<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Pala &#187; Gedanken</title>
	<atom:link href="http://pala.mischamandl.de/tag/gedanken/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://pala.mischamandl.de</link>
	<description>»Only one thing a man can do: find something that&#039;s his, make an island for himself«</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Feb 2012 23:30:29 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Weniger ist mehr</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/weniger-ist-mehr/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/weniger-ist-mehr/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 09:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Nähe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=866</guid>
		<description><![CDATA[Selten unternehme ich etwas mit mehr als drei Menschen auf einmal. Vielleicht mag das unsozial erscheinen, doch für mich ist es genau das Gegenteil. Ich meide Massenveranstaltungen und bleibe Treffen fern, wenn absehbar ist, dass am Ende mehr Menschen anwesend sein werden als ich für angenehm befinde. Das liegt vor allem daran, dass jedes Treffen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selten unternehme ich etwas mit mehr als drei Menschen auf einmal. Vielleicht mag das unsozial erscheinen, doch für mich ist es genau das Gegenteil. Ich meide Massenveranstaltungen und bleibe Treffen fern, wenn absehbar ist, dass am Ende mehr Menschen anwesend sein werden als ich für angenehm befinde. Das liegt vor allem daran, dass jedes Treffen von mehr als vier Personen für mich schon eine Gruppe darstellt und ich Gruppen nicht besonders leiden kann &#8211; besonders dann nicht, wenn darunter Menschen sind, die ich mag.</p>
<p>Je mehr von ihnen ich mag oder je mehr ich einzelne darunter mag, desto weniger möchte ich sie zeitgleich mit anderen in eine Gruppe stecken. Es ist nicht unbedingt so, dass ich mich in einer Gruppe unwohl fühle, denn oft verspricht eine Gruppe und ihre spezielle Dynamik großen Spaß, doch ist es der Mangel an Nähe und Exklusivität, der mich Gruppen in der Regel eher meiden lässt. Es geht mir hierbei nicht um Nähe und Exklusivität, die ich von anderen erwarten, einfordern oder gar verlangen würde, sondern um Nähe und Exklusivität, die ich selbst gerne denjenigen Menschen zukommen lassen möchte, die ich mag. Ich möchte meine Aufmerksamkeit gegenüber diesen Menschen nicht hin und her springen lassen müssen, will mein Interesse nicht spalten und meine Gedanken nicht hetzen, sondern will mich auf ein Gegenüber konzentrieren und für diese eine Person in diesem Augenblick voll und ganz da sein, einzig und allein, absolut und ungeteilt.</p>
<p>Einmal saß ich mit fünfzehn weiteren Personen zum Abendessen an einem langen Tisch und feierte den Geburtstag einer Freundin &#8211; nur eine von vielen Situationen, die aber exemplarisch ist für das, was ich zum Ausdruck bringen möchte. Links von mir konnte ich Gespräche verfolgen, rechts von mir konnte ich Gespräche verfolgen, und ich selbst unterhielt mich mit meinen Nachbarn über dieses und über jenes.</p>
<p>Es war, wie es immer ist, wenn eine größere Anzahl von Menschen aufeinandertrifft: Man steigt aus Gesprächen aus und in andere ein, man wechselt den Gesprächspartner, wenn es langweilig zu werden droht, man teilt die Aufmerksamkeit. Man rast hin und her, zumindest in Gedanken, man verliert Fokus und Konzentration, man fragmentiert die Anteilnahme. Alle Unterhaltungen sind gleich, indem sie unpersönlich bleiben: Man begnügt sich mit Smalltalk.</p>
<p>Je mehr Menschen sich zusammenfinden, umso größer die Wahrscheinlichkeit ungleicher Freundschaftsbeziehungen. Wenn wie in diesem Beispiel sechszehn Personen an einem Tisch sitzen, ist es recht unwahrscheinlich, dass alle diese Personen das gleiche Freundschafts- und Vertrauensverhältnis teilen oder allesamt untereinander beste Freunde sind. Vielleicht sind einige sich völlig fremd und noch nicht einmal sympathisch. In derlei Konstellationen unterhält man sich notgedrungen nicht über allzu Persönliches, weil Ohren anwesend sind, die es vermutlich nichts angeht. Was man dem besten Freund oder der Freundin erzählt, das teilt man hier nicht allen mit. Der Ausweg ist das oberflächliche Gespräch oder das seichte Amüsement. Beides gibt mir nichts, mit beidem kann ich nichts anfangen, beides ist für mich sozial ungenügend.</p>
<p>Das seichte Amüsement in der Gruppe, der oberflächliche Spaß, das unbeschwerte Lachen für Zwischendurch, wenn tiefe Gespräche nicht zur Debatte stehen und große Nähe nicht in Frage kommt, ist in jenen Momenten, in denen es stattfindet, für mich so schön wie für jeden anderen Beteiligten auch, doch nehme ich daraus nichts mit. Ich habe mit Leuten eine schöne Zeit, ja, mit Freunden gar, doch wenn ich dann nach Hause komme, bleibt in mir ein unbefriedigendes Gefühl zurück, der Wunsch nach mehr &#8211; nicht an Quantität, sondern an Qualität.</p>
<p>Es kommt mir wie Verschwendung vor, wenn da jemand ist, mit dem ich gerne in die Tiefe abtauchen würde, aber es nicht kann, weil wir in einer Gruppe gefangen sind, die auf der Oberfläche des größten gemeinsamen Teilers treibt. Es erscheint mir wie Vergeudung von Freundschaft, bloß Spaß mit ihnen zu haben. Entscheidend ist das »bloß«. Nicht: Spaß mit ihnen zu haben, sondern: <em>bloß</em> Spaß mit ihnen zu haben. Die Reduktion auf eine Dimension, wo doch so viele sind, wo doch so viele sein sollten. Auf die Spitze getrieben: Für Spaß allein, da reichen schon Bekannte, ja sicherlich schon Unbekannte, denn es steckt Unverbindlichkeit und Austauschbarkeit darin. Die oberflächliche „gute Zeit“, der spaßige Abend, die kurzweilige Unterhaltung verhält sich zur wirklichen guten Zeit wie die Prostituierte zur großen Liebe, da diese „gute Zeit“ so einfach, so beliebig, so aufwandslos zu haben ist, während die echte gute Zeit, die nicht in Anführungszeichen steht, für mich ganz andere Qualitäten hat, die Nähe, Offenheit und Exklusivität vereint.</p>
<p>Auf der anderen Seite bleibt als Möglichkeit nur das oberflächliche Gespräch, das sich am Level des Freundschaftsverhältnisses orientiert, den die gesamte Gruppe gemein hat und der folglich meist recht klein ist. Es mündet letztlich in Smalltalk. Was jemand macht, was er am Tag gegessen hat, welche Möbel er erwarb, wie viel Geld er verdient oder welches Auto er fährt, das alles interessiert mich nicht. Ich stelle diese Fragen nicht, weil mich die Antworten nicht kümmern. Gespräche dieser Art belästigen mich nicht, doch halte ich mich dann zurück und gebe den Beobachter, nehme alles in mich auf und ziehe meine Schlüsse, möchte aber nicht mitreden.</p>
<p>Was mich wirklich interessiert, das ist die Person, wer jemand ist, und wie es demjenigen gerade geht. Überhaupt: Die Frage, wie es jemandem geht &#8211; wer beantwortet sie denn schon ehrlich? Die meisten erzählen daraufhin, wie sie mit ihrer Arbeit zurechtkommen, was das Finanzamt von ihnen verlangt oder dass sie sich schon wieder einen neuen Fernseher gekauft haben. Antworten auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden, während die gestellten völlig unbeantwortet bleiben. Auf diese Fragen bekommt man selten eine wahre Antwort, noch seltener so unter Vielen, und wenn, dann nur unter vier Augen.</p>
<p>Das ist die Art von Gespräch, die ich führen möchte, denn nichts ist so befriedigend, erkenntnisreich, offen, einfühlsam und verbindend wie diese. Jedes Mal ist es für mich daher sehr enttäuschend, wenn jemand, mit dem ich mich verabredet habe, plötzlich ungefragt noch irgendwelche Dritte hinzuholt. Nicht bloß ist es unhöflich, es war auch nicht abgemacht und hätte ich es im Voraus gewusst, ich hätte vermutlich abgesagt, nicht weil ich die Freunde meiner Freunde nicht mag, sondern weil es die Grundlagen des Treffens maßgeblich verändert, denn es gewinnt dadurch an Beliebigkeit und verliert an potentieller Tiefe, büßt Nähe ein zugunsten einer größeren Teilnehmerzahl und zerstört die Zweisamkeit, die vor allem, aber eben nicht allein nur fürs Romantische so wichtig ist.</p>
<p>Wenn ich mich mit jemandem treffen möchte, dann tue ich das in der Regel, um den Menschen, die ich mag, im doppelten Wortsinn nah zu sein. Das geht nicht, wenn man unter Vielen ist.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/' rel='bookmark' title='Überzeugungsarbeit'>Überzeugungsarbeit</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/freundliche-beziehungen/' rel='bookmark' title='Freundliche Beziehungen'>Freundliche Beziehungen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/der-menschliche-makel/' rel='bookmark' title='Der menschliche Makel'>Der menschliche Makel</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/weniger-ist-mehr/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Dunkle Empathie</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/dunkle-empathie/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/dunkle-empathie/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 19:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Egozentrik]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Haruki Murakami]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstdarstellung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=278</guid>
		<description><![CDATA[»Aoki war ein sehr guter Schüler, er hatte fast immer die beste Note. Ich ging auf eine private Jungenschule, und Aoki war ziemlich beliebt. Die Klasse schätzte ihn, und er war der Liebling der Lehrer. Aber ich konnte seine pragmatische Einstellung und seine intuitiv berechnende Art von Anfang an nicht ausstehen. Wenn man mich fragte, was mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»Aoki war ein sehr guter Schüler, er hatte fast immer die beste Note. Ich ging auf eine private Jungenschule, und Aoki war ziemlich beliebt. Die Klasse schätzte ihn, und er war der Liebling der Lehrer. Aber ich konnte seine pragmatische Einstellung und seine intuitiv berechnende Art von Anfang an nicht ausstehen. Wenn man mich fragte, was mich genau an ihm störte, müßte ich passen. Ich wüßte kein Beispiel. Ich weiß nur, daß ich ihn durchschaute. Ich konnte diese Egozentrik und Überheblichkeit, die er ausstrahlte, instinktiv nicht ertragen. Wie bei jemandem, dessen Körpergeruch man physisch nicht erträgt. Aber Aoki war klug und verstand es, diesen Geruch geschickt zu verbergen. Die meisten meiner Klasse hielten ihn für gerecht, bescheiden und freundlich. Das zu hören empörte mich &#8211; doch ich sagte natürlich nichts.«<br />
(&#8230;)<br />
