Gedan­ken & Soziologie

Die Sozio­lo­gie wäre nicht eine Stun­de Mühe wert, wenn sie ein für Exper­ten reser­vier­tes Wis­sen von Exper­ten wäre. (Pierre Bourdieu)

Neu­es­te Einträge

Was ist bloß mit mir los?

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»Mei­ne Wohl­tä­te­rin Rachel Soko­low«, begann Isma­el, »zähl­te im Col­lege einen jun­gen Mann namens Jef­frey zu ihren Freun­den, des­sen Vater ein rei­cher Chir­urg war. Jef­frey wur­de im Leben vie­ler Men­schen damals und auch spä­ter zu einer…
Eine Hand hält einen positiven Covid-Schnelltest. Im Hintergrund liegt die Packung des Tests.Meda­kit Ltd via Unsplash

Covid gibt es nicht – war­um alle immer nur erkäl­tet sind

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Mei­nen Eltern war es seit Pan­de­mie­be­ginn gelun­gen, sich von Coro­na fern­zu­hal­ten, denn sie waren sehr vor­sich­tig. Sie tru­gen Mas­ken, sie tes­te­ten sich regel­mä­ßig, sie mie­den grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen und schaff­ten es auf die­se Art, sich kein…

Wohin mit den gan­zen Wörtern?

Fragst Du Dich auch manch­mal, was mit den gan­zen Wör­tern pas­siert, die Du im Lau­fe des Tages nicht gespro­chen oder geschrie­ben hast? Ich stel­le mir ger­ne vor, dass ich für man­ches ein täg­li­ches oder wöchent­li­ches Kon­tin­gent habe, z.B. für…

Sozia­le Medi­en als Eindringling

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Vor etwas mehr als acht Mona­ten fand ich dank Twit­ter die tolls­te Frau der Welt. Alles begann mit zwei belang­lo­sen Tweets, auf die der jeweils ande­re reagier­te. Aus Rep­lys wur­den bald Direkt­nach­rich­ten und schließ­lich der Gedan­ke an ein Tref­fen.…

Die Maschi­ne­rie des Staates

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Die moder­ne Geschich­te hat, den­ke ich, hin­rei­chend bewie­sen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen das tut, was man ihm sagt; und, ver­zeiht mir, die Wahr­schein­lich­keit ist gering, dass ihr die Aus­nah­me seid – so…

Schu­le – eine kri­ti­sche Funktionsbetrachtung

Ange­sichts der ernüch­tern­den Ergeb­nis­se der unter den gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Umstän­den durch­ge­führ­ten Bemü­hun­gen, die sozia­len Chan­cen­un­gleich­hei­ten im Bil­dungs­sys­tem abzu­bau­en, ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wel­che Funk­ti­on das Schul­sys­tem…

Bil­dungs­ent­schei­dun­gen als Habitus-Handlungen

„In der Regel feh­len denen, die über Bil­dungs­ka­pi­tal in nen­nens­wer­tem Umfang nicht ver­fü­gen, die ›rich­ti­gen‹ Infor­ma­tio­nen für eine in die höchs­ten Posi­tio­nen füh­ren­de Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on, es fehlt ihnen die Ver­traut­heit mit den Struk­tu­ren…

Bil­dung bekämpft Armut?

„Kin­der aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en gehö­ren zwar zu den größ­ten Bildungsverlierer(inne)n, ihre Armut basiert jedoch sel­ten auf fal­schen oder feh­len­den Schul­ab­schlüs­sen, denn die Letz­te­ren sind höchs­tens Aus­lö­ser und Ver­stär­ker,…
Das Bild besteht aus zwei Panels, die nebeneinander stehen. In beiden Szenen versuchen drei Personen unterschiedlicher Körpergröße, über einen Holzzaun ein Baseballspiel zu verfolgen. Linkes Panel "Equality" (Gleichheit): Die Situation: Jede der drei Personen steht auf genau einer Holzkiste. Die große Person steht weit über dem Zaun und hat eine perfekte Sicht. Die mittelgroße Person kann gerade so über den Zaun schauen. Die kleine Person starrt direkt gegen die Bretter des Zauns und kann nichts vom Spiel sehen. Rechtes Panel "Equity" (Gerechtigkeit ): Die Kisten wurden basierend auf dem individuellen Bedarf verteilt. Die große Person benötigt keine Hilfe und steht nun ohne Kiste auf dem Boden (sie kann immer noch alles sehen). Die mittelgroße Person steht weiterhin auf einer Kiste. Die kleine Person hat nun zwei Kisten übereinander gestapelt bekommen. Alle drei Personen befinden sich nun auf der gleichen Augenhöhe über der Oberkante des Zauns. Jeder kann das Spiel gleichermaßen genießen.Inter­ac­tion Insti­tu­te for Social Chan­ge | Artist: Angus Maguire

Das Mär­chen von der Leistungsgesellschaft

Leis­tungs­ge­sell­schaft oder Meri­to­kra­tie bedeu­tet sinn­ge­mäß eine „Herr­schafts­ord­nung nach Maß­ga­be von Bega­bung und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen“ (Becker & Hadjar, 2011, S. 39), wonach sozia­le Unter­schie­de nicht per se als unge­recht…

Bil­dung – mehr als nur Schulbildung

Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird,…

Öko­no­mi­sches, kul­tu­rel­les und sozia­les Kapital

Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst…

Habi­tus, Her­kunft und Bildungserfolg

(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bil­dungs­sys­tem Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein…

Die kom­men­den Tage (2)

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Vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr habe ich im Bei­trag »Die kom­men­den Tage« die sozia­len Fol­gen der anhal­ten­den Kri­se sowie die auf­kei­men­den Pro­tes­te der Occu­py- als auch ande­rer Bewe­gun­gen skiz­ziert und ver­sucht, deren wei­te­re Ent­wick­lung…

Kri­tik macht einsam

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Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sys­tem und sei­ner Pro­pa­gan­da macht ein­sam. Denn in aller Regel zieht ja das sozia­le Umfeld (Kol­le­gen, Fami­lie, Freun­de, Part­ner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herr­schen­de Ideo­lo­gien in Fra­ge zu stel­len.…

Die kom­men­den Tage

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Wir leben in tur­bu­len­ten Zei­ten. Der Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn heu­te ken­nen, fin­det sein Ende – auf die eine oder auf die ande­re Art. Anstatt die Kri­se aber als Bedro­hung und das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus als Unter­gang der Welt wahr­zu­neh­men,…

Was die Leh­rer für Leis­tung halten

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Die Zeit bis zum Schul­jah­res-Ende ver­geht. Ich bil­de mir ein, ich leis­te in die­ser Zeit etwas. Aber mit Leis­tung kann einer dies und der ande­re das mei­nen. Ich bin der Mei­nung, ich leis­te etwas, was die Leh­rer für Leis­tung hal­ten. Für mei­nen…

Sym­bo­li­sche Gewalt (2)

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Die [gesell­schaft­lich] glei­cher­ma­ßen erfahr­ba­ren For­men struk­tu­rel­ler und sym­bo­li­scher Gewalt wer­den für die Deklas­sier­ten und Dequa­li­fi­zier­ten umso leid­vol­ler und ent­waff­nen­der, als sie unter den Vor­zei­chen und Ver­hei­ßun­gen einer an indi­vi­du­el­ler…

Arbeit ver­höhnt Freiheit

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Arbeit ver­höhnt die Frei­heit. Offi­zi­ell kön­nen wir uns glück­lich schät­zen, von Rechts­staat und Demo­kra­tie umge­ben zu sein. Ande­re arme Unglück­li­che, die nicht so frei sind wie wir, müs­sen in Poli­zei­staa­ten leben. Die­se Opfer fol­gen Befeh­len,…

Mehr des­sel­ben

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der…

Sozia­ler Raum und sozia­le Felder

Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der,…

Habi­tus – Ent­ste­hung und Abgren­zung zum Kon­zept der sozia­len Rolle

Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­tus-Kon­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den…

Habi­tus und Komplizenschaft

„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über…

Legi­ti­mier­ter Schwindel

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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in…

Nor­ma­li­tät

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzep­tie­ren. (Mar­ga­re­te…

Schu­le als Ideologie

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Betrach­tet man die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Bil­dungs­sys­te­men, dann drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Schu­le selbst sozi­al selek­tiv auf die Sozia­li­sa­ti­ons­prak­ti­ken ein­wirkt und sys­te­ma­tisch die Prak­ti­ken bestimm­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen…

Sym­bo­li­sche Gewalt

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Das sym­bo­li­sche Kapi­tal besteht aus einem belie­bi­gen Merk­mal, Kör­per­kraft, Reich­tum, Kampf­erprobt­heit, das wie eine ech­te magi­sche Kraft sym­bo­li­sche Wir­kung ent­fal­tet, sobald es von sozia­len Akteu­ren wahr­ge­nom­men wird, die über die zum Wahr­neh­men,…

Was ist Klassenkampf?

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Wenn vom Klas­sen­kampf die Rede ist, denkt man nie­mals an sei­ne ganz all­täg­li­chen For­men, an die rück­sichts­lo­se gegen­sei­ti­ge Ver­ächt­lich­ma­chung, an die Arro­ganz, an die erdrü­cken­den Prah­le­rei­en mit dem »Erfolg« der Kin­der, mit den Feri­en,…

Ent­hül­len und demaskieren

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Die Wahr­schein­lich­keit einer Hand­lung oder eines Phä­no­mens zu ken­nen, kann auch hei­ßen, die Chan­cen jener Aktio­nen zu ver­grö­ßern, die dar­auf abzie­len, die Rea­li­sie­rung eben die­ses Phä­no­mens zu ver­hin­dern. Aber das ist nicht alles. Vie­le…

Distink­ti­on

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Was »Distink­ti­on« ist, was »Unter­schied« ist, läßt sich, so mei­ne Ansicht, immer nur rela­tiv sagen, in Bezie­hung zu ande­rem. Im Grun­de heißt »distin­gu­iert« sein: »nicht popu­lär« sein – und sonst nichts. Per Defi­ni­ti­on sind die unte­ren…

Poli­ti­scher Aktivismus

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Der poli­ti­sche Akti­vist soll­te nicht jemand sein, der Pla­ka­te klebt oder vor­ge­form­te Paro­len ver­brei­tet. Es soll­te jemand sein, der sei­ne Spra­che spricht, um etwas zu sagen, und der dies dann auch sagt. Der sich aus­drückt und der sich dafür…

Pro­blem­be­wusst­sein

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Mit Mes­sern kann man sich ver­let­zen, daher soll man sie ver­mei­den; Tür­klin­ken sind tat­säch­lich mit Bak­te­ri­en bedeckt. Wer weiß, ob man mit­ten im Sym­pho­nie­kon­zert nicht doch plötz­lich auf die Toi­let­te muß, oder ob man das Schloß beim Nach­prü­fen…

Effi­zi­en­te Herrschaft

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In den Gesell­schaf­ten, die kei­nen »self-regu­la­ting mar­ket« (Karl Pol­anyi), kein Unter­richts­sys­tem und kei­nen juris­ti­schen oder staat­li­chen Appa­rat auf­wei­sen, kön­nen sich die Herr­schafts­be­zie­hun­gen, da sie nicht den objek­ti­ven Struk­tu­ren selbst…

