt, gleich Lotsen mit Hilfe von wohlbekannten Leuchtfeuern und Vorgebirgen. Gehen wir über unsern gewöhnlichen Kurs hinaus, so haben wir immer noch die Lage irgendeines benachbarten Kaps im Sinn. Erst bis wir uns ganz verirrt oder umgedreht haben &#8211; denn der Mensch braucht nur einmal in dieser Welt mit geschlossenen Augen herumgedreht zu werden, um verirrt zu sein -, lernen wir die Weite und Fremdartigkeit der Natur schätzen. Jedesmal wenn der Mensch aus dem Schlaf oder aus der Versunkenheit erwacht, muß er die Himmelsrichtungen von neuem kennenlernen. Nicht eher, als bis wir verloren sind &#8211; mit andern Worten: bis wir die Welt verloren haben -, fangen wir an, uns selbst zu finden und gewahr zu werden, wo wir sind und wie endlos ausgedehnt unsere Verbindungen sind.<br />
<small>(Henry David Thoreau &#8211; Walden)</small></p></blockquote>


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		<title>Deutungshoheit</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 17:50:08 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der andere Trick besteht darin, dem Partner ebenso heftige wie nebelhafte Vorwürfe zu machen. Wenn er dann wissen will, was Sie eigentlich meinen, können Sie die Falle mit dem zusätzlichen Hinweis hermetisch schließen: »Wenn du nicht der Mensch wärest, der du bist, müßtest du mich nicht erst noch fragen. Der Umstand, daß du nicht einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Der andere Trick besteht darin, dem Partner ebenso heftige wie nebelhafte Vorwürfe zu machen. Wenn er dann wissen will, was Sie eigentlich meinen, können Sie die Falle mit dem zusätzlichen Hinweis hermetisch schließen: »Wenn du nicht der Mensch wärest, der du bist, müßtest du mich nicht erst noch fragen. Der Umstand, daß du nicht einmal weißt, wovon ich spreche, zeigt klar, welch&#8217; Geistes Kind du bist.« Und a propos Geist: Im Umgang mit sogenannten Geisteskranken wird diese Methode seit längster Zeit mit großem Erfolg angewendet. In den seltenen Fällen nämlich, in denen der Betreffende es wagt, klipp und klar darüber Auskunft zu verlangen, worin in der Sicht der anderen seine Verrücktheit denn bestehe, läßt sich diese Frage als weiterer Beweis für seine Geistesgestörtheit hinstellen: »Wenn du nicht verrückt wärest, wüßtest du, was wir meinen.« Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich &#8211; denn hinter einer Antwort dieser Art steht Genialität: Der Versuch, Klarheit zu schaffen, wird flugs ins Gegenteil umgedeutet. Der andere gilt also für verrückt, solange er die Beziehungsdefinition »Wir sind normal, du bist verrückt« stillschweigend hinnimmt, und für verrückt, wenn er sie in Frage stellt. Nach diesem erfolglosen Exkurs in die menschliche Umwelt kann er entweder sich in hilfloser Wut die Haare ausraufen, oder in Schweigen zurückfallen. Aber auch damit beweist er nur zusätzlich, wie verrückt er ist, und wie recht die anderen schon immer hatten. (&#8230;) In den Etablissements, die sich für die Behandlung solcher Zustände für kompetent halten, läßt sich diese Taktik mit Erfolg anwenden. Man stellt es dem sogenannten Patienten zum Beispiel frei, nach eigenem Ermessen zu entscheiden, ob er an den Gruppensitzungen teilnehmen will oder nicht. Lehnt er dankend ab, so wird er hilfreich-ernsthaft aufgefordert, seine Gründe anzugeben. Was er dann sagt, ist ziemlich gleichgültig, denn es ist auf jeden Fall eine Manifestation seines Widerstandes und daher krankhaft. Die einzige ihm offenstehende Alternative ist also die Teilnahme an der Gruppentherapie, doch darf er nicht anmerken lassen, daß ihm ja nichts anderes übrigbleibt, denn seine eigene Lage so zu sehen, bedeutete immer noch Widerstand und Einsichtslosigkeit. Er muß also »spontan« teilnehmen wollen, gibt aber gleichzeitig mit seiner Teilnahme zu, daß er krank ist und Therapie braucht. In großen Gesellschaftssystemen mit Irrenhauscharakter ist diese Methode unter dem respektlos-reaktionären Namen <em>Gehirnwäsche</em> bekannt.<br />