»Es sind nicht Menschen wie Aoki, vor denen ich Angst habe. Solche Menschen gibt es überall. Was das angeht, habe ich resigniert. Wenn ich ihnen begegne, versuche ich möglichst nichts mit ihnen zu tun zu haben. Ich gehe ihnen aus dem Weg. Das ist nicht besonders schwer. Ich erkenne sie sofort. Zugleich bewundere ich Leute wie Aoki aber auch. Nicht jeder besitzt die Fähigkeit, so lange stillzuhalten, bis die Gelegenheit sich ergibt, und sie dann sicher zu ergreifen; die Fähigkeit, sich geschickt der Gefühle anderer zu bemächtigen und sie gegen jemanden aufzuhetzen. Ich hasse diese Charakterzüge zwar so sehr, daß ich kotzen könnte, dennoch sind es Fähigkeiten. Das muß ich anerkennen.<br />
Wovor ich aber wirklich Angst habe, sind Leute, die Typen wie Aoki alles blind glauben. Diese Leute, die selbst nichts zuwege bringen, nichts verstehen, die sich von den bequemen und leicht übernehmbaren Meinungen anderer leiten lassen und nur in Gruppen auftreten. Diese Leute, die nie auf die Idee kämen, daß sie vielleicht irgend etwas falsch machen könnten. Denen niemals auffällt, daß sie einen anderen sinnlos und brutal verletzen könnten. Sie übernehmen keine Verantwortung für das, was sie tun. Vor solchen Leuten habe ich wirklich Angst. Und wenn ich nachts träume, dann von ihnen. In Träumen ist nur das Schweigen. Die Leute in meinen Träumen haben keine Gesichter. Wie eisiges Wasser dringt das Schweigen überall ein.«<br />
<small>(Haruki Murakami &#8211; Das Schweigen)</small></p></blockquote>
<p>Haruki Murakamis &#8220;<em>Das Schweigen</em>&#8221; hat mich fasziniert, weil ich Menschen wie Aoki kenne, immer wieder treffe, im Offline-Leben wie auch im Internet, wo es teilweise noch viel einfacher ist, diese Fähigkeiten erfolgreich zum Einsatz zu bringen. Es hat mich gefesselt, weil es mir manchmal nicht viel anders geht als dem Erzähler, wenn ich Menschen treffe, bei denen ich recht schnell durchschaue, dass all ihre Bescheidenheit, Gerechtigkeit und Freundlichkeit bloß aufgesetzt sind, dass sich dahinter berechnende Egozentriker verstecken, Bestätigungssüchtige, die zur Stillung ihrer Sucht auch Schaden anderer Menschen in Kauf nehmen, manchmal sogar gezielt herbeiführen. Die es schaffen, so gut den netten, freundlichen, gerechten, herzlichen Menschen zu spielen, dass ihre Umwelt ihnen diese Maske größtenteils unhinterfragt abkauft und diesen Menschen bereitwillig alles glaubt, von der trügerischen Selbstinszenierung bis hin zu gezielten Lügen, um andere zu diskreditieren.</p>
<p>Auch ich muss zugeben, von dieser Fähigkeit auf eine sehr abstoßende Art beeindruckt zu sein. Menschen, die für ihren Lebensunterhalt lügen und betrügen, stützen sich auf diese Fähigkeit. Werbung und Marketing nutzen sie ebenfalls, genau wie Demagogen und Heiratsschwindler. Eine Fähigkeit, die ich in Anlehnung an die Vorstellung von &#8220;dunkler Magie&#8221; als &#8220;dunkle Empathie&#8221; bezeichnen möchte. Über Empathie als solche verfügen diese Menschen ohne Zweifel, denn sonst wären sie nicht so gut in dem, was sie tun, in ihrer täuschenden Selbstdarstellung und dem Knüpfen emotionaler Bindungen mit anderen Menschen. Aber es ist Empathie, die einzig dazu dient, die Gefühle anderer zum eigenen Nutzen zu manipulieren.</p>
<p>Genau wie dem Erzähler machen mir diese Menschen selbst keine Angst. Ich kann ihnen aus dem Weg gehen oder kann versuchen, ihre Maskierung in Frage zu stellen und ihr Bühnenbild zum Wackeln zu bringen. Aber auch ich habe Angst vor denen, die darauf hereinfallen, die sich emotional verzaubern und (ver)führen lassen, die solchen Menschen bereitwillig alles glauben, ihre Meinungen übernehmen und sich mitunter sogar instrumentalisieren lassen, ohne irgendetwas zu hinterfragen, womit sie großen Schaden anrichten können, wie es die sehr lesenswerte Erzählung beschreibt.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/wer-man-sein-kann/' rel='bookmark' title='Wer man sein kann'>Wer man sein kann</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/denken-und-fuehlen/' rel='bookmark' title='Denken und Fühlen'>Denken und Fühlen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/man-folgt-nur-befehlen/' rel='bookmark' title='Man folgt nur Befehlen'>Man folgt nur Befehlen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/wo-war-die-liebe/' rel='bookmark' title='Wo war die Liebe?'>Wo war die Liebe?</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/pubertaet/' rel='bookmark' title='Pubertät'>Pubertät</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/dunkle-empathie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zwischenmenschliche Effizienz</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/zwischenmenschliche-effizienz/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/zwischenmenschliche-effizienz/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 10:25:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Effizienz]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[formspring]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[soziales Kapital]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=270</guid>
		<description><![CDATA[In all den Diskussionen um die Vor- und Nachteile sowie die realen oder nur projizierten Gefahren sozialer Internet-Dienste vermisse ich bislang einen Aspekt, den ich für sehr zentral und für mit weitreichenden Folgen verbunden halte: Effizienz. Versteht man beispielsweise Twitter, Facebook oder Formspring als charakteristische Stellvertreter der Social-Media-Dienste, bedeutet dies unterm Strich, die 1:1-Relationen in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In all den Diskussionen um die Vor- und Nachteile sowie die realen oder nur projizierten Gefahren sozialer Internet-Dienste vermisse ich bislang einen Aspekt, den ich für sehr zentral und für mit weitreichenden Folgen verbunden halte: Effizienz.</p>
<p>Versteht man beispielsweise <a href="http://www.twitter.com">Twitter</a>, <a href="http://www.facebook.com">Facebook</a> oder <a href="http://www.formspring.me">Formspring</a> als charakteristische Stellvertreter der Social-Media-Dienste, bedeutet dies unterm Strich, die 1:1-Relationen in der Kommunikation zwischen Freunden oder „Freunden“ werden mittels dieser Dienste wesentlich leichter, wesentlich öfter in 1:n-Relationen umgewandelt.</p>
<p>Für einen Dienst wie Formspring, bei dem User anderen Usern Fragen stellen können, auch anonym, die dann inklusive der dazugehörigen Antworten allen anderen Usern zum Lesen zur Verfügung stehen, bedeutet dies konkret: Hat nur ein einziger der User eine Frage an einen bestimmten User gestellt, brauchen sämtliche anderen User dieselbe Frage diesem bestimmten User nicht noch einmal zu stellen. Im Gegenteil: Oft ist zu beobachten, dass es die Antwortenden in der Regel nervt, wenn ein Fragender eine bereits beantwortete Frage noch einmal stellt. Wenn nun beispielsweise ein User in seiner formspring-Karriere ungefähr 500 Fragen beantwortet hat, brauchen alle anderen, die jene Fragen und deren Antworten gelesen haben, diese 500 Fragen und zig Millionen andere Fragen, die zu ähnlichen Antworten geführt hätten, nicht mehr stellen und werden möglicherweise vom Antwortenden sogar darauf hingewiesen, er wolle diese Frage nicht noch einmal beantworten, denn das habe er ja bereits. Schon beim Umgang mit Blogs, Twitter oder Facebook ist bisweilen Ähnliches zu beobachten, sodass es dann mitunter zu Dialogen kommt, die wie folgt verlaufen: „Hab ich dir schon das Neueste erzählt?“ „Nein, aber ich hab’s in deinem Blog/in deinem Tweet/auf Facebook gelesen.“ „Ach so.“</p>
<p>Es ist nicht mehr nötig, jedem der eigenen Freunde die neuen Urlaubsfotos zu zeigen, wenn man sie einfach auf Facebook stellen kann, wo sie jeder bequem ansehen kann, wann immer es beliebt. Die Gespräche mit Freunden über den neuen Partner werden ersetzt durch eine Änderung des Beziehungsstatus, der sofort von allen Freunden zur Kenntnis genommen werden kann, ohne mit jedem von ihnen einzeln darüber sprechen zu müssen. Direkte Kommunikation weicht der Veröffentlichung von Informationen für ein Publikum, so als gebe man eine Pressekonferenz über die eigene Person.</p>
<p>All das bedeutet trotz bewusster Überzeichnung, die Kommunikation verschiebt sich aufgrund der neuen Einfachheit, die diese sozialen Dienste bieten, vom Schwerpunkt ein wenig weg von direkter 1:1-Kommunikation, die aber natürlich nicht verschwindet, hin zu breiteren 1:n-Kommunikationskanälen, was bedeutet, dass es möglich wird, via Facebook, Twitter oder auch Formspring viele Menschen gleichzeitig über seine Aktivitäten, Gedanken, Meinungen und so weiter zu informieren.</p>
<p>Eine ehemalige Kommilitonin hielt StudiVZ gerade deswegen für so praktisch, weil sie dann nicht mehr all ihren Freunden separat (1:1) von Neuerungen in ihrem Leben erzählen müsse, sondern das einfach nur noch ins StudiVZ zu schreiben habe (1:n). Das ist zwar nun in diesem Beispiel ein Extremfall, wenn auch wahr, dennoch lässt sich die allgemeine Tendenz all dieser Dienste damit beschreiben, dass sie objektiv ein Mittel zur Effizienzsteigerung der Kontaktverwaltung darstellen und Redundanz abbauen.</p>
<p>Wenn man fünf Freunden oder „Freunden“ nicht mehr separat erzählen muss, was man gestern gemacht, wen man kennengelernt, was man gekauft oder gesehen hat, sondern das lediglich ein einziges Mal auf einem Blog schreiben oder auf Facebook veröffentlichen muss, wo es alle fünf dann jederzeit nachlesen können, dann habe ich den Umgang mit meinen Freunden optimiert und dessen Effizienz gesteigert, weil ich Redundanzen abgebaut habe. Gleichzeitig erleichtert das den Aufbau eines wesentlich größeren „Freundes“-Kreises und erhöht das eigene »soziale Kapital« (Bourdieu), auf das man zugreifen kann. Zudem erstellt man gewissermaßen sein eigenes Dossier, das man Interessenten an der eigenen Person nur noch in die Hand zu drücken braucht – auch das Kennenlernen oder vielmehr das, was man dann für Kennenlernen hält, wird dadurch optimiert, beschleunigt, vereinfacht und letztlich effizienter. Das Soziale wird zunächst auf Daten reduziert.</p>
<p>Der Begriff der Objektivität ist hier von großer Relevanz. Meine beschreibenden Worte möchten nicht ausdrücken, dass dieser Effekt der Effizienzsteigerung in jedem Fall die subjektive Intention der Nutzer ist, aber er ist dennoch das objektive Resultat, so wie auch niemand mit der subjektiven Intention einkaufen geht, das Wirtschaftssystem zu erhalten oder den Staat mittels Steuern unterstützen zu wollen, während all diese Dinge jedoch gleichzeitig objektives Ergebnis des Einkaufens sind, ganz egal was die subjektive Intention sein mag.</p>
