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	<title>Pala &#187; Zitate</title>
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		<title>Fragmente #1</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 11:12:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[»Never underestimate the capacity of other people to let you down.« (Dexter) Ähnliche Einträge:Deschooling Antisocial Web The only perspective Destroy and be destroyed by me Every love is carved from loss]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»Never underestimate the capacity of other people to let you down.«<br />
<small>(<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dexter_(Fernsehserie)">Dexter</a>)</small></p></blockquote>


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		<title>Wer mich liebt, mit dem stimmt etwas nicht</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 12:12:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schon Dostojewski machte darauf aufmerksam, daß das Bibelwort »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« wahrscheinlich andersrum zu verstehen ist &#8211; nämlich in dem Sinne, daß man den Nächsten nur dann lieben kann, wenn man sich selbst liebt. Weniger elegant, dafür um so prägnanter, drückte Marx (Groucho, nicht Karl) dieselbe Idee Jahrzehnte später aus: »Es würde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Schon Dostojewski machte darauf aufmerksam, daß das Bibelwort »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« wahrscheinlich andersrum zu verstehen ist &#8211; nämlich in dem Sinne, daß man den Nächsten nur dann lieben kann, wenn man sich selbst liebt.</p>
<p>Weniger elegant, dafür um so prägnanter, drückte Marx (Groucho, nicht Karl) dieselbe Idee Jahrzehnte später aus: »Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Klub beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen.« Wenn Sie sich die Mühe nehmen, die Tiefe dieses Witzes zu ergründen, sind Sie bereits gut auf das nun Folgende vorbereitet.</p>
<p>Geliebt zu werden ist auf jeden Fall mysteriös. Nachzufragen, um Klarheit zu schaffen, empfiehlt sich nicht. Bestenfalls kann es der andere Ihnen überhaupt nicht sagen; schlimmstenfalls stellt sich sein Grund als etwas heraus, das Sie selbst bisher nicht für Ihre charmanteste Eigenschaft hielten; zum Beispiel das Muttermal auf Ihrer linken Schulter. Schweigen ist da wieder einmal ganz eindeutig Gold.</p>
<p>Was wir daraus für unser Thema lernen können, zeichnet sich nun schon klarer ab. Nehmen Sie nicht einfach dankbar hin, was Ihnen das Leben durch Ihren (offensichtlich selbst liebenswerten) Partner bietet. Grübeln Sie. Fragen Sie sich, aber nicht ihn, warum. Denn er muß ja irgendeinen Hintergedanken haben. Und den enthüllt er Ihnen bestimmt nicht.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>In seinem berühmten Werk ›Das Sein und das Nichts‹ bezeichnet Jean Paul Sartre die Liebe als einen vergeblichen Versuch, eine Freiheit als Freiheit zu besitzen. Dazu führt er aus:</p>
<p>»Andererseits kann er [der Liebende] sich aber auch nicht mit jener erhabenen Form von Freiheit zufriedengeben, die eine ungezwungene und freiwillige Verpflichtung ist. Wer würde sich mit einer Liebe begnügen, die sich als reine, dem Vertrauen geschworene Treue darbietet? Wem wäre es recht, wenn er hören müßte: ›Ich liebe dich, weil ich mich freiwillig verpflichtet habe, dich zu lieben, und weil ich mein Wort nicht brechen will; ich liebe dich aus Treue zu mir selbst.‹? So verlangt der Liebende den Schwur und ist über den Schwur unglücklich. Er will von einer Freiheit geliebt werden und verlangt, daß diese Freiheit als solche nicht mehr frei sei.«</p>
<p>[F]ür den Unglücklichkeitsbedarf des Anfängers mag das eben Gesagte ausreichen. Der Fortgeschrittene aber gibt sich damit nicht zufrieden. Aus diesen Zusammenhängen läßt sich nämlich weiteres Kapital schlagen, das allerdings nur den Groucho Marxens unter uns zugänglich ist. Es setzt eben voraus, daß man sich selbst für liebensunwürdig hält. Damit ist jeder, der einen liebt, prompt diskreditiert. Denn wer einen liebt, der keine Liebe verdient, mit dessen Innenleben stimmt etwas nicht. Ein Charakterdefekt wie Masochismus, eine neurotische Bindung an eine kastrierende Mutter, eine morbide Faszination durch das Minderwertige &#8211; von dieser Art sind die Gründe, die sich als Erklärung für die Liebe des oder der Betreffenden anbieten und sie unerträglich machen. (Zur Auswahl der befriedigendsten Diagnose ist eine gewisse Kenntnis der Psychologie oder wenigstens die Teilnahme an Selbsterfahrungsgruppen von großem Wert.)</p>