<small>(Paul Watzlawick &#8211; Anleitung zum Unglücklichsein)</small></p></blockquote>


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		<title>The only perspective</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 13:43:16 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>I think that if I ever have kids, and they are upset, I won&#8217;t tell them that people are starving in China or anything like that because it wouldn&#8217;t change the fact that they were upset. And even if somebody else has it much worse, that doesn&#8217;t really change the fact that you have what you have. Good and bad. Just like what my sister said when I had been in the hospital for a while. She said that she was really worried about going to college, and considering what I was going through, she felt really dumb about it. But I don&#8217;t know why she would feel dumb. I&#8217;d be worried, too. And really, I don&#8217;t think I have it any better or worse than she does. I don&#8217;t know. It&#8217;s just different. Maybe it&#8217;s good to put things in perspective, but sometimes, I think that the only perspective is to really be there. Because it&#8217;s okay to feel things. And be who you are about them.<br />
<small>(Stephen Chbosky &#8211; The Perks of Being a Wallflower)</small></p></blockquote>


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		<title>Make an island</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 10:58:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Everything a lie. Everything you hear, everything you see. So much to spew out. They just keep coming, one after another. You&#8217;re in a box. A moving box. They want you dead, or in their lie&#8230; Only one thing a man can do &#8211; find something that&#8217;s his, make an island for himself. If I [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Everything a lie. Everything you hear, everything you see. So much to spew out. They just keep coming, one after another. You&#8217;re in a box. A moving box. They want you dead, or in their lie&#8230; Only one thing a man can do &#8211; find something that&#8217;s his, make an island for himself. If I never meet you in this life, let me feel the lack; a glance from your eyes, and my life will be yours.<br />
<small>(The Thin Red Line)</small></p></blockquote>


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		<title>Dunkle Empathie</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 19:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Egozentrik]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstdarstellung]]></category>

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		<description><![CDATA[»Aoki war ein sehr guter Schüler, er hatte fast immer die beste Note. Ich ging auf eine private Jungenschule, und Aoki war ziemlich beliebt. Die Klasse schätzte ihn, und er war der Liebling der Lehrer. Aber ich konnte seine pragmatische Einstellung und seine intuitiv berechnende Art von Anfang an nicht ausstehen. Wenn man mich fragte, was mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»Aoki war ein sehr guter Schüler, er hatte fast immer die beste Note. Ich ging auf eine private Jungenschule, und Aoki war ziemlich beliebt. Die Klasse schätzte ihn, und er war der Liebling der Lehrer. Aber ich konnte seine pragmatische Einstellung und seine intuitiv berechnende Art von Anfang an nicht ausstehen. Wenn man mich fragte, was mich genau an ihm störte, müßte ich passen. Ich wüßte kein Beispiel. Ich weiß nur, daß ich ihn durchschaute. Ich konnte diese Egozentrik und Überheblichkeit, die er ausstrahlte, instinktiv nicht ertragen. Wie bei jemandem, dessen Körpergeruch man physisch nicht erträgt. Aber Aoki war klug und verstand es, diesen Geruch geschickt zu verbergen. Die meisten meiner Klasse hielten ihn für gerecht, bescheiden und freundlich. Das zu hören empörte mich &#8211; doch ich sagte natürlich nichts.«<br />