<p>Viele gesellschaftliche oder individuelle Entwicklungen haben teilweise verheerende Nebenfolgen, die uns in den seltensten Fällen wirklich bewusst sind und die wir keineswegs als Intention dieses Handelns anführen würden. Niemand beginnt mit dem Rauchen, weil es so schön gesundheitsgefährdend ist, und auch wenn das nicht subjektive Intention des Rauchens ist, so ist es doch objektiver Effekt. Das gleiche trifft auf Umweltzerstörung zu, da niemand (oder zumindest fast niemand) morgens mit dem Vorhaben aufsteht, heute bewusst die Umwelt zu zerstören, sondern weil es häufig der mehr oder weniger unbewusste Nebeneffekt vieler als völlig selbstverständlich erachteter Handlungsweisen ist, der nur dann überhaupt als Problem begriffen und beseitigt werden kann, wenn man sich dieses Nebeneffekts tatsächlich bewusst wird.</p>
<p>Bei all den Vorteilen, die solche Social-Media-Dienste bieten, ist dies, dieser gesellschaftlich sanktionierte bis bedingte, unter anderem durch prekäre Arbeitsverhältnisse und der Forderung nach zunehmender Mobilität und Flexibilität befeuerte und in Form dieser Dienste recht transparent auftretende Effizienzgesichtspunkt in zwischenmenschlichen Beziehungen, einer dieser unbewussten Nebeneffekte, über den etwas mehr Reflexion vielleicht angebracht wäre, um den Umgang mit diesen Diensten entsprechend bewusster zu gestalten. Letztlich stellt sich nämlich zumindest mir die Frage, in welchem Maße eine solche Effizienzsteigerung des Zwischenmenschlichen überhaupt wünschenswert erscheint und ob größtmögliche Quantität sowie der Gesichtspunkt der Effizienz dem Konzept ernsthafter Freundschaft nicht diametral widersprechen.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/weniger-ist-mehr/' rel='bookmark' title='Weniger ist mehr'>Weniger ist mehr</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/humorkritik/' rel='bookmark' title='Humorkritik'>Humorkritik</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/effiziente-herrschaft/' rel='bookmark' title='Effiziente Herrschaft'>Effiziente Herrschaft</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/zwischenmenschliche-effizienz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Individualisierte Schuld</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 17:09:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Individualisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Karriere]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Normalität]]></category>
		<category><![CDATA[Pathologisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Sennett]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2005/10/10/individualisierte-schuld-und-masochismus/</guid>
		<description><![CDATA[Ein Overkill an Informationen, das Erreichen des eigenen Aufnahmelimits, Überforderung am Arbeitsplatz, das Verzweifeln an gesellschaftlichen Zumutungen, physische Beschwerden – all das spielt keine Rolle, denn man hat sich an den Trott gewöhnt. Man erscheint immer wieder, ob in der Schule oder am Arbeitsplatz, ob auf direkten Befehl oder indirekten Druck – weil man soll. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Overkill an Informationen, das Erreichen des eigenen Aufnahmelimits, Überforderung am Arbeitsplatz, das Verzweifeln an gesellschaftlichen Zumutungen, physische Beschwerden – all das spielt keine Rolle, denn man hat sich an den Trott gewöhnt. Man erscheint immer wieder, ob in der Schule oder am Arbeitsplatz, ob auf direkten Befehl oder indirekten Druck – weil man soll. Obwohl man weiß, dass man auch an diesem Abend mit Kopfschmerzen zu Hause ankommen wird; obwohl man weiß, dass man von dem ganzen Kram, der einem im Laufe des Tages abgefordert wird, schon seit langer Zeit genug hat, weil es einfach zu viel, zu nervig, zu belastend ist; obwohl man weiß, man wird noch nicht einmal Gelegenheit haben, um über das nachzudenken, was man mitgenommen, was man erfahren, was man überstanden hat. Überforderung, Erschöpfung, Kollaps, Kapitulation und Scheitern &#8211; die Diagnose, sei sie nun von außen herangetragen oder bereits verinnerlicht, läuft in der Regel auf persönliche Defizite hinaus, auf eigene Unzulänglichkeit, weil man mit den Anforderungen nicht klargekommen ist.</p>
<p>Man setzt sich abends auf das heimische Sofa, schaltet den Fernseher ein und sieht einen Werbespot für Kopfschmerztabletten, der exemplarisch das Prinzip der Schuldzuschreibung verdeutlicht: Wer durch die äußeren Umstände Kopfschmerzen bekommt, durch Überforderung, durch Überanstrengung oder Stress, der nimmt eine Kopfschmerztablette und funktioniert danach wieder wie zuvor. Das Problem ist folglich die mangelnde persönliche Funktions- und Belastungsfähigkeit, nicht die äußeren Umstände, die überhaupt erst die Kopfschmerzen verursacht haben. Man hört die Botschaft ganz deutlich, sie schwingt im Hintergrund stets mit wie ein Flüstern, zu leise, um sie wirklich zu fassen, aber laut genug, um sie die ganze Zeit zu fühlen: Du bist schuld.</p>
<p>Egal, worum es geht – Arbeitsplatzverlust, psychische wie physische Beschwerden, schlechte Schulnoten oder erdrückende Arbeitsanforderungen –, die Antwort ist immer gleich: Du bist schuld!</p>
<p>Es ist individualisierte Schuld, denn es liegt immer an den jeweiligen Menschen selbst, wenn sie beim schulischen Lernen einfach nicht mitkommen, keinen Job finden oder in irgendeiner Weise ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen. Man ist selbst schuld, wenn man mit dieser wunderbaren Welt nicht klarkommt, denn mit der Welt an sich, mit ihren Zuständen, Zwängen und Anforderungen, ist alles in Ordnung, so die suggestive Diagnose, deren Einfachheit verlockend ist; sie zerstört jeglichen Widerstand und jegliche Kritik, damit man sich den Lebensumständen einfach ergibt, wie immer sie auch aussehen mögen, denn ein Kritiker ist bloß ein Niemand, der den Umständen nicht gewachsen ist, ein Schwächling, ein Versager.</p>
<p>Wer für einen Job nicht umziehen möchte, weil das die Aufgabe von Freundeskreis, Umfeld und Milieu bedeuten würde, wer nicht bereit ist, minimale Löhne anzunehmen, von denen er nicht leben kann, der gilt als Verursacher seines eigenen Elends, der trägt die Schuld. Wer zweihundert Kilogramm auf den Rücken gebunden bekommt und unter dieser Last zusammenbricht, der hat sich einfach nicht genug angestrengt, der ist nicht kooperativ, der ist faul oder ein Taugenichts, aber in jedem Fall ist es seine, ganz allein seine individuelle Schuld. Dass die Umstände an sich besorgniserregend sind, dass die Last erdrückend ist, dass es nicht am Individuum liegt, wenn es den Anforderungen nicht genügen kann oder sich ihnen nicht beugen will, wird gar nicht in Betracht gezogen.</p>
<p>Wer die Zustände für unzumutbar hält und so tapfer ist, diese Meinung auszudrücken, wer im Extremfall an diesen Zuständen zerbricht, dessen Verhalten wird psychologisiert, es liegt also an Kindheit, am Verhältnis zu den Eltern, an Problemen mit der Liebe oder an anderen hineinprojizierten Motiven, oder es wird pathologisiert, derjenige ist also depressiv und krank oder suizidal, womit das Unbehagen über die Zustände der Welt gleichgesetzt wird mit einem generellen Scheitern am Leben, denn wer die Welt in ihrer bestehenden Ordnung ablehnt, der verzweifle am Leben an sich.</p>
<p>Das normale Verhalten, das eingefordert wird bis zur Selbsterschöpfung, ist ein normatives Verhalten, denn wer mit diesem normalen Verhalten nichts anfangen kann, der muss normalisiert werden, also sein abnormales Verhalten aufgeben, seinen Widerstand gegen die Zustände, die ihn erdrücken, einstellen, um die äußere Normalität anzuerkennen, die auf ihn wirkt und überhaupt erst in diese Lage gebracht hat.</p>
<blockquote><p>Richard Sennett hat den flexiblen Menschen, der sich lässig bis zum Umfallen sämtliche Anforderungen einer sozial und technisch hochverschalteten Lebenswelt aufbuckelt, als Mythos des nomadischen Turbo-Kapitalismus diskreditiert. Der flexible Mensch [...] ist jener Robot, der seine eigene Überforderung noch als Selbstverwirklichung verkauft, während die Sicherungen durchbrennen.<br />
<small>(<a title="Von der Schöpfung zur Erschöpfung" href="http://www.heise.de/tp/artikel/16/16490/1.html">Goedart Palm bei Telepolis</a>)</small></p></blockquote>
<p>So schleift man sich jeden Tag zurück, macht, was verlangt wird, und behandelt die Symptome – beispielsweise mithilfe von Kopfschmerztabletten. Man macht sich kaputt, nimmt alles auf sich, ist masochistisch, aber es ist okay, denn man will kein Versager sein. Man bekommt Hilfe, die man freudig entgegennimmt, wird gestützt und aufgebaut, um bloß nicht umzufallen. Man glaubt, was im Hintergrund leise rauscht: Du bist schuld!</p>
<p>Aber vielleicht sind es ja gar nicht die so genannten Versager, mit denen etwas nicht stimmt. Wer die Welt, wie sie ist, nicht ausstehen kann, der ist kein Fall für psychologische Betreuung oder die Lebensberatung, sondern kann primär einfach nur die Welt nicht ausstehen, so wie sie ist. Wer die Zustände zum Kotzen findet, wer sich ihnen widersetzt oder sie nicht anerkennt, weil er vielleicht sogar daran zerbricht, der hat ein berechtigtes Anliegen &#8211; ein Anliegen, das mit persönlichen Defiziten nichts zu tun hat.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/arbeitgeberfilter/' rel='bookmark' title='Arbeitgeberfilter'>Arbeitgeberfilter</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/exodus/' rel='bookmark' title='Exodus'>Exodus</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/denken-und-fuehlen/' rel='bookmark' title='Denken und Fühlen'>Denken und Fühlen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/' rel='bookmark' title='Überzeugungsarbeit'>Überzeugungsarbeit</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rauschunterdrückung</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/rauschunterdrueckung/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/rauschunterdrueckung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 May 2009 09:06:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=1419</guid>
		<description><![CDATA[Freie Zeit gilt hier als Plage, birgt sie Raum doch für Gedanken, die sind störend, gar verachtet, bringen Weltbilder ins Wanken. (2009) Ähnliche Einträge: Störendes Hintergrundrauschen Wer man sein kann Warum Freizeit nicht Freiheit ist In der Wahrheit leben Sei doch mal konstruktiv]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;">Freie Zeit gilt hier als Plage,<br />
birgt sie Raum doch für Gedanken,<br />
die sind störend, gar verachtet,<br />
bringen Weltbilder ins Wanken.</p>