War­um Frei­zeit nicht Frei­heit ist

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Das Gegen­teil von Arbeit ist nicht bloß Faul­heit. (…) So sehr ich das Ver­gnü­gen der Träg­heit schät­ze, ist sie doch wohl am loh­nends­ten, wenn sie ande­ren Genuß und Zeit­ver­treib unter­bricht. Genau­so­we­nig wer­be ich für das gelenk­te und…

Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen…

An die Lieblosen

Ihr seid die lieb­lo­ses­ten Men­schen, die ich ken­ne. Ihr schaut euch Sen­dun­gen an, in denen Ande­re, die in ihrem Leben noch nie eine ernst­haf­te Part­ner­schaft erlebt haben, ein­mal von der Lie­be spre­chen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr,…

Den Tisch umwerfen

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Der [sozia­le] Raum, das sind hier die Spiel­re­geln, denen sich jeder Spie­ler beu­gen muß. Vor sich haben die Spie­ler ver­schie­den­far­bi­ge Chips auf­ge­sta­pelt, Aus­beu­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den. Die unter­schied­lich gefärb­ten Chips stel­len unter­schied­li­che…

Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re…

Weni­ger ist mehr

Sel­ten unter­neh­me ich etwas mit mehr als drei Men­schen auf ein­mal. Viel­leicht mag das unso­zi­al erschei­nen, doch für mich ist es genau das Gegen­teil. Ich mei­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen und blei­be Tref­fen fern, wenn abseh­bar ist, dass am Ende mehr…

Beschleu­nig­tes Leben

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Im Bewusst­sein der Zeit­lich­keit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht iden­ti­fi­ziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwi­der­lau­fen­den Kräf­ten, etwa im Ver­such, sei­ner Arbeit mit einer Beschleu­ni­gung des Lebens­ge­fühls zu begeg­nen. Mach…

In der Wahr­heit leben

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Was heißt das, »in der Wahr­heit leben«? Eine nega­ti­ve Defi­ni­ti­on ist ein­fach: es heißt, nicht zu lügen, sich nicht zu ver­ste­cken, nichts zu ver­heim­li­chen. Seit Franz Sabi­na kennt, lebt er in der Lüge. Er erzählt sei­ner Frau von einem…

Wenn jeder täte, was er für wich­tig hielte

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Wo immer näm­lich die­se Gesell­schaft nicht funk­tio­niert, wo immer sie ver­sagt, wird ihr Ver­sa­gen an den Ärms­ten offen­bar. Jede Ver­än­de­rung im sozia­len Raum, jede Ver­schär­fung des Wett­be­werbs, jede Zunah­me an Gewalt im öffent­li­chen Leben,…

Wenn die Din­ge ihre Besit­zer besitzen

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Die ursprüng­li­che Bezie­hung zu der sozia­len Welt, durch die und für die man geschaf­fen ist, ist ein Besitz­ver­hält­nis, das den Besitz des Besit­zers durch sei­ne Besitz­tü­mer impli­ziert. Wenn das Erbe sich den Erben ange­eig­net hat, wie Marx…

Kampf der Kultur

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In jeder Hin­sicht ist Kul­tur Ergeb­nis eines Kamp­fes. Das ver­steht sich von selbst, weil mit der Idee der Kul­tur auch immer die mensch­li­che Wür­de auf dem Spiel steht. Das bedeu­tet, daß in einer Klas­sen­ge­sell­schaft die­je­ni­gen, die von der Kul­tur…

Deu­tungs­ho­heit

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Der ande­re Trick besteht dar­in, dem Part­ner eben­so hef­ti­ge wie nebel­haf­te Vor­wür­fe zu machen. Wenn er dann wis­sen will, was Sie eigent­lich mei­nen, kön­nen Sie die Fal­le mit dem zusätz­li­chen Hin­weis her­me­tisch schlie­ßen: »Wenn du nicht der…

Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der…

Dunk­le Empathie

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»Aoki war ein sehr guter Schü­ler, er hat­te fast immer die bes­te Note. Ich ging auf eine pri­va­te Jun­gen­schu­le, und Aoki war ziem­lich beliebt. Die Klas­se schätz­te ihn, und er war der Lieb­ling der Leh­rer. Aber ich konn­te sei­ne prag­ma­ti­sche…

Zwi­schen­mensch­li­che Effizienz

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In all den Dis­kus­sio­nen um die Vor- und Nach­tei­le sowie die rea­len oder nur pro­ji­zier­ten Gefah­ren sozia­ler Inter­net-Diens­te ver­mis­se ich bis­lang einen Aspekt, den ich für sehr zen­tral und für mit weit­rei­chen­den Fol­gen ver­bun­den hal­te: Effi­zi­enz. Ver­steht…

Regiert sein heißt…

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Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert…

Indi­vi­dua­li­sier­te Schuld

Ein Over­kill an Infor­ma­tio­nen, das Errei­chen des eige­nen Auf­nahm­eli­mits, Über­for­de­rung am Arbeits­platz, das Ver­zwei­feln an gesell­schaft­li­chen Zumu­tun­gen, phy­si­sche Beschwer­den – all das spielt kei­ne Rol­le, denn man hat sich an den Trott gewöhnt.…

Die Abschaf­fung der Arbeit

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Nie­mand soll­te jemals arbei­ten. Arbeit ist die Ursa­che nahe­zu allen Elends in der Welt. Fast jedes erdenk­li­che Übel geht aufs Arbei­ten oder auf eine fürs Arbei­ten ein­ge­rich­te­te Welt zurück. Um das Lei­den zu been­den, müs­sen wir auf­hö­ren…

Da kann man nichts tun

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In einem sei­ner Fil­me, The Fatal Glass of Beer, zeigt ein Alt­meis­ter der ame­ri­ka­ni­schen Film­ko­mik, W. C. Fields, den erschröck­li­chen, unauf­halt­sa­men Nie­der­gang eines jun­gen Man­nes, der der Ver­su­chung nicht wider­ste­hen kann, sein ers­tes Glas…

Die Ideo­lo­gie natür­li­cher Begabung

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Zu mei­nen, wenn man allen glei­che wirt­schaft­li­che Mit­tel bereit­stel­le, gäbe man auch allen, sofern sie die uner­läß­li­che „Bega­bung“ mit­bräch­ten, glei­che Chan­cen (…), hie­ße in der Ana­ly­se der Hin­der­nis­se auf hal­bem Wege ste­hen­blei­ben…

Wie das Bil­dungs­we­sen Macht verschleiert

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Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht…

Herr­schafts­ge­hil­fen

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Die erns­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie besteht nicht in der Exis­tenz tota­li­tä­rer frem­der Staa­ten. Sie besteht dar­in, daß in unse­ren eige­nen per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen und in unse­ren eige­nen Insti­tu­tio­nen Bedin­gun­gen herr­schen, die der Auto­ri­tät…

Was ist Soziologie?

Ein Mathe­ma­ti­ker, der eini­ge Sozio­lo­gie-Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, resü­mier­te bei­des wie folgt: Wäh­rend ihm die Mathe­ma­tik mehr oder min­der ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten lie­fe­re, zumin­dest aber meist Ant­wor­ten, und ihm gleich­zei­tig als Bezugs­punkt…

Hedo­nis­mus der Not

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Gegen­über der ima­gi­nä­ren Anthro­po­lo­gie der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die sich noch nie der For­mu­lie­rung uni­ver­sel­ler Geset­ze der »zeit­li­chen Prä­fe­renz« ent­schla­gen konn­te, ist dar­an zu erin­nern, daß die jewei­li­ge Geneigt­heit zur Unter­ord­nung…

Die Dop­­pel­stock­­wa­­gen-Gesel­l­­schaft

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In der Regio­nal­bahn, eine wah­re Bege­ben­heit. Zwei älte­re Her­ren betre­ten den Dop­pel­stock­wa­gen und suchen sich einen Sitz­platz im obe­ren Bereich: #1: Das sind doch schö­ne Plät­ze. Ich mag es hier oben. #2: Aber du weißt: Wenn man erst…

Refle­xi­on

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Eines der wich­tigs­ten Prin­zi­pi­en, das man erler­nen soll­te, wenn man sich – ob als Sozio­lo­ge oder ganz all­ge­mein – mit gesell­schaft­li­chen Phä­no­me­nen aus­ein­an­der­setzt und dabei Argu­men­ten, Sta­tis­ti­ken, Erklä­run­gen, Beschrei­bun­gen, Insti­tu­tio­nen,…

Men­schen ändern sich

Wer glaubt, etwas zu sein, hat auf­ge­hört, etwas zu wer­den. (Sokra­tes) In einem Pro­jekt, an dem ich bis vor cir­ca einem Jahr betei­ligt war, fiel einer der Mit­ar­bei­ter wie­der­holt durch Unpünkt­lich­keit, Unzu­ver­läs­sig­keit und man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit…

Die Welt so sehen, wie sie ist

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Ich glau­be, nie­mand möch­te die sozia­le Welt so sehen, wie sie ist; es gibt vie­le Arten, sie zu ver­leug­nen; es gibt die Kunst, natür­lich. Aber es gibt auch eine Form von Sozio­lo­gie, die die­ses bemer­kens­wer­te Ergeb­nis zustan­de­bringt, näm­lich…

For­ma­le Gleich­heit als Herrschaftsinstrument

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Damit die am meis­ten Begüns­tig­ten begüns­tigt und die am meis­ten Benach­tei­lig­ten benach­tei­ligt wer­den, ist es not­wen­dig wie hin­rei­chend, dass die Schu­le beim ver­mit­tel­ten Unter­richts­stoff, bei den Ver­mitt­lungs­me­tho­den und ‑tech­ni­ken und bei…

Über­zeu­gungs­ar­beit

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Wenn ich eine der vie­len Polit- oder Gesell­schafts-Talk­shows sehe, womit nicht deren wenig ernst­zu­neh­men­de nach­mit­täg­li­che Deri­va­te auf den pri­va­ten Sen­dern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist rela­tiv egal, ob die Dis­kus­si­on…

Arbeit­ge­ber­fil­ter

Viel liest man über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die es haben kann, füt­tert man sozia­le Netz­wer­ke, die eige­ne Home­page oder Blogs mit per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen. Wenn­gleich vie­les davon auch zutref­fend ist und die opti­mier­te Selbst­in­sze­nie­rung…

Stö­ren­des Hintergrundrauschen

Seit Jah­ren schon möch­te ich ein Buch über etwas schrei­ben, das mir sehr am Her­zen liegt. Oder wenigs­tens ein PDF mit vie­len Sei­ten. Der Ursprung die­ses Wun­sches liegt in mitt­ler­wei­le schon nicht mehr fass­ba­rer Ver­gan­gen­heit, doch einen ernst­haf­ten…

Spie­ßig­keit

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Man kann im Prenz­lau­er Berg ein­fach im lin­ken Habi­tus wei­ter­le­ben. Das ist ja das Schö­ne. Man kann sich tole­rant füh­len, weil Tole­ranz nicht auf die Pro­be gestellt wird. (…) Der Schrift­stel­ler Maxim Bil­ler nennt den Prenz­lau­er Berg mitt­ler­wei­le…

Selbst­ver­mark­tung mul­ti­pler Persönlichkeiten

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Sie haben sich immer über die bie­de­ren Schlips­trä­ger und Hosen­an­zug­trä­ge­rin­nen lus­tig gemacht, die bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen arbei­ten oder bei ande­ren, genau­so mie­fi­gen wie lang­wei­li­gen Fir­men unter­ge­kom­men sind…

Macht das glücklich?