(&#8230;)<br />
»Es sind nicht Menschen wie Aoki, vor denen ich Angst habe. Solche Menschen gibt es überall. Was das angeht, habe ich resigniert. Wenn ich ihnen begegne, versuche ich möglichst nichts mit ihnen zu tun zu haben. Ich gehe ihnen aus dem Weg. Das ist nicht besonders schwer. Ich erkenne sie sofort. Zugleich bewundere ich Leute wie Aoki aber auch. Nicht jeder besitzt die Fähigkeit, so lange stillzuhalten, bis die Gelegenheit sich ergibt, und sie dann sicher zu ergreifen; die Fähigkeit, sich geschickt der Gefühle anderer zu bemächtigen und sie gegen jemanden aufzuhetzen. Ich hasse diese Charakterzüge zwar so sehr, daß ich kotzen könnte, dennoch sind es Fähigkeiten. Das muß ich anerkennen.<br />
Wovor ich aber wirklich Angst habe, sind Leute, die Typen wie Aoki alles blind glauben. Diese Leute, die selbst nichts zuwege bringen, nichts verstehen, die sich von den bequemen und leicht übernehmbaren Meinungen anderer leiten lassen und nur in Gruppen auftreten. Diese Leute, die nie auf die Idee kämen, daß sie vielleicht irgend etwas falsch machen könnten. Denen niemals auffällt, daß sie einen anderen sinnlos und brutal verletzen könnten. Sie übernehmen keine Verantwortung für das, was sie tun. Vor solchen Leuten habe ich wirklich Angst. Und wenn ich nachts träume, dann von ihnen. In Träumen ist nur das Schweigen. Die Leute in meinen Träumen haben keine Gesichter. Wie eisiges Wasser dringt das Schweigen überall ein.«<br />
<small>(Haruki Murakami &#8211; Das Schweigen)</small></p></blockquote>
<p>Haruki Murakamis &#8220;<em>Das Schweigen</em>&#8221; hat mich fasziniert, weil ich Menschen wie Aoki kenne, immer wieder treffe, im Offline-Leben wie auch im Internet, wo es teilweise noch viel einfacher ist, diese Fähigkeiten erfolgreich zum Einsatz zu bringen. Es hat mich gefesselt, weil es mir manchmal nicht viel anders als dem Erzähler geht, wenn ich Menschen treffe, bei denen ich recht schnell durchschaue, dass all ihre Bescheidenheit, Gerechtigkeit und Freundlichkeit bloß aufgesetzt sind, dass sich dahinter berechnende Egozentriker verstecken, Bestätigungssüchtige, die zur Stillung ihrer Sucht auch Schaden anderer Menschen in Kauf nehmen, manchmal sogar gezielt herbeiführen. Die es schaffen, so gut den netten, freundlichen, gerechten, herzlichen Menschen zu spielen, dass ihre Umwelt ihnen diese Maske größtenteils unhinterfragt abkauft und diesen Menschen bereitwillig alles glaubt, von der trügerischen Selbstinszenierung bis hin zu gezielten Lügen, um andere zu diskreditieren.</p>
<p>Auch ich muss zugeben, von dieser Fähigkeit auf eine sehr abstoßende Art beeindruckt zu sein. Menschen, die für ihren Lebensunterhalt lügen und betrügen, stützen sich auf diese Fähigkeit. Werbung und Marketing nutzen sie ebenfalls, genau wie Demagogen und Heiratsschwindler. Eine Fähigkeit, die ich in Anlehnung an die Vorstellung von &#8220;dunkler Magie&#8221; als &#8220;dunkle Empathie&#8221; bezeichnen möchte. Über Empathie als solche verfügen diese Menschen ohne Zweifel, denn sonst wären sie nicht so gut in dem, was sie tun, in ihrer täuschenden Selbstdarstellung und dem Knüpfen emotionaler Bindungen mit anderen Menschen. Aber es ist Empathie, die einzig dazu dient, die Gefühle anderer zum eigenen Nutzen zu manipulieren.</p>
<p>Genau wie dem Erzähler machen mir diese Menschen alleine keine Angst. Ich kann ihnen aus dem Weg gehen oder kann versuchen, ihre Maskierung in Frage zu stellen und ihr Bühnenbild zum Wackeln zu bringen. Aber auch ich habe Angst vor denen, die darauf hereinfallen, die sich emotional verzaubern und (ver)führen lassen, die solchen Menschen bereitwillig alles glauben, ihre Meinungen übernehmen und sich mitunter sogar instrumentalisieren lassen, wie es die sehr lesenswerte Erzählung beschreibt, ohne irgendetwas zu hinterfragen, und damit großen Schaden anrichten.</p>