<p style="text-align: center;"><small>(2009)</small></p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/stoerendes-hintergrundrauschen/' rel='bookmark' title='Störendes Hintergrundrauschen'>Störendes Hintergrundrauschen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/wer-man-sein-kann/' rel='bookmark' title='Wer man sein kann'>Wer man sein kann</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/warum-freizeit-nicht-freiheit-ist/' rel='bookmark' title='Warum Freizeit nicht Freiheit ist'>Warum Freizeit nicht Freiheit ist</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/in-der-wahrheit-leben/' rel='bookmark' title='In der Wahrheit leben'>In der Wahrheit leben</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/sei-doch-mal-konstruktiv/' rel='bookmark' title='Sei doch mal konstruktiv'>Sei doch mal konstruktiv</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/rauschunterdrueckung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Reflexion</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/reflexion/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/reflexion/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Oct 2008 14:23:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Quinn]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Pierre Bourdieu]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexion]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=138</guid>
		<description><![CDATA[Eines der wichtigsten Prinzipien, das man erlernen sollte, wenn man sich &#8211; ob als Soziologe oder ganz allgemein &#8211; mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinandersetzt und dabei Argumenten, Statistiken, Erklärungen, Beschreibungen, Institutionen, Traditionen oder Handlungsweisen begegnet, die auf den ersten Blick plausibel und einleuchtend erscheinen, fasst folgende Aussage recht prägnant zusammen: I&#8217;m trying to break you of [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines der wichtigsten Prinzipien, das man erlernen sollte, wenn man sich &#8211; ob als Soziologe oder ganz allgemein &#8211; mit gesellschaftlichen Phänomenen auseinandersetzt und dabei Argumenten, Statistiken, Erklärungen, Beschreibungen, Institutionen, Traditionen oder Handlungsweisen begegnet, die auf den ersten Blick plausibel und einleuchtend erscheinen, fasst folgende Aussage recht prägnant zusammen:</p>
<blockquote><p>I&#8217;m trying to break you of the habit of automatically saying, &#8220;Yes, this makes sense. I&#8217;ll accept it.&#8221; I&#8217;m trying to train you to pause and say, &#8220;Yes, this <em>seems</em> to make sense. But does it?&#8221;<br />
<small>(Daniel Quinn &#8211; If They Give You Lined Paper, Write Sideways)</small></p></blockquote>
<p>Wir sind es gewohnt, ein derart skeptisches Verhalten an den Tag zu legen, wenn uns etwas ein wenig merkwürdig, zweifelhaft oder gar falsch vorkommt. Weitaus spannender, weil größeren Erkenntnisgewinn versprechend, ist es allerdings, dieses Verhalten auch und gerade bei denjenigen Phänomenen und Mechanismen anzuwenden, die uns auf den ersten Blick, aus Gewohnheit oder aufgrund des gesunden Menschenverstands als durchaus vernünftig erscheinen &#8211; weil sie es nämlich oft gar nicht sind, sondern bloß so <em>erscheinen</em>, da sie nie in Frage gestellt werden.</p>
<blockquote><p>Die erste Handlung des Forschers ist, die Fragen des gesunden Menschenverstands (&#8230;) zu destruieren, sie völlig anders neu zu stellen.<br />
<small>(Pierre Bourdieu &#8211; <em>Was anfangen mit der Soziologie?</em>, in: Die verborgenen Mechanismen der Macht)</small></p></blockquote>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/' rel='bookmark' title='Überzeugungsarbeit'>Überzeugungsarbeit</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/beschleunigtes-leben/' rel='bookmark' title='Beschleunigtes Leben'>Beschleunigtes Leben</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/ethnozentrismus/' rel='bookmark' title='Ethnozentrismus'>Ethnozentrismus</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/da-kann-man-nichts-tun/' rel='bookmark' title='Da kann man nichts tun'>Da kann man nichts tun</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/reflexion/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Menschen ändern sich</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/menschen-aendern-sich/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/menschen-aendern-sich/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2008 22:53:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Fehler]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=91</guid>
		<description><![CDATA[Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden. (Sokrates) In einem Projekt, an dem ich bis vor circa einem Jahr beteiligt war, fiel einer der Mitarbeiter wiederholt durch Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit und mangelnde Kommunikationsfähigkeit auf. Nennen wir diese Person hier einfach einmal Peter. Peters Verhalten führte mitunter so weit, dass es den gesamten Fortschritt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><small>Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.<br />
(Sokrates)</small></p>
<p>In einem Projekt, an dem ich bis vor circa einem Jahr beteiligt war, fiel einer der Mitarbeiter wiederholt durch Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit und mangelnde Kommunikationsfähigkeit auf. Nennen wir diese Person hier einfach einmal Peter. Peters Verhalten führte mitunter so weit, dass es den gesamten Fortschritt des Projekts erheblich verzögerte und zeitweise sogar das Projekt als Ganzes gefährdete.</p>
<p>Wenn Peter vom Rest des Teams zur Rede gestellt wurde, gelang es ihm meist, aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung alle anderen Mitglieder mittels Ausreden zu besänftigen und auf die Zukunft zu vertrösten.</p>
<p>Einmal allerdings, nach unzähligen solcher Verzögerungen und Unzuverlässigkeiten, kam es dann schließlich doch zu einer ernsten Aussprache, in der sich das Team recht vernünftig, wie mir schien, mit dem Problem auseinandersetzte und Peter recht freundlich, aber doch deutlich klar machte, weshalb ein solches Verhalten nicht nur das Projekt gefährde, sondern auch zwischenmenschlich im allgemeinen recht enttäuschend sei. Danach besserte sich sein Verhalten vorübergehend ein wenig, doch gelöst wurde das Problem im Endeffekt nur, indem Peter schlicht weniger Aufgaben zugeteilt wurden, die für das Projekt wichtig waren. Gelernt hatte er aus dem Gespräch anscheinend nichts.</p>
<p>Ein halbes Jahr später ungefähr unterhielt ich mich mit zwei anderen Teammitgliedern noch einmal über das Projekt im Allgemeinen sowie über das problematische Verhalten Peters im Speziellen. Einer der beiden besuchte auch in der Zeit nach Projektabschluss noch diverse Kurse, an denen auch Peter teilnahm, und konnte uns somit von ein paar zusätzlichen Eindrücken erzählen. Wir fragten uns, ob Peter langfristig aus seinen Fehlern und unseren Diskussionen irgendetwas gelernt hatte.</p>
<p>Die Antwort, die wir uns gaben, fiel recht ernüchternd aus und wurde von einem der beiden, mit denen ich mich unterhielt, prägnant zusammengefasst, indem er (nennen wir ihn Max) einen Satz zitierte, den Peter in der damaligen Diskussion zu seiner Verteidigung vorgebracht hatte: „Es ist bei mir halt so, dass ich den Kopf in den Sand stecke, wenn es Probleme gibt“.</p>
<p>Das Problematische an diesem einen Satz war nun nicht das Kopf-in-den-Sand-Stecken, sondern das unscheinbare „es ist bei mir halt so“. Max erklärte, es gebe seines Erachtens zwei Typen von Menschen, nämlich zum einen diejenigen, die glauben, Menschen könnten sich nicht ändern, und die anderen. Dieser eine Satz drückte laut Max in wenigen Worten alles über Peter aus, was hinsichtlich dieser zwei Typen von Bedeutung war: Peter gehört(e) zu ersteren.</p>
<p>Peter wird, darin waren wir uns einig, die gleichen Fehler wieder und immer wieder machen, denn er lernt nichts aus diesen Fehlern, will gar nichts daraus lernen, weil er nämlich glaubt, er sei „halt so“ &#8211; und nicht anders. Er nahm die Kritik zwar auf, zog daraus aber keine persönlichen Konsequenzen, weil das bedeutet hätte, sich selbst einzugestehen, etwas falsch gemacht zu haben, und weil das zugleich bedeuten würde, Engagement und Gedanken in die eigene Veränderung oder Weiterentwicklung stecken zu müssen, während die andere Lösung, die gewählte Lösung, doch so viel einfacher ist: Ich bin halt so &#8211; da kann man nichts machen.</p>
<p>Doch man kann, denn niemand ist „halt so“. „Ich bin halt so“ ist Schwachsinn. Es gibt kein fertiges Sein, keine abgeschlossene Persönlichkeit. „Ich bin halt so“ ist eine Ausrede und gleichzeitig eine selbsterfüllende Prophezeiung. Nur diejenigen, die diesen Glauben teilen, werden genau so bleiben. Wer sich selbst davon überzeugt, er sei „halt so“, wird sich auch immer wieder gleich verhalten, immer wieder die gleichen Fehler machen und diese Fehler als Bestätigung sehen, „halt so“ zu sein, anstatt daraus für die Zukunft irgendetwas zu lernen.</p>
<p>Eine andere Person verband diese mit beharrlicher Konsequenz vertretene Überzeugung, „halt so“ zu sein, mit noch einem anderen Dogma. Als ich sie einmal fragte, welche Entscheidungen sie bereue oder in welchen Fällen sie sich, im Nachhinein betrachtet, einmal falsch entschieden hätte oder sich heute anders entscheiden würde, antwortete sie mir, es gebe in ihrem Leben bisher keine solchen Entscheidungen. Zunächst glaubte ich noch, das sei nur ein Ausweichen, um der Beantwortung der Frage zu entgehen, doch was sie sagte, meinte sie tatsächlich vollkommen ernst, wie sich in der folgenden Zeit noch herausstellte.</p>
<p>Im Endeffekt bedeutet das, was sie damit ausdrückte, dass sie von sich selbst und für sich selbst glaubt, noch nie wirklich einen Fehler gemacht zu haben – nichts anderes sind Entscheidungen, die man bereut. Kann es einen solchen Menschen überhaupt geben? Ist das schlicht positives Denken in einer absurden, seiner auf die Spitze getriebenen Form? Oder Arroganz? Keine Entscheidungen zu bereuen heißt eben auch: Niemals um Verzeihung zu bitten, wenn man anderen auf die Füße tritt.</p>
<p>Um ihre Antwort zu erklären, argumentierte sie, dass sie nur dann wieder genau der selbe Mensch werden würde, der sie jetzt ist, wenn sie alle Entscheidungen, also auch Fehler, die uns prägten, erneut genauso treffen würde, wie sie sie tatsächlich getroffen hat. Würde sie sich an irgendeiner Stelle anders entscheiden, würde sie damit zugleich eine andere Persönlichkeit werden &#8211; dies würde sie gerne vermeiden, weil es das Schicksal eben so gewollt hätte und sie damit recht zufrieden sei.</p>
