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	<title>Pala &#187; Gefühle</title>
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		<title>Wer mich liebt, mit dem stimmt etwas nicht</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 12:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon Dostojewski machte darauf aufmerksam, daß das Bibelwort »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« wahrscheinlich andersrum zu verstehen ist &#8211; nämlich in dem Sinne, daß man den Nächsten nur dann lieben kann, wenn man sich selbst liebt. Weniger elegant, dafür um so prägnanter, drückte Marx (Groucho, nicht Karl) dieselbe Idee Jahrzehnte später aus: »Es würde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Schon Dostojewski machte darauf aufmerksam, daß das Bibelwort »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« wahrscheinlich andersrum zu verstehen ist &#8211; nämlich in dem Sinne, daß man den Nächsten nur dann lieben kann, wenn man sich selbst liebt.</p>
<p>Weniger elegant, dafür um so prägnanter, drückte Marx (Groucho, nicht Karl) dieselbe Idee Jahrzehnte später aus: »Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen.« Wenn Sie sich die Mühe nehmen, die Tiefe dieses Witzes zu ergründen, sind Sie bereits gut auf das nun Folgende vorbereitet.</p>
<p>Geliebt zu werden ist auf jeden Fall mysteriös. Nachzufragen, um Klarheit zu schaffen, empfiehlt sich nicht. Bestenfalls kann es der andere Ihnen überhaupt nicht sagen; schlimmstenfalls stellt sich sein Grund als etwas heraus, das Sie selbst bisher nicht für Ihre charmanteste Eigenschaft hielten; zum Beispiel das Muttermal auf Ihrer linken Schulter. Schweigen ist da wieder einmal ganz eindeutig Gold.</p>
<p>Was wir daraus für unser Thema lernen können, zeichnet sich nun schon klarer ab. Nehmen Sie nicht einfach dankbar hin, was Ihnen das Leben durch Ihren (offensichtlich selbst liebenswerten) Partner bietet. Grübeln Sie. Fragen Sie sich, aber nicht ihn, warum. Denn er muß ja irgendeinen Hintergedanken haben. Und den enthüllt er Ihnen bestimmt nicht.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>In seinem berühmten Werk ›Das Sein und das Nichts‹ bezeichnet Jean Paul Sartre die Liebe als einen vergeblichen Versuch, eine Freiheit als Freiheit zu besitzen. Dazu führt er aus:</p>
<p>»Andererseits kann er [der Liebende] sich aber auch nicht mit jener erhabenen Form von Freiheit zufriedengeben, die eine ungezwungene und freiwillige Verpflichtung ist. Wer würde sich mit einer Liebe begnügen, die sich als reine, dem Vertrauen geschworene Treue darbietet? Wem wäre es recht, wenn er hören müßte: ›Ich liebe dich, weil ich mich freiwillig verpflichtet habe, dich zu lieben, und weil ich mein Wort nicht brechen will; ich liebe dich aus Treue zu mir selbst.‹? So verlangt der Liebende den Schwur und ist über den Schwur unglücklich. Er will von einer Freiheit geliebt werden und verlangt, daß diese Freiheit als solche nicht mehr frei sei.«</p>
<p>[F]ür den Unglücklichkeitsbedarf des Anfängers mag das eben Gesagte ausreichen. Der Fortgeschrittene aber gibt sich damit nicht zufrieden. Aus diesen Zusammenhängen läßt sich nämlich weiteres Kapital schlagen, das allerdings nur den Groucho Marxens unter uns zugänglich ist. Es setzt eben voraus, daß man sich selbst für liebensunwürdig hält. Damit ist jeder, der einen liebt, prompt diskreditiert. Denn wer einen liebt, der keine Liebe verdient, mit dessen Innenleben stimmt etwas nicht. Ein Charakterdefekt wie Masochismus, eine neurotische Bindung an eine kastrierende Mutter, eine morbide Faszination durch das Minderwertige &#8211; von dieser Art sind die Gründe, die sich als Erklärung für die Liebe des oder der Betreffenden anbieten und sie unerträglich machen. (Zur Auswahl der befriedigendsten Diagnose ist eine gewisse Kenntnis der Psychologie oder wenigstens die Teilnahme an Selbsterfahrungsgruppen von großem Wert.)</p>
<p>Und damit ist nicht nur das geliebte Wesen, sondern auch der Liebende selbst und die Liebe als solche in ihrer Schäbigkeit enthüllt. Was kann man schon mehr wünschen?</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Nur auf den ersten Blick erscheint das absurd, denn die Komplikationen, die mit dieser Auffassung einhergehen, liegen doch so klar auf der Hand. Dies dürfte aber noch niemanden abgehalten haben, oder, wie Shakespeare es in einem seiner Sonette sagt: »Dies weiß jedweder, doch nicht wie man flieht den Himmel, der zu dieser Hölle zieht.« Praktisch verliebe man sich also in hoffnungsloser Weise: in einen verheirateten Partner, einen Priester, einen Filmstar oder eine Opernsängerin. Auf diese Weise reist man hoffnungsfroh, ohne anzukommen, und zweitens bleibt einem die Ernüchterung erspart, feststellen zu müssen, daß der andere gegebenenfalls durchaus bereit ist, in eine Beziehung einzutreten - womit er sofort unattraktiv wird.<br />
<small>(Paul Watzlawick &#8211; Anleitung zum Unglücklichsein)</small></p></blockquote>


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		<title>Romantic Terrorism</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 16:17:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Though ordinary terrorists may occasionally force concessions from governments by blowing up buildings or schoolchildren, romantic terrorists are doomed to disappointment because of a fundamental inconsistency in their approach. You must love me, says the romantic terrorist; I will force you to love me by sulking at you or making you feel jealous. But then [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Though ordinary terrorists may occasionally force concessions from governments by blowing up buildings or schoolchildren, romantic terrorists are doomed to disappointment because of a fundamental inconsistency in their approach. <em>You must love me</em>, says the romantic terrorist; <em>I will force you to love me by sulking at you or making you feel jealous</em>. But then comes the paradox, for if love is returned, it is at once considered tainted, and the romantic terrorist must complain, <em>If I have only forced you to love me, then I cannot accept this love, for it was not spontaneously given</em>. Romantic terrorism is a demand that negates itself in the process of its resolution.