Für einen Arbeits­platz, den sie has­sen, für eine Aus­bil­dung, die sie gar nicht wol­len, oder sogar nur für ein Prak­ti­kum, das wohl die nie­ders­te Form der Aus­beu­tung dar­stellt, tun sie alles. Sie leug­nen ihre eige­ne Mei­nung. Sie leug­nen…

Kei­ner trägt das Leben allein

Gut ist es, an andern sich zu hal­ten. Denn kei­ner trägt das Leben allein. (Fried­rich Höl­der­lin) Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­men­schen ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Das gilt vor allem, aber nicht exklu­siv, für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den. Kom­mu­ni­ka­ti­on…

Irgend­ei­ne

Das Ende des Jah­res. Mit eini­gen Freun­den und Bekann­ten ging ich auf eine der vie­len Sil­ves­ter­par­tys in die­ser Nacht und die Stim­mung war super. Irgend­wann im Lau­fe des Abends saß ich mit eini­gen Leu­ten her­um und unter­hielt mich mit ihnen.…

Fach­spra­che als Abgrenzung

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Was ist die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Fach­spra­che? Ich habe gesagt, ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on sei Gemein­sam­keit und Ver­än­de­rung. Die Fach­spra­che ist nicht unschul­dig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rol­len und auf der Basis von Wech­sel­be­zie­hun­gen…

Deschoo­ling

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Edu­ca­ti­on… now seems to me per­haps the most aut­ho­ri­ta­ri­an and dan­ge­rous of all the social inven­ti­ons of man­kind. It is the deepest foun­da­ti­on of the modern slave sta­te, in which most peo­p­le feel them­sel­ves to be not­hing but pro­du­cers, con­su­mers,…

Sei doch mal konstruktiv

Wenn man dir linier­tes Papier gibt, schrei­be quer über die Zei­len. (Juan Ramón Jimé­nez) Ich kann die­sen dum­men Spruch nicht mehr hören: Sei doch mal kon­struk­tiv! Wie­so näm­lich soll­te ich kon­struk­tiv sein, mich also irgend­wie an der…

Arbeit ist Scheiße!

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Arbeit ist Schei­ße! Bei die­ser Aus­sa­ge han­delt es sich um eine selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che, und wäre spe­zi­ell die deut­sche Gesell­schaft nicht so ver­blö­det, müß­te man sich schä­men, eine sol­che Bana­li­tät zu Papier zu brin­gen. Wie fort­ge­schrit­ten…
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Was ist bloß mit mir los?

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»Mei­ne Wohl­tä­te­rin Rachel Soko­low«, begann Isma­el, »zähl­te im Col­lege einen jun­gen Mann namens Jef­frey zu ihren Freun­den, des­sen Vater ein rei­cher Chir­urg war. Jef­frey wur­de im Leben vie­ler Men­schen damals und auch spä­ter zu einer…
Eine Hand hält einen positiven Covid-Schnelltest. Im Hintergrund liegt die Packung des Tests.Meda­kit Ltd via Unsplash

Covid gibt es nicht – war­um alle immer nur erkäl­tet sind

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Mei­nen Eltern war es seit Pan­de­mie­be­ginn gelun­gen, sich von Coro­na fern­zu­hal­ten, denn sie waren sehr vor­sich­tig. Sie tru­gen Mas­ken, sie tes­te­ten sich regel­mä­ßig, sie mie­den grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen und schaff­ten es auf die­se Art, sich kein…

Wohin mit den gan­zen Wörtern?

Fragst Du Dich auch manch­mal, was mit den gan­zen Wör­tern pas­siert, die Du im Lau­fe des Tages nicht gespro­chen oder geschrie­ben hast? Ich stel­le mir ger­ne vor, dass ich für man­ches ein täg­li­ches oder wöchent­li­ches Kon­tin­gent habe, z.B. für…

Sozia­le Medi­en als Eindringling

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Vor etwas mehr als acht Mona­ten fand ich dank Twit­ter die tolls­te Frau der Welt. Alles begann mit zwei belang­lo­sen Tweets, auf die der jeweils ande­re reagier­te. Aus Rep­lys wur­den bald Direkt­nach­rich­ten und schließ­lich der Gedan­ke an ein Tref­fen.…

Die Maschi­ne­rie des Staates

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Die moder­ne Geschich­te hat, den­ke ich, hin­rei­chend bewie­sen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen das tut, was man ihm sagt; und, ver­zeiht mir, die Wahr­schein­lich­keit ist gering, dass ihr die Aus­nah­me seid – so…

Schu­le – eine kri­ti­sche Funktionsbetrachtung

Ange­sichts der ernüch­tern­den Ergeb­nis­se der unter den gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Umstän­den durch­ge­führ­ten Bemü­hun­gen, die sozia­len Chan­cen­un­gleich­hei­ten im Bil­dungs­sys­tem abzu­bau­en, ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wel­che Funk­ti­on das Schul­sys­tem…

Bil­dungs­ent­schei­dun­gen als Habitus-Handlungen

„In der Regel feh­len denen, die über Bil­dungs­ka­pi­tal in nen­nens­wer­tem Umfang nicht ver­fü­gen, die ›rich­ti­gen‹ Infor­ma­tio­nen für eine in die höchs­ten Posi­tio­nen füh­ren­de Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on, es fehlt ihnen die Ver­traut­heit mit den Struk­tu­ren…

Bil­dung bekämpft Armut?

„Kin­der aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en gehö­ren zwar zu den größ­ten Bildungsverlierer(inne)n, ihre Armut basiert jedoch sel­ten auf fal­schen oder feh­len­den Schul­ab­schlüs­sen, denn die Letz­te­ren sind höchs­tens Aus­lö­ser und Ver­stär­ker,…
Das Bild besteht aus zwei Panels, die nebeneinander stehen. In beiden Szenen versuchen drei Personen unterschiedlicher Körpergröße, über einen Holzzaun ein Baseballspiel zu verfolgen. Linkes Panel "Equality" (Gleichheit): Die Situation: Jede der drei Personen steht auf genau einer Holzkiste. Die große Person steht weit über dem Zaun und hat eine perfekte Sicht. Die mittelgroße Person kann gerade so über den Zaun schauen. Die kleine Person starrt direkt gegen die Bretter des Zauns und kann nichts vom Spiel sehen. Rechtes Panel "Equity" (Gerechtigkeit ): Die Kisten wurden basierend auf dem individuellen Bedarf verteilt. Die große Person benötigt keine Hilfe und steht nun ohne Kiste auf dem Boden (sie kann immer noch alles sehen). Die mittelgroße Person steht weiterhin auf einer Kiste. Die kleine Person hat nun zwei Kisten übereinander gestapelt bekommen. Alle drei Personen befinden sich nun auf der gleichen Augenhöhe über der Oberkante des Zauns. Jeder kann das Spiel gleichermaßen genießen.Inter­ac­tion Insti­tu­te for Social Chan­ge | Artist: Angus Maguire

Das Mär­chen von der Leistungsgesellschaft

Leis­tungs­ge­sell­schaft oder Meri­to­kra­tie bedeu­tet sinn­ge­mäß eine „Herr­schafts­ord­nung nach Maß­ga­be von Bega­bung und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen“ (Becker & Hadjar, 2011, S. 39), wonach sozia­le Unter­schie­de nicht per se als unge­recht…

Bil­dung – mehr als nur Schulbildung

Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird,…

Öko­no­mi­sches, kul­tu­rel­les und sozia­les Kapital

Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst…

Habi­tus, Her­kunft und Bildungserfolg

(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bil­dungs­sys­tem Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein…

Die kom­men­den Tage (2)

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Vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr habe ich im Bei­trag »Die kom­men­den Tage« die sozia­len Fol­gen der anhal­ten­den Kri­se sowie die auf­kei­men­den Pro­tes­te der Occu­py- als auch ande­rer Bewe­gun­gen skiz­ziert und ver­sucht, deren wei­te­re Ent­wick­lung…

Kri­tik macht einsam

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Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sys­tem und sei­ner Pro­pa­gan­da macht ein­sam. Denn in aller Regel zieht ja das sozia­le Umfeld (Kol­le­gen, Fami­lie, Freun­de, Part­ner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herr­schen­de Ideo­lo­gien in Fra­ge zu stel­len.…

Die kom­men­den Tage

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Wir leben in tur­bu­len­ten Zei­ten. Der Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn heu­te ken­nen, fin­det sein Ende – auf die eine oder auf die ande­re Art. Anstatt die Kri­se aber als Bedro­hung und das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus als Unter­gang der Welt wahr­zu­neh­men,…

Was die Leh­rer für Leis­tung halten

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Die Zeit bis zum Schul­jah­res-Ende ver­geht. Ich bil­de mir ein, ich leis­te in die­ser Zeit etwas. Aber mit Leis­tung kann einer dies und der ande­re das mei­nen. Ich bin der Mei­nung, ich leis­te etwas, was die Leh­rer für Leis­tung hal­ten. Für mei­nen…

Sym­bo­li­sche Gewalt (2)

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Die [gesell­schaft­lich] glei­cher­ma­ßen erfahr­ba­ren For­men struk­tu­rel­ler und sym­bo­li­scher Gewalt wer­den für die Deklas­sier­ten und Dequa­li­fi­zier­ten umso leid­vol­ler und ent­waff­nen­der, als sie unter den Vor­zei­chen und Ver­hei­ßun­gen einer an indi­vi­du­el­ler…

Arbeit ver­höhnt Freiheit

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Arbeit ver­höhnt die Frei­heit. Offi­zi­ell kön­nen wir uns glück­lich schät­zen, von Rechts­staat und Demo­kra­tie umge­ben zu sein. Ande­re arme Unglück­li­che, die nicht so frei sind wie wir, müs­sen in Poli­zei­staa­ten leben. Die­se Opfer fol­gen Befeh­len,…

Mehr des­sel­ben

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der…

Sozia­ler Raum und sozia­le Felder

Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der,…

Habi­tus – Ent­ste­hung und Abgren­zung zum Kon­zept der sozia­len Rolle

Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­tus-Kon­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den…

Habi­tus und Komplizenschaft

„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über…

Legi­ti­mier­ter Schwindel

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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in…

Nor­ma­li­tät

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzep­tie­ren. (Mar­ga­re­te…

Schu­le als Ideologie

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Betrach­tet man die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Bil­dungs­sys­te­men, dann drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Schu­le selbst sozi­al selek­tiv auf die Sozia­li­sa­ti­ons­prak­ti­ken ein­wirkt und sys­te­ma­tisch die Prak­ti­ken bestimm­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen…

Sym­bo­li­sche Gewalt

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Das sym­bo­li­sche Kapi­tal besteht aus einem belie­bi­gen Merk­mal, Kör­per­kraft, Reich­tum, Kampf­erprobt­heit, das wie eine ech­te magi­sche Kraft sym­bo­li­sche Wir­kung ent­fal­tet, sobald es von sozia­len Akteu­ren wahr­ge­nom­men wird, die über die zum Wahr­neh­men,…

Was ist Klassenkampf?