<p>Diese Argumentation ist so richtig wie trivial. Natürlich hatte sie Recht: Sie ist heute, wer sie ist, eben weil sie sich so entschieden hat, wie sie sich entschieden hat, und sie würde nur wieder genau der selbe Mensch werden, der sie jetzt ist, wenn sie alle Entscheidungen erneut genauso träfe. Bloß: Was sagt einem das? Alles und nichts.</p>
<p>Wenn sich ein Mensch tatsächlich die Frage stellen kann: „Würde ich alles, was ich in meinem Leben je getan habe, in der gleichen Situation wieder genauso machen?“, um dies dann mit Ja zu beantworten, halte ich das, egal bei wem, für Selbstbetrug. Etwas beim zweiten Mal anders zu machen, eine Entscheidung im Nachhinein zu revidieren, zeugt meines Erachtens keineswegs davon, eine andere Person sein zu wollen oder mit der eigenen Persönlichkeit unzufrieden zu sein. Es heißt nur, dass man aus Fehlern lernen kann, dass man nicht perfekt ist und sich auch nicht dafür hält. Völlig zu Recht sagte sie: Fehler prägen uns. Doch gerade aus diesem Grund halte ich es für vermessen, im Nachhinein &#8211; dieser rückblickenden Argumentation folgend &#8211; mit Kenntnis des Fehlers denselben noch einmal begehen zu wollen.</p>
<p>Zufriedensein und Entscheidungen zu bereuen schließt sich nicht aus. Im Gegenteil: Man kann mit sich selbst zufrieden sein und trotzdem Entscheidungen bereuen; man kann sogar mit sich selbst zufrieden sein, gerade weil man Entscheidungen bereut.</p>
<p>Ein zugespitztes Beispiel soll das Ganze verdeutlichen: Wenn ich weiß, dass eine meiner Entscheidungen einen Menschen das Leben kostete, welchen Grund sollte ich haben, diese Entscheidung noch einmal genauso zu treffen? Vielleicht hat sie für mich persönlich im Endeffekt dazu geführt, dass ich in Zukunft vorsichtiger bin, war für mich also alles in allem positiv, aber ermutigt oder entschuldigt das, sie noch einmal genau so zu treffen, um wieder genau der zu werden, der ich jetzt bin? Über metaphorische Leichen zu gehen und Fehler zu wiederholen, bloß um erneut derjenige zu werden, der man jetzt ist, zeugt vielleicht weniger von Selbstzufriedenheit als von Selbstgefälligkeit und einem egozentrischen Weltbild. Da scheint es wieder durch: Ich bin halt so – und nicht anders.</p>
<p>Ein wenig ähnelt diese Argumentation im Grunde Voltaires <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Candide">naiv-optimistischem Candide</a>, der glaubt, alles sei gut und geschehe zu Recht, auch Krieg, Leid und Armut, da er sich in der besten aller möglichen Welten wähnt und folglich den jetzigen Zustand als den besten aller möglichen begreift. Somit ist alles gut, was geschieht und bis hierhin geschah. Pangloss, der Lehrer Candides, der ihm die Lehre der besten aller möglichen Welten ursprünglich nahegebracht hatte, sieht in allem Schlechten, das geschieht, etwas Gutes und rechtfertigt dessen Existenz, sei es Syphilis oder Krieg, aus einem relativierenden, anerkennenden Blickwinkel, anstatt es als Schlechtes wahrzunehmen und daran zu arbeiten, es zu ändern. Selbst als Candide am Ende, lange aus seinem Paradies vertrieben, soviel Leid erfahren und durchlebt hat, versucht Pangloss noch immer, alles Schlechte schönzureden, was selbst Candide mittlerweile nicht mehr ernst nehmen kann:</p>
<blockquote><p>„Jegliche Begebenheit im menschlichen Leben gehört in die Kette der Dinge. Denn wären Sie nicht Baroneß Kunegundens halber mit derben Fußtritten aus dem schönsten aller Schlösser gejagt, von der Inquisition nicht eingezogen worden, hätten Sie nicht Amerika zu Fuße durchwandert, dem Herrn Baron nicht einen tüchtigen Stoß mit dem Degen versetzt, nicht all’ ihre Hammel aus dem guten Lande Eldorado eingebüßt, so würden Sie jetzt nicht hier eingemachten Zedrat und Pistazien essen.“</p></blockquote>
<p>Wird diese Argumentation konsequent weitergeführt und dramatisiert, lässt sich damit von der Entscheidung zwischen Döner oder Pizza über Mobbing bis hin zu Mord alles schönreden, was zum heutigen Zustand führte. Ihr liegt der Glaube zugrunde, der Zustand, wie er ist, rechtfertige alles, was zu ihm führte, adle jedes Geschehen, gebe allem einen positiven Sinn, mache alles Schlechte gut. Nicht bloß ist das naiv und egozentrisch, sondern auch gefährlich, ob hinsichtlich des Zustands der Welt oder dem der eigenen Person.</p>
<p>Rückblickend betrachtet glaube ich, dass dies lediglich eine Rationalisierungsstrategie ist, sich die langjährig kultivierte „ich bin halt so“-Überzeugung mit einem Zirkelschluss makellos schönzureden: Wenn ich „halt so bin“, wie ich bin, und alles, was hierhin führte, gut ist, dann bin ich so, wie ich „halt bin“, perfekt. Kein Grund, das eigene Verhalten zu reflektieren, in Frage zu stellen oder gar zu ändern. Wenn ich durch meine Unzuverlässigkeit beispielsweise vergesse, anderen Leuten einen Termin abzusagen, für den sie extra 500km fahren müssen, dann ist das gar kein Fehler, denn so kommen die anderen wenigstens mal raus. So einfach kann das Leben sein. Was als flapsiger Spruch noch lustig ist, verkommt zu Selbstbetrug und Respektlosigkeit anderen gegenüber, sobald es jemand wirklich ernst meint.</p>
<p>In Wahrheit allerdings ist niemand von uns perfekt. Fehler, die ein Mensch macht und sich selbst eingesteht, sind normal und verzeihbar. Doch wenn ein Mensch, wie diese Beispielen zeigen, nicht bloß Fehler macht, sondern noch dazu seine Verhaltensweisen, die zu gerade diesen Fehlern führten, als „halt so“ und damit als unveränderlich begreift oder die Fehler als solche nicht einmal in Erwägung zieht, sondern stattdessen sich selbst und seiner Umwelt einredet, keine fehlerhaften Entscheidungen getroffen zu haben, wird solch ein Mensch auf lange Zeit unausstehlich und seine Fehler unverzeihlich. Sie geschehen dann auch tatsächlich immer wieder. </p>
<p>Menschen ändern sich &#8211; wenn sie es wollen.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/auf-lange-sicht-endet-alles-gut/' rel='bookmark' title='Auf lange Sicht endet alles gut'>Auf lange Sicht endet alles gut</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/sei-doch-mal-konstruktiv/' rel='bookmark' title='Sei doch mal konstruktiv'>Sei doch mal konstruktiv</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/' rel='bookmark' title='Individualisierte Schuld'>Individualisierte Schuld</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/menschen-aendern-sich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Überzeugungsarbeit</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2008 23:38:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegemonie]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Offenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Streit]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
		<category><![CDATA[Überzeugung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/?p=68</guid>
		<description><![CDATA[Wenn ich eine der vielen Polit- oder Gesellschafts-Talkshows sehe, womit nicht deren wenig ernstzunehmende nachmittägliche Derivate auf den privaten Sendern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist relativ egal, ob die Diskussion sich dabei um politische, um gesellschaftliche oder um persönliche Themen dreht und ob ich mich mit einer Seite der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich eine der vielen Polit- oder Gesellschafts-Talkshows sehe, womit nicht deren wenig ernstzunehmende nachmittägliche Derivate auf den privaten Sendern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist relativ egal, ob die Diskussion sich dabei um politische, um gesellschaftliche oder um persönliche Themen dreht und ob ich mich mit einer Seite der Diskussion identifizieren kann oder nicht. Was mich aufregt, ist der jeweilige Drang, alle anderen mit missionarischem Eifer von der eigenen Position und der eigenen Art zu leben überzeugen zu wollen. Vegetarier wollen Fleischesser zu Vegetariern konvertieren, Faulenzer wollen Karrieremenschen zum lockeren Leben erziehen, Operngänger diffamieren DSDS-Gucker ob ihrer Kulturlosigkeit und jeweils entsprechend umgekehrt. Warum eigentlich?</p>
<p>Ich streite gerne mit anderen Leuten über Themen, bei denen wir uns nicht einig sind. Es macht Spaß und erweitert den eigenen Horizont. Von außen ist das, was ich tue, für einen objektiven Beobachter wahrscheinlich nur schwer von Überzeugungsarbeit zu unterscheiden (und vielleicht tue ich deswegen den beschriebenen Personen teilweise unrecht), doch meine eigene Motivation dazu ist keineswegs das missionarische Bestreben, den anderen von meiner individuellen Position zu überzeugen und das Ganze ideologisch womöglich noch mit der vermeintlichen Erziehung zu einer besseren Welt aufzuladen, wie es so oft praktiziert wird, sondern eine weitaus egoistischere:</p>
<p>Ich möchte für mich selbst &#8211; und zwar nur für mich selbst &#8211; die beste Art zu leben finden, die ich gerne guten Gewissens lebe und die mir sowohl Spaß als auch ein befriedigendes Leben ermöglicht, so schwammig und banal das nun auch klingen mag. Außerdem hilft es mir, meine Mitmenschen und ihre eigene Art zu leben besser zu verstehen.</p>
<p>Es gibt keinen <em>einen</em> richtigen Weg zu leben, der für alle Menschen allgemeingültig ist. Alle anderen von meiner Art zu leben, meinen Standpunkten und meinen Meinungen überzeugen zu wollen, spricht für mich recht deutlich von einer intoleranten Grundhaltung und überschätzender Verherrlichung der eigenen Positionen.</p>
<p>Deswegen liebe ich es, mit Menschen zu diskutieren, die eine völlig andere Meinung vertreten als ich selbst. Ich diskutiere gerne mit Parteimitgliedern jeglicher Art, mit Veganern, mit fundamentalistischen Gentechnikgegnern oder -befürwortern, mit Gläubigen und mit Anhängern eines völlig freien Marktes, mit Befürwortern von Studiengebühren und mit unbeugsamen Globalisierungsgegnern genauso wie mit den Advokaten globaler Ausbeutung, weil ich mit jeder dieser Diskussionen herausfinden möchte, welche Argumente der andere vorbringen kann, über welche Erfahrungen er verfügt, wie er zu seiner Meinung gekommen ist und wie konsequent er sie vertreten kann. Letztlich also, um herauszufinden, wie überzeugend er ist. Nicht primär, weil ich ihn überzeugen möchte, sondern weil er vielleicht Argumente hervorbringt, die ich nachvollziehen kann, die mir sinnvoll und stichhaltig erscheinen oder mich wenigstens ins Grübeln bringen, die mir letztendlich also helfen, meine eigenen Positionen, Meinungen und Überzeugungen fundiert zu untermauern oder zu hinterfragen und damit schließlich dazu beitragen, meinen eigenen, für mich &#8211; und nur für mich &#8211; besten Weg zu finden.</p>
