So tief kann kein Mensch sin­ken, als daß er nicht immer noch tie­fer sin­ken könn­te, so Schwe­res kann kein Mensch erdul­den, als daß er nicht noch Schwe­re­res ertra­gen könn­te. Hier ist es, wo der Geist des Men­schen, der ihn angeb­lich über das Tier erhebt, ihn tief unter das Tier ernied­rigt. Ich habe Pack­zü­ge von Kame­len, von Lamas, von Eseln und von Maul­tie­ren getrie­ben. Ich habe Dut­zen­de unter die­sen Tie­ren gese­hen, die sich hin­leg­ten, wenn sie nur mit drei Kilo­gramm über­la­den waren, die sich hin­leg­ten, wenn sie sich schlecht behan­delt glaub­ten, und die sich klag­los hät­ten zu Tode peit­schen las­sen – und auch das habe ich gese­hen -, als auf­zu­ste­hen, die Last zu über­neh­men oder die schlech­te Behand­lung wei­ter zu erdul­den. Ich habe Esel gese­hen, die zu Leu­ten ver­kauft wor­den waren, die Tie­re schänd­lich pei­nig­ten, und die Esel hör­ten auf zu fres­sen und star­ben weg. Nicht ein­mal Mais ver­moch­te ihren Ent­schluß zu ändern. Aber der Mensch? Der Herr der Schöp­fung? Er liebt es, Skla­ve zu sein, er ist stolz, Sol­dat sein zu dür­fen und nie­der­kar­tätscht zu wer­den, er liebt es, gepeitscht und gemar­tert zu wer­den. War­um? Weil er den­ken kann. Weil er sich Hoff­nung den­ken kann. Weil er hofft, daß es auch wie­der bes­ser­ge­hen wird. Das ist sein Fluch und nie sein Segen.
(B. Tra­ven – Das Totenschiff)

Der chro­nisch Ver­bit­ter­te bemerk­te sei­ne Krank­heit nur ein­mal in der Woche: am Sonn­tag­nach­mit­tag. Dann, wenn weder sei­ne Arbeit noch die Rou­ti­ne ihm hal­fen, die Sym­pto­me zu lin­dern, bemerk­te er, daß irgend etwas nicht stimm­te. Denn der Frie­den die­ser Nach­mit­ta­ge war die reins­te Höl­le, die Zeit ver­ging nicht, und er war stän­dig gereizt. Doch dann wur­de es wie­der Mon­tag, und der Ver­bit­ter­te ver­gaß sei­ne Sym­pto­me, auch wenn er schimpf­te, daß er nie­mals Zeit hät­te, sich aus­zu­ru­hen, und sich dar­über beklag­te, daß die Wochen­en­den immer so schnell ver­gin­gen. Die­se Krank­heit hat­te jedoch einen Vor­teil. Sie war gesell­schaft­lich gese­hen bereits zur Regel gewor­den. Der größ­te Teil der Ver­bit­ter­ten konn­te drau­ßen wei­ter­le­ben, ohne die Gesell­schaft zu bedro­hen, da sie wegen der Mau­ern, die sie um sich errich­tet hat­ten, voll­kom­men iso­liert waren, obwohl es so aus­sah, als näh­men sie am sozia­len Leben teil.
(Pau­lo Coel­ho – Vero­ni­ka beschließt zu sterben)

Who are you? What a sad thing you are! Unable to ans­wer even such a simp­le ques­ti­on wit­hout fal­ling back on refe­ren­ces, and genea­lo­gies, and what other peo­p­le call you! Have you not­hing of your own? Not­hing to stand on that is not pro­vi­ded, defi­ned, delinea­ted, stam­ped, sanc­tion­ed, num­be­red and appro­ved by others?

Direkt­link: Teil 1, Teil 2

Eine der phi­lo­so­phischs­ten Sze­nen aus Baby­lon 5, abso­lut gran­di­os gespielt von Way­ne Alexander.

Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht man nur einem kon­se­quen­ten Bil­dungs­pla­ner zuzu­hö­ren, wenn er nach dem sichers­ten Mit­tel fragt, um von vorn­her­ein die Schü­ler aus­zu­le­sen, die schu­li­schen Erfolg ver­spre­chen, und dadurch die tech­ni­sche Ren­ta­bi­li­tät des Bil­dungs­sys­tems zu stei­gern. Er muß sich die Fra­ge nach den Cha­rak­te­ris­ti­ka der betref­fen­den Kan­di­da­ten stel­len: „In einer Demo­kra­tie kön­nen die mit öffent­li­chen Mit­teln unter­hal­te­nen Insti­tu­tio­nen nicht unmit­tel­bar und offen auf­grund bestimm­ter Cha­rak­te­ris­ti­ka aus­le­sen. Sinn­vol­ler­wei­se müß­te man Cha­rak­te­ris­ti­ka wie Geschlecht, sozia­le Her­kunft, Dau­er der Schul­zeit, Aus­se­hen, Aus­spra­che und Into­na­ti­on, den sozio-öko­­­no­­mi­­schen Sta­tus der Eltern und das Pres­ti­ge der zuletzt besuch­ten Schu­le berück­sich­ti­gen (…). Aber selbst wenn man zei­gen könn­te, daß die Stu­den­ten nie­de­rer sozia­ler Her­kunft mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit schlech­te Stu­di­en­re­sul­ta­te erzie­len, wäre eine offen und unmit­tel­bar gegen die­se Kan­di­da­ten gerich­te­te Aus­le­se­po­li­tik untrag­bar. Den­noch weiß man, daß die­ser Fak­tor indi­rekt einen Ein­fluß aus­übt, der in den schlech­ten Ergeb­nis­sen der Abschluß­ex­ami­na oder in ande­ren Eigen­schaf­ten zum Aus­druck kommt“ (R. K. Kel­sall). Kurz, die ver­geu­de­te Zeit (und das ver­geu­de­te Geld) ist zugleich der Preis für die Ver­schleie­rung der Rela­ti­on zwi­schen sozia­ler Her­kunft und Stu­di­en­erfolg; denn, woll­te man bil­li­ger und schnel­ler voll­zie­hen, was das Sys­tem ohne­hin leis­tet, wür­de man eine Funk­ti­on offen­le­gen und damit hin­fäl­lig machen, die nur im ver­bor­ge­nen wir­ken kann. Das Bil­dungs­we­sen legi­ti­miert die Macht­über­ga­be von einer Gene­ra­ti­on auf die ande­re immer um den Preis einer Ver­geu­dung von Geld und Zeit, indem es die Rela­ti­on zwi­schen dem sozia­len Aus­­­gangs- und End­punkt des Bil­dungs­gangs mit­tels eines Berech­ti­gungs­ef­fekts kaschiert, der durch die demons­tra­ti­ve und oft hyper­bo­li­sche Län­ge des Bil­dungs­gangs ermög­licht wird. Die ver­lo­re­ne Zeit ist kein blo­ßes Ver­lust­ge­schäft, da sie einer Trans­for­ma­ti­on der Ein­stel­lung zum Sys­tem und sei­nen Sank­tio­nen dient, die uner­läß­lich ist, damit das Sys­tem funk­tio­nie­ren und alle sei­ne Funk­tio­nen erfül­len kann.
(Pierre Bour­dieu / Jean-Clau­­de Pas­se­ron – Die Illu­si­on der Chancengleichheit)

Freie Zeit gilt hier als Pla­ge,
birgt sie Raum doch für Gedan­ken,
die sind stö­rend, gar ver­ach­tet,
brin­gen Welt­bil­der ins Wanken.

(2009)