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Furcht vor dem Glück</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 12:30:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[It is easiest to accept happiness when it is brought about through things that one can control, that one has achieved after much effort and reason. But the happiness I had reached with Chloe had not come as a result of any personal achievement or effort. It was simply the outcome of having, by a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>It is easiest to accept happiness when it is brought about through things that one can control, that one has achieved after much effort and reason. But the happiness I had reached with Chloe had not come as a result of any personal achievement or effort. It was simply the outcome of having, by a miracle of divine intervention, found a person whose company was more valuable to me than that of anyone else in the world. Such happiness was dangerous precisely because it was so lacking in self-sufficient permanence. Had I after months of steady labor produced a scientific formula that had rocked the world of molecular biology, I would have had no qualms about accepting the happiness that had ensued from such a discovery. The difficulty of accepting the happiness Chloe represented came from my absence in the causal process leading to it, and hence my lack of control over the happiness-inducing element in my life. It seemed to have been arranged by the gods, and was hence accompanied by all the primitive fear of divine retribution.</p>
<p>&#8220;All of man&#8217;s unhappiness comes from an inability to stay in his room alone,&#8221; said Pascal, advocating a need for man to build up his own resources over and against a debilitating dependence on the social sphere. But how could this possibly be achieved in love? Proust tells the story of Mohammed II, who, sensing that he was falling in love with one of the wives in his harem, at once had her killed because he did not wish to live in spiritual bondage to another. Short of this approach, I had long ago given up hope of achieving self-sufficiency. I had gone out of my room, and begun to love another &#8211; thereby taking on the risk inseparable from basing one&#8217;s life around another human being.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Declaring love</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 14:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[The difficulty of a declaration of love opens up quasi-philosophical concerns about language. (&#8230;) The words were the most ambiguous in the language, because the things they referred to so sorely lacked stable meaning. Certainly travelers had returned from the heart and tried to represent what they had seen, but love was in the end like [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>The difficulty of a declaration of love opens up quasi-philosophical concerns about language. (&#8230;) The words were the most ambiguous in the language, because the things they referred to so sorely lacked stable meaning. Certainly travelers had returned from the heart and tried to represent what they had seen, but love was in the end like a species of rare colored butterfly, often sighted, but never conclusively identified.</p>
<p>The thought was a lonely one: of the error one may find over a single word, an argument not for linguistic pedants but of desperate importance to lovers who need to make themselves understood. Chloe and I could both speak of being in love, and yet this love might mean significantly different things within each of us. We had often read the same books at night in the same bed, and later realized that they had touched us in different places: that they had been different books for each of us. Might the same divergence not occur over a single love-line?</p>
<p>She really was adorable (thought the lover, a most unreliable witness in such matters). But how could I tell her so in a way that would suggest the distinctive nature of my attraction? Words like &#8220;love&#8221; or &#8220;devotion&#8221; or &#8220;infatuation&#8221; were exhausted by the weight of successive love stories, by the layers imposed on them through the uses of others. At the moment when I most wanted language to be original, personal, and completely private, I came up against the irrevocably public nature of emotional language.</p>
<p>There seemed to be no way to transport &#8221;love&#8221; in the word L-O-V-E, without at the same time throwing the most banal associations into the basket. The word was too rich in foreign history: everything from the Troubadours to <em>Casablanca</em> had cashed in on the letters. Was it not my duty to be the author of my feelings?</p>
<p>Then I noticed a small plate of complimentary marshmallows near Chloe&#8217;s elbow and it suddenly seemed clear that I didn&#8217;t <em>love</em> Chloe so much as <em>marshmallow</em> her. (&#8230;) Even more inexplicably, when I took Chloe&#8217;s hand and told her that I had something very important to tell her, that I <em>marshmallowed</em> her, she seemed to understand perfectly, answering that it was the sweetest thing anyone had ever told her.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Selbstzurückweisung</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 15:15:29 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>When we look at someone (an angel) from a position of unrequited love and imagine the pleasures that being in heaven with them might bring us, we are prone to overlook a significant danger: how soon their attractions might pale if they began to love us back. We fall in love because we long to escape from ourselves with someone as ideal as we are corrupt. But what if such a being were one day to turn around and love us back? We can only be shocked. How could they be as divine as we had hoped when they have the bad taste to approve of someone like us? If in order to love we must believe that the beloved surpasses us in some way, does not a cruel paradox emerge when we witness this love returned? &#8220;<em>If s/he really is so wonderful, how could s/he love someone like</em> me?&#8221;<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Perfection in everything</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 14:58:44 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»<em>The island was packed with tourists, but we rented motorcycles and</em>&#8230;« Chloe&#8217;s holiday story was dull, but its dullness no longer counted against it. I had ceased to consider it according to the secular logic of ordinary conversations. I no longer needed to locate within it either insight or humor; what mattered was not so much <em>what</em> she was saying as the fact <em>she</em> was saying it &#8211; and that I had decided to find perfection in everything she could utter. I felt ready to follow her into every anecdote (»<em>There was this shop that served fresh olives</em>&#8230;«); I was ready to love every one of her jokes that had missed its punch line, every reflection that had lost its thread. I felt ready to abandon self-absorption for the sake of consummate empathy, to catalogue every one of Chloe&#8217;s memories, to become a historian of her childhood, to learn of all her loves and fears. Everything that could have possibly have played itself out within her mind and body had promptly grown fascinating.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Erinnerung</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 20:03:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine Witwe heiratete einen Witwer. In der ersten Nacht lagen sie nebeneinander. Die Witwe hatte Lust auf den Mann, doch er hörte nicht auf, von seiner verstorbenen Frau zu erzählen. Irgendwann fing auch die Frau an, von ihrem verstorbenen Mann zu reden. Bald darauf schnarchte der Mann neben ihr. In der zweiten Nacht zog sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Eine Witwe heiratete einen Witwer. In der ersten Nacht lagen sie nebeneinander. Die Witwe hatte Lust auf den Mann, doch er hörte nicht auf, von seiner verstorbenen Frau zu erzählen. Irgendwann fing auch die Frau an, von ihrem verstorbenen Mann zu reden. Bald darauf schnarchte der Mann neben ihr.<br />
In der zweiten Nacht zog sich die Frau aus und legte sich zu ihrem Mann, doch als sie ihn streichelte, sagte er: »Das erinnert mich an meine Frau, selig soll sie im Schoß Gottes weilen. Sie hat auch immer gern meine Brusthaare gestreichelt.« Er zündete sich eine Zigarette an und erzählte lange von seiner verstorbenen Frau. Die Witwe besann sich und sagte darauf, daß ihr verstorbener Mann im entscheidenden Augenblick auch immer eine Zigarette geraucht und sein Mund davon wie ein Aschenbecher gestunken habe, weshalb ihr die Lust oft vergangen sei. Aber bevor sie mit ihrem Satz zu Ende war, schnarchte der Mann.<br />
In der dritten Nacht nahm die Frau eine Flasche Wein mit ins Schlafzimmer. Sie zog sich aus, zündete eine Kerze an und schenkte dem Mann ein. Das hatte bei ihrem Verstorbenen immer Wunder bewirkt.<br />
Der neue Ehemann nahm einen Schluck. »Chianti?« fragte er begeistert.<br />
»Ja«, antwortete die Frau hoffnungsvoll.<br />
»Das erinnert mich an Venedig, wo ich damals mit meiner so temperamentvollen&#8230;«<br />
Da trat die Frau den Mann so kräftig in die Seite, daß er aus dem Bett fiel.<br />
»Was ist los mit dir?« schimpfte er.<br />
»Nichts. Das Bett ist nur für zwei. Wir aber liegen seit drei Tagen hier zu viert, da kann es leicht passieren, daß einer herausfällt.«<br />
<small>(Rafik Schami &#8211; Loblied und andere Olivenkerne)</small></p></blockquote>


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		<title>Epiphanies</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 10:27:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[A Tale Of Two Lives]]></category>
		<category><![CDATA[Eifersucht]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Unsicherheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Trey Ratcliff “I don’t love her. Or do I?&#8221; “Excuse me?” “I did not sleep. Last night I was lying awake for more than six hours, and I was thinking about her, I was thinking about the whole situation I’m in and how none of it makes any sense to me.” “I don’t think I [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildquelle" style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-955" title="The Wall of Fog" src="http://pala.mischamandl.de/wp-content/uploads/2010/06/4602206431_68c7a96c9d.jpg" alt="" width="500" height="320" />
<p><a class="cc" href="http://www.flickr.com/photos/stuckincustoms/4602206431/"><span>Trey Ratcliff</span></a></p>
</div>
<p>“I don’t love her. Or do I?&#8221;</p>
<p>“Excuse me?”</p>
<p>“I did not sleep. Last night I was lying awake for more than six hours, and I was thinking about her, I was thinking about the whole situation I’m in and how none of it makes any sense to me.”</p>
<p>“I don’t think I understand.”</p>
<p>“The first thing that comes to my mind when I wake up in the morning is her face, her smile, and instantly I want to give her a call, write her a letter or just meet with her, you know. Last time I sat down with her, I kept staring at her hands and her wrists, and I caught myself thinking how beautiful they are and how badly I want to touch her, not in a sexual way, just… touch her hands, feel her skin.”</p>
<p>“I begin to see where this is going.”</p>
<p>“One day she mentioned this random bloke she had met, and I think I got jealous…”</p>
<p>“Why?”</p>
<p>“Exactly! I don’t know why. I have absolutely no reason to be.”</p>
<p>“So?”</p>
<p>“It doesn’t make sense.”</p>
<p>“What do you mean?”</p>
<p>“I don’t love her. I don’t even have feelings for her. But still… all of this is confusing me.”</p>
<p>“Go on.”</p>
<p>“I see ghosts.”<span id="more-954"></span></p>
<p>“Ghosts?”</p>
<p>“Yeah, people who look like her. I see them all the time, in the streets, on a train, in a bar, basically everywhere. Even if I know for certain that it can’t be her right now, right here, in this place, in this very moment. There’s always some dim hope that it might in fact be her, and I feel the urge to approach and talk to her, approach and talk to them, these ghosts I see. They only have to bear a small resemblance to her and I start to be like that. Do I sound crazy?”</p>
<p>“Oh, I think we all know this kind of craziness.”</p>
<p>“When the phone rings or when I get an email, I get my hopes up that it might be her, and then I’m disappointed if it’s not. I didn’t think about that at first, hell, I didn’t even notice it, but lately I can’t ignore my behavior any more, and… I can’t stand it. It’s like looking into a mirror and seeing your image doing things you’d never do, but at the same time you know it’s actually you who’s doing that. This morning I wanted to write an email to one of my colleagues, and when I was to enter his address, I typed in hers instead. It’s strange, eh? This isn’t me! You think this is me?”</p>
<p>“You’re a stranger in a strange land. You’d better get used to it.”</p>
<p>“I’m not sure I want that. But there’s more. I drove past her house today, and when I did, when I waited for the traffic light to turn green, I didn’t realize this at first, but I hoped that she would just walk out of the door, even though I knew she wasn’t home, even though I knew she was at work. And you know what?”</p>
<p>“What?”</p>
<p>“If she had actually come out of the door, I wouldn’t have had the slightest idea what to do with her or what to say to her. It’s always like this, I’m feeling delighted and uncomfortable at the same time, and I do not understand why.”</p>
<p>“But you do feel happy?”</p>
<p>“Last week I crossed half the country just to have dinner with her.”</p>
<p>“Just dinner?”</p>
<p>“Just dinner. It took me ages to get there and I spent a small fortune doing it, but I couldn’t have cared less, and all that mattered to me in that moment was seeing her, being close to her, sharing time with her. I still can’t believe I actually did that. This is going in the wrong direction.”</p>
<p>“You sound a lot like you’re in denial, and believe me, I know what I’m talking about.”</p>
<p>“I begin to doubt that discussing this with you will really help…”</p>
<p>“Ignoring it certainly won’t.”</p>
<p>“Well, there’s nothing to deny, and even if that were true, I’m dead sure I’d be the only one who’d be emotionally involved, so there’s no point in thinking about this.”</p>
<p>“And yet you do. It doesn’t matter though, you know.”</p>
<p>“What doesn’t matter?”</p>
<p>“It doesn’t matter if she’s emotionally involved, as you phrased it. Whatever she feels for you or allegedly doesn’t feel for you won’t change what you feel for her. So, you’re wrong, there is a point in thinking about all of this, and in fact you <em>are</em> thinking about this, you <em>are</em> thinking about her.”</p>
<p>“But I do not feel for her!”</p>
<p> “Yeah, right, whatever. Let me just summarize everything you’ve told me so far: In the morning she’s the first thing that comes to your mind when you wake up, and you go to great lengths just to see her for a short while, just to be with her, you’re nervous when she’s around and you find yourself missing her when she’s not, that’s why you see what you called ghosts. Obviously she’s in your mind, and apparently she’s in your heart as well. You’re probably the stupidest person on this planet right now.”</p>
<p>“Why would that be and who are you to judge?”</p>
<p>“Oh, I’m just in your head, buddy. You do know that, right? That said, for like thirty minutes now you’re talking to me – well, yourself actually – about how you have no feelings for her in no way at all, though, at the same time, she’s obviously the one thing going through your mind that’s most important to you after all. Are you fucking with me? Is this a bloody joke?”</p>
<p>“Excuse me?”</p>
<p>“Look, I won’t give you a definite answer to your initial question, but given all the clues you have, I’m pretty damn sure you’ll figure it out. I really hope you do, or you’re one hell of a fool. I’ve done what I came for. Good luck!”</p>


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		<title>Gefühlskiller</title>
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		<pubDate>Thu, 13 May 2010 10:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Enttäuschung]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
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		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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		<description><![CDATA[Giampaolo Macorig Ihr seid die lieblosesten Menschen, die ich kenne. Ihr guckt euch Sendungen an, in denen Menschen, die in ihrem Leben noch nie eine ernsthafte Partnerschaft erlebt haben, einmal von der Liebe sprechen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr, ihr macht euch über sie lustig, weil sie in euren Augen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildquelle" style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-893" title="The way out? (from Hell)" src="http://pala.mischamandl.de/wp-content/uploads/2010/05/197398590_a80070dbf6.jpg" alt="" width="500" height="374" />
<p><a class="cc" href="http://www.flickr.com/photos/gmacorig/197398590/"><span>Giampaolo Macorig</span></a></p>
</div>
<p>Ihr seid die lieblosesten Menschen, die ich kenne. Ihr guckt euch Sendungen an, in denen Menschen, die in ihrem Leben noch nie eine ernsthafte Partnerschaft erlebt haben, einmal von der Liebe sprechen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr, ihr macht euch über sie lustig, weil sie in euren Augen so unglaublich peinlich sind. Sie mögen peinlich sein, doch noch peinlicher seid schließlich ihr, die ihr euch hämisch über so etwas amüsiert, mag es gestellt sein oder nicht, auf sie herabblickt, ihre Vorstellung von Liebe und Gefühlen in den Dreck zieht, und das bisschen Glück, das diese Menschen für sich haben, erst auf den Boden werft und dann mit Füßen tretet. Ihr wendet euch ab, wenn sich zwei Menschen küssen, ihr verabscheut jegliches Verhalten, das Anderen zeigt, dass man ein Pärchen ist, ihr würdet sie am liebsten trennen, allesamt, ihrem Glück ein Ende bereiten, denn für euch ist das kein Glück, was ihr da seht, also kann es das für andere doch auch nicht sein. Ihr seid Gefühlsspießer – wenn ihr nicht könnt, sollen alle anderen auch nicht dürfen.<br />
Ihr wollt sie nicht, die Liebe, sagt ihr dann und wiederholt das wie ein Mantra. Wen wollt ihr damit überzeugen, die Welt oder am Ende bloß euch selbst? Anstatt sie als Geschenk anzunehmen, selbst wenn ihr euch vielleicht doch Anderes just wünscht, blockt ihr sie ab, zerredet sie und macht sie klein. Wer immer euch mal liebt, den stoßt ihr eiskalt weg. Das Übel, sagt ihr, wollt ihr an der Wurzel ausradieren. Hört ihr euch manchmal selbst beim Reden zu? Ihr verschanzt euch hinter Zynismus, der bequem ist, hinter Traumgebilden, die naiv sind, oder hinter dem, was ihr Vernunft nennt, was doch bloß Angst in anderem Kleide ist. Ihr findet so viele gute Gründe, euch nicht auf jemanden einzulassen, so viele schlaue Rationalisierungen, und nicht einen einzigen Grund dafür. Ihr begreift nicht, dass ihr umsonst sucht, denn es gibt gar keinen Grund dafür, weil das Dafür doch eines Grundes nicht bedarf: „Ich liebe dich, weil…“, das sagt kein Mensch, der wahrhaft liebt. Auf der anderen Seite verstecken sich Millionen Gründe dagegen, und ihr, ihr findet sie alle. Ihr wollt sie unbedingt finden. Dann wägt ihr ab: Kein Grund dafür, so viele dagegen, ihr zieht Bilanz und rechnet aus, als ob es um den Einkauf geht. Und ihr, die ihr so lieblos sprecht, ihr wagt es dann, euch über jene lauthals zu brüskieren, die sich schlicht glücklich in Gefühlen baden?<br />
Wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist, die euch umhaut, die von euch Besitz ergreift, dann wollt ihr sie nicht haben. Seid ehrlich zu euch selbst: Wie oft habt ihr das schon erlebt? Für euch ist Liebe wie die magische Bohne, aus der ganz plötzlich eine Ranke bis zum Himmel wächst. Dass es auch anders geht, dass Liebe auch als zartes Pflänzchen reifen kann, das reichlich Zeit zum Wachsen braucht, das kommt euch gar nicht in den Sinn, denn wenn dann doch mal etwas keimt, kommt ihr gleich mit der Sichel an. Ihr seid so abgebrüht. Ihr wollt Pärchen im Park vergiften und amüsiert euch übers Glück der Anderen. Wie kann man da Respekt vor euch haben? Ihr seid umgeben von Liebe, sie klopft sogar an eure Tür, und alles, was ihr dafür übrig habt, ist Hohn aus eurer Burg. Ihr informiert euch über bio-chemische Prozesse, ihr theoretisiert das Gefühl, doch Theorie wird euch nicht küssen, wird euch niemals nur umarmen oder euch je Wärme spenden. Ihr phantasiert so gern von riesigen Gefühlen, verfolgt Schimären, lest in Büchern über sie, von denen ihr in Wahrheit keine Ahnung habt, weil ihr doch nicht einmal die kleinen schätzt. Ihr lehnt sie ab, ihr macht sie schlecht, stets wollt ihr sie zerstören, ihr untergrabt und verschandelt sie, wo immer ihr sie seht, ihr gönnt den Anderen kein Glück. Wenn unerwartet Liebe zu euch kommt, so schlagt ihr sie wie einen zugelaufenen Hund, weil ihr doch lieber weiterhin in eurer Festung wohnt. Ist’s da ein Wunder, wenn die Liebe euch nichts gibt? Ist eure Abgebrühtheit, euer Hass, die ganze Missgunst und das kalte Herz, kurz all eure Verbitterung nicht vielmehr Ausdruck eurer eigenen Enttäuschung? Wie wollt ihr jemals glücklich sein, wenn ihr den Schmerz so konserviert?</p>


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		<title>Weniger ist mehr</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 09:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Freunde]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Mitch Albom]]></category>
		<category><![CDATA[Nähe]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>

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		<description><![CDATA[Here was a man who, if he wanted, could spend every waking moment in self-pity, feeling his body for decay, counting his breaths. So many people with far smaller problems are so self-absorbed, their eyes glaze over if you speak for more than thirty seconds. They already have something else in mind &#8211; a friend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Here was a man who, if he wanted, could spend every waking moment in self-pity, feeling his body for decay, counting his breaths. So many people with far smaller problems are so self-absorbed, their eyes glaze over if you speak for more than thirty seconds. They already have something else in mind &#8211; a friend to call, a fax to send, a lover they&#8217;re daydreaming about. They only snap back to full attention when you finish talking, at which point they say &#8220;Uh-huh&#8221; or &#8220;Yeah, really&#8221; and fake their way back to the moment. (&#8230;) We are great at small talk: &#8220;What do you do?&#8221; &#8220;Where do you live?&#8221; But <em>really</em> listening to someone &#8211; without trying to sell them something, pick them up, recruit them, or get some kind of status in return &#8211; how often do we get this anymore? I believe many visitors in the last few months of Morrie&#8217;s life were drawn not because of the attention they wanted to pay to him but because of the attention he paid<em> to them</em>. Despite his personal pain and decay, this little old man listened the way they always wanted someone to listen.<br />
<small>(Mitch Albom &#8211; Tuesdays with Morrie)</small></p></blockquote>
<p>Selten treffe ich mich oder unternehme etwas mit mehr als drei Menschen auf einmal. Vielleicht mag das unsozial erscheinen, doch für mich ist es genau das Gegenteil. Ich meide Massenveranstaltungen und bleibe Treffen fern, wenn am Ende mehr Menschen dabei sein werden, als ich für angenehm befinde. Das liegt vor allem daran, dass alles über vier Personen für mich schon eine Gruppe ist, und ich Gruppen nicht besonders leiden kann - besonders dann nicht, wenn darunter Menschen sind, die ich mag. Je mehr von ihnen ich mag oder je mehr ich einzelne darunter mag, desto weniger möchte ich sie zeitgleich mit anderen in eine Gruppe stecken. Es ist nicht unbedingt so, dass ich mich in einer Gruppe unwohl fühle, denn oft verspricht es großen Spaß mit einer solchen, doch ist es der Mangel an Nähe und Exklusivität, der mich Gruppen in der Regel eher meiden lässt. Es geht mir dabei nicht um Nähe und Exklusivität, die ich von anderen erwarten, einfordern oder gar verlangen würde, sondern um Nähe und Exklusivität, die ich selbst gerne denjenigen Menschen zukommen lassen möchte, die ich mag. Ich möchte meine Aufmerksamkeit gegenüber diesen Menschen nicht hin und her springen lassen müssen, will mein Interesse nicht spalten und meine Gedanken nicht hetzen, will mich auf ein Gegenüber konzentrieren und für diese Person voll und ganz da sein, einzig und allein, absolut und ungeteilt.<br />