<p>Wenn ich alleine etwas daraus mitnehme, ist das bereits gut, doch wenn idealerweise alle beteiligten Diskutanten im Zuge als auch in Folge der Diskussion ihre Positionen kritisch reflektieren, ist das ein voller Erfolg, denn nicht mehr und nicht weniger ist dabei mein vornehmliches Ziel. Wenn einer oder mehrere der Beteiligten, das beinhaltet selbstverständlich auch mich selbst, infolgedessen ihre Meinung ändern, ist das ein willkommener Effekt, denn wir alle lernen ständig dazu, aber nicht wesentlicher Antrieb und sollte das auch nicht sein.</p>
<p>Der Unterschied klingt entweder trivial oder höchst komplex, denn es geht darum, potentiell überzeugend zu sein, also die eigene Meinung konsistent, fundiert, konsequent und überzeugt zu vertreten, ohne überzeugen, ohne missionieren zu wollen, dabei aber immer offen für eigene Überzeugung durch neue Argumente zu sein.</p>
<p>Überzeugungsarbeit ist immer Machtdurchsetzung. Wer behauptet, DSDS-Gucker verfügten über kein Verständnis für Kultur und Faulenzer würden ihr Leben verschwenden, übt damit Macht aus, indem er die Deutungshoheit anstrebt und durchzusetzen versucht, was unter legitimer Kultur und Lebensführung zu verstehen sei. Alle, die nicht diesen Vorstellungen entsprechen, werden dadurch im- oder gar explizit für fehlgeleitet und ihre Lebensweise für falsch erklärt, wohingegen die eigene stets die richtige &#8211; die angeblich <em>eine</em> richtige &#8211; ist. Wie so vieles dreht sich hierbei alles um Macht und weniger um Fragen persönlicher Vorlieben, als die es kaschiert wird, denn ginge es lediglich um persönliche Vorlieben, bestünde nicht das Bestreben, andere von eben diesen überzeugen zu wollen.</p>
<p>Das einzige &#8211; und hier wird es paradox -, wovon ich andere überzeugen möchte, ist auf der einen Seite, dass es ein unvernünftiges, weil tendenziell totalitäres Unterfangen ist, andere verbissen von der eigenen Art zu leben überzeugen zu wollen, sowie auf der anderen Seite, offen für Überzeugung durch Argumente zu bleiben, denn sonst verrennt man sich in Fundamentalismus.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/denken-und-fuehlen/' rel='bookmark' title='Denken und Fühlen'>Denken und Fühlen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/' rel='bookmark' title='Macht das glücklich?'>Macht das glücklich?</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/zwischenmenschliche-effizienz/' rel='bookmark' title='Zwischenmenschliche Effizienz'>Zwischenmenschliche Effizienz</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/deutungshoheit/' rel='bookmark' title='Deutungshoheit'>Deutungshoheit</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/' rel='bookmark' title='Individualisierte Schuld'>Individualisierte Schuld</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Arbeitgeberfilter</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/arbeitgeberfilter/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/arbeitgeberfilter/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 Feb 2008 22:42:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitgeber]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2008/02/25/arbeitgeberfilter/</guid>
		<description><![CDATA[Viel liest man über die negativen Auswirkungen, die es haben kann, füttert man soziale Netzwerke, die eigene Homepage oder Blogs mit persönlichen Informationen. Wenngleich vieles davon auch zutreffend ist und die optimierte Selbstinszenierung oder Öffentlichmachung intimster Details bisweilen ins Pathologische abdriftet, so ist ein immer wieder erwähnter Punkt doch unter Umständen auch nützlich: Schnüffelei durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel liest man über die negativen Auswirkungen, die es haben kann, füttert man soziale Netzwerke, die eigene Homepage oder Blogs mit persönlichen Informationen. Wenngleich vieles davon auch zutreffend ist und die optimierte Selbstinszenierung oder Öffentlichmachung intimster Details bisweilen ins Pathologische abdriftet, so ist ein immer wieder erwähnter Punkt doch unter Umständen auch nützlich: Schnüffelei durch den aktuellen oder einen potentiellen Arbeitgeber.</p>
<p>Das Profil in sozialen Netzwerken, die eigene Homepage und Aussagen in Blogs werden <a href="http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/">mit der Schere im Kopf verfasst oder in vorauseilendem Gehorsam zensiert</a>, um der Angst zu begegnen, der tatsächliche oder potentielle Arbeitgeber könnte Details über Privatleben, politische oder sexuelle Orientierung, Vorlieben und Abneigungen oder persönliche Meinungen erfahren und als &#8211; natürlich inoffizielle &#8211; Grundlage für negative Konsequenzen heranziehen, sei es das Ablehnen einer Bewerbung und Nichteinstellung, das Übergehen bei einer Beförderung oder in Extremfällen die Kündigung. Warum?</p>
<p>Genauso, wie diese dreiste Schnüffelei durch wenig Vertrauen verdienende Unternehmen, denen das Privatleben ihrer Mitarbeiter, solange es die Arbeit selbst nicht beeinträchtigt, nicht Grund für negative Sanktionen sein darf, soll und muss, in die eine Richtung funktioniert, wirkt sie auch in die andere, nämlich als vorzüglicher Arbeitgeberfilter. Möchte man für eine Firma arbeiten, die herumschnüffelt und einen Menschen nicht einstellt, weil er persönliche, vielleicht sogar peinliche Partyfotos in ein soziales Netzwerk geladen hat? Möchte man für eine Firma arbeiten, die eine politische Meinung jenseits der eigens propagierten als Knock-Out-Kriterium betrachtet? Wenn man nicht eingestellt wird, weil man sich in dieser oder jener Organisation engagiert, ist das dann, abseits vom Ökonomischen, wirklich ein Grund zur Trauer oder nicht eher zur Freude darüber, dass man nicht Teil eines Unternehmen mit solchen Praktiken geworden ist? Was für ein Zustand ist das, wenn man vorsichtig sein muss, welche politischen oder persönlichen Aussagen man trifft?</p>
<p>„Selbst schuld“ hört man süffisant von denjenigen, die sich entsprechend solcher an sie gestellten Erwartungen zensieren und die eigene Persönlichkeit demütig verstecken. „Selbst schuld“ kann man ihnen eigentlich nur antworten.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/' rel='bookmark' title='Individualisierte Schuld'>Individualisierte Schuld</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/in-der-wahrheit-leben/' rel='bookmark' title='In der Wahrheit leben'>In der Wahrheit leben</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/ueberzeugungsarbeit/' rel='bookmark' title='Überzeugungsarbeit'>Überzeugungsarbeit</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/arbeitgeberfilter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Störendes Hintergrundrauschen</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/stoerendes-hintergrundrauschen/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/stoerendes-hintergrundrauschen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Feb 2008 18:19:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Muße]]></category>
		<category><![CDATA[Produktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibblockade]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2008/02/18/stoerendes-hintergrundrauschen/</guid>
		<description><![CDATA[Seit Jahren schon möchte ich ein Buch über etwas schreiben, das mir sehr am Herzen liegt. Oder wenigstens ein PDF mit vielen Seiten. Der Ursprung dieses Wunsches liegt in mittlerweile schon nicht mehr fassbarer Vergangenheit, doch einen ernsthaften Anfang machte dieser Gedanke dann erst zum Ende meiner Schulzeiten, aber bis heute habe ich mit diesem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren schon möchte ich ein Buch über etwas schreiben, das mir sehr am Herzen liegt. Oder wenigstens ein PDF mit vielen Seiten. Der Ursprung dieses Wunsches liegt in mittlerweile schon nicht mehr fassbarer Vergangenheit, doch einen ernsthaften Anfang machte dieser Gedanke dann erst zum Ende meiner Schulzeiten, aber bis heute habe ich mit diesem Vorhaben keine großen Fortschritte erzielt. Ideen kommen und gehen und das Konzept wächst unaufhörlich, trotzdem schaffen es nur die seltensten dieser Ideen als ausformulierte Sätze, Abschnitte oder gar Seiten aufs elektronische Papier. Warum?</p>
<p>Viele Dinge spielen eine Rolle. Die üblichen Verdächtigen natürlich: mangelnde Zeit, Faulheit, nagender Perfektionismus und die Angst vor dem ersten Entwurf, der nie überzeugt. Einige davon &#8211; wahrscheinlich die meisten &#8211; mögen Ausreden sein, das ist sicher, doch sind all das generell Gründe, mit denen umgegangen, denen begegnet werden kann. Es sind Steine auf dem Weg, die wegzuräumen nicht das Problem ist, wenn man weiß, dass man den Weg unbedingt gehen möchte.</p>
<p>Der Hauptgrund allerdings, der mich daran hindert, irgendwie sinnvoll mit meinem Text voranzukommen, liegt in der Zukunft. Es sind all die Dinge, die in meinem Kopf als großes Muss auf mich zukommen: Ich muss Hausarbeiten machen, ich muss Referate vorbereiten, ich muss für Prüfungen lernen (obwohl ich noch nie für Prüfungen gelernt habe). Es ist dabei nicht der Zeitaufwand an sich, der für diese Dinge jeweils aufgebracht werden muss, denn er lässt mir genug Spielraum für Freizeit, sondern es sind die Dinge als solche, in denen ich keinen persönlichen Sinn sehe, die das Problem darstellen.</p>
<p>Freizeit bedeutet nicht gleichzeitig freie Zeit. Wenn in den Semesterferien alle Hausarbeiten hinter mir liegen, keine Klausuren anstehen und auch das kommende Semester im Idealfall noch einige Wochen entfernt liegt, ist das nur Freizeit, aber keine freie Zeit. Im Hinterkopf ist mir stets das störende Wissen allgegenwärtig, dass ich bald, wenn diese kurze Phase der Freizeit vergangen sein wird, wieder neue Referate werde vorbereiten müssen. Wenn die Referate vorbereitet und gehalten wurden, folgen die dazugehörigen Hausarbeiten, nach den Hausarbeiten folgen neue Referate. Wenn irgendwann Referate und Hausarbeiten einmal vorbei sind, stehen Diplomarbeit und Diplomprüfung bereits vor der Tür. Danach Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Einarbeitung, Arbeitsalltag. Jede dieser neuen Stufen ist von lächerlichen Bestätigungen irgendwelcher Instanzen bezeichnet: eine bestandene Klausur oder Prüfung, eine Note, eine gutgeheißene Arbeit, der Abschluss eines Projekts, die Versetzung in ein anderes Be(s)tätigungsfeld.</p>