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Wenn vom Klas­sen­kampf die Rede ist, denkt man nie­mals an sei­ne ganz all­täg­li­chen For­men, an die rück­sichts­lo­se gegen­sei­ti­ge Ver­ächt­lich­ma­chung, an die Arro­ganz, an die erdrü­cken­den Prah­le­rei­en mit dem »Erfolg« der Kin­der, mit den Feri­en,…

Ent­hül­len und demaskieren

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Die Wahr­schein­lich­keit einer Hand­lung oder eines Phä­no­mens zu ken­nen, kann auch hei­ßen, die Chan­cen jener Aktio­nen zu ver­grö­ßern, die dar­auf abzie­len, die Rea­li­sie­rung eben die­ses Phä­no­mens zu ver­hin­dern. Aber das ist nicht alles. Vie­le…

Distink­ti­on

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Was »Distink­ti­on« ist, was »Unter­schied« ist, läßt sich, so mei­ne Ansicht, immer nur rela­tiv sagen, in Bezie­hung zu ande­rem. Im Grun­de heißt »distin­gu­iert« sein: »nicht popu­lär« sein – und sonst nichts. Per Defi­ni­ti­on sind die unte­ren…

Poli­ti­scher Aktivismus

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Der poli­ti­sche Akti­vist soll­te nicht jemand sein, der Pla­ka­te klebt oder vor­ge­form­te Paro­len ver­brei­tet. Es soll­te jemand sein, der sei­ne Spra­che spricht, um etwas zu sagen, und der dies dann auch sagt. Der sich aus­drückt und der sich dafür…

Pro­blem­be­wusst­sein

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Mit Mes­sern kann man sich ver­let­zen, daher soll man sie ver­mei­den; Tür­klin­ken sind tat­säch­lich mit Bak­te­ri­en bedeckt. Wer weiß, ob man mit­ten im Sym­pho­nie­kon­zert nicht doch plötz­lich auf die Toi­let­te muß, oder ob man das Schloß beim Nach­prü­fen…

Effi­zi­en­te Herrschaft

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In den Gesell­schaf­ten, die kei­nen »self-regu­la­ting mar­ket« (Karl Pol­anyi), kein Unter­richts­sys­tem und kei­nen juris­ti­schen oder staat­li­chen Appa­rat auf­wei­sen, kön­nen sich die Herr­schafts­be­zie­hun­gen, da sie nicht den objek­ti­ven Struk­tu­ren selbst…

War­um Frei­zeit nicht Frei­heit ist

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Das Gegen­teil von Arbeit ist nicht bloß Faul­heit. (…) So sehr ich das Ver­gnü­gen der Träg­heit schät­ze, ist sie doch wohl am loh­nends­ten, wenn sie ande­ren Genuß und Zeit­ver­treib unter­bricht. Genau­so­we­nig wer­be ich für das gelenk­te und…

Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen…

An die Lieblosen

Ihr seid die lieb­lo­ses­ten Men­schen, die ich ken­ne. Ihr schaut euch Sen­dun­gen an, in denen Ande­re, die in ihrem Leben noch nie eine ernst­haf­te Part­ner­schaft erlebt haben, ein­mal von der Lie­be spre­chen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr,…

Den Tisch umwerfen

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Der [sozia­le] Raum, das sind hier die Spiel­re­geln, denen sich jeder Spie­ler beu­gen muß. Vor sich haben die Spie­ler ver­schie­den­far­bi­ge Chips auf­ge­sta­pelt, Aus­beu­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den. Die unter­schied­lich gefärb­ten Chips stel­len unter­schied­li­che…

Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re…

Weni­ger ist mehr

Sel­ten unter­neh­me ich etwas mit mehr als drei Men­schen auf ein­mal. Viel­leicht mag das unso­zi­al erschei­nen, doch für mich ist es genau das Gegen­teil. Ich mei­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen und blei­be Tref­fen fern, wenn abseh­bar ist, dass am Ende mehr…

Beschleu­nig­tes Leben

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Im Bewusst­sein der Zeit­lich­keit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht iden­ti­fi­ziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwi­der­lau­fen­den Kräf­ten, etwa im Ver­such, sei­ner Arbeit mit einer Beschleu­ni­gung des Lebens­ge­fühls zu begeg­nen. Mach…

In der Wahr­heit leben

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Was heißt das, »in der Wahr­heit leben«? Eine nega­ti­ve Defi­ni­ti­on ist ein­fach: es heißt, nicht zu lügen, sich nicht zu ver­ste­cken, nichts zu ver­heim­li­chen. Seit Franz Sabi­na kennt, lebt er in der Lüge. Er erzählt sei­ner Frau von einem…

Wenn jeder täte, was er für wich­tig hielte

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Wo immer näm­lich die­se Gesell­schaft nicht funk­tio­niert, wo immer sie ver­sagt, wird ihr Ver­sa­gen an den Ärms­ten offen­bar. Jede Ver­än­de­rung im sozia­len Raum, jede Ver­schär­fung des Wett­be­werbs, jede Zunah­me an Gewalt im öffent­li­chen Leben,…

Wenn die Din­ge ihre Besit­zer besitzen

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Die ursprüng­li­che Bezie­hung zu der sozia­len Welt, durch die und für die man geschaf­fen ist, ist ein Besitz­ver­hält­nis, das den Besitz des Besit­zers durch sei­ne Besitz­tü­mer impli­ziert. Wenn das Erbe sich den Erben ange­eig­net hat, wie Marx…

Kampf der Kultur

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In jeder Hin­sicht ist Kul­tur Ergeb­nis eines Kamp­fes. Das ver­steht sich von selbst, weil mit der Idee der Kul­tur auch immer die mensch­li­che Wür­de auf dem Spiel steht. Das bedeu­tet, daß in einer Klas­sen­ge­sell­schaft die­je­ni­gen, die von der Kul­tur…

Deu­tungs­ho­heit

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Der ande­re Trick besteht dar­in, dem Part­ner eben­so hef­ti­ge wie nebel­haf­te Vor­wür­fe zu machen. Wenn er dann wis­sen will, was Sie eigent­lich mei­nen, kön­nen Sie die Fal­le mit dem zusätz­li­chen Hin­weis her­me­tisch schlie­ßen: »Wenn du nicht der…

Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der…

Dunk­le Empathie

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»Aoki war ein sehr guter Schü­ler, er hat­te fast immer die bes­te Note. Ich ging auf eine pri­va­te Jun­gen­schu­le, und Aoki war ziem­lich beliebt. Die Klas­se schätz­te ihn, und er war der Lieb­ling der Leh­rer. Aber ich konn­te sei­ne prag­ma­ti­sche…

Zwi­schen­mensch­li­che Effizienz

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In all den Dis­kus­sio­nen um die Vor- und Nach­tei­le sowie die rea­len oder nur pro­ji­zier­ten Gefah­ren sozia­ler Inter­net-Diens­te ver­mis­se ich bis­lang einen Aspekt, den ich für sehr zen­tral und für mit weit­rei­chen­den Fol­gen ver­bun­den hal­te: Effi­zi­enz. Ver­steht…

Regiert sein heißt…

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Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert…

Indi­vi­dua­li­sier­te Schuld

Ein Over­kill an Infor­ma­tio­nen, das Errei­chen des eige­nen Auf­nahm­eli­mits, Über­for­de­rung am Arbeits­platz, das Ver­zwei­feln an gesell­schaft­li­chen Zumu­tun­gen, phy­si­sche Beschwer­den – all das spielt kei­ne Rol­le, denn man hat sich an den Trott gewöhnt.…

Die Abschaf­fung der Arbeit

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Nie­mand soll­te jemals arbei­ten. Arbeit ist die Ursa­che nahe­zu allen Elends in der Welt. Fast jedes erdenk­li­che Übel geht aufs Arbei­ten oder auf eine fürs Arbei­ten ein­ge­rich­te­te Welt zurück. Um das Lei­den zu been­den, müs­sen wir auf­hö­ren…

Da kann man nichts tun

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In einem sei­ner Fil­me, The Fatal Glass of Beer, zeigt ein Alt­meis­ter der ame­ri­ka­ni­schen Film­ko­mik, W. C. Fields, den erschröck­li­chen, unauf­halt­sa­men Nie­der­gang eines jun­gen Man­nes, der der Ver­su­chung nicht wider­ste­hen kann, sein ers­tes Glas…

Die Ideo­lo­gie natür­li­cher Begabung

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Zu mei­nen, wenn man allen glei­che wirt­schaft­li­che Mit­tel bereit­stel­le, gäbe man auch allen, sofern sie die uner­läß­li­che „Bega­bung“ mit­bräch­ten, glei­che Chan­cen (…), hie­ße in der Ana­ly­se der Hin­der­nis­se auf hal­bem Wege ste­hen­blei­ben…

Wie das Bil­dungs­we­sen Macht verschleiert

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Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht…

Herr­schafts­ge­hil­fen

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Die erns­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie besteht nicht in der Exis­tenz tota­li­tä­rer frem­der Staa­ten. Sie besteht dar­in, daß in unse­ren eige­nen per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen und in unse­ren eige­nen Insti­tu­tio­nen Bedin­gun­gen herr­schen, die der Auto­ri­tät…

Was ist Soziologie?

Ein Mathe­ma­ti­ker, der eini­ge Sozio­lo­gie-Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, resü­mier­te bei­des wie folgt: Wäh­rend ihm die Mathe­ma­tik mehr oder min­der ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten lie­fe­re, zumin­dest aber meist Ant­wor­ten, und ihm gleich­zei­tig als Bezugs­punkt…

Hedo­nis­mus der Not

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Gegen­über der ima­gi­nä­ren Anthro­po­lo­gie der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die sich noch nie der For­mu­lie­rung uni­ver­sel­ler Geset­ze der »zeit­li­chen Prä­fe­renz« ent­schla­gen konn­te, ist dar­an zu erin­nern, daß die jewei­li­ge Geneigt­heit zur Unter­ord­nung…

Die Dop­­pel­stock­­wa­­gen-Gesel­l­­schaft

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In der Regio­nal­bahn, eine wah­re Bege­ben­heit. Zwei älte­re Her­ren betre­ten den Dop­pel­stock­wa­gen und suchen sich einen Sitz­platz im obe­ren Bereich: #1: Das sind doch schö­ne Plät­ze. Ich mag es hier oben. #2: Aber du weißt: Wenn man erst…

Refle­xi­on

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Eines der wich­tigs­ten Prin­zi­pi­en, das man erler­nen soll­te, wenn man sich – ob als Sozio­lo­ge oder ganz all­ge­mein – mit gesell­schaft­li­chen Phä­no­me­nen aus­ein­an­der­setzt und dabei Argu­men­ten, Sta­tis­ti­ken, Erklä­run­gen, Beschrei­bun­gen, Insti­tu­tio­nen,…

Men­schen ändern sich

Wer glaubt, etwas zu sein, hat auf­ge­hört, etwas zu wer­den. (Sokra­tes) In einem Pro­jekt, an dem ich bis vor cir­ca einem Jahr betei­ligt war, fiel einer der Mit­ar­bei­ter wie­der­holt durch Unpünkt­lich­keit, Unzu­ver­läs­sig­keit und man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit…

Die Welt so sehen, wie sie ist

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Ich glau­be, nie­mand möch­te die sozia­le Welt so sehen, wie sie ist; es gibt vie­le Arten, sie zu ver­leug­nen; es gibt die Kunst, natür­lich. Aber es gibt auch eine Form von Sozio­lo­gie, die die­ses bemer­kens­wer­te Ergeb­nis zustan­de­bringt, näm­lich…

For­ma­le Gleich­heit als Herrschaftsinstrument

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Damit die am meis­ten Begüns­tig­ten begüns­tigt und die am meis­ten Benach­tei­lig­ten benach­tei­ligt wer­den, ist es not­wen­dig wie hin­rei­chend, dass die Schu­le beim ver­mit­tel­ten Unter­richts­stoff, bei den Ver­mitt­lungs­me­tho­den und ‑tech­ni­ken und bei…

Über­zeu­gungs­ar­beit

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Wenn ich eine der vie­len Polit- oder Gesell­schafts-Talk­shows sehe, womit nicht deren wenig ernst­zu­neh­men­de nach­mit­täg­li­che Deri­va­te auf den pri­va­ten Sen­dern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist rela­tiv egal, ob die Dis­kus­si­on…

Arbeit­ge­ber­fil­ter

Viel liest man über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die es haben kann, füt­tert man sozia­le Netz­wer­ke, die eige­ne Home­page oder Blogs mit per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen. Wenn­gleich vie­les davon auch zutref­fend ist und die opti­mier­te Selbst­in­sze­nie­rung…

Stö­ren­des Hintergrundrauschen

Seit Jah­ren schon möch­te ich ein Buch über etwas schrei­ben, das mir sehr am Her­zen liegt. Oder wenigs­tens ein PDF mit vie­len Sei­ten. Der Ursprung die­ses Wun­sches liegt in mitt­ler­wei­le schon nicht mehr fass­ba­rer Ver­gan­gen­heit, doch einen ernst­haf­ten…

Spie­ßig­keit

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Man kann im Prenz­lau­er Berg ein­fach im lin­ken Habi­tus wei­ter­le­ben. Das ist ja das Schö­ne. Man kann sich tole­rant füh­len, weil Tole­ranz nicht auf die Pro­be gestellt wird. (…) Der Schrift­stel­ler Maxim Bil­ler nennt den Prenz­lau­er Berg mitt­ler­wei­le…

Selbst­ver­mark­tung mul­ti­pler Persönlichkeiten

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Sie haben sich immer über die bie­de­ren Schlips­trä­ger und Hosen­an­zug­trä­ge­rin­nen lus­tig gemacht, die bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen arbei­ten oder bei ande­ren, genau­so mie­fi­gen wie lang­wei­li­gen Fir­men unter­ge­kom­men sind…

Macht das glücklich?

Für einen Arbeits­platz, den sie has­sen, für eine Aus­bil­dung, die sie gar nicht wol­len, oder sogar nur für ein Prak­ti­kum, das wohl die nie­ders­te Form der Aus­beu­tung dar­stellt, tun sie alles. Sie leug­nen ihre eige­ne Mei­nung. Sie leug­nen…

Kei­ner trägt das Leben allein

Gut ist es, an andern sich zu hal­ten. Denn kei­ner trägt das Leben allein. (Fried­rich Höl­der­lin) Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­men­schen ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Das gilt vor allem, aber nicht exklu­siv, für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den. Kom­mu­ni­ka­ti­on…

Irgend­ei­ne

Das Ende des Jah­res. Mit eini­gen Freun­den und Bekann­ten ging ich auf eine der vie­len Sil­ves­ter­par­tys in die­ser Nacht und die Stim­mung war super. Irgend­wann im Lau­fe des Abends saß ich mit eini­gen Leu­ten her­um und unter­hielt mich mit ihnen.…

Fach­spra­che als Abgrenzung

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Was ist die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Fach­spra­che? Ich habe gesagt, ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on sei Gemein­sam­keit und Ver­än­de­rung. Die Fach­spra­che ist nicht unschul­dig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rol­len und auf der Basis von Wech­sel­be­zie­hun­gen…

Deschoo­ling

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Edu­ca­ti­on… now seems to me per­haps the most aut­ho­ri­ta­ri­an and dan­ge­rous of all the social inven­ti­ons of man­kind. It is the deepest foun­da­ti­on of the modern slave sta­te, in which most peo­p­le feel them­sel­ves to be not­hing but pro­du­cers, con­su­mers,…

Sei doch mal konstruktiv

Wenn man dir linier­tes Papier gibt, schrei­be quer über die Zei­len. (Juan Ramón Jimé­nez) Ich kann die­sen dum­men Spruch nicht mehr hören: Sei doch mal kon­struk­tiv! Wie­so näm­lich soll­te ich kon­struk­tiv sein, mich also irgend­wie an der…

Arbeit ist Scheiße!

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Arbeit ist Schei­ße! Bei die­ser Aus­sa­ge han­delt es sich um eine selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che, und wäre spe­zi­ell die deut­sche Gesell­schaft nicht so ver­blö­det, müß­te man sich schä­men, eine sol­che Bana­li­tät zu Papier zu brin­gen. Wie fort­ge­schrit­ten…
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Alle Ein­trä­ge

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Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird, die Selbst­ent­fal­tung und Eman­zi­pa­ti­on ermög­licht, zeigt sich im All­tag und der öffent­li­chen Debat­te dage­gen viel­mehr, dass es vor allem die staat­lich aner­kann­ten Bil­dungs­ab­schlüs­se und ‑titel sind, d.h. insti­tu­tio­na­li­sier­te Bil­dung, die für die beruf­li­chen Chan­cen und damit letzt­lich die sozia­le Sta­tus­zu­wei­sung aus­schlag­ge­bend sind. Die­ses Gewicht insti­tu­tio­na­li­sier­ter Bil­dung ver­lei­tet zur Nut­zung eines ver­kürz­ten Bil­dungs­be­griffs, der Bil­dung auf die Inhal­te und Abschlüs­se eben jener insti­tu­tio­na­li­sier­ten Bil­dungs­gän­ge redu­ziert und damit kur­zer­hand Bil­dungs­pro­zes­se und ‑inhal­te außer­halb schu­li­scher Sphä­ren negiert, womit die in Bil­dungs­er­folg und ‑miss­erfolg sich nie­der­schla­gen­de (In)Kompatibilität zwi­schen her­kunfts­spe­zi­fi­scher, im Habi­tus inkor­po­rier­ter Bil­dung und den insti­tu­tio­na­li­sier­ten Bil­dungs­vor­stel­lun­gen aus dem ana­ly­ti­schen Blick­feld ver­schwin­det: „Die häu­fig anzu­tref­fen­de Gleich­set­zung von Bil­dung und erwor­be­nen Bil­dungs­pa­ten­ten, die auf der Grund­la­ge stan­dar­di­sier­ter Bil­dungs­in­hal­te erwor­ben wer­den, ver­fehlt die­je­ni­gen Momen­te von Bil­dung, die quer zu den in der Schu­le ver­mit­tel­ten Bil­dungs­for­men und ‑inhal­ten lie­gen“ (Grund­mann, Groh-Sam­­berg, Bitt­ling­may­er, & Bau­er, 2003, S. 27; vgl. Bitt­ling­may­er, 2006). Um eine der­ar­ti­ge Ver­kür­zung zu ver­mei­den, ist zunächst eine dif­fe­ren­zier­te Betrach­tung und Gegen­über­stel­lung der Begrif­fe Sozia­li­sa­ti­on, Bil­dung und Erzie­hung notwendig.

Sozia­li­sa­ti­on ist als all­um­fas­sen­der Begriff zur Beschrei­bung „der sozia­len Gestal­tung von ver­läss­li­chen Sozi­al­be­zie­hun­gen und der inter­ge­ne­ra­tio­na­len Tra­die­rung sozia­len Hand­lungs­wis­sen“ (Grund­mann, 2011, S. 63) zu ver­ste­hen, auf des­sen Grund­la­ge die Begrif­fe Bil­dung und Erzie­hung auf die kon­kre­te inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung die­ses Sozia­li­sa­ti­ons­pro­zes­ses abhe­ben. Sämt­li­che Hand­lun­gen und Pro­zes­se, die dazu bei­tra­gen, einem Akteur die Ein­glie­de­rung in sei­ne sozia­le Umwelt zu ermög­li­chen, an deren gesell­schaft­li­chem Leben teil­zu­neh­men und teil­zu­ha­ben sowie sein Ver­ständ­nis über die­se Pro­zes­se zu erwei­tern, sind als Sozia­li­sa­ti­on zu begrei­fen. Dem­ge­gen­über bezeich­net der Begriff Bil­dung die „Kul­ti­vie­rung von Hand­lungs­wis­sen ein­zel­ner Indi­vi­du­en“ (ebd.), Erzie­hung „die Eta­blie­rung sozi­al erwünsch­ter Eigen­schaf­ten von Per­so­nen durch Bezugs­per­so­nen“ (ebd.); bei­de Begrif­fe die­nen dem­zu­fol­ge zur inhalt­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung und Dif­fe­ren­zie­rung von Sozia­li­sa­ti­ons­pro­zes­sen. Bil­dung ist gemäß die­ser abs­trak­ten Defi­ni­ti­on kei­nes­wegs beschränkt auf insti­tu­tio­na­li­sier­te Bil­dungs­pro­zes­se, son­dern umfasst jede Art von Hand­lungs­wis­sen, die einem Akteur nach­hal­tig zur Ein­bin­dung in das sozia­le Leben ver­hilft, wobei die­ses Wis­sen in schu­li­schen Ein­rich­tun­gen, durch Tra­di­tio­nen oder schlicht im all­täg­li­chen Leben wei­ter­ge­ge­ben und erwor­ben wer­den kann (vgl. Suder­land, 2004) – nicht immer wider­spruchs­frei. Wie die­ser Fokus auf Ein­bin­dung in die gesell­schaft­li­che Umwelt bereits nahe­legt, ori­en­tie­ren sich sowohl Bil­dung, zumin­dest jene, die von außen ziel­ge­rich­tet an ein Indi­vi­du­um her­an­ge­tra­gen wird, als auch Erzie­hung an sol­chen Ver­hal­tens­wei­sen und Wis­sens­be­stän­den, die den gegen­wär­ti­gen sozia­len Nor­men und Vor­stel­lun­gen, den Anfor­de­run­gen und Ein­schrän­kun­gen der gesell­schaft­li­chen Welt ent­spre­chen, „indem sie vor allem jene Eigen­schaf­ten und Fähig­kei­ten in den Blick neh­men, die gesell­schaft­lich wert­ge­schätzt wer­den“ (Grund­mann, 2011, S. 64), wodurch die zu Erzie­hen­den und zu Bil­den­den ent­spre­chend geformt und auf das gesell­schaft­li­che Leben vor­be­rei­tet wer­den sol­len. Somit ver­fol­gen Bil­dung und Erzie­hung in der Regel min­des­tens impli­zit sys­tem­funk­tio­na­le Zie­le, die den Rah­men für die For­men und Inhal­te von Bil­dung vor­ge­ben und eine mit die­sem kom­pa­ti­ble Erzie­hung bedin­gen. Unter Berück­sich­ti­gung des Stel­len­werts schu­li­scher Bil­dung ist sel­bi­ge in der gegen­wär­ti­gen Gesell­schaft mit ihrem Fokus auf for­ma­le Bil­dungs­gän­ge und ‑abschlüs­se „einer Funk­tio­na­li­sie­rung durch gesell­schaft­li­che Insti­tu­tio­nen“ (ebd., S. 70) unter­wor­fen, die eine Erzie­hung bedingt, die – soweit ihr das mög­lich ist – ver­sucht, den Anfor­de­run­gen die­ser Funk­tio­na­li­sie­rung durch Anpas­sung inner­fa­mi­liä­rer oder gene­rell all­tags­prak­ti­scher Bil­­dungs- und Erzie­hungs­pro­zes­se ent­ge­gen­zu­kom­men, zum Bei­spiel durch geziel­te Vor­be­rei­tung auf schu­li­sche Bil­dungs­in­hal­te. Zu Span­nungs­ver­hält­nis­sen kommt es dabei, wenn die­se Bil­­dungs- und Erzie­hungs­pro­zes­se der unmit­tel­ba­ren Lebens­um­welt, d.h. des Bezugs- und Her­kunfts­mi­lieus, jenen Bil­dungs­an­for­de­run­gen wider­spre­chen, die von den gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen gefor­dert und vor­aus­ge­setzt wer­den – sind die Bil­dungs­in­hal­te der Schu­le für das all­täg­li­che Leben eines Schü­lers irrele­vant oder umge­kehrt, passt also der Habi­tus des Schü­lers, der die her­kunfts­spe­zi­fi­schen Bil­dungs­in­hal­te inkor­po­riert hat, nicht zu den insti­tu­tio­nel­len Erfor­der­nis­sen, so ent­ste­hen Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten, die in der Regel zu schu­li­schem Miss­erfolg führen.