<p>Und damit ist nicht nur das geliebte Wesen, sondern auch der Liebende selbst und die Liebe als solche in ihrer Schäbigkeit enthüllt. Was kann man schon mehr wünschen?</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Nur auf den ersten Blick erscheint das absurd, denn die Komplikationen, die mit dieser Auffassung einhergehen, liegen doch so klar auf der Hand. Dies dürfte aber noch niemanden abgehalten haben, oder, wie Shakespeare es in einem seiner Sonette sagt: »Dies weiß jedweder, doch nicht wie man flieht den Himmel, der zu dieser Hölle zieht.« Praktisch verliebe man sich also in hoffnungsloser Weise: in einen verheirateten Partner, einen Priester, einen Filmstar oder eine Opernsängerin. Auf diese Weise reist man hoffnungsfroh, ohne anzukommen, und zweitens bleibt einem die Ernüchterung erspart, feststellen zu müssen, daß der andere gegebenenfalls durchaus bereit ist, in eine Beziehung einzutreten - womit er sofort unattraktiv wird.<br />
<small>(Paul Watzlawick &#8211; Anleitung zum Unglücklichsein)</small></p></blockquote>


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		<title>Romantic Terrorism</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 16:17:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Though ordinary terrorists may occasionally force concessions from governments by blowing up buildings or schoolchildren, romantic terrorists are doomed to disappointment because of a fundamental inconsistency in their approach. You must love me, says the romantic terrorist; I will force you to love me by sulking at you or making you feel jealous. But then [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Though ordinary terrorists may occasionally force concessions from governments by blowing up buildings or schoolchildren, romantic terrorists are doomed to disappointment because of a fundamental inconsistency in their approach. <em>You must love me</em>, says the romantic terrorist; <em>I will force you to love me by sulking at you or making you feel jealous</em>. But then comes the paradox, for if love is returned, it is at once considered tainted, and the romantic terrorist must complain, <em>If I have only forced you to love me, then I cannot accept this love, for it was not spontaneously given</em>. Romantic terrorism is a demand that negates itself in the process of its resolution.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Furcht vor dem Glück</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 12:30:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[It is easiest to accept happiness when it is brought about through things that one can control, that one has achieved after much effort and reason. But the happiness I had reached with Chloe had not come as a result of any personal achievement or effort. It was simply the outcome of having, by a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>It is easiest to accept happiness when it is brought about through things that one can control, that one has achieved after much effort and reason. But the happiness I had reached with Chloe had not come as a result of any personal achievement or effort. It was simply the outcome of having, by a miracle of divine intervention, found a person whose company was more valuable to me than that of anyone else in the world. Such happiness was dangerous precisely because it was so lacking in self-sufficient permanence. Had I after months of steady labor produced a scientific formula that had rocked the world of molecular biology, I would have had no qualms about accepting the happiness that had ensued from such a discovery. The difficulty of accepting the happiness Chloe represented came from my absence in the causal process leading to it, and hence my lack of control over the happiness-inducing element in my life. It seemed to have been arranged by the gods, and was hence accompanied by all the primitive fear of divine retribution.</p>
<p>&#8220;All of man&#8217;s unhappiness comes from an inability to stay in his room alone,&#8221; said Pascal, advocating a need for man to build up his own resources over and against a debilitating dependence on the social sphere. But how could this possibly be achieved in love? Proust tells the story of Mohammed II, who, sensing that he was falling in love with one of the wives in his harem, at once had her killed because he did not wish to live in spiritual bondage to another. Short of this approach, I had long ago given up hope of achieving self-sufficiency. I had gone out of my room, and begun to love another &#8211; thereby taking on the risk inseparable from basing one&#8217;s life around another human being.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Declaring love</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 14:58:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[The difficulty of a declaration of love opens up quasi-philosophical concerns about language. (&#8230;) The words were the most ambiguous in the language, because the things they referred to so sorely lacked stable meaning. Certainly travelers had returned from the heart and tried to represent what they had seen, but love was in the end like [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>The difficulty of a declaration of love opens up quasi-philosophical concerns about language. (&#8230;) The words were the most ambiguous in the language, because the things they referred to so sorely lacked stable meaning. Certainly travelers had returned from the heart and tried to represent what they had seen, but love was in the end like a species of rare colored butterfly, often sighted, but never conclusively identified.</p>
