War­um der Arbeit nachlaufen?

War­um der Arbeit nach­lau­fen? Da steht man vor dem, der die Arbeit zu ver­ge­ben hat, und wird behan­delt wie ein zudring­li­cher Bett­ler. »Ich habe jetzt kei­ne Zeit, kom­men Sie spä­ter wie­der.« Wenn der Arbei­ter aber ein­mal sagt: »Ich habe jetzt kei­ne Zeit oder kei­ne Lust, für Sie zu arbei­ten«, dann ist es Revo­lu­ti­on, Streik, Rüt­te­lung an den Fun­da­men­ten des Gemein­wohls, und die Poli­zei kommt, und gan­ze Regi­men­ter von Miliz rücken an und stel­len Maschi­nen­ge­weh­re auf. Für­wahr, es ist manch­mal weni­ger beschä­mend, um Brot zu bet­teln, als um Arbeit zu fra­gen. Aber kann der Skip­per sei­nen Eimer allein fah­ren, ohne den Arbei­ter? Kann der Inge­nieur sei­ne Loko­mo­ti­ven allein bau­en, ohne den Arbei­ter? Aber der Arbei­ter hat mit dem Hute in der Hand um Arbeit zu bet­teln, muß daste­hen wie ein Hund, der geprü­gelt wer­den soll, muß zu dem blö­den Witz, den der Arbeit­ver­ge­ben­de macht, lachen, obgleich ihm gar nicht zum Lachen zumu­te ist, nur um den Skip­per oder den Inge­nieur oder den Meis­ter oder den Vor­ar­bei­ter oder wer immer das Macht­wort ›Sie wer­den ein­ge­stellt!‹ zu sagen die Befug­nis hat, bei guter Lau­ne zu halten.
Wenn ich so unter­tä­nig um Arbeit bet­teln muß, um sie zu erhal­ten, kann ich auch um übrig­ge­blie­be­nes Mit­tag­essen in einem Gast­hof bet­teln. Der Hotel­koch behan­delt mich nicht so weg­wer­fend, wie mich schon Leu­te behan­delt haben, bei denen ich um Arbeit nachfragte.
B. Tra­ven – Das Totenschiff

1 Kommentar
  1. jobber
    jobber sagte:

    Dem kann ich 100%ig zustim­men. Es ist eine Schan­de, wie man behan­delt wird. Ich wür­de NIE bet­teln, auch nicht um Arbeit. Das ist ein­fach herabwürdigend.

    Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert