Schlagwortarchiv für: Anarchie

Natür­lich kann ich hier arbei­ten. Da arbei­ten ja auch ande­re. Das sehe ich mit eig­nen Augen. Was ein and­rer kann, das kann ich auch. Der Nach­ah­mungs­trieb des Men­schen macht Hel­den und macht Skla­ven. Wenn der nicht an den Peit­schen­hie­ben stirbt, dann wer­de ich sie wohl auch über­le­ben kön­nen. […] Natür­lich kann ich das auch. So geht der Krieg vor­an, und so fah­ren die Toten­schif­fe, alles nach dem sel­ben Rezept. Die Men­schen haben nur eine Scha­blo­ne, nach der sie alles machen; das geht so glatt, daß sie ihr Hirn gar nicht anzu­stren­gen brau­chen, um ein and­res Rezept aus­zu­den­ken. Man geht nichts lie­ber als aus­ge­tre­te­ne Pfa­de. Da fühlt man sich so schön sicher. Der Nach­ah­mungs­trieb ist schuld dar­an, daß die Mensch­heit inner­halb der letz­ten sechs­tau­send Jah­re kei­ne wah­ren Fort­schrit­te gemacht hat, son­dern trotz Radio und Flie­ge­rei in der sel­ben Bar­ba­rei lebt wie am Anfang der euro­päi­schen Peri­ode. So hat es der Vater gemacht, und so hat es der Sohn nach­zu­ma­chen. Schluß. Was für mich, den Vater, gut genug war, wird für dich, du Rotz­na­se, wohl erst recht gut genug sein. […] Allein das, was anders gemacht wur­de als bis­her, allein das, was unter Pro­test der Väter, Päps­te, Hei­li­gen und Ver­ant­wort­li­chen anders gedacht wur­de, hat der Mensch­heit neue Aus­bli­cke ver­schafft und ihr den Glau­ben gege­ben, daß eines fer­nen Tages viel­leicht doch ein Fort­schrei­ten wird beob­ach­tet wer­den kön­nen. Die­ser fer­ne Tag wird in Sicht sein, sobald die Men­schen nicht mehr an Insti­tu­tio­nen glau­ben, nicht an Auto­ri­tä­ten und nicht an eine Reli­gi­on, wel­chen Namen man ihr auch immer geben mag.
B. Tra­ven – Das Totenschiff

Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert zu wer­den durch Leu­te, die weder das Recht, noch das Wis­sen, noch die Kraft dazu haben… Regiert sein heißt, bei jeder Hand­lung, bei jedem Geschäft, bei jeder Bewe­gung ver­steu­ert, paten­tiert, notiert, regis­triert, erfasst, taxiert, gestem­pelt, ver­mes­sen, bewer­tet, lizen­siert, auto­ri­siert, befür­wor­tet, ermahnt, behin­dert, refor­miert, aus­ge­rich­tet, bestraft zu wer­den. Es heißt, unter dem Vor­wand der öffent­li­chen Nütz­lich­keit und im Namen des All­ge­mein­in­ter­es­ses aus­ge­nutzt, ver­wal­tet, geprellt, aus­ge­beu­tet, mono­po­li­siert, hin­ter­gan­gen, aus­ge­presst, getäuscht, bestoh­len zu wer­den; schließ­lich bei dem gerings­ten Wider­stand, beim ers­ten Wort der Kla­ge unter­drückt, bestraft, her­un­ter­ge­macht, belei­digt, ver­folgt, miß­han­delt, zu Boden geschla­gen, ent­waff­net, gekne­belt, ein­ge­sperrt, füsi­liert, beschos­sen, ver­ur­teilt, ver­dammt, depor­tiert, geop­fert, ver­kauft, ver­ra­ten und oben­drein ver­höhnt, gehän­selt, beschimpft und ent­ehrt zu wer­den. Das ist die Regie­rung, das ist ihre Gerech­tig­keit, das ist ihre Moral.
(Pierre-Joseph Proudhon – Idée géné­ra­le de la Révo­lu­ti­on au dix-neu­viè­me siè­cle, 1851)