Drei Arten von Bildung

Drei Arten der Bil­dung (Kli­cken zum Vergrößern).
Quel­le: Roh­lfs, 2011, S. 41.

Zum Ver­ständ­nis des Zustan­de­kom­mens der­ar­ti­ger Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten zwi­schen indi­vi­du­el­lem Habi­tus und schu­li­schen Anfor­de­run­gen ist eine wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung des Bil­dungs­be­griffs not­wen­dig (vgl. Abbil­dung), die der Ver­kür­zung auf insti­tu­tio­nel­le Bil­dung entgegentritt.

Neben for­ma­ler, staat­lich sank­tio­nier­ter Bil­dung, die das Mono­pol über die Ver­ga­be der in der Regel für die beruf­li­che und sozia­le Posi­ti­on aus­schlag­ge­ben­den Bil­dungs­ti­tel inne­hat und nicht nur struk­tu­riert wie ziel­ge­rich­tet, son­dern fer­ner in eigens dafür geschaf­fe­nen, sym­bo­lisch wie auch juris­tisch legi­ti­mier­ten Insti­tu­tio­nen mit hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren, vor­ge­ge­be­nen Regeln, stän­di­ger Leis­tungs­zer­ti­fi­zie­rung und Teil­nah­me­ver­pflich­tung statt­fin­det, kann struk­tu­rier­te und ziel­ge­rich­te­te Bil­dung auch non-for­­mal, außer­halb der for­ma­len Bil­­dungs- und Berufs­bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen von­stat­ten­ge­hen, bei­spiels­wei­se in Ver­ei­nen, Nach­mit­tags­kur­sen, Ver­bän­den oder in Form von Nach­hil­fe­an­ge­bo­ten, wobei nebst ein­ge­schränk­ter Zer­ti­fi­zie­rungs­mög­lich­keit die­ser Art von Bil­dung die frei­wil­li­ge, nicht­ver­pflich­ten­de Teil­nah­me an der­ar­ti­gen Bil­dungs­an­ge­bo­ten das zen­tra­le Cha­rak­te­ris­ti­kum non-for­­ma­­ler Bil­dung dar­stellt (vgl. Roh­lfs, 2011). Nicht min­der rele­vant ist aller­dings das Ler­nen im infor­mel­len Kon­text, das spon­tan vom indi­vi­du­el­len Akteur aus­geht, sich unge­plant voll­zieht und „indi­rekt und gewöhn­lich anlas­s­­be­­zo­­gen-spo­ra­­disch-zufäl­­lig, also situa­tiv an aku­ten Ein­zel­pro­ble­men und deren Lösung ori­en­tiert, unzu­sam­men­hän­gend, vor­­­der­­grün­­dig-uti­­li­­ta­ris­­tisch wie unkri­­tisch-unre­f­lek­­tiert“ (Roh­lfs, 2011, S. 39) ist. Zwar kann infor­mel­le Bil­dung bis­wei­len zer­ti­fi­ziert wer­den (man den­ke etwa an Kopf­no­ten), doch unter­lie­gen die Bil­dungs­pro­zes­se an sich kei­ner Struk­tur oder Steue­rung und fol­gen kei­nen for­ma­len Vor­ga­ben, die als Grund­la­ge einer Bewer­tung nötig wären, sodass in der Regel kei­ne Zer­ti­fi­zie­rung infor­mel­ler Bil­dung mög­lich ist. Von ent­schei­den­der Bedeu­tung ist zudem, dass infor­mel­le Bil­dung „in der natür­li­chen (sozia­len) Umwelt der Bil­dungs­ak­teu­re“ (ebd.) statt­fin­det und sich dadurch aus­zeich­net, „dass Lern­si­tua­ti­on und prak­ti­scher Ver­wen­dungs­zu­sam­men­hang zusam­men­fal­len“ (Dra­ven­au & Groh-Sam­­berg, 2005, S. 118). Was auf der­ar­ti­ge infor­­mell-situa­­ti­­ve Wei­se gelernt wird, weist stets unmit­tel­ba­ren Bezug zur kon­kre­ten Lebens­welt des Akteurs auf (vgl. Grund­mann, Bitt­ling­may­er, Dra­ven­au, & Groh-Sam­­berg, 2007), sei es im Kon­text der Lösung eines all­tags­prak­ti­schen Pro­blems oder der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den umge­ben­den Mit­men­schen, wäh­rend for­ma­le Bil­dung einen sol­chen All­tags­be­zug zwar auf­wei­sen kann, die­ser aber nicht selbst­ver­ständ­lich ist, da sich außer bei bil­dungs­na­her Her­kunft die „Lern- und Bil­dungs­pro­zes­se in der Fami­lie deut­lich von jenen unter­schei­den, die in insti­tu­tio­na­li­sier­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen vor­herr­schen“ (ebd., S. 43) – als Bei­spiel sei hier nur auf das Lesen klas­si­scher Lite­ra­tur ver­wie­sen, das für einen Schü­ler durch­aus mit des­sen All­tags­pra­xis kom­pa­ti­bel sein kann, sofern die­ser in einem ent­spre­chen­den kul­tu­rel­len Umfeld auf­ge­wach­sen ist; es ver­liert jedoch jeg­li­che außer­schu­li­sche Rele­vanz für einen Schü­ler, in des­sen All­tags­pra­xen das Lesen an sich oder die­se kon­kre­te Form der Lite­ra­tur (so gut wie) kei­ne Rol­le spielt. Die­ses her­kunfts­spe­zi­fi­sche kul­tu­rel­le Erbe, das sich für das Pas­sungs­ver­hält­nis mit der Schu­le ver­ant­wort­lich zeich­net, wird, da die Ver­er­bung in Form infor­mel­ler Bil­dung statt­fin­det, „auf osmo­ti­sche Wei­se über­tra­gen, ohne jedes metho­di­sche Bemü­hen und jede mani­fes­te Ein­wir­kung“ (Bitt­ling­may­er & Grund­mann, 2006, S. 76).

Die hier voll­zo­ge­ne Tren­nung[1] in for­ma­le, non-for­­ma­­le und infor­mel­le Bil­dung soll trotz des gro­ßen Gewichts, das die for­ma­le Bil­dung in Hin­blick auf beruf­li­chen Erfolg und Sta­tus­zu­wei­sung ein­nimmt, nicht zu einer Hier­ar­chi­sie­rung der ver­schie­de­nen Erschei­nungs­for­men von Bil­dung ver­lei­ten, son­dern das oft­mals auf insti­tu­tio­nel­le Bil­dung ver­eng­te Bil­dungs­ver­ständ­nis erwei­tern. Eine sol­che Hier­ar­chi­sie­rung näm­lich wür­de die Tat­sa­che ent­wer­ten und negie­ren – womit nun sei­ner­seits kei­ne umge­kehr­te Hier­ar­chi­sie­rung nahe­ge­legt, son­dern jede Form der Hier­ar­chi­sie­rung an sich in Fra­ge gestellt wer­den soll –, „dass der weit­aus größ­te Teil aller mensch­li­chen Lern­pro­zes­se (…) außer­halb der Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen stattfinde[t]“ (Roh­lfs, 2011, S. 47). Bil­dung beginnt dem­zu­fol­ge nicht erst mit for­ma­len Bil­dungs­for­men, son­dern bereits mit den in den Habi­tus ein­ge­hen­den all­täg­li­chen Lern- und Bil­dungs­pro­zes­sen eines Her­an­wach­sen­den in Fami­lie und gene­rel­ler Lebens­welt, die den Groß­teil der Erfah­run­gen nicht nur, aber beson­ders im Kin­des­al­ter aus­ma­chen; gelernt wird also vor­wie­gend „durch Pra­xis, durch Nach­ma­chen und Mit­tun, durch Aneig­nung von Rou­ti­nen und Gewohn­hei­ten und durch die dem­entspre­chen­de Ent­wick­lung von Denk‑, Wahrnehmungs‑, Urteils- und Hand­lungs­mus­tern, die aus der Her­kunfts­kul­tur stam­men und in ihr Sinn haben“ (Liebau, 2009, S. 47).

Die­se Aus­füh­run­gen machen deut­lich, dass die Aneig­nung von Bil­dung, d.h. das Ler­nen „nicht nur als bewuss­te kogni­ti­ve, son­dern auch als eher unbe­wuss­te psy­chi­sche und gefühls­mä­ßi­ge Ver­ar­bei­tung von Ein­drü­cken, Infor­ma­tio­nen, Erleb­nis­sen etc.“ (Roh­lfs, 2011, S. 36) ver­stan­den wer­den muss, das sich „bewusst wie unbe­wusst, inten­tio­nal wie bei­läu­fig, theo­re­tisch wie prak­tisch“ (ebd.) voll­zieht. Bil­dungs­pro­zes­se, begrif­fen als Inkor­po­rie­rung von Kul­tur, und das mit ihnen ver­bun­de­ne Ler­nen fin­den daher nur sel­ten rein kogni­tiv, son­dern viel­mehr habi­tu­ell statt – wäh­rend for­ma­le Bil­dung eher auf der ratio­na­len Ebe­ne anzu­sie­deln ist, geschieht das grund­le­gen­de, infor­mel­le Ler­nen mehr­heit­lich bei­läu­fig und ohne geziel­te Inten­ti­on, wor­aus wei­te­res Kon­flikt­po­ten­ti­al erwach­sen kann, weil etwa­ige Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten zwi­schen for­ma­len Bil­dungs­an­for­de­run­gen und Habi­tus infol­ge­des­sen nicht allein durch ratio­na­le Inter­ven­ti­on oder Refle­xi­on auf­lös­bar sind.

