Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen dar­in bestehen, die Leu­te zu bera­ten, und was gibt es demo­kra­ti­sche­res? In Wirk­lich­keit sehen sie über­haupt nicht, daß die Umfra­ge kein Instru­ment demo­kra­ti­scher Bera­tung, son­dern ein Instru­ment ratio­na­ler Dem­ago­gie ist. Die Dem­ago­gie besteht dar­in, die Trie­be, die Erwar­tun­gen, die Lei­den­schaf­ten sehr gut zu ken­nen, um sie zu mani­pu­lie­ren oder ganz ein­fach, um sie zu regis­trie­ren, sie zu bestä­ti­gen, was das Schlimms­te sein kann (man den­ke nur an die Todes­stra­fe oder den Ras­sis­mus). Die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten wer­den oft als Herr­schafts­in­stru­ment benutzt.
(Pierre Bour­dieu – Was anfan­gen mit der Sozio­lo­gie?, in: Die ver­bor­ge­nen Mecha­nis­men der Macht)

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