Feb
22
2010
Mr. Black said, “I once went to report on a village in Russia, a community of artists who were forced to flee the cities! I’d heard that paintings hung everywhere! I heard you couldn’t see the walls through all of the paintings! They’d painted the ceilings, the plates, the windows, the lampshades! Was it an act of rebellion! An act of expression! Were the paintings good, or was that beside the point! I needed to see it for myself, and I needed to tell the world about it! I used to live for reporting like that! Stalin found out about the community and sent his thugs in, just a few days before I got there, to break all of their arms! That was worse than killing them! It was a horrible sight, Oskar: their arms in crude splints, straight in front of them like zombies! They couldn’t feed themselves, because they couldn’t get their hands to their mouths! So you know what they did!” “They starved?” “They fed each other! That’s the difference between heaven and hell! In hell we starve! In heaven we feed each other!” “I don’t believe in the afterlife.” “Neither do I, but I believe in the story!”
(Jonathan Safran Foer – Extremely Loud & Incredibly Close)
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Feb
6
2010
Alle aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen bilden das Wort Mitgefühl aus der Vorsilbe com- und dem Wort, das ursprünglich ›Leiden‹ bedeutete: passio. Andere Sprachen, so das Tschechische, das Polnische und das Schwedische, drücken diesen Begriff durch ein Substantiv aus, das aus der Vorsilbe Mit- und dem Wort ›Gefühl‹ besteht (tschechisch sou-cit, polnisch wspol-uczucie, schwedisch med-känsla).
In den aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen bedeutet das Wort compassio: wir können nicht herzlos den Leiden eines anderen zuschauen; oder: wir nehmen Anteil am Leid des anderen. Aus einem anderen Wort mit ungefähr derselben Bedeutung (französisch pitié, englisch pity, italienisch pietà usw.) schwingt sogar unterschwellig so etwas wie Nachsicht dem Leidenden gegenüber mit: »Avoir de la pitié pour une femme« heißt, daß wir besser dran sind als diese Frau, uns zu ihr hinabneigen, uns herablassen.
Aus diesem Grund erweckt das Wort Mitleid Mißtrauen: es bezeichnet ein schlechtes Gefühl, das als zweitrangig empfunden wird und nicht viel mit Liebe zu tun hat. Jemanden aus Mitleid zu lieben heißt, ihn nicht wirklich zu lieben.
In den Sprachen, die das Wort nicht aus der Wurzel ›Leiden‹, sondern aus dem Substantiv ›Gefühl‹ bilden, wird es ungefähr in demselben Sinn gebraucht; man kann aber nicht behaupten, es bezeichne ein zweitrangiges, schlechtes Gefühl. Die geheime Macht seiner Etymologie läßt das Wort in einem anderen Licht erscheinen, gibt ihm eine umfassendere Bedeutung: Mit-Gefühl haben bedeutet, das Unglück des anderen mitzuerleben, genausogut aber jedes andere Gefühl mitempfinden zu können: Freude, Angst, Glück und Schmerz. Dieses Mitgefühl (im Sinne von soucit, wspoluczucie, medkänsla) bezeichnet also den höchsten Grad der gefühlsmäßigen Vorstellungskraft, die Kunst der Gefühlstelepathie; in der Hierarchie der Gefühle ist es das höchste aller Gefühle.
(Milan Kundera – Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins)
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