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		<title>Man wird sehen&#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 11:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Geduld]]></category>
		<category><![CDATA[Weisheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war einmal ein Junge, der bekam zu seinem vierzehnten Geburtstag ein Pferd und alle im Dorf sagen: „Oh! Wie wunderbar! Der Junge hat ein Pferd!“, und der Zen-Meister sagt: „Man wird sehen.“ Zwei Jahre später fällt der Junge vom Pferd, bricht sich das Bein und alle im Dorf schreien: „Wie grauenvoll!“ Der Zen-Meister sagt: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Es war einmal ein Junge, der bekam zu seinem vierzehnten Geburtstag ein Pferd und alle im Dorf sagen: „Oh! Wie wunderbar! Der Junge hat ein Pferd!“, und der Zen-Meister sagt: „Man wird sehen.“ Zwei Jahre später fällt der Junge vom Pferd, bricht sich das Bein und alle im Dorf schreien: „Wie grauenvoll!“ Der Zen-Meister sagt: „Man wird sehen.“ Dann bricht Krieg aus und alle jungen Männer müssen in den Kampf, bis auf ihn, wegen seines kaputten Beins, und alle im Dorf sagen: „Wie wunderbar!“ Und der Zen-Meister sagt: „Man wird sehen.“<br />
<small>(Der Krieg des Charlie Wilson)</small></p></blockquote>


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		<title>Zwischenmenschliche Effizienz</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 10:25:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Effizienz]]></category>
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		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[In all den Diskussionen um die Vor- und Nachteile sowie die angeblichen Gefahren sozialer Internet-Dienste vermisse ich bisher einen Aspekt, den ich für sehr zentral und für mit weitreichenden Folgen verbunden halte: Effizienz. Versteht man beispielsweise formspring.me, bei dem User anonym oder auch unter ihrem Alias Fragen an andere User stellen und diese öffentlich beantworten können, als konsequente Weiterentwicklung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In all den Diskussionen um die Vor- und Nachteile sowie die angeblichen Gefahren sozialer Internet-Dienste vermisse ich bisher einen Aspekt, den ich für sehr zentral und für mit weitreichenden Folgen verbunden halte: Effizienz.</p>
<p>Versteht man beispielsweise <a title="Formspring.me" href="http://formspring.me">formspring.me</a>, bei dem User anonym oder auch unter ihrem Alias Fragen an andere User stellen und diese öffentlich beantworten können, als konsequente Weiterentwicklung der Web-2.0-Dienste, für die hier stellvertretend auch noch <a title="Twitter" href="http://twitter.com">Twitter</a> und <a title="Facebook" href="http://www.facebook.com">Facebook</a> genannt sein sollen, bedeutet dies, die 1:1-Relationen in der Kommunikation zwischen Freunden oder „Freunden“ werden mittels dieser Dienste wesentlich leichter, wesentlich öfter zu 1:n-Relationen. Für formspring.me bedeutet dies konkret: Hat einer der User eine Frage an einen UserX gestellt, brauchen die anderen User dieselbe Frage diesem UserX nicht noch einmal zu stellen. Im Gegenteil: Oft ist zu beobachten, dass es die Antwortenden in der Regel nervt, wenn ein Fragender eine bereits beantwortete Frage noch einmal stellt.</p>
<p>Wenn nun beispielsweise ein User in seiner formspring-Karriere ungefähr 5000 Fragen beantwortet hat, brauchen alle anderen, die das gelesen haben, diese 5000 Fragen und zig Millionen andere Fragen, die zu ähnlichen Antworten geführt hätten, nicht mehr stellen und werden möglicherweise vom Antwortenden sogar darauf hingewiesen, er wolle diese Frage nicht noch einmal beantworten, denn das habe er ja bereits. Schon bei Blogs oder Facebook ist bisweilen Ähnliches zu beobachten, sodass es dann mitunter zu Dialogen kommt, die wie folgt verlaufen: „Hab ich dir schon Dings erzählt?“ „Nee, aber ich hab&#8217;s in deinem Blog/auf Facebook gelesen.“ „Ach so.“</p>
