Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re Tasche in sein Logier­haus zu schaf­fen. Um, was die­ses Ding betrifft, nicht unwis­send zu erschei­nen – obgleich er, was die genaue Wei­se angeht, wie der Kar­ren zu hand­ha­ben sei, das in Wahr­heit voll­kom­men war -, packt Queequeg sei­ne Tasche dar­auf; ver­schnürt sie fes­te; und schul­tert dann die Kar­re und schrei­tet den Pier hin­auf. »Na«, sag­te ich, »Queequeg, das hät­test du bes­ser wis­sen kön­nen, soll­te man mei­nen. Haben die Leu­te nicht gelacht?«
Dar­auf­hin erzähl­te er mir eine wei­te­re Geschich­te. Die Leu­te sei­ner Insel Koko­vo­ko pres­sen, so scheint es, die wohl­rie­chen­de Flüs­sig­keit jun­ger Kokos­nüs­se in eine gro­ße gefärb­te Kale­bas­se, wie eine Punsch­bow­le; und die­se Punsch­bow­le bil­det auf der gefloch­te­nen Mat­te, wo das Fest abge­hal­ten wird, immer das gro­ße Schau­stück im Mit­tel­punkt. Nun kam ein­mal ein bestimm­tes statt­li­ches Han­dels­schiff in Koko­vo­ko an, und des­sen Kom­man­dant – soweit berich­tet wird, ein sehr vor­neh­mer, pin­ge­li­ger Herr, wenigs­tens für einen Kapi­tän zur See -, die­ser Kom­man­dant wur­de zum Hoch­zeits­fest von Queequegs Schwes­ter ein­ge­la­den, einer hüb­schen jun­gen Prin­zes­sin, die gera­de zehn gewor­den. Nun ja; als alle Hoch­zeits­gäs­te in der Bam­bus­hüt­te der Braut ver­sam­melt waren, mar­schiert die­ser Kapi­tän her­ein, und all­die­weil man ihm den Ehren­platz zuge­wie­sen, nimmt er Platz drü­ben, der Punsch­bow­le gegen­über, und zwi­schen dem Hohe­pries­ter und Sei­ner Majes­tät dem König, Queequegs Vater. Sobald das Tisch­ge­bet gespro­chen – denn auch die­se Leu­te haben ihr Tisch­ge­bet eben­so wie wir – obwohl Queequeg mir erzähl­te, daß im Gegen­satz zu uns, die wir bei sol­chen Gele­gen­hei­ten nie­der­bli­cken auf unse­re Ser­vier­plat­ten, sie ganz im Gegen­teil, es den Enten nach­ma­chend, auf­wärts bli­cken zu dem gro­ßen Spen­der aller Fes­te -, sobald, woll­te ich sagen, das Tisch­ge­bet gespro­chen, eröff­net der Hohe­pries­ter das Ban­kett mit der uralten Zere­mo­nie der Insel; das heißt, er tunkt sei­ne geweih­ten und wei­hen­den Fin­ger in die Bow­le, bevor das geseg­ne­te Getränk die Run­de macht. Wie er sich gleich neben dem Pries­ter pla­ciert sieht und der Zere­mo­nie folgt und sich – als Kapi­tän eines Schif­fes – im kla­ren Vor­recht gegen­über einem blo­ßen Insel­kö­nig dünkt, inson­der­heit in des Königs eige­nem Hau­se – macht er sich ganz kühl dar­an, sei­ne Hän­de in der Punsch­bow­le zu waschen; – die er, wie ich anneh­me, als eine rie­si­ge Fin­ger­scha­le ange­se­hen. »Nun«, sag­te Queequeg, »was du jetz denk? – Haben unse­re Leu­te nicht gelacht?«
(Her­man Mel­ville – Moby Dick)

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