<p>The thought was a lonely one: of the error one may find over a single word, an argument not for linguistic pedants but of desperate importance to lovers who need to make themselves understood. Chloe and I could both speak of being in love, and yet this love might mean significantly different things within each of us. We had often read the same books at night in the same bed, and later realized that they had touched us in different places: that they had been different books for each of us. Might the same divergence not occur over a single love-line?</p>
<p>She really was adorable (thought the lover, a most unreliable witness in such matters). But how could I tell her so in a way that would suggest the distinctive nature of my attraction? Words like &#8220;love&#8221; or &#8220;devotion&#8221; or &#8220;infatuation&#8221; were exhausted by the weight of successive love stories, by the layers imposed on them through the uses of others. At the moment when I most wanted language to be original, personal, and completely private, I came up against the irrevocably public nature of emotional language.</p>
<p>There seemed to be no way to transport &#8221;love&#8221; in the word L-O-V-E, without at the same time throwing the most banal associations into the basket. The word was too rich in foreign history: everything from the Troubadours to <em>Casablanca</em> had cashed in on the letters. Was it not my duty to be the author of my feelings?</p>
<p>Then I noticed a small plate of complimentary marshmallows near Chloe&#8217;s elbow and it suddenly seemed clear that I didn&#8217;t <em>love</em> Chloe so much as <em>marshmallow</em> her. (&#8230;) Even more inexplicably, when I took Chloe&#8217;s hand and told her that I had something very important to tell her, that I <em>marshmallowed</em> her, she seemed to understand perfectly, answering that it was the sweetest thing anyone had ever told her.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Selbstzurückweisung</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 15:15:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[When we look at someone (an angel) from a position of unrequited love and imagine the pleasures that being in heaven with them might bring us, we are prone to overlook a significant danger: how soon their attractions might pale if they began to love us back. We fall in love because we long to [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>When we look at someone (an angel) from a position of unrequited love and imagine the pleasures that being in heaven with them might bring us, we are prone to overlook a significant danger: how soon their attractions might pale if they began to love us back. We fall in love because we long to escape from ourselves with someone as ideal as we are corrupt. But what if such a being were one day to turn around and love us back? We can only be shocked. How could they be as divine as we had hoped when they have the bad taste to approve of someone like us? If in order to love we must believe that the beloved surpasses us in some way, does not a cruel paradox emerge when we witness this love returned? &#8220;<em>If s/he really is so wonderful, how could s/he love someone like</em> me?&#8221;<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Perfection in everything</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 14:58:44 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[»The island was packed with tourists, but we rented motorcycles and&#8230;« Chloe&#8217;s holiday story was dull, but its dullness no longer counted against it. I had ceased to consider it according to the secular logic of ordinary conversations. I no longer needed to locate within it either insight or humor; what mattered was not so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>»<em>The island was packed with tourists, but we rented motorcycles and</em>&#8230;« Chloe&#8217;s holiday story was dull, but its dullness no longer counted against it. I had ceased to consider it according to the secular logic of ordinary conversations. I no longer needed to locate within it either insight or humor; what mattered was not so much <em>what</em> she was saying as the fact <em>she</em> was saying it &#8211; and that I had decided to find perfection in everything she could utter. I felt ready to follow her into every anecdote (»<em>There was this shop that served fresh olives</em>&#8230;«); I was ready to love every one of her jokes that had missed its punch line, every reflection that had lost its thread. I felt ready to abandon self-absorption for the sake of consummate empathy, to catalogue every one of Chloe&#8217;s memories, to become a historian of her childhood, to learn of all her loves and fears. Everything that could have possibly have played itself out within her mind and body had promptly grown fascinating.<br />
<small>(Alain de Botton &#8211; On Love)</small></p></blockquote>