Einst saß ich mit fünfzehn weiteren Personen zum Abendessen an einem langen Tisch und feierte den Geburtstag einer Freundin &#8211; nur eine Situation von vielen, die aber charakteristisch ist für das, was ich zum Ausdruck bringen möchte. Links von mir konnte ich Gespräche verfolgen, rechts von mir konnte ich Gespräche verfolgen, und ich selbst unterhielt mich mit meinen Nachbarn über dieses und über jenes. Es ist, wie es immer ist, wenn so viele Menschen aufeinandertreffen: Man steigt aus Gesprächen aus und in andere ein, man wechselt den Gesprächspartner, wenn es langweilig zu werden droht, man teilt die Aufmerksamkeit, man rast hin und her, zumindest in Gedanken, man verliert Fokus und Konzentration, man fragmentiert die Anteilnahme. Alle Unterhaltungen sind gleich, indem sie unpersönlich bleiben: Man begnügt sich mit Small Talk. Je mehr Menschen sich zusammenfinden, umso größer die Wahrscheinlichkeit ungleicher Freundschaftsbeziehungen. Wenn wie hier sechszehn Personen an einem Tisch sitzen, ist es recht unwahrscheinlich, dass alle diese Personen das gleiche Freundschafts- und Vertrauensverhältnis teilen oder allesamt untereinander beste Freunde sind. Vielleicht sind einige sich völlig fremd und gar nicht mal sympathisch! In derlei Konstellationen unterhält man sich notgedrungen nicht über allzu Persönliches, weil Ohren anwesend sind, die es vermutlich nichts angeht. Was man dem besten Freund oder der Freundin erzählt, das teilt man hier nicht allen mit. Der Ausweg ist das oberflächliche Gespräch oder das seichte Amüsement. Beides gibt mir nichts, mit beidem kann ich nichts anfangen.<br />
Das seichte Amüsement in der Gruppe, der oberflächliche Spaß, das unbeschwerte Lachen für Zwischendurch, wenn tiefe Gespräche nicht zur Debatte stehen und große Nähe nicht in Frage kommt, ist im Moment, in dem es stattfindet, für mich so schön wie für jeden anderen Beteiligten, doch nehme ich daraus nichts mit. Ich habe mit Leuten eine schöne Zeit, ja, mit Freunden gar, doch wenn ich dann nach Hause komme, bleibt in mir ein unbefriedigendes Gefühl zurück, der Wunsch nach mehr, nicht an Quantität, sondern an Qualität. Es kommt mir wie Verschwendung vor, wenn da jemand ist, mit dem ich gerne in die Tiefe abtauchen würde, aber es nicht kann, weil wir in einer Gruppe gefangen sind, die auf der Oberfläche des größten gemeinsamen Teilers treibt. Es erscheint mir wie Vergeudung von Freundschaft, bloß Spaß mit ihnen zu haben. Entscheidend ist das »bloß«. Nicht: Spaß mit ihnen zu haben, sondern: <a href="http://pala.mischamandl.de/2008/03/24/freundliche-beziehungen/">bloß Spaß mit ihnen zu haben</a>. Die Reduktion auf eine Dimension, wo doch so viele sind, sein sollten. Auf die Spitze getrieben: Für Spaß allein, da reichen schon Bekannte, ja sicherlich schon Unbekannte, denn es steckt Unverbindlichkeit und Austauschbarkeit darin. Die oberflächliche „gute Zeit“, der spaßige Abend, die kurzweilige Unterhaltung verhält sich wie die Prostituierte zur großen Liebe, da diese „gute Zeit“ so einfach zu haben ist, während die echte, die nicht in Anführungszeichen steht, für mich ganz andere Qualitäten hat, die Nähe, Offenheit und Exklusivität vereint.<br />
Auf der anderen Seite das oberflächliche Gespräch, das sich am Level des Freundschaftsverhältnisses orientiert, den die gesamte Gruppe gemein hat, und der ist meist recht klein, mündet letztlich eben in Small Talk. Was jemand macht, was er am Tag gegessen hat, welche Möbel er erwarb, wie viel Geld er verdient oder welches Auto er fährt, das alles interessiert mich nicht. Ich stelle diese Fragen nicht, weil mich die Antworten nicht kümmern. Gespräche dieser Art belästigen mich nicht, doch halte ich mich dann zurück und gebe den Beobachter, nehme alles in mich auf und ziehe meine Schlüsse, möchte aber nicht mitreden. Was mich wirklich interessiert, das ist die Person, wer jemand ist, und wie es demjenigen gerade geht. Überhaupt die Frage, wie es jemandem geht: Wer beantwortet sie schon ehrlich? Die meisten erzählen daraufhin, wie sie mit ihrer Arbeit zurechtkommen, was das Finanzamt von ihnen verlangt oder dass sie sich nun einen neuen Fernseher gekauft haben. Antworten auf Fragen, die nicht gestellt wurden, während die gestellten völlig unbeantwortet bleiben. Auf diese Fragen bekommt man selten eine wahre Antwort, noch seltener so unter Vielen, und wenn, zumindest ist das meine Erfahrung, dann nur unter vier Augen. Das ist die Art von Gespräch, die ich führen möchte, denn nichts ist so befriedigend, erkenntnisreich, offen, einfühlsam und verbindend wie diese. Stets ist die Enttäuschung daher für mich am größten, wenn jemand, mit dem ich verabredet bin, plötzlich ungefragt Dritte noch hinzu holt. Das war nicht abgemacht und hätte ich&#8217;s gewusst, ich hätte vermutlich abgesagt, nicht weil ich die Freunde meiner Freunde nicht mag, sondern weil es die Grundlagen des Treffens maßgeblich verändert, es gewinnt dadurch an Beliebigkeit und verliert an Tiefe, büßt Nähe ein zugunsten einer größeren Teilnehmerzahl und zerstört die Zweisamkeit, die vor allem, aber eben nicht allein nur fürs Romantische so wichtig ist.<br />
Wenn ich mich mit jemandem treffen möchte, dann tue ich das in der Regel, um den Menschen, die ich mag, im doppelten Wortsinn nah zu sein. Und das geht nicht, wenn man unter Vielen ist.</p>


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		<title>I am not sad</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 20:19:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jonathan Safran Foer]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>He awoke each morning with the desire to do right, to be a good and meaningful person, to be, as simple as it sounded and as impossible as it actually was, happy. And during the course of each day his heart would descend from his chest into his stomach. By early afternoon he was overcome by the feeling that nothing was right, or nothing was right for him, and by the desire to be alone. By evening he was fulfilled: alone in the magnitude of his grief, alone in his aimless guilt, alone even in his loneliness. ›<em>I am not sad</em>‹, he would repeat to himself over and over, ›<em>I am not sad</em>‹. As if he might one day convince himself. Or fool himself. Or convince others &#8211; the only thing worse than being sad is for others to know that you are sad. ›<em>I am not sad</em>‹. ›<em>I am not sad</em>‹. Because his life had unlimited potential for happiness, insofar as it was an empty white room. He would fall asleep with his heart at the foot of his bed, like some domesticated animal that was no part of him at all. And each morning he would wake with it again in the cupboard of his rib cage, having become a little heavier, a little weaker, but still pumping. And by midafternoon he was again overcome with the desire to be somewhere else, someone else, someone else somewhere else. ›<em>I am not sad</em>‹.<br />
<small>(Jonathan Safran Foer &#8211; Everything is Illuminated)</small></p></blockquote>