<p>All dieses Müssen hängt in meinem Kopf ständig unbewusst über allem anderen, wie ein Rauschen im Radio, das einem die Musik verdirbt. Wenn ich Freizeit habe, vergeude ich sie mit irgendwelchen Serien oder Spielen, räume auf oder um, widme mich ganz generell dem so genannten Amüsement und Entertainment, um mich von einem Muss zum nächsten zu hangeln und die Zeit dazwischen totzuschlagen, in der Hoffnung auf ein Ende dieses Muss-Kreislaufs. Doch immer wieder erscheint irgendwo eine neue Stufe. Paralyse. Nie bekomme ich es hin, mich endlich mit dem zu beschäftigen, womit ich mich schon so lange beschäftigen möchte und was mir zudem so sehr am Herzen liegt. Hinzu kommt die Eigenschaft all dieser Nebenschauplätze &#8211; Hausarbeiten, Referate, Bewerbungen und so weiter -, eine derart große Menge an Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen, dass ein effektives und ungestörtes Konzentrieren auf das, was mir eigentlich wirklich wichtig ist, gar nicht möglich ist.</p>
<p>Meine letzte freie Zeit, die nicht nur als Freizeit bezeichnet werden kann, genoss ich direkt nach dem Abitur, als noch völlig offen war, ob ich Zivildienst würde leisten müssen oder nicht und wie es danach weitergehen würde. Diese Zeit, in der nicht klar war, welches Muss als nächstes und wann auftreten würde, in der es keinen fest geregelten Ablauf für die Zukunft gab, keine strukturierten Pläne, keine starren Schienen, auf denen alles zielgerichtet dahinrollt, war gleichzeitig die produktivste.</p>
<p>Was wir brauchen, ist freie Zeit, die nicht bloß Freizeit ist.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/warum-freizeit-nicht-freiheit-ist/' rel='bookmark' title='Warum Freizeit nicht Freiheit ist'>Warum Freizeit nicht Freiheit ist</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/wies-mir-geht/' rel='bookmark' title='Wie&#8217;s mir geht'>Wie&#8217;s mir geht</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/arbeitgeberfilter/' rel='bookmark' title='Arbeitgeberfilter'>Arbeitgeberfilter</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/irgendeine/' rel='bookmark' title='Irgendeine'>Irgendeine</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/stoerendes-hintergrundrauschen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Oct 2007 21:57:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Anpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Karriere]]></category>
		<category><![CDATA[Konkurrenz]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Paranoia]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rollen]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstdarstellung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2007/10/11/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/</guid>
		<description><![CDATA[Sie haben sich immer über die biederen Schlipsträger und Hosenanzugträgerinnen lustig gemacht, die bei Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen arbeiten oder bei anderen, genauso miefigen wie langweiligen Firmen untergekommen sind und dort ihr trostloses Dasein verrichten. Das war ihre Sichtweise. So wollten sie nie enden, diese Perspektive haben sie stets verabscheut. Nun arbeiten sie selbst bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie haben sich immer über die biederen Schlipsträger und Hosenanzugträgerinnen lustig gemacht, die bei Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen arbeiten oder bei anderen, genauso miefigen wie langweiligen Firmen untergekommen sind und dort ihr trostloses Dasein verrichten. Das war ihre Sichtweise. So wollten sie nie enden, diese Perspektive haben sie stets verabscheut. Nun arbeiten sie selbst bei solcherart Banken, Versicherungen, Unternehmensberatungen, Marktforschungsinstituten oder in ähnlichen Feldern, die den gleichen kalten Charme versprühen, oder streben es an, das zu tun. Warum?</p>
<p>Verändert haben sie sich nicht. Das ist das Traurigste daran. Hätten sie sich geändert, hätten sie ihre früheren Überzeugungen über Bord geworfen, ja plakativ ausgedrückt sie sozusagen verraten, so wäre das &#8211; aus meiner persönlichen moralischen Perspektive &#8211; zwar äußerst schade, jedoch konsequent und hätte es verdient, respektiert zu werden. Genau das ist jedoch nicht der Fall. Unverändert gilt ihr Spott und Hohn den Langweilern und Spießern, wie sie sagen, die in all den seriösen Berufsfeldern von Banken bis zu Unternehmensberatungen ihr Geld verdienen, und auch weiterhin gehen sie mit der Verachtung der Werte hausieren, die diejenigen Institutionen vertreten, für die sie nun selbst tätig sind. Dass sie selbst dazugehören, wissen sie, und doch ist ihr Verhalten kein Ausdruck von kritischer Selbstironie. Sie sind nicht geworden, wer sie nie werden wollten, sondern sie spielen eine Rolle, sie inszenieren sich, verkaufen sich, ziehen Masken auf.</p>
<p>Auf der einen Seite haben sie ihre Überzeugungen behalten, doch auf der anderen Seite agieren sie genau entgegengesetzt. Ihre Überzeugungen sind Sonntagsüberzeugungen geworden, die unter der Woche in den Schrank gestellt werden, und sie selbst haben durch den Druck der ökonomisch-realen Situation eine komplizierte Ausprägung multipler Persönlichkeiten und moralischer Flexibilität entwickelt, die es ihnen erlaubt, mehrere sich widersprechende Pakete aus Handlungsmustern, Idealen und Überzeugungen in der eigenen Person zu vereinen.</p>
<p>Sie übernehmen eine Rolle. Sie haben ein Drehbuch zugeschickt bekommen, das ihnen nicht gefällt, dessen ihnen zugesprochene Rolle sie innerlich eigentlich ablehnen &#8211; und doch spielen sie sie. An freien Tagen lästern sie mit ihren Freunden und Bekannten über das, was sie an Arbeitstagen selbst verkörpern. Wenn jemand auf einer Party seine Ansicht zum Ausdruck bringt, er fände Arbeit zum Kotzen, dann finden sie das super, so richtig unterstützenswert, sie klopfen dem Mutigen solidarisch auf die Schulter und geben ihm Recht. Doch wenn am darauffolgenden Montag ein Kollege mit der gleichen Einstellung am Arbeitsplatz erscheint und dafür Ärger kassiert, raunen sie bloß noch „der Idiot ist selbst schuld!“ und wenden sich kopfschüttelnd ihrer Arbeit zu.</p>
<p>Sie sind keine Heuchler &#8211; in unterschiedlichen Situationen glauben sie tatsächlich verschiedene, teils diametral gegensätzliche Dinge und vertreten einander widersprechende Ansichten, ohne diese Widersprüchlichkeit bewusst zu erfassen. Kurz: Ihre neue Rolle verbietet es, eine authentische Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen, ihre Persönlichkeit, sondern spaltet die eigene Identität in mehrere verschiedene Schein-Identitäten auf, die stets dort wirksam sind und die eigene Person möglichst ertragreich verkaufen, wo sie als angemessen erscheinen.</p>
<p>Dieses Verhalten drückt nicht bloß die harmlose Anpassung an äußere Umstände aus, wie sie in jeder Situation vorhanden ist, sondern verkörpert das allgegenwärtige Sich-Verkaufen und die damit verbundene und stets mitschwingende Selbstreg(ul)ierung, die dafür sorgt, sich aus Angst vor negativen Konsequenzen, beispielsweise von Seite des Arbeitsgebers, in jeder Situation den Anforderungen entsprechend zu vermarkten. Wer sich nicht richtig verkauft, also sich selbst zur Ware erklärt und die eigene Verwertbarkeit autonom maximiert und entsprechend anpreist, sei es nun am Arbeitsplatz, in der Disco oder in der Universität, gilt als hoffnungsloser Verlierer.</p>
<p>Jeder steht dabei für sich alleine, denn so muss es sein. In der Welt der Selbstdarstellung und des Sich-selbst-Verkaufens ist jeder andere der potentielle Feind, der sich schließlich ebenso möglichst erfolgreich verkaufen möchte. Mitmenschen werden reduziert auf Konkurrenten. Diese paranoide Atmosphäre des ständigen Misstrauens und der Angst produziert ein Verhalten, das sich schließlich auch auf die eigene Persönlichkeit und das Verhältnis zu den Mitmenschen auswirkt und dort selbst das Verhältnis zu denjenigen mit zunehmender Distanz belegt, die einem eigentlich am nächsten stehen. Die egoistischen und kalkulierend-rationalen Durchsetzungsstrategien, die im Berufsleben zumeist nahegelegt oder gar aufgezwungen werden, transportieren sich bis ins Private, wo sie sich in der austauschbaren Unverbindlichkeit kühl berechnender Verhältnisse zum Mitmenschen niederschlagen.</p>
<p>Freundschaften, so wie alle Beziehungen zu anderen Menschen, werden in dieser Welt der totalen Verwertung und Selbstverwertung ebenso als Waren begriffen, die nützlich und dienlich sein sollen, wie alles andere auch. Sie sind unverbindlich und oberflächlich. Man verkauft sich jedem neuen sozialen Kontakt auf eine andere Weise, um ihm das zu präsentieren, was er sehen möchte, und maximiert dadurch den Erfolg des Selbstverkaufens. Masken werden aufgezogen, Rollen gespielt, Auftritte geübt. Für jeden Kontakt entsteht ein neues soziales Ich, das eine möglichst überzeugende Fiktion darstellt, und die wirkliche Persönlichkeit, die Authentizität der eigenen Person, verkriecht sich aus Angst im stillen Kämmerlein, um die aufgebauten Illusionen nicht zu zerstören. Einen anderen Menschen an sich heranzulassen wird als potentielle Schwäche diskreditiert, die nur dann in Kauf genommen werden kann, wenn es der eigenen Lage dienlich ist, wenn es beispielsweise zu Prestigegewinn oder finanziellem Vorteil führt, zu Problemlösungen beiträgt oder ein den allgegenwärtigen Druck ausgleichendes Amüsement verspricht.</p>
<p>Strategien aus der so genannten Arbeitswelt, die dort unter Vorspielung eben solcher Rollen und dem Erzeugen von Fiktionen zu Erfolg führen sollen, werden nach einiger Zeit kritiklos in intimste Bereiche des eigenen Lebens übernommen und münden darin, den Betrug und die Illusion als angemessene Grundlagen zwischenmenschlicher Beziehungen und sogar Partnerschaften anzusehen, ohne zu begreifen, dass die Übertragung dieser Verhaltensweisen in eben diese Sphären, die stets zwingend authentischer Persönlichkeiten und Verhaltensweisen bedürfen, zwangsläufig zu Schwierigkeiten führen wird. So ist es kein Wunder, wenn entsprechende Freundschaften oder Partnerschaften zerbrechen.</p>
<p>All diesen Verlusten wird häufig mit dem Versuch der Uminterpretation begegnet: Die Unverbindlichkeit, das berechnende Verhalten und das illusorische Rollenspiel seien Ausdruck und Notwendigkeit der Freiheit des eigens selbstbestimmten Lebensentwurfs. Nur durch das Rollenspiel könne man die eigene Persönlichkeit vor der feindlichen Außenwelt schützen, lautet ein anderer Versuch der positiven Umdeutung, der nicht begreift, dass das Unterdrücken und daraus de facto resultierende Abschaffen dieser authentischen Persönlichkeit nicht zu deren Erhaltung beiträgt. Dieser Selbstbetrug erlaubt es, all die negativen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, als unvermeidlich abzustempeln, als hinderlich bei der eigenen Vermarktung. Es entsteht ein Typus Mensch, der seine fiktionalen Schein-Persönlichkeiten, die damit einhergehende Selbstentfremdung und das von Kalkül bestimmte Konkurrenz- und Nutzdenken gegenüber seinen Mitmenschen als etwas Positives begreift, das ihn zum Erfolg führt.</p>