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		<title>Erinnerung</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 20:03:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Witwe heiratete einen Witwer. In der ersten Nacht lagen sie nebeneinander. Die Witwe hatte Lust auf den Mann, doch er hörte nicht auf, von seiner verstorbenen Frau zu erzählen. Irgendwann fing auch die Frau an, von ihrem verstorbenen Mann zu reden. Bald darauf schnarchte der Mann neben ihr. In der zweiten Nacht zog sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Eine Witwe heiratete einen Witwer. In der ersten Nacht lagen sie nebeneinander. Die Witwe hatte Lust auf den Mann, doch er hörte nicht auf, von seiner verstorbenen Frau zu erzählen. Irgendwann fing auch die Frau an, von ihrem verstorbenen Mann zu reden. Bald darauf schnarchte der Mann neben ihr.<br />
In der zweiten Nacht zog sich die Frau aus und legte sich zu ihrem Mann, doch als sie ihn streichelte, sagte er: »Das erinnert mich an meine Frau, selig soll sie im Schoß Gottes weilen. Sie hat auch immer gern meine Brusthaare gestreichelt.« Er zündete sich eine Zigarette an und erzählte lange von seiner verstorbenen Frau. Die Witwe besann sich und sagte darauf, daß ihr verstorbener Mann im entscheidenden Augenblick auch immer eine Zigarette geraucht und sein Mund davon wie ein Aschenbecher gestunken habe, weshalb ihr die Lust oft vergangen sei. Aber bevor sie mit ihrem Satz zu Ende war, schnarchte der Mann.<br />
In der dritten Nacht nahm die Frau eine Flasche Wein mit ins Schlafzimmer. Sie zog sich aus, zündete eine Kerze an und schenkte dem Mann ein. Das hatte bei ihrem Verstorbenen immer Wunder bewirkt.<br />
Der neue Ehemann nahm einen Schluck. »Chianti?« fragte er begeistert.<br />
»Ja«, antwortete die Frau hoffnungsvoll.<br />
»Das erinnert mich an Venedig, wo ich damals mit meiner so temperamentvollen&#8230;«<br />
Da trat die Frau den Mann so kräftig in die Seite, daß er aus dem Bett fiel.<br />
»Was ist los mit dir?« schimpfte er.<br />
»Nichts. Das Bett ist nur für zwei. Wir aber liegen seit drei Tagen hier zu viert, da kann es leicht passieren, daß einer herausfällt.«<br />
<small>(Rafik Schami &#8211; Loblied und andere Olivenkerne)</small></p></blockquote>


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		<title>Weitsicht</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 11:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Rafik Schami]]></category>
		<category><![CDATA[Weitsicht]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Auge war von jeher weitsichtiger als alle anderen Sinne, und es erzählte von den Wundern der Welt. Aber die andern Organe nahmen das Auge nicht ernst, weil es von fernen Landschaften schwärmte, die das Ohr nicht hörte, die Nase nicht roch, die Zunge nicht schmeckte, Hand und Fuß auch nicht fühlten. Doch eines Tages [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Das Auge war von jeher weitsichtiger als alle anderen Sinne, und es erzählte von den Wundern der Welt. Aber die andern Organe nahmen das Auge nicht ernst, weil es von fernen Landschaften schwärmte, die das Ohr nicht hörte, die Nase nicht roch, die Zunge nicht schmeckte, Hand und Fuß auch nicht fühlten.<br />
Doch eines Tages sagte das Auge: »Vorsicht, hier ist eine Grube!«<br />
»Fängst du schon wieder an«, höhnten einstimmig Hand und Fuß. »Wir fühlen keine Grube!«<br />
»Ich rieche sie auch nicht!« sagte großmäulig die Nase.<br />
»Eine Grube? Schmecke ich nicht!« widersprach auch der Mund.<br />
»Ehrlich gesagt, ich höre sie ebenfalls nicht!« meldete sich zuletzt noch, wiewohl etwas höflicher als die andern, das Ohr zu Wort.<br />
Es dauerte nicht lange, da stürzte der Fuß und riß Hand und Mund, Nase und Ohr und auch das Auge mit sich hinab. Der Sturz sorgte bei allen für Schmerzen. Und das Auge litt wie die andern und weinte. An diesem Tag waren die anderen Sinne bereit, die Bedeutung der Weitsicht zu akzeptieren.<br />
<small>(Rafik Schami &#8211; Loblied und andere Olivenkerne)</small></p></blockquote>


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		<title>Ethnozentrismus</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 15:46:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Herman Melville]]></category>
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		<description><![CDATA[Den Karren von meiner Hand in die seine wechselnd, erzählte er mir eine lustige Geschichte über den ersten Schubkarren, den er je gesehen. Das war in Sag Harbor. Die Eigner des Schiffes, so scheint es, hatten ihm einen geliehen, um seine schwere Tasche in sein Logierhaus zu schaffen. Um, was dieses Ding betrifft, nicht unwissend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Den Karren von meiner Hand in die seine wechselnd, erzählte er mir eine lustige Geschichte über den ersten Schubkarren, den er je gesehen. Das war in Sag Harbor. Die Eigner des Schiffes, so scheint es, hatten ihm einen geliehen, um seine schwere Tasche in sein Logierhaus zu schaffen. Um, was dieses Ding betrifft, nicht unwissend zu erscheinen - obgleich er, was die genaue Weise angeht, wie der Karren zu handhaben sei, das in Wahrheit vollkommen war -, packt Queequeg seine Tasche darauf; verschnürt sie feste; und schultert dann die Karre und schreitet den Pier hinauf. »Na«, sagte ich, »Queequeg, das hättest du besser wissen können, sollte man meinen. Haben die Leute nicht gelacht?«<br />