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		<title>In deinem Bunker</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 19:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[A Tale Of Two Lives]]></category>
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		<description><![CDATA[Melody Kramer Wer von Geheimnissen lebt, verschreibt sein Leben der ständigen Angst vor Offenbarung. Heute weiß ich, du hattest eine selbstzerstörerische Vorstellung, die jeden Zug deines Handelns bestimmte, der du treu warst wie einem Dogma, die unsere Beziehung prägte und wodurch sie letztlich auch zum Scheitern kam. Du warst so sehr von diesem Grundsatz überzeugt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildquelle" style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-839" title="Einzelhaft" src="http://pala.mischamandl.de/wp-content/uploads/2010/03/prison.jpg" alt="" width="500" height="333" />
<p><a class="cc" href="http://www.flickr.com/photos/mjkmjk/3402540619/"><span>Melody Kramer</span></a></p>
</div>
<p>Wer von Geheimnissen lebt, verschreibt sein Leben der ständigen Angst vor Offenbarung. Heute weiß ich, du hattest eine selbstzerstörerische Vorstellung, die jeden Zug deines Handelns bestimmte, der du treu warst wie einem Dogma, die unsere Beziehung prägte und wodurch sie letztlich auch zum Scheitern kam. Du warst so sehr von diesem Grundsatz überzeugt, den du dir aus Gründen kultiviert hattest, die mir für immer verborgen bleiben werden, dass für dich die Konsequenzen deiner Überzeugung weder überschaubar waren noch beachtenswert erschienen. Jede ernsthafte Verbindung zwischen zwei Menschen könne nur Bestand haben, so predigtest du mir und jedem anderen, der das Unglück hatte, dieses Thema einmal anzuschneiden, wenn man die Impulse und Geheimnisse des Anderen nicht hinterfrage. Was du mit diesem Satz zum Ausdruck brachtest, das hieß in letzter Konsequenz, dem Anderen stets ein Fremder noch zu sein, den Abstand niemals zu verlieren. Aber was waren deine Geheimnisse? Es war vor allem Angst, muss ich im Rückblick heute sagen. Du hattest Angst, ich könnte alles über dich erfahren, so als gäbe es ein festes Kontingent an Informationen über eine lebendige Person. Du hattest Angst, ich könnte das Interesse an dir ganz schnell wieder verlieren, wenn du mir nicht länger ein Mysterium offerierst, als wäre eine solche Geheimnislosigkeit jemals zwischen Menschen möglich.<br />
Da waren keine gefährlichen, keine schlimmen und keine bestürzenden Geheimnisse, die du vor mir beschütztest, die du aus Scham hinter einer Nebelwand hättest verstecken müssen, sondern nur dieses eine, deine tief verwurzelte Angst, ohne streng gehütete Geheimnisse für einen anderen, für mich, auf einmal völlig uninteressant zu erscheinen. Du hattest Angst, du würdest dann berechenbar, du hattest Angst, du wärest dann durchschaut, wärst für mich fertig, ich würde dann an dir nichts mehr entdecken wollen und gar nichts mehr entdecken können. Bei jeder Gelegenheit, bei jeder noch so banalen Meinungsverschiedenheit, deren Diskussion du aus dem Weg gingst, hast du mich immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig dir deine Geheimnisse sind, und du machtest mir wildeste Szenen, wenn ich es je wagte, irgendeine deiner Handlungen auch nur im Ansatz zu hinterfragen. Es war für dich bequem. Du führtest dich auf wie eine Regierung unter Paranoia, die jede Anfrage mit einem schnippischen Verweis auf nationale Sicherheit verwehrt, weil ihre lästige Bevölkerung das alles gar nicht wissen muss. Wolltest du etwas nicht erklären &#8211; vielleicht konntest du es dir selbst gar nicht erklären -, dann deklariertest du es als Geheimnis, dein Geheimnis, und ich durfte es nicht hinterfragen, hätte das doch bloß bedeutet, ich würde dich nicht lieben. Das war dein Vorwurf, noch jedes Mal, wenn du deine Geheimnisse in Gefahr geraten sahst. „Du musst das nicht verstehen“, sagtest du anlässlich jeder Irritation, wenn mir deine Handlungen ein Rätsel aufgaben, und genau das freute dich daran, denn es war ein weiteres Geheimnis, das ich nicht ergründen konnte, das ich nicht ergründen durfte.<br />
Du öffnetest dich nur in kleinen, penibel abgegrenzten Stücken, du teiltest mir nur mit, was du mir mitteilen wolltest, all die guten Dinge, die schönen Seiten, all das, von dem du dachtest, es würde dich am besten präsentieren, und spartest dir den Rest für einen anderen Tag, der jedoch niemals kam. Das war deine Vorstellung von Kommunikation. Stets hieltest du etwas vor mir zurück, vermiedest die offene Diskussion, ja, jede Konfrontation, weil dies für dich zugleich bedeutete, sich einer möglichen Verletzung frei zu offenbaren, die dir so unvermeidlich schien, wenn dein Geheimnisbunker dich nicht mehr beschützt. Dein Verhalten, dessen Selbstschutz dich so isolierte, rationalisiertest du für dich mit der umgekehrten Fantasie, mir damit einen Dienst zu tun, da jede Offenlegung deiner selbst für mich vielleicht verletzend sei. Du hattest so viel Angst vor diesen Chimären, so viel Furcht vor Fraktur, dass du die wirklichen Verletzungen gar nicht wahrgenommen hast, die deine forcierte Geheimniskrämerei letztendlich dir und mir zufügte.<br />
Aber wer von uns war es nun, der nicht liebte? Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, so sagt man, und was du für dich aus diesem Sprichwort mitnahmst, das war die Vorstellung, bei Liebe handele es sich um eine Art von Krieg. Jedes Geheimnis, das du mir offenbartest, stellte für dich ein kapitulierendes Eingeständnis dar, eine verlorene Schlacht, eine schleichende Verschiebung der Front hin zu dir, was am Ende zu deiner Niederlage in diesem Krieg führen würde und führen müsste, denn es war ja Liebe, und Liebe war Krieg, und Krieg bedeutete, dass einer am Ende der Verlierer sei. Du warst nicht gewillt, dich wirklich auf einen anderen Menschen einzulassen, sonst hättest du gewusst, dass du dein Spiel mit den Geheimnissen doch gar nicht brauchst, damit dich jemand liebt. Du machtest dich durch sie bloß künstlich interessant. Alles an dir verstecktest du in einem Panzerschrank, und du wachtest über ihn mit Kerberos&#8217; Verbissenheit, weil in dir die Befürchtung wuchs, ich würde dich ganz unbarmherzig ausplündern und zurücklassen, wenn ich denn erst den Code zu deinem Leben weiß. Begreifst du, dass das keine Liebe ist? Du hegtest nie den Wunsch, von mir verstanden zu werden, du wolltest dich nie öffnen, nie unsere Welten miteinander teilen. Das ist das Gegenteil von Liebe. Immer hattest du die Furcht, ich würde dich verlassen, wären da nicht mehr die Geheimnisse an dir, die mich für alle Ewigkeit wie einen fanatischen Schatzsucher an dich binden. Hättest du dich wirklich auf mich eingelassen, hättest du verstanden, was denn wirklich Liebe ist, dann hättest du den Köder nicht gebraucht. Liebe braucht keine Geheimnisse. Liebe akzeptiert Geheimnisse, aber sie hat sie nicht nötig, weil es für Liebende ohnehin auf ewig Neues zu entdecken gibt, solange man einander liebt. Liebe sucht, entdeckt, erforscht, ohne dass du etwas wegschließen musst, weil der geliebte Mensch an sich doch das Geheimnis ist, das Liebende so gern ergründen, solange ihre Liebe währt. Noch heute hoffe ich für dich, dass du das irgendwann verstehst.</p>


