Jul
1
2010
Was hätten die Komik, die Satire und das Kabarett doch fĂĽr Möglichkeiten; Möglichkeiten, die Masken von den Gesichtern zu reiĂźen! Doch nichts dergleichen geschieht! Die Masken bleiben Tarnung, die Machthaber und ihre kruden Ideen, Vorhaben und Reformen scheinen unantastbar. Wie WeiĂź Ferdl tappen sie zaghaft an politischen Bekenntnissen vorbei, betreiben Albernheiten statt Komik, Beleidigungen statt entwaffnendes Narrenrecht, welches es erlauben wĂĽrde, den Herrschenden jede Wahrheit an den Kopf zu werfen – und dabei sind sie auch noch wahre Publikumshelden. BloĂź nicht mit denen anecken, die sich wehren können!, lautet deren Devise. Haut auf die Schwachen, verprĂĽgelt die Arbeitslosen, thematisiert Trivialitäten – und wenn es doch unbedingt politisch sein muĂź, dann witzelt ĂĽber Frisuren und Brillengestelle, Sprachfehler und – sofern man ein Bad-Boy-Image zu pflegen hat – Behinderungen!
(Roberto J. De Lapuente)
Es spricht mir aus dem Herzen, was in diesem Artikel über das Metier der Satire und des Kabaretts geschrieben steht. »Comedians« nennen sich die meisten der dort als Beispiele Genannten selbst, was schon aussagt, worin sie ihre Aufgabe sehen: Sie möchten lustig sein, mehr nicht, und sie möchten damit Erfolg haben. Für diejenigen mit Biss, die tatsächlich kritischen Verstand zur Sprache bringen, scheitert es an niedrigen Einschaltquoten, an mangelnder Massenkompatibilität oder an mehr oder minder direkten Sanktionen durch diejenigen, denen sie auf die Füße treten, was letztlich seinerseits als Erfolg zu werten ist, wenn auch von anderer Qualität, weil er eben nicht auf Quantität abzielt. Auch die von mir verehrte Titanic weist, so zumindest mein subjektiver Eindruck, in neuerer Zeit einen Verlust an Biss auf, der vielleicht stellvertretend für den Großteil der Zunft stehen kann. Das ist schade.
FĂĽr Twitter als MikrobĂĽhne mag ich, erneut aus rein subjektiver Sicht, ähnliche SchlĂĽsse ziehen, was Erfolg und Massenkompatibilität angeht, scheinen dort doch ebenfalls diejenigen der sich als solche inszenierenden Amateur-Humoristen (was nicht als Wertung, sondern rein als Abgrenzung zu tatsächlicher hauptberuflicher Tätigkeit verstanden werden soll) am erfolgreichsten zu sein, die “treffend und harmlos zugleich [sind], frei vom Geist der Negation, voll des aufbauenden und versöhnenden Humors“, der bestenfalls lustig, aber eben völlig harmlos ist. Vielleicht hinkt das Ăśbertragen der im verlinkten Artikel dargelegten Beschreibungen, doch erlaubt der erweiterte Blick auf beispielsweise Twitter eine Erfassung viel breiterer Bevölkerungsgruppen als der Fokus auf professionelle Kabarettisten oder Comedians. Der Unterschied zu den professionellen Humoristen ist dann jedoch, dass der harmlose Spott der Amateure, dieser versöhnende Humor, der nichts kritisiert und niemandem auf die FĂĽĂźe tritt, der sich wehren könnte, nicht einmal mit ökonomischen GrĂĽnden erklärt und dem auch nicht die ErfĂĽllung des Berufs vorgeschoben werden kann. Der harmlose, unkritische, teils affirmative Humor als Spiegelbild eines gesellschaftlichen oder zumindest im beobachteten Milieu vorherrschenden Klimas?
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Mrz
26
2006
Nachdem bereits isolatr, snubster und wankr hier vorgestellt wurden, folgt nun ein weiterer Erfolg versprechender Vertreter zukunftsweisender Antisocial Software: Nemester.
Nemester is an online community that connects paranoids, egotists, villains, and monomaniacs through networks of competing agendas and incompatable ideologies for bitter conflicts, mutual loathing, or to find their one, true nemesis.
What features does Nemester have?
- E-Taunt™
Badger your enemies into joining Nemester by sending them derisive, insulting, or just plain annoying messages.
- 1-Clickspiracy™
Our patented 1-Clickspiracy™ technology allows you to quickly align your enemy’s enemies against him. Simply bring up your enemy’s profile to learn who his enemies are and click the “Conspire against” link to automatically share your plans for his destruction with his adversaries and schedule furtive online meetings.
- Enmitizer™
Instantly create new enemies with Nemester’s Enmitizer™ feature. Simply search for users with agendas or ideologies that enrage you and click the “Make my enemy” link to automatically fire off hate mail and personalized denunciations.
- Enemies List
Nemester’s Enemies List feature helps you organize your foes by keeping track of who has it in for you or who you wish to see ruined. Never again will you suffer the embarrassment of forgetting who that Dutch woman with the steel claws for hands is and why she is trying to scuttle your hydroplane with a maser cannon. Simply search through your Enemies List by gender, body enhancements, and nationality and you’ll instantly have her name and why she despises you.
- Hate Mail
Keep your enemies interested with Hate Mail. Besides allowing you to conveniently send spiteful messages and death threats, Nemester’s Hate Mail automatically includes a handy reminder for your enemy of all the reasons you hate each other. Now with automatic viral attachments designed to crash the mainframe in your enemy’s secret layer!
[via Bamblog]
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Mrz
16
2006
Vielerorts liest man ĂĽber Social Software, Social Networking oder das Social Web, so als sei es etwas Erfreuliches, mit anderen Menschen zu kommunizieren oder soziale Bindungen aufzubauen. Endlich gibt es dank patentierter isolatr-Technologie eine Gegenbewegung.
AuĂźerdem im Angebot: Snubster.
Put people on your lists. These lists can contain items or people. If you choose people, supply an email address to identify the person. The email address will remain private, but we’ll send them an email letting them know that they’re either on notice or that they are now dead to you.
Abgerundet wird das Ganze durch wankr:
wankr will be a place for web 2.0 people to gather together in one humongous circlejerk so they can masturbate each other into a sticky frenzy over useless, meaningless bullshit.
Man kann beruhigt sein, dass sich das Web 2.0 nicht zu der sozialen Dystopie entwickelt, die ihre Apologeten stets herbeizureden versuchen.
[via fefe]
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