<p>Das bedeutet, die Kommunikation verschiebt sich aufgrund der neuen Einfachheit, die diese sozialen Dienste bieten, vom Schwerpunkt ein wenig weg von direkter 1:1-Kommunikation (diese verschwindet aber natürlich nicht) hin zu breiteren 1:n-Kommunikationskanälen, sprich man kann via Facebook, Twitter aber eben auch formspring viele Menschen gleichzeitig über seine Aktivitäten, Gedanken, Meinungen, und so weiter informieren. Eine Kommilitonin fand StudiVZ gerade deswegen so praktisch, weil sie dann nicht mehr all ihren Freunden separat (1:1) von Neuerungen in ihrem Leben erzählen müsse, sondern das einfach nur noch ins StudiVZ zu schreiben habe (1:n). Das ist zwar nun in diesem Beispiel ein Extremfall, wenn auch wahr, dennoch würde ich die allgemeine Tendenz all dieser Dienste damit beschreiben, dass sie objektiv ein Mittel zur Effizienzsteigerung der Kontaktverwaltung darstellen und Redundanz abbauen. Wenn man fünf Freunden oder „Freunden“ nicht mehr separat erzählen muss, was man gestern gemacht hat, sondern das lediglich <em>ein einziges Mal</em> auf einem Blog schreiben oder auf Facebook veröffentlichen muss, wo es alle fünf dann jederzeit nachlesen können, dann habe ich den Umgang mit meinen Freunden optimiert und dessen Effizienz gesteigert (all diese Begriffe bitte als möglichst neutrale Analyseterminologie betrachten). Gleichzeitig erleichtert das den Aufbau eines wesentlich größeren „Freundes“-Kreises und erhöht das eigene »soziale Kapital« (Bourdieu), auf das man zugreifen kann. Zudem erstellt man gewissermaßen sein eigenes Dossier, das man Interessenten an der eigenen Person nur noch in die Hand zu drücken braucht &#8211; auch das Kennenlernen oder vielmehr das, was man dann für Kennenlernen hält, wird dadurch optimiert, beschleunigt, vereinfacht und letztlich effizienter. Das Soziale wird zunächst auf Daten reduziert.</p>
<p>Der Begriff „objektiv“ ist hier ganz wichtig. Meine beschreibenden Worte möchten nicht ausdrücken, dass dieser Effekt die subjektive Intention der Nutzer ist, aber er ist dennoch das objektive Resultat, so wie auch niemand mit der subjektiven Intention einkaufen geht, das Wirtschaftssystem erhalten oder den Staat mittels Steuern unterstützen zu wollen, während all diese Dinge jedoch gleichzeitig objektives Ergebnis des Einkaufens sind, ganz egal was die subjektive Intention sein mag.</p>
<p>Viele gesellschaftliche oder individuelle Entwicklungen haben (teilweise verheerende) Nebenfolgen, die uns in den seltensten Fällen bewusst klar sind und die wir keineswegs als Intention dieses Handelns anführen würden. Niemand beginnt mit dem Rauchen, weil es so schön gesundheitsgefährdend ist, und auch wenn das nicht subjektive Intention des Rauchens ist, so ist es doch objektiver Effekt. Das gleiche trifft auf Umweltzerstörung zu: Niemand (oder zumindest fast niemand) zerstört die Umwelt, weil das seine Intention ist, sondern weil es häufig der mehr oder weniger unbewusste Nebeneffekt als völlig selbstverständlich erachteter Handlungsweisen ist, der nur dann überhaupt als Problem begriffen und beseitigt werden kann, wenn man sich diesen Nebeneffekt tatsächlich bewusst macht.</p>
<p>Bei all den Vorteilen, die solche Social-Media-Dienste bieten, ist dies, dieser gesellschaftlich sanktionierte bis bedingte, unter anderem durch prekäre Arbeitsverhältnisse und der Forderung nach zunehmender Mobilität und Flexibilität befeuerte und in Form dieser Dienste recht transparent auftretende Effizienzgesichtspunkt in zwischenmenschlichen Beziehungen, einer dieser unbewussten Nebeneffekte, über den etwas mehr Reflexion vielleicht angebracht wäre, um den Umgang mit diesen Diensten entsprechend bewusster zu gestalten. Letztlich stellt sich nämlich zumindest mir die Frage, in welchem Maße eine solche Effizienzsteigerung des Zwischenmenschlichen überhaupt wünschenswert erscheint.</p>


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