<p>Entsteht dabei eine Gesellschaft, in der wir uns wohlfühlen?</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/denken-und-fuehlen/' rel='bookmark' title='Denken und Fühlen'>Denken und Fühlen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/' rel='bookmark' title='Macht das glücklich?'>Macht das glücklich?</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/' rel='bookmark' title='Individualisierte Schuld'>Individualisierte Schuld</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/weniger-ist-mehr/' rel='bookmark' title='Weniger ist mehr'>Weniger ist mehr</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Macht das glücklich?</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 09 Sep 2007 13:24:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2007/09/09/macht-das-gluecklich/</guid>
		<description><![CDATA[Für einen Arbeitsplatz, den sie hassen, für eine Ausbildung, die sie gar nicht wollen, oder sogar nur für ein Praktikum, das wohl die niederste Form der Ausbeutung darstellt, tun sie alles. Sie leugnen ihre eigene Meinung. Sie leugnen ihre Träume. Sie leugnen ihre Ideale. Sie leugnen ihre Vergangenheit. Sie leugnen, was sie sind. Sie zensieren ihre Internet-Auftritte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für einen Arbeitsplatz, den sie hassen, für eine Ausbildung, die sie gar nicht wollen, oder sogar nur für ein Praktikum, das wohl die niederste Form der Ausbeutung darstellt, tun sie alles.</p>
<p>Sie leugnen ihre eigene Meinung. Sie leugnen ihre Träume. Sie leugnen ihre Ideale. Sie leugnen ihre Vergangenheit. Sie leugnen, was sie sind. Sie zensieren ihre Internet-Auftritte. Sie wollen nicht zu dem stehen, was sie sagen und denken. Sie kontrollieren, was man bei Google über sie herausfinden kann, und wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann wollen sie das ändern. Sie nehmen Bilder aus dem Netz, die sie vielleicht in einem schlechten Licht darstellen könnten. Sie wollen glänzen.</p>
<p>Sie haben ständig die Schere im Kopf. Sie wollen nicht auffallen. Zumindest nicht negativ. Doch weil es einfacher ist, überhaupt nicht aufzufallen, gehen sie diesen Weg. Sie buckeln nach oben und sie treten nach unten. Sie kuschen und gehorchen.</p>
<p>Sie brauchen Menschen, die ihnen sagen, was sie tun sollen. Sie wollen nicht alleine laufen, nicht ohne Führung, nicht ohne Geländer. Trotzdem sind sie einsam, oft gemeinsam. Sie wollen nicht frei sein, also sollen alle anderen auch nicht dürfen. Sie wissen nicht, wer sie sind, aber das interessiert sie auch gar nicht. Denn sie sind, was andere von ihnen verlangen. Macht das glücklich?</p>
<p>Wie Wiglaf Droste so treffend schrieb:</p>
<blockquote><p>Wenn man ihnen ihre Leitplanken schon nicht wegnehmen kann, darf man immerhin drüberweg hüpfen. Innerhalb der Leitplankenkultur gibt es nichts zu finden, das sich zu suchen lohnte.<br />
<small>(<a title="Über die Leitplanke" href="http://www.taz.de/1/archiv/?id=archivseite&amp;dig=2000/11/10/a0257">Wiglaf Droste bei taz.de</a>)</small></p></blockquote>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/' rel='bookmark' title='Keiner trägt das Leben allein'>Keiner trägt das Leben allein</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/die-kraft-der-einbildung/' rel='bookmark' title='Die Kraft der Einbildung'>Die Kraft der Einbildung</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/denken-und-fuehlen/' rel='bookmark' title='Denken und Fühlen'>Denken und Fühlen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/rom-steht-in-flammen/' rel='bookmark' title='Rom steht in Flammen'>Rom steht in Flammen</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Keiner trägt das Leben allein</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 02 Sep 2007 19:53:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Wärme]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2007/09/02/denn-keiner-traegt-das-leben-allein/</guid>
		<description><![CDATA[Gut ist es, an andern sich zu halten. Denn keiner trägt das Leben allein. (Friedrich Hölderlin) Kommunikation mit den Mitmenschen ist keine Einbahnstraße. Das gilt vor allem, aber nicht exklusiv, für die Kommunikation mit Freunden. Kommunikation mit den Mitmenschen ist auch kein Selbstbedienungsbasar. Sie sagen dir ihre Meinung &#8211; ungefragt. Sie sagen dir, worin du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><small>Gut ist es, an andern sich zu halten. Denn keiner trägt das Leben allein.<br />
(Friedrich Hölderlin)</small></p>
<p>Kommunikation mit den Mitmenschen ist keine Einbahnstraße. Das gilt vor allem, aber nicht exklusiv, für die Kommunikation mit Freunden. Kommunikation mit den Mitmenschen ist auch kein Selbstbedienungsbasar. Sie sagen dir ihre Meinung &#8211; ungefragt. Sie sagen dir, worin du so richtig schlecht bist &#8211; ungefragt. Sie sagen dir, dass einige deiner Entscheidungen ziemlich blöd waren &#8211; ungefragt.</p>
<p>Das alles findet man vielleicht in jenen Momenten, in denen man es zu hören bekommt, ziemlich nervig und vielleicht sogar scheiße, aber es hilft &#8211; und es ist verdammt viel wert. Weil eben niemand perfekt ist. Weil niemand alles auf Anhieb super macht. Weil niemand je auslernt. Weil niemand alleine ist. Weil es gut ist, das eigene Handeln des Öfteren aus anderen Perspektiven und dabei nicht immer nur von den gleichen Personen beurteilt zu sehen, Ratschläge zu erhalten und Kritik zu ernten, da das eigene Selbstbild stets von der Verzerrung geprägt ist, wie man sich sehen möchte. Und weil man lernt, dass man nicht über jede nicht selbst gemachte Erfahrung erhaben ist.</p>
<p>Solche Ratschläge, Meinungen oder Kritiken anderer Menschen in Erwägung zu ziehen oder gar anzunehmen, mag vielleicht anfangs ein wenig das eigene Ego verletzen. Oder man ist außer sich, weil andere Menschen die Dreistigkeit besitzen, sich in das eigene Leben einzumischen. Aber letzten Endes stärkt es die eigene Persönlichkeit, und das ist viel wertvoller als ein angekratztes Ego. Es lohnt sich, dafür eventuelle Mauern einzureißen, die man gegenüber anderen Menschen und seiner Umwelt gebaut hat.</p>
<p>Sie anzunehmen hat nie etwas mit Schwäche oder Unfähigkeit zu tun. Im Gegenteil. Schwach &#8211; aber vor allem dumm &#8211; ist, wer denkt, alles alleine am besten zu wissen und zu können. Wer das glaubt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er schließlich tatsächlich das Leben ganz alleine tragen muss. Wer sich abschottet, verliert viel Wärme.</p>
<p>Eine jener Charakteristiken, die Freunde ausmachen, ist eben dieses Einmischen. Sie sagen dir von sich aus Dinge, die du vielleicht nicht hören willst, und das ist gut so. Sie sagen dir solche Dinge, ohne darauf angesprochen zu werden, denn auf Aufforderung könnte das jeder. Und sie versuchen dir zu helfen, auch und gerade wenn du sie nicht darum bittest oder wenn du wieder einmal so tust, als bräuchtest du keine Hilfe, denn auf Aufforderung könnte auch das jeder Beliebige. Ein Beliebiger nimmt allerdings nicht Anteil. Freunde schon. Das macht sie unbezahlbar. Auch wenn es hin und wieder nervt.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/macht-das-gluecklich/' rel='bookmark' title='Macht das glücklich?'>Macht das glücklich?</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/arbeitgeberfilter/' rel='bookmark' title='Arbeitgeberfilter'>Arbeitgeberfilter</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/gute-sklaven/' rel='bookmark' title='Gute Sklaven'>Gute Sklaven</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/beschleunigtes-leben/' rel='bookmark' title='Beschleunigtes Leben'>Beschleunigtes Leben</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/keiner-traegt-das-leben-allein/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Irgendeine</title>
		<link>http://pala.mischamandl.de/irgendeine/</link>
		<comments>http://pala.mischamandl.de/irgendeine/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Aug 2007 16:34:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://pala.mischamandl.de/2007/08/07/irgendeine/</guid>
		<description><![CDATA[Das Ende des Jahres. Mit einigen Freunden und Bekannten ging ich auf eine der vielen Silvesterpartys in dieser Nacht und die Stimmung war super. Irgendwann im Laufe des Abends saß ich mit einigen Leuten herum und unterhielt mich mit ihnen. Ein Freund aus früheren Zeiten, den wir zufällig dort getroffen hatten, sah uns dasitzen, kam zu mir herüber und meinte: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Ende des Jahres. Mit einigen Freunden und Bekannten ging ich auf eine der vielen Silvesterpartys in dieser Nacht und die Stimmung war super. Irgendwann im Laufe des Abends saß ich mit einigen Leuten herum und unterhielt mich mit ihnen. Ein Freund aus früheren Zeiten, den wir zufällig dort getroffen hatten, sah uns dasitzen, kam zu mir herüber und meinte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Willst du dich nicht ranmachen? Irgendeine kriegt man auf jeden Fall&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>Das Interessante an seiner Aussage ist unter anderem, dass er Recht hat. Irgendeine(n) findet man bei solchen Gelegenheiten auf jeden Fall, wenn man das möchte. Je später der Abend, desto höher die Wahrscheinlichkeit &#8211; das liegt nicht einmal hauptsächlich am Alkohol. Und ohne Frage ist das auch völlig legitim, wenn beide Seiten nur genau das erwarten: Irgendeine(n).</p>
<p>Für mich war dieser Kommentar jedoch einer jener Momente, in denen mir klar wird, dass das, was er ausdrückte, nicht meine Welt ist. Und dass ich nicht <em>irgendeine</em> möchte.</p>
<p>Ähnliche Einträge:<ol>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/mut-zur-musse/' rel='bookmark' title='Mut zur Muße'>Mut zur Muße</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/weniger-ist-mehr/' rel='bookmark' title='Weniger ist mehr'>Weniger ist mehr</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/stoerendes-hintergrundrauschen/' rel='bookmark' title='Störendes Hintergrundrauschen'>Störendes Hintergrundrauschen</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/individualisierte-schuld/' rel='bookmark' title='Individualisierte Schuld'>Individualisierte Schuld</a></li>
<li><a href='http://pala.mischamandl.de/selbstvermarktung-multipler-persoenlichkeiten/' rel='bookmark' title='Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten'>Selbstvermarktung multipler Persönlichkeiten</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://pala.mischamandl.de/irgendeine/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