Daraufhin erzählte er mir eine weitere Geschichte. Die Leute seiner Insel Kokovoko pressen, so scheint es, die wohlriechende Flüssigkeit junger Kokosnüsse in eine große gefärbte Kalebasse, wie eine Punschbowle; und diese Punschbowle bildet auf der geflochtenen Matte, wo das Fest abgehalten wird, immer das große Schaustück im Mittelpunkt. Nun kam einmal ein bestimmtes stattliches Handelsschiff in Kokovoko an, und dessen Kommandant &#8211; soweit berichtet wird, ein sehr vornehmer, pingeliger Herr, wenigstens für einen Kapitän zur See -, dieser Kommandant wurde zum Hochzeitsfest von Queequegs Schwester eingeladen, einer hübschen jungen Prinzessin, die gerade zehn geworden. Nun ja; als alle Hochzeitsgäste in der Bambushütte der Braut versammelt waren, marschiert dieser Kapitän herein, und alldieweil man ihm den Ehrenplatz zugewiesen, nimmt er Platz drüben, der Punschbowle gegenüber, und zwischen dem Hohepriester und Seiner Majestät dem König, Queequegs Vater. Sobald das Tischgebet gesprochen &#8211; denn auch diese Leute haben ihr Tischgebet ebenso wie wir &#8211; obwohl Queequeg mir erzählte, daß im Gegensatz zu uns, die wir bei solchen Gelegenheiten niederblicken auf unsere Servierplatten, sie ganz im Gegenteil, es den Enten nachmachend, aufwärts blicken zu dem großen Spender aller Feste -, sobald, wollte ich sagen, das Tischgebet gesprochen, eröffnet der Hohepriester das Bankett mit der uralten Zeremonie der Insel; das heißt, er tunkt seine geweihten und weihenden Finger in die Bowle, bevor das gesegnete Getränk die Runde macht. Wie er sich gleich neben dem Priester placiert sieht und der Zeremonie folgt und sich &#8211; als Kapitän eines Schiffes &#8211; im klaren Vorrecht gegenüber einem bloßen Inselkönig dünkt, insonderheit in des Königs eigenem Hause &#8211; macht er sich ganz kühl daran, seine Hände in der Punschbowle zu waschen; &#8211; die er, wie ich annehme, als eine riesige Fingerschale angesehen. »Nun«, sagte Queequeg, »was du jetz denk? &#8211; Haben unsere Leute nicht gelacht?«<br />
<small>(Herman Melville &#8211; Moby Dick)</small></p></blockquote>


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		<title>Ein gutes Leben</title>
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		<pubDate>Sun, 02 May 2010 09:49:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[What if you had one day perfectly healthy, I asked? What would you do? &#8220;Twenty-four hours?&#8221; Twenty-four hours. &#8220;Let&#8217;s see&#8230; I&#8217;d get up in the morning, do my exercises, have a lovely breakfast of sweet rolls and tea, go for a swim, then have my friends come over for a nice lunch. I&#8217;d have them [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>What if you had one day perfectly healthy, I asked? What would you do?<br />
&#8220;Twenty-four hours?&#8221;<br />
Twenty-four hours.<br />
&#8220;Let&#8217;s see&#8230; I&#8217;d get up in the morning, do my exercises, have a lovely breakfast of sweet rolls and tea, go for a swim, then have my friends come over for a nice lunch. I&#8217;d have them come one or two at a time so we could talk about their families, their issues, talk about how much we mean to each other.<br />
&#8220;Then I&#8217;d like to go for a walk, in a garden with some trees, watch their colors, watch the birds, take in the nature that I haven&#8217;t seen in so long now.<br />
&#8220;In the evening, we&#8217;d all go together to a restaurant with some great pasta, maybe some duck &#8211; I love duck &#8211; and then we&#8217;d dance the rest of the night. I&#8217;d dance with all the wonderful dance partners out there, until I was exhausted. And then I&#8217;d go home and have a deep, wonderful sleep.&#8221;<br />
That&#8217;s it?<br />
&#8220;That&#8217;s it.&#8221;<br />
It was so simple. So average. I was actually a little disappointed. I figured he&#8217;d fly to Italy or have lunch with the President or romp on the seashore or try every exotic thing he could think of. After all these months, lying there, unable to move a leg or a foot &#8211; how could he find perfection in such an average day?<br />
Then I realized this was the whole point.<br />
<small>(Mitch Albom &#8211; Tuesdays with Morrie)</small></p></blockquote>


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		<title>Weniger ist mehr</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 09:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Here was a man who, if he wanted, could spend every waking moment in self-pity, feeling his body for decay, counting his breaths. So many people with far smaller problems are so self-absorbed, their eyes glaze over if you speak for more than thirty seconds. They already have something else in mind &#8211; a friend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Here was a man who, if he wanted, could spend every waking moment in self-pity, feeling his body for decay, counting his breaths. So many people with far smaller problems are so self-absorbed, their eyes glaze over if you speak for more than thirty seconds. They already have something else in mind &#8211; a friend to call, a fax to send, a lover they&#8217;re daydreaming about. They only snap back to full attention when you finish talking, at which point they say &#8220;Uh-huh&#8221; or &#8220;Yeah, really&#8221; and fake their way back to the moment. (&#8230;) We are great at small talk: &#8220;What do you do?&#8221; &#8220;Where do you live?&#8221; But <em>really</em> listening to someone &#8211; without trying to sell them something, pick them up, recruit them, or get some kind of status in return &#8211; how often do we get this anymore? I believe many visitors in the last few months of Morrie&#8217;s life were drawn not because of the attention they wanted to pay to him but because of the attention he paid<em> to them</em>. Despite his personal pain and decay, this little old man listened the way they always wanted someone to listen.<br />
<small>(Mitch Albom &#8211; Tuesdays with Morrie)</small></p></blockquote>
<p>Selten treffe ich mich oder unternehme etwas mit mehr als drei Menschen auf einmal. Vielleicht mag das unsozial erscheinen, doch für mich ist es genau das Gegenteil. Ich meide Massenveranstaltungen und bleibe Treffen fern, wenn am Ende mehr Menschen dabei sein werden, als ich für angenehm befinde. Das liegt vor allem daran, dass alles über vier Personen für mich schon eine Gruppe ist, und ich Gruppen nicht besonders leiden kann - besonders dann nicht, wenn darunter Menschen sind, die ich mag. Je mehr von ihnen ich mag oder je mehr ich einzelne darunter mag, desto weniger möchte ich sie zeitgleich mit anderen in eine Gruppe stecken. Es ist nicht unbedingt so, dass ich mich in einer Gruppe unwohl fühle, denn oft verspricht es großen Spaß mit einer solchen, doch ist es der Mangel an Nähe und Exklusivität, der mich Gruppen in der Regel eher meiden lässt. Es geht mir dabei nicht um Nähe und Exklusivität, die ich von anderen erwarten, einfordern oder gar verlangen würde, sondern um Nähe und Exklusivität, die ich selbst gerne denjenigen Menschen zukommen lassen möchte, die ich mag. Ich möchte meine Aufmerksamkeit gegenüber diesen Menschen nicht hin und her springen lassen müssen, will mein Interesse nicht spalten und meine Gedanken nicht hetzen, will mich auf ein Gegenüber konzentrieren und für diese Person voll und ganz da sein, einzig und allein, absolut und ungeteilt.<br />
Einst saß ich mit fünfzehn weiteren Personen zum Abendessen an einem langen Tisch und feierte den Geburtstag einer Freundin &#8211; nur eine Situation von vielen, die aber charakteristisch ist für das, was ich zum Ausdruck bringen möchte. Links von mir konnte ich Gespräche verfolgen, rechts von mir konnte ich Gespräche verfolgen, und ich selbst unterhielt mich mit meinen Nachbarn über dieses und über jenes. Es ist, wie es immer ist, wenn so viele Menschen aufeinandertreffen: Man steigt aus Gesprächen aus und in andere ein, man wechselt den Gesprächspartner, wenn es langweilig zu werden droht, man teilt die Aufmerksamkeit, man rast hin und her, zumindest in Gedanken, man verliert Fokus und Konzentration, man fragmentiert die Anteilnahme. Alle Unterhaltungen sind gleich, indem sie unpersönlich bleiben: Man begnügt sich mit Small Talk. Je mehr Menschen sich zusammenfinden, umso größer die Wahrscheinlichkeit ungleicher Freundschaftsbeziehungen. Wenn wie hier sechszehn Personen an einem Tisch sitzen, ist es recht unwahrscheinlich, dass alle diese Personen das gleiche Freundschafts- und Vertrauensverhältnis teilen oder allesamt untereinander beste Freunde sind. Vielleicht sind einige sich völlig fremd und gar nicht mal sympathisch! In derlei Konstellationen unterhält man sich notgedrungen nicht über allzu Persönliches, weil Ohren anwesend sind, die es vermutlich nichts angeht. Was man dem besten Freund oder der Freundin erzählt, das teilt man hier nicht allen mit. Der Ausweg ist das oberflächliche Gespräch oder das seichte Amüsement. Beides gibt mir nichts, mit beidem kann ich nichts anfangen.<br />
Das seichte Amüsement in der Gruppe, der oberflächliche Spaß, das unbeschwerte Lachen für Zwischendurch, wenn tiefe Gespräche nicht zur Debatte stehen und große Nähe nicht in Frage kommt, ist im Moment, in dem es stattfindet, für mich so schön wie für jeden anderen Beteiligten, doch nehme ich daraus nichts mit. Ich habe mit Leuten eine schöne Zeit, ja, mit Freunden gar, doch wenn ich dann nach Hause komme, bleibt in mir ein unbefriedigendes Gefühl zurück, der Wunsch nach mehr, nicht an Quantität, sondern an Qualität. Es kommt mir wie Verschwendung vor, wenn da jemand ist, mit dem ich gerne in die Tiefe abtauchen würde, aber es nicht kann, weil wir in einer Gruppe gefangen sind, die auf der Oberfläche des größten gemeinsamen Teilers treibt. Es erscheint mir wie Vergeudung von Freundschaft, bloß Spaß mit ihnen zu haben. Entscheidend ist das »bloß«. Nicht: Spaß mit ihnen zu haben, sondern: <a href="http://pala.mischamandl.de/2008/03/24/freundliche-beziehungen/">bloß Spaß mit ihnen zu haben</a>. Die Reduktion auf eine Dimension, wo doch so viele sind, sein sollten. Auf die Spitze getrieben: Für Spaß allein, da reichen schon Bekannte, ja sicherlich schon Unbekannte, denn es steckt Unverbindlichkeit und Austauschbarkeit darin. Die oberflächliche „gute Zeit“, der spaßige Abend, die kurzweilige Unterhaltung verhält sich wie die Prostituierte zur großen Liebe, da diese „gute Zeit“ so einfach zu haben ist, während die echte, die nicht in Anführungszeichen steht, für mich ganz andere Qualitäten hat, die Nähe, Offenheit und Exklusivität vereint.<br />