Die­se wesent­li­chen Unter­schie­de zwi­schen den for­ma­len, in aus­ge­wie­se­nen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen statt­fin­den­den und den infor­mel­len, sich in der Fami­lie voll­zie­hen­den Bil­dungs­pro­zes­sen machen deut­lich, welch ana­ly­ti­sche Kurz­sich­tig­keit eine Ver­en­gung des Bil­dungs­be­griffs auf insti­tu­tio­na­li­sier­te Bil­dungs­pro­zes­se zur Fol­ge hat, die nur for­ma­lem Ler­nen einen Wert zumisst und „mit dem infor­mel­len Ler­nen eher «Nicht­bil­dung» [asso­zi­iert], weil Spiel und «tun und las­sen kön­nen, was man will» mit Ver­schwen­dung von Bil­dungs­res­sour­cen gleich­ge­setzt wird“ (Dol­la­se, 2007, S. 6; vgl. Roh­lfs, 2011), womit all jene Bil­dungs­for­men, ‑pro­zes­se und ‑inhal­te jen­seits der insti­tu­tio­nel­len Vor­ga­ben und damit auch die dar­aus resul­tie­ren­den Pas­­sungs- oder Kon­flikt­ver­hält­nis­se igno­riert wer­den. Wenn nicht gar expli­zit, so liegt die­sem auch in der empi­ri­schen Bil­dungs­for­schung ver­brei­te­ten hier­ar­chi­schen Bil­dungs­ver­ständ­nis (dazu kri­tisch Grund­mann, Bitt­ling­may­er, Dra­ven­au, & Groh-Sam­­berg, 2007; Grund­mann, 2011) doch zumin­dest impli­zit eine Defi­zit­lo­gik zugrun­de, die sämt­li­che her­kunfts­spe­zi­fi­schen Bil­dungs­pro­zes­se abwer­tet und als min­der­wer­tig betrach­tet, solan­ge die­se nicht im schu­li­schen Kon­text anschluss­fä­hig oder ver­wert­bar sind, was gleich­zei­tig die die­ser Hier­ar­chi­sie­rung zugrun­de­lie­gen­de Vor­stel­lung und den Anspruch repro­du­ziert, bei schu­li­scher Bil­dung han­de­le es sich um die (ein­zig) legi­ti­me Form von Kul­tur (vgl. Bock, 2008; Grund­mann, Groh-Sam­­berg, Bitt­ling­may­er, & Bau­er, 2003). Wenn­gleich durch Zer­ti­fi­zie­rung, staat­lich aner­kann­te Abschlüs­se, Ori­en­tie­rung an Lehr­plä­nen und weit­ge­hen­de Stan­dar­di­sie­rung von Lern­pro­zes­sen und ‑inhal­ten die schu­li­sche Bil­dung als legi­ti­me Bil­dung aus­ge­wie­sen ist, die für Sta­tus­zu­wei­sung und als Qua­li­fi­ka­ti­ons­nach­weis für beruf­li­chen Ein- oder Auf­stieg her­an­ge­zo­gen wird, so darf doch nicht über­se­hen wer­den, dass außer­schu­li­sche Bil­dungs­pro­zes­se auch dann statt­fin­den, „wenn schu­li­sche Bil­dungs­ver­läu­fe fehl­schla­gen, ver­kürzt oder abge­bro­chen wer­den“ (Grund­mann, Groh-Sam­­berg, Bitt­ling­may­er, & Bau­er, 2003, S. 27) – nur wer­den eben die­se ver­meint­lich unnüt­zen Bil­dungs­pro­zes­se und ‑inhal­te selbst dann nicht als legi­ti­me Bil­dung aner­kannt, wenn sie für den kon­kre­ten Akteur zum täg­li­chen Über­le­ben in Milieu und Gesell­schaft von teils exis­ten­ti­el­ler Bedeu­tung sind.

Wie hier­an deut­lich wird, bedingt die For­ma­li­sie­rung von Bil­dung nicht nur eine Hier­ar­chi­sie­rung von Kul­tur, die mit die­ser Insti­tu­tio­na­li­sie­rung und der damit ein­set­zen­den Abwer­tung außer­schu­li­scher Bil­dungs­pro­zes­se ein­her­geht, son­dern formt Bil­dung gene­rell zu einem „öko­­­no­­misch-poli­­ti­­schen Instru­ment“, das vor­der­grün­dig zwar mit den Ver­spre­chen von Eman­zi­pa­ti­on, Mün­dig­keit und Selbst­ver­wirk­li­chung mas­kiert wird, dabei aller­dings nur „jene Kul­tur­tech­ni­ken ver­mit­telt [und akzep­tiert; MM], die poli­tisch und öko­no­misch gewollt sind“ (Grund­mann, 2011, S. 72). Erzie­hung erschöpft sich in die­sem Sin­ne dar­auf, die Aus­prä­gung eines mög­lichst schul­kon­for­men Habi­tus zu för­dern bzw. sicher­zu­stel­len, der sowohl ‚leis­tungs­fä­hig‘ ist als auch die erwünsch­ten Cha­rak­ter­zü­ge auf­weist – „eine gute Erzie­hung zeich­net sich dem­nach durch opti­ma­le Vor­be­rei­tung auf die Schu­le aus“ (ebd., S. 70), dem­ge­gen­über eine Erzie­hung, die eine sol­che Vor­be­rei­tung nicht leis­ten kann (oder will), auto­ma­tisch als defi­zi­tär betrach­tet wird. Inso­fern kann von einem eman­zi­pa­to­ri­schen Ele­ment über­haupt nur dann die Rede sein, wenn die Bil­dungs­an­for­de­run­gen sich mit den eige­nen Lebens­ent­wür­fen und – unmit­tel­bar rele­van­ter – den Anfor­de­run­gen des täg­li­chen Lebens decken oder die­sen zumin­dest nicht wider­spre­chen; in jedem anders gela­ger­ten Fall fin­det das Gegen­teil von Eman­zi­pa­ti­on statt, näm­lich eine die sozia­le Hier­ar­chie repro­du­zie­ren­de sym­bo­li­sche und struk­tu­rel­le Gewalt, ver­mit­telt über die Abwer­tung her­kunfts­spe­zi­fi­scher kul­tu­rel­ler Prak­ti­ken, indem „Erzie­hung und Bil­dung (…) zur Selek­ti­on und Legi­ti­ma­ti­on unglei­cher Lebens­chan­cen her­an­ge­zo­gen“ (Grund­mann, 2011, S. 64) werden.

Völ­lig unbe­ach­tet blei­ben bei der Ver­kür­zung des Bil­dungs­be­griffs und der damit ver­knüpf­ten Hier­ar­chi­sie­rung von Kul­tur die Per­spek­ti­ven der betrof­fe­nen Akteu­re, die über eine jeweils eige­ne, her­kunfts­spe­zi­fi­sche Kul­tur mit diver­gie­ren­den Bil­dungs­stra­te­gien ver­fü­gen und die­se in das insti­tu­tio­nel­le Bil­dungs­sys­tem hin­ein­tra­gen, wo ihnen auf­grund ihrer Anschluss­fä­hig­keit ent­we­der Akzep­tanz ent­ge­gen­ge­bracht wird und sich ein Gefühl der selbst­ver­ständ­li­chen Zuge­hö­rig­keit ein­stel­len kann, oder infol­ge kul­tu­rel­ler Dif­fe­renz strik­te Abwer­tung ent­ge­gen­schlägt und ein dif­fu­ses Gefühl der Nicht­zu­ge­hö­rig­keit ent­steht, was u.a. das Phä­no­men der Selbst­eli­mi­nie­rung zur Fol­ge hat, also das schein­bar (!) frei­wil­li­ge und selbst­ge­wähl­te ver­früh­te Aus­schei­den aus dem Bil­dungs­sys­tem oder die Beschrän­kung auf objek­tiv wenig ertrag­rei­che, aber sub­jek­tiv als sicher emp­fun­de­ne Bil­dungs­we­ge. Wie deut­lich gewor­den sein soll­te, ist zum Ver­ständ­nis die­ses Pas­sungs­ver­hält­nis­ses der „Bil­dungs­be­griff aus sei­ner insti­tu­tio­nel­len Ver­an­ke­rung zu ent­gren­zen“ (Grund­mann, Groh-Sam­­berg, Bitt­ling­may­er, & Bau­er, 2003, S. 27), da nur mit­tels eines sol­chen breit­ge­fass­ten Bil­dungs­be­griffs, der unter Rück­griff auf das Habi­tus­kon­zept die her­kunfts­spe­zi­fi­schen Bil­dungs­stra­te­gien und ‑inhal­te im Kon­text ihrer Lebens­welt beleuch­tet und ernst nimmt, anstatt sie unter der Prä­mis­se einer Defi­zit­lo­gik abzu­wer­ten, „die­je­ni­gen sozia­li­sa­to­ri­schen All­tags­prak­ti­ken, indi­vi­du­el­len Hand­lungs­be­fä­hi­gun­gen und Hand­lungs­stra­te­gien sicht­bar [gemacht wer­den kön­nen], die für die Repro­duk­ti­on der sozi­al unglei­chen Bil­dungs­er­fol­ge sozia­li­sa­to­risch ver­ant­wort­lich sind und die in der Regel außer­halb der schu­li­schen All­tags­pra­xis selbst lie­gen“ (Grund­mann, Bitt­ling­may­er, Dra­ven­au, & Edel­stein, 2006, S. 16; vgl. Bitt­ling­may­er, 2006).

Wird der Bil­dungs­be­griff von sei­ner Fixie­rung auf schu­li­sche Bil­dung gelöst und dif­fe­ren­ziert betrach­tet, so muss auch der dar­auf auf­bau­en­de Begriff des Bil­dungs­er­folgs eine ähn­li­che Dif­fe­ren­zie­rung erfah­ren, um unter ande­rem deut­lich machen zu kön­nen, wie Bil­dungs­er­folg einer Les­art gege­be­nen­falls ande­ren Vor­stel­lun­gen von Bil­dungs­er­folg – ins­be­son­de­re jenen inner­halb des Bil­dungs­sys­tems – zuwi­der­lau­fen kann.

Zunächst kann Bil­dungs­er­folg indi­­vi­­du­ell-lebens­­­wel­t­­lich begrif­fen wer­den, als all­ge­mei­ne Hand­lungs­be­fä­hi­gung, um am all­täg­li­chen Leben in der gege­be­nen Bezugs­welt, d.h. dem umge­ben­den Milieu, teil­neh­men und teil­ha­ben zu kön­nen (vgl. Huis­ken, 2005; Bitt­ling­may­er, 2006; Dra­ven­au, 2006; Grund­mann, 2006; Grund­mann, Bitt­ling­may­er, Dra­ven­au, & Groh-Sam­­berg, 2007; Bock, 2008; Grund­mann, 2011). Bil­dungs­er­folg in die­sem Sin­ne zeich­net sich dadurch aus, die milieu­spe­zi­fi­schen Han­d­­lungs- und Umgangs­for­men, die all­täg­li­chen Pra­xen wie auch sprach­li­chen Beson­der­hei­ten (etwa Umgangs­spra­che oder Dia­lekt) zu erler­nen und anwen­den zu kön­nen, was in der Regel in Form von infor­mel­ler Bil­dung geschieht und somit bei den Akteu­ren einen her­kunfts­spe­zi­fi­schen, an die kon­kre­ten Anfor­de­run­gen ange­pass­ten Habi­tus her­aus­bil­det. Als erfolg­reich gilt hier, wer sich auf­grund die­ses Habi­tus in sei­nem Milieu als Zuge­hö­ri­ger und sich zuge­hö­rig Füh­len­der bewe­gen kann.

