Wie bin ich bloß hier gelandet?

Sie hat­te jetzt Arbeit, sie hat­te eine Woh­nung, sie hat­te, in gewis­ser Wei­se, ein Leben. Sie hat­te sich ein Leben für sich ent­wor­fen. Zwar war es nicht so, wie sie es sich ein­mal vor­ge­stellt hat­te. Als sie auf ihren Abschluss hin­ar­bei­te­te an der tol­len Uni­ver­si­tät, die jede als zukünf­ti­ge Welt­herr­sche­rin ver­las­sen woll­te, hät­te sie sich nie träu­men las­sen, dass sie ein­mal so enden wür­de (…). Aber ver­mut­lich ent­wi­ckelt sich das Leben nie so, wie man es geplant hat; ver­mut­lich sieht man des­halb auf den Stra­ßen von Groß­städ­ten so vie­le Leu­te mit die­sem ver­wirr­ten und ver­är­ger­ten Gesichts­aus­druck, als woll­ten sie sagen: Wer hät­te gedacht, dass mir das pas­sie­ren wür­de? All die Bal­lett-Tän­ze­rin­nen, die in der Ver­wal­tung lan­de­ten, die Feu­er­wehr­män­ner, die Per­so­nal­chefs wur­den, die Ent­de­cker, die in Call-Cen­tern saßen, die Mode­schöp­fe­rin­nen und Opern­sän­ge­rin­nen, Gitar­ris­ten, Büh­nen-Lieb­lin­ge und Sze­ne-Diven, die am Ende von der gro­ßen Tret­müh­le zer­malmt wur­den. All das spricht aus die­sen Bli­cken: Wie bin ich bloß hier gelandet?
(Tania Kin­ders­ley – Und mor­gen geht das Leben weiter)

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