Laut­lo­se Momente

Es ist ein Irr­tum zu glau­ben, die ent­schei­den­den Momen­te eines Lebens, in denen sich sei­ne gewohn­te Rich­tung für immer ändert, müß­ten von lau­ter und grel­ler Dra­ma­tik sein, unter­spült von hef­ti­gen inne­ren Auf­wal­lun­gen. Das ist ein kit­schi­ges Mär­chen, das sau­fen­de Jour­na­lis­ten, blitz­licht­süch­ti­ge Fil­me­ma­cher und Schrift­stel­ler, in deren Köp­fen es aus­sieht wie in einem Bou­le­vard­blatt, in die Welt gesetzt haben. In Wahr­heit ist die Dra­ma­tik einer lebens­be­stim­men­den Erfah­rung oft von unglaub­lich lei­ser Art. Sie ist dem Knall, der Stich­flam­me und dem Vul­kan­aus­bruch so wenig ver­wandt, daß die Erfah­rung im Augen­blick, wo sie gemacht wird, oft gar nicht bemerkt wird. Wenn sie ihre revo­lu­tio­nä­re Wir­kung ent­fal­tet und dafür sorgt, daß ein Leben in ein ganz neu­es Licht getaucht wird und eine voll­kom­men neue Melo­die bekommt, so tut sie das laut­los, und in die­ser wun­der­vol­len Laut­lo­sig­keit liegt ihr beson­de­rer Adel.
(Pas­cal Mer­cier – Nacht­zug nach Lissabon)

3 Kommentare
  1. Mischa
    Mischa sagte:

    Na ja, ein böses Erwa­chen viel­leicht nur in dem Sin­ne, dass man erst spät(er) erkennt, war­um man sich eigent­lich in eine bestimm­te Rich­tung entschieden/entwickelt hat – wenn über­haupt. Aber auch das wür­de ich nicht unbe­dingt als böses Erwa­chen bezeichnen.

    Dazu passt auch das.

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  2. Felix
    Felix sagte:

    Dan­ke, ich woll­te gera­de die­ses Zitat noch­mal nach­le­sen, und Goog­le hat dei­nen Post gleich als ers­tes gezeigt. Sehr prak­tisch, die­ses Inter­net und die net­ten Leu­te, die sol­che spe­zi­fi­schen Inhal­te ver­öf­fent­licht haben!

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