Wei­ter­hin kann Bil­dungs­er­folg aus einer Per­spek­ti­ve ver­stan­den wer­den, die Bil­dung als Bür­ger­recht (vgl. Dah­ren­dorf, 1966) oder gesam­t­­ge­­sel­l­­schaf­t­­lich-eman­­zi­­pa­­ti­­ves Ele­ment betrach­tet, das sowohl den Zugang zu gesell­schaft­li­chen Res­sour­cen ermög­licht als auch Grund­la­ge für die akti­ve poli­ti­sche Teil­nah­me und damit letzt­lich die Gestal­tung der Gesell­schaft ist (vgl. Büch­ner, 2003; Huis­ken, 2005; But­ter­weg­ge, 2010; Quen­zel & Hur­rel­mann, 2010; Grund­mann, 2011). Nach die­sem Ver­ständ­nis ist Bil­dung nicht nur für die Hand­lungs­be­fä­hi­gung im direk­ten Milieu von zen­tra­ler Bedeu­tung, son­dern eben­falls essen­ti­el­ler Bestand­teil der poli­ti­schen Mei­nungs­bil­dung und der Mög­lich­keit zur Ein­fluss­nah­me auf gesell­schaft­li­che Bedin­gun­gen. Wird Zugang zu Bil­dung ver­wehrt oder ist die­ser sozi­al ungleich ver­teilt, hat dies nicht nur Kon­se­quen­zen für die indi­vi­du­el­len Arbeits­markt­chan­cen und sämt­li­che damit ver­knüpf­ten Aus­wir­kun­gen auf die betrof­fe­nen Indi­vi­du­en, son­dern bedeu­tet gleich­zei­tig eine Ein­schrän­kung der poli­ti­schen Mit- oder bloß Selbst­be­stim­mung, d.h. letzt­lich ein Ungleich­ge­wicht demo­kra­ti­scher Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Schu­li­sche Bil­dung kann mit der­ar­ti­gen Eman­zi­pa­ti­ons­pro­zes­sen wie­der­um in Kon­flikt gera­ten, wenn die­se bei­spiels­wei­se die Regeln und Abläu­fe der schu­li­schen Insti­tu­tio­nen in Fra­ge stellen.

Wie anfangs bereits dar­ge­legt, wird Bil­dungs­er­folg in der Regel aller­dings allein mit dem Erfolg oder Miss­erfolg inner­halb insti­tu­tio­nel­ler Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und den von die­sen ver­ge­be­nen Bil­dungs­zer­ti­fi­ka­ten gleich­ge­setzt, was auch von Tei­len der sozio­lo­gi­schen Bil­dungs­for­schung und vor allem den PISA-Stu­­di­en über­nom­men wird (vgl. Becker & Hadjar, 2011; exem­pla­risch OECD, 2010). Dies ent­spricht einer sys­tem­funk­tio­na­len Betrach­tung im Kon­text des Bil­dungs­sys­tems und des dar­auf auf­bau­en­den Arbeits­markts; Bil­dungs­un­gleich­hei­ten an sich, wenn auch nicht zwin­gend sozia­le Ungleich­hei­ten, wer­den aus die­ser sys­tem­funk­tio­na­len Per­spek­ti­ve her­aus als not­wen­dig erach­tet und posi­tiv bewer­tet, da unter­schied­li­che beruf­li­che Posi­tio­nen auch unter­schied­li­che schu­li­sche Abschlüs­se vor­aus­set­zen und ein glei­ches Maß an Bil­dung somit Unter- bzw. Über­qua­li­fi­ka­ti­on pro­du­zie­ren wür­de. Weder die Befä­hi­gung zur all­täg­li­chen Lebens­füh­rung und die Anpas­sung an die Erfor­der­nis­se der unmit­tel­ba­ren Lebens­welt noch die gesell­schaft­li­che sowie poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on ste­hen bei die­ser Defi­ni­ti­on von Bil­dungs­er­folg im Vor­der­grund, son­dern die Erlan­gung von Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on und eines ent­spre­chen­den Sta­tus, was bedeu­tet, dass Bil­dungs­er­folg anhand der Ver­mitt­lung und Über­prü­fung schu­li­scher Bil­dung in Form von Noten, Zer­ti­fi­ka­ten und dem Zugang zu höhe­rer Bil­dung sowie letzt­lich dem dar­aus resul­tie­ren­den beruf­li­chen Erfolg gemes­sen wird. Hier­bei han­delt es sich um eine Mes­sung anhand objek­ti­ver Kri­te­ri­en, die sowohl die Akteurs­per­spek­ti­ve als auch milieu­spe­zi­fi­sche Dif­fe­ren­zen unbe­rück­sich­tigt lässt.

Bil­dungs­er­folg ist dem­zu­fol­ge nicht gleich Bil­dungs­er­folg, und Bil­dungs­er­folg im einen Sin­ne muss nun nicht mit Bil­dungs­er­folg in einem ande­ren Sin­ne ein­her­ge­hen, viel­mehr eröff­nen sich erheb­li­che Kon­flikt­di­men­sio­nen. Wer durch spe­zi­fi­sche Milieu­be­din­gun­gen geprägt und inner­halb die­ser all­täg­li­chen Lebens­be­din­gun­gen sozia­li­siert wur­de, in die­sem Sin­ne also Bil­dungs­er­fol­ge auf­wei­sen kann, die ihn zur Gestal­tung des täg­li­chen Lebens befä­hi­gen, ist dadurch nicht gleich­sam prä­de­sti­niert für schu­li­sche Bil­dungs­er­fol­ge, weil die jewei­li­gen Defi­ni­tio­nen von Bil­dungs­er­folg sich dia­me­tral wider­spre­chen kön­nen – ist bei­spiels­wei­se im Rah­men der all­täg­li­chen Pra­xen eine Kon­zen­tra­ti­on auf hand­werk­li­che Tätig­kei­ten oder kon­kre­te Pro­blem­lö­sungs­stra­te­gien nötig, negiert die Schu­le kur­zer­hand durch ihren Fokus auf abs­trak­te Bil­dung die­se milieu­spe­zi­fi­schen Bil­dungs­er­fol­ge und stellt ihnen eine ganz eige­ne Defi­ni­ti­on der­sel­ben gegen­über, die mit den Milieu­be­din­gun­gen nicht oder nur bedingt kom­pa­ti­bel ist. Es ste­hen sich in Fol­ge zwei Auf­fas­sun­gen von Bil­dungs­er­folg gegen­über, die nur schwer mit­ein­an­der in Ein­klang zu brin­gen sind, nicht zuletzt, weil sie im außer­schu­li­schen Leben für den jewei­li­gen Akteur ganz unter­schied­li­che Rele­vanz auf­wei­sen kön­nen, bis hin zur völ­li­gen lebens­welt­li­chen Irrele­vanz schu­li­scher Bildungsprozesse.


[1] Bei der hier voll­zo­ge­nen Tren­nung in for­ma­le, non-for­­ma­­le und infor­mel­le Bil­dung han­delt es sich vor­ran­gig um eine Tren­nung ana­ly­ti­scher Natur, da sich die Bil­dungs­for­men in der all­täg­li­chen Pra­xis durch­aus über­schnei­den und deren Gren­zen ver­schwim­men kön­nen (vgl. Abbil­dung), so z.B. bei Gesprä­chen, beim Spie­len oder ande­ren Hand­lun­gen im schu­li­schen Kon­text, die zwar am Ort for­ma­ler Bil­dung statt­fin­den, aller­dings nicht zu den for­ma­len Lern­in­hal­ten zählen.


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Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst ein­mal wich­tig, den Begriff des Kapi­tals gene­rell zu defi­nie­ren. Bour­dieu spricht von Kapi­tal als „akku­mu­lier­te Arbeit, ent­we­der in Form von Mate­ri­al oder in ver­in­ner­lich­ter, »inkor­po­rier­ter« Form“ (Bour­dieu, 1992b, S. 49).

Im Gegen­satz zu einer ver­en­gen­den Betrach­tungs­wei­se, die jeg­li­che Kapi­tal­for­men jen­seits des öko­no­mi­schen Kapi­tals als sol­ches schlicht ver­kennt, iden­ti­fi­ziert Bour­dieu neben dem öko­no­mi­schen Kapi­tal auch kul­tu­rel­les sowie sozia­les Kapital.

Die Betrach­tung der Gesell­schaft unter rein öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten igno­riert die sym­bo­li­sche Logik der Distink­ti­on und die Effek­te des kul­tu­rel­len Kapi­tals, die den Besit­zern eines umfang­rei­chen Kul­tur­ka­pi­tals auf Grund des­sen Sel­ten­heits­werts beson­de­re Pro­fi­te wie etwa schu­li­sche Bil­dungs­er­fol­ge ermöglichen:

„D. h., der­je­ni­ge Teil des Pro­fits, der in unse­rer Gesell­schaft aus dem Sel­ten­heits­wert bestimm­ter For­men von kul­tu­rel­lem Kapi­tal erwächst, ist letz­ten Endes dar­auf zurück­zu­füh­ren, daß nicht alle Indi­vi­du­en über die öko­no­mi­schen und kul­tu­rel­len Mit­tel ver­fü­gen, die es ihnen ermög­li­chen, die Bil­dung ihrer Kin­der über das Mini­mum hin­aus zu ver­län­gern, das zu einem gege­be­nen Zeit­punkt für die Repro­duk­ti­on der Arbeits­kraft mit dem gerings­ten Markt­wert erfor­der­lich ist“ (ebd., S. 57f).

Hier­bei wird anhand des kul­tu­rel­len Kapi­tals bereits deut­lich, dass die drei genann­ten Kapi­tal­ar­ten gesell­schaft­lich ungleich ver­teilt sind, wobei deren Ver­tei­lungs­struk­tur „der imma­nen­ten Struk­tur der gesell­schaft­li­chen Welt“ (ebd., S. 50) ent­spricht, sodass die „unglei­che Ver­tei­lung von Kapi­tal (…) somit die Grund­la­ge für die spe­zi­fi­schen Wir­kun­gen von Kapi­tal“ (ebd., S. 58) bil­det. Auf die­ser Grund­la­ge ist sozia­le Her­kunft „als Ver­ket­tung von Merk­ma­len der sozio­öko­no­mi­schen Stel­lung, des kul­tu­rel­len sowie des sozia­len Kapi­tals zu ver­ste­hen“ (Bau­mert & Maaz, 2006, S. 24), die sozia­le Ungleich­hei­ten abbil­den: „Durch die Ver­knüp­fung und Kor­re­la­ti­on der ver­schie­de­nen Kapi­tal­ar­ten erfolgt eine Kumu­la­ti­on von Vor- bzw. Nach­tei­len in den ver­schie­de­nen sozia­len Klas­sen“ (Jun­g­­bau­er-Gans, 2004, S. 377). Ein gewich­ti­ger Vor­teil die­ser Ope­ra­tio­na­li­sie­rung sozia­ler Her­kunft ist der Umstand, dass mit Blick auf Kapi­tal­zu­sam­men­set­zung, ‑wir­kung und den dar­aus resul­tie­ren­den Habi­tus eine Per­spek­ti­ve ein­ge­nom­men wird, die sich nicht auf abs­trak­te Kate­go­rien und Struk­tur­merk­ma­le beschränkt, son­dern eben­so Pro­zess­merk­ma­le beleuch­tet und kon­kre­te Eigen­hei­ten wie die Zusam­men­set­zung des Freun­des­krei­ses, Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen oder Erzie­hungs­sti­le beinhal­tet (vgl. Krais, 2004; Water­mann & Bau­mert, 2006; Bra­ke & Büch­ner, 2009).

Das kul­tu­rel­le Kapi­tal kann als Bil­dung und Hand­lungs­wis­sen in jed­we­der Form, über das eine Per­son ver­fügt, beschrie­ben wer­den und lässt sