Arbeitgeberfilter
Viel liest man über die negativen Auswirkungen, die es haben kann, füttert man soziale Netzwerke, die eigene Homepage oder Blogs mit persönlichen Informationen. Wenn vieles davon auch zutreffend ist und die optimierte Selbstinszenierung oder Öffentlichmachung intimster Details bisweilen ins Pathologische abdriftet, so ist ein immer wieder erwähnter Punkt doch unter Umständen auch nützlich: Arbeitgeberschnüffelei.
Das Profil in sozialen Netzwerken, die eigene Homepage, Aussagen in Blogs werden mit der Schere im Kopf verfasst oder zensiert, um der Angst zu begegnen, der tatsächliche oder potentielle Arbeitgeber könnte Details über Privatleben, politische oder sexuelle Orientierung, Vorlieben und Abneigungen oder persönliche Meinungen erfahren und als – natürlich inoffizielle - Grundlage für negative Konsequenzen heranziehen, sei es das Ablehnen einer Bewerbung und Nichteinstellung, das Übergehen bei einer Beförderung oder in Extremfällen die Kündigung. Warum?
Genauso, wie diese dreiste Schnüffelei wenig Vertrauen verdienender Unternehmen, denen das Privatleben ihrer Mitarbeiter, solange es die Arbeit selbst nicht beeinträchtigt, nicht Grund für negative Sanktionen sein darf, soll und muss, in die eine Richtung funktioniert, wirkt sie auch in die andere, nämlich als vorzüglicher Arbeitgeberfilter. Möchte man für eine Firma arbeiten, die herumschnüffelt und einen Menschen nicht einstellt, weil er persönliche, vielleicht peinliche Partyfotos in ein soziales Netzwerk geladen hat? Möchte man für eine Firma arbeiten, die eine politische Meinung jenseits der eigens propagierten als Knock-Out-Kriterium betrachtet? Wird man nicht eingestellt, weil man sich in dieser oder jener Organisation engagiert, ist es dann, abseits vom Ökonomischen, Grund zur Trauer oder eher zur Freude, dass man den Job bei einem solchen Unternehmen nicht bekommen hat? Was für ein Zustand ist das, wenn man vorsichtig sein muss, welche politischen oder persönlichen Aussagen man trifft?
“Selbst schuld” hört man süffisant von denjenigen, die sich entsprechend zensieren und demütig verstecken. “Selbst schuld” kann man ihnen eigentlich nur antworten.