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		<title>Das Ende der Liebe</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 08:47:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind &#8211; nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind &#8211; nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muß es sein. Wir können nicht mehr! Wir kündigen ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfaßbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei. „Du bist nicht“, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, „wofür ich dich gehalten habe“. Und wofür hat man sich denn gehalten? Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.<br />
<small>(Max Frisch &#8211; Tagebuch 1946-1949)</small></p></blockquote>


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		<title>Confusion</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 14:53:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[What if the water that came out of the shower was treated with a chemical that responded to a combination of things, like your heartbeat, and your body temperature, and your brain waves, so that your skin changed color according to your mood? If you were extremely excited your skin would turn green, and if [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>What if the water that came out of the shower was treated with a chemical that responded to a combination of things, like your heartbeat, and your body temperature, and your brain waves, so that your skin changed color according to your mood? If you were extremely excited your skin would turn green, and if you were angry you&#8217;d turn red, obviously, and if you felt like shiitake you&#8217;d turn brown, and if you were blue you&#8217;d turn blue.<br />
Everyone could know what everyone else felt, and we could be more careful with each other, because you&#8217;d never want to tell a person whose skin was purple that you&#8217;re angry at her for being late, just like you would want to pat a pink person on the back and tell him, &#8220;Congratulations!&#8221;<br />
Another reason it would be a good invention is that there are so many times when you know you&#8217;re feeling a lot of something, but you don&#8217;t know what the something is. <em>Am I frustrated? Am I actually just panicky?</em> And that confusion changes your mood, it becomes your mood, and you become a confused, gray person. But with the special water, you could look at your orange hand and think, <em>I&#8217;m happy! That whole time I was actually happy! What a relief!</em><br />
<small>(Jonathan Safran Foer &#8211; Extremely Loud &amp; Incredibly Close)</small></p></blockquote>


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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 10:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Trauer ist das eine. Das andere ist der Eintritt in eine Sphäre des Verlusts. Anders gesagt: Der Verlust ist das eine, das andere aber ist, ihn dauern zu sehen und zu wissen, wie er überdauern wird: Nicht im Medium des Schmerzes und nicht als Klage, nicht einmal expressiv, sondern sachlich, als graduelle Verschiebung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Die Trauer ist das eine. Das andere ist der Eintritt in eine Sphäre des Verlusts. Anders gesagt: Der Verlust ist das eine, das andere aber ist, ihn dauern zu sehen und zu wissen, wie er überdauern wird: Nicht im Medium des Schmerzes und nicht als Klage, nicht einmal expressiv, sondern sachlich, als graduelle Verschiebung der Erlebnisintensität.<br />
Man könnte auch sagen: Etwas Relatives tritt ein. Was kommt, misst sich an diesem Erleben und geht gleichfalls durch den Knacks. Es ist der negative Konjunktiv: Etwas ist schön, wäre da nicht&#8230; Es tritt ein Moment ein, in dem alles auch das eigene Gegenteil ist. Als kämen, auf die Spitze getrieben, die Dinge unmittelbar aus dem Tod und müssten sich im Leben erst behaupten und bewähren.<br />
(&#8230;)<br />
Vielleicht wird jemand sagen, dieser eine Verlust sei ein Kontrastmittel. In der Konfrontation mit ihm wirkten die Farben der Welt nun leuchtender, als sei das Dauernde durch die Begegnung mit dem Vergänglichen noch wunderbarer. Es ist die Dialektik der Sonntagsrede. Als müsste man dem eigenen Leben nur Verluste zuführen und würde gleich dessen froh, was man hat. Nein, man kann ganz gut unterscheiden zwischen der Schlappe, dem Unglück, dem Scheitern, der Einbuße, dem Verlust, der überwunden werden kann. Man kann ja in manchem Verlust diesen selbst nicht einmal fühlen, sondern möchte lachen: über die Pantomime des Tragöden, über das Stummfilm-Pathos der Trauer. Man wird darüber hinwegkommen, über die Trauer und über das Gelächter, das sie weckte.<br />
Aber der Knacks ist etwas anderes, über ihn kommt man nicht hinweg. Er ist ein Schub, meist bewegt er sich lautlos und unmerklich. Erst im Rückblick kann man sagen: Dann war nichts mehr wie zuvor. Eine posthume Perspektive, die des Passé. Die Farben nehmen jetzt Patina an, die Genüsse büßen ihre Frische ein, die Erfahrung wählt einen flachen Einfallswinkel, sie kommt eher vermittelt, wie durch eine Membran gegangen. Das Leben wechselt die Sphäre, es reift, es altert, und irgendwann ist zum ersten Mal das Gefühl da, überhaupt ein eigenes Alter zu haben, das heißt, es fühlen zu können.<br />
<small>(Roger Willemsen &#8211; Der Knacks)</small></p></blockquote>


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