Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der poli­ti­schen Magie macht eine Rei­he von Teil­neh­mern erfor­der­lich, nicht nur Par­la­men­te und Abge­ord­ne­te: Jour­na­lis­ten, Umfra­ge­insti­tu­te, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­ter – auch Intel­lek­tu­el­le, oder genau­er: Jour­na­lis­ten, die sich als Intel­lek­tu­el­le aufspielen.
Man spricht (…) über die Rol­le der Jour­na­lis­ten im Golf­krieg. Man spricht aber nicht – oder zuwe­nig – über den All­tag, über das, was der Jour­na­lis­mus all­täg­lich macht, wenn er eigent­lich nur funk­tio­niert, um die Reden, die die Poli­ti­ker für­ein­an­der hal­ten, zu ver­stär­ken und ihnen einen Reso­nanz­bo­den zu geben. Heu­te reden die Poli­ti­ker näm­lich eigent­lich zu nie­mand ande­rem mehr als zu sich selbst. Sie reden, um nichts zu sagen, und inner­halb stun­den­lan­ger, nichts­sa­gen­der Aus­füh­run­gen fällt dann ein Halb­satz, der gezielt ein­ge­setzt wird, damit er von den Jour­na­lis­ten ver­stan­den, auf­ge­nom­men und als Spiel­ball in das poli­ti­sche Spiel ein­ge­bracht wird. Das Gan­ze hat Ähn­lich­keit mit einem Schach­spiel, bei dem gewief­te Spie­ler ihre Stra­te­gien erpro­ben. Und wie ein Schach­spiel schot­tet sich das Macht­spiel nach außen ab, wird her­me­tisch, Objekt »ken­ne­ri­scher« Kom­men­ta­re von Insi­dern, gesell­schaft­lich belang­los. Die Poli­ti­ker spre­chen zuein­an­der, sie spre­chen nicht zur Gesell­schaft. Sie geben sich den Anschein, zur Gesell­schaft zu sprechen.
(Pierre Bour­dieu – Poli­tik und Medi­en­macht, in: Der Tote packt den Lebenden)

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