Auf der anderen Seite das oberflächliche Gespräch, das sich am Level des Freundschaftsverhältnisses orientiert, den die gesamte Gruppe gemein hat, und der ist meist recht klein, mündet letztlich eben in Small Talk. Was jemand macht, was er am Tag gegessen hat, welche Möbel er erwarb, wie viel Geld er verdient oder welches Auto er fährt, das alles interessiert mich nicht. Ich stelle diese Fragen nicht, weil mich die Antworten nicht kümmern. Gespräche dieser Art belästigen mich nicht, doch halte ich mich dann zurück und gebe den Beobachter, nehme alles in mich auf und ziehe meine Schlüsse, möchte aber nicht mitreden. Was mich wirklich interessiert, das ist die Person, wer jemand ist, und wie es demjenigen gerade geht. Überhaupt die Frage, wie es jemandem geht: Wer beantwortet sie schon ehrlich? Die meisten erzählen daraufhin, wie sie mit ihrer Arbeit zurechtkommen, was das Finanzamt von ihnen verlangt oder dass sie sich nun einen neuen Fernseher gekauft haben. Antworten auf Fragen, die nicht gestellt wurden, während die gestellten völlig unbeantwortet bleiben. Auf diese Fragen bekommt man selten eine wahre Antwort, noch seltener so unter Vielen, und wenn, zumindest ist das meine Erfahrung, dann nur unter vier Augen. Das ist die Art von Gespräch, die ich führen möchte, denn nichts ist so befriedigend, erkenntnisreich, offen, einfühlsam und verbindend wie diese. Stets ist die Enttäuschung daher für mich am größten, wenn jemand, mit dem ich verabredet bin, plötzlich ungefragt Dritte noch hinzu holt. Das war nicht abgemacht und hätte ich&#8217;s gewusst, ich hätte vermutlich abgesagt, nicht weil ich die Freunde meiner Freunde nicht mag, sondern weil es die Grundlagen des Treffens maßgeblich verändert, es gewinnt dadurch an Beliebigkeit und verliert an Tiefe, büßt Nähe ein zugunsten einer größeren Teilnehmerzahl und zerstört die Zweisamkeit, die vor allem, aber eben nicht allein nur fürs Romantische so wichtig ist.<br />
Wenn ich mich mit jemandem treffen möchte, dann tue ich das in der Regel, um den Menschen, die ich mag, im doppelten Wortsinn nah zu sein. Und das geht nicht, wenn man unter Vielen ist.</p>


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		<title>Gottes Scheiße</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 20:19:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Milan Kundera]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Scheiße]]></category>
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		<description><![CDATA[Als ich klein war und mir das für Kinder nacherzählte Alte Testament anschaute, das mit Radierungen von Gustave Doré illustriert war, sah ich den lieben Gott auf einer Wolke sitzen. Er war ein alter Mann, hatte Augen, eine Nase und einen langen Bart, und ich sagte mir, wenn er einen Mund hat, muß er auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Als ich klein war und mir das für Kinder nacherzählte Alte Testament anschaute, das mit Radierungen von Gustave Doré illustriert war, sah ich den lieben Gott auf einer Wolke sitzen. Er war ein alter Mann, hatte Augen, eine Nase und einen langen Bart, und ich sagte mir, wenn er einen Mund hat, muß er auch essen. Und wenn er ißt, muß er auch Därme haben. Dieser Gedanke jedoch hat mich erschreckt, denn ich fühlte, obwohl ich aus einer eher ungläubigen Familie stammte, daß die Vorstellung von göttlichen Därmen Blasphemie ist.<br />
Ohne jegliche theologische Vorbildung habe ich schon als Kind ganz spontan die Unvereinbarkeit von Scheiße und Gott begriffen und folglich auch die Fragwürdigkeit der Grundthese christlicher Anthropologie, nach der der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Entweder oder: entweder wurde der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen und dann hat Gott Därme, oder aber Gott hat keine Därme und der Mensch gleicht ihm nicht.<br />
Die alten Gnostiker haben das genauso klar gesehen wie ich mit meinen fünf Jahren: um dieses verzwickte Problem endgültig zu lösen, hat Valentin, ein großer Meister der Gnosis im zweiten Jahrhundert, behauptet: »Jesus hat gegessen und getrunken, nicht aber defäkiert.«<br />
Die Scheiße ist ein schwierigeres theologisches Problem als das Böse. Gott hat dem Menschen die Freiheit gegeben, und so kann man annehmen, daß er nicht für die Verbrechen der Menschheit verantwortlich ist. Doch die Verantwortung für die Scheiße trägt einzig und allein derjenige, der den Menschen geschaffen hat.<br />
<small>(Milan Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins)</small></p></blockquote>


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		<title>Beschleunigtes Leben</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 01:47:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Beschleunigung]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Bewusstsein der Zeitlichkeit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht identifiziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwiderlaufenden Kräften, etwa im Versuch, seiner Arbeit mit einer Beschleunigung des Lebensgefühls zu begegnen. Mach schnell, und du wirst ihn mit bloßem Auge, mit bloßem inneren Auge, nicht mehr wahrnehmen. Die Geschwindigkeit wird den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Im Bewusstsein der Zeitlichkeit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht identifiziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwiderlaufenden Kräften, etwa im Versuch, seiner Arbeit mit einer Beschleunigung des Lebensgefühls zu begegnen. Mach schnell, und du wirst ihn mit bloßem Auge, mit bloßem inneren Auge, nicht mehr wahrnehmen. Die Geschwindigkeit wird den Knacks dahinraffen.<br />
Hat die Sprache diese Beschleunigung mit vollzogen? Und ob: In den Siebzigern beantwortete man die Frage »How are you« mit »good«, in den Achtzigern antwortete man auf die gleiche Frage mit »busy«.<br />
Was war geschehen? Die Beschleunigung verriet sich in Komparativen. Der Schnellzug verschwand, er war nicht schnell genug; der Eilbrief verschwand, denn schon das Eilen selbst klingt gemächlich: Altmodische Vokabeln, sie erinnern an die langsame Art, schnell zu sein.<br />
Stattdessen wurden die Indizien der Beschleunigung moralisch: was schnell war, war gut. Es war gut, »auf der Überholspur« zu leben, es war »in«, Fast Food zu mögen, aber Fast Food ist eigentlich Fast Eat, und es erreichte rasch das eigene Heim. Mit der 5-Minuten-Terrine erreicht die Küche ohne Koch und ohne Ritual die Haushalte. Alles beschleunigt: Schnellrasur, Schnellimbiss, Schnelllifting, Schnelltankstelle, Schnellrestaurant, Schnellreinigung wie juristische Schnellverfahren. Es geht schneller: Die einzige Musiksendung auf der Höhe der Zeit hieß »Fast Forward«, die Droge der urbanen Jugend »Speed«. Dies alles arbeitet an der Fiktion des gewonnenen Lebens, es sagt, wenn du schneller bist, schneller reist, Zeit sparst, wirst du am Ende mehr davon haben.<br />
(&#8230;)<br />
Wir haben keine Zeit. Wir haben alle keine Zeit. Wir haben sie schon deshalb nicht, damit wir uns nicht zu gut fühlen. Bruch, Knacks, Ermüdung, Scheitern, Kollaps: Unsere ruinösen Ich-Reste sollen nicht erscheinen, nicht aufbrechen, nicht mitsprechen.<br />
<small>(Roger Willemsen &#8211; Der Knacks)</small></p></blockquote>


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		<title>I am not sad</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 20:19:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Jonathan Safran Foer]]></category>
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		<category><![CDATA[Verzweiflung]]></category>

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		<description><![CDATA[He awoke each morning with the desire to do right, to be a good and meaningful person, to be, as simple as it sounded and as impossible as it actually was, happy. And during the course of each day his heart would descend from his chest into his stomach. By early afternoon he was overcome [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>He awoke each morning with the desire to do right, to be a good and meaningful person, to be, as simple as it sounded and as impossible as it actually was, happy. And during the course of each day his heart would descend from his chest into his stomach. By early afternoon he was overcome by the feeling that nothing was right, or nothing was right for him, and by the desire to be alone. By evening he was fulfilled: alone in the magnitude of his grief, alone in his aimless guilt, alone even in his loneliness. ›<em>I am not sad</em>‹, he would repeat to himself over and over, ›<em>I am not sad</em>‹. As if he might one day convince himself. Or fool himself. Or convince others &#8211; the only thing worse than being sad is for others to know that you are sad. ›<em>I am not sad</em>‹. ›<em>I am not sad</em>‹. Because his life had unlimited potential for happiness, insofar as it was an empty white room. He would fall asleep with his heart at the foot of his bed, like some domesticated animal that was no part of him at all. And each morning he would wake with it again in the cupboard of his rib cage, having become a little heavier, a little weaker, but still pumping. And by midafternoon he was again overcome with the desire to be somewhere else, someone else, someone else somewhere else. ›<em>I am not sad</em>‹.<br />
<small>(Jonathan Safran Foer &#8211; Everything is Illuminated)</small></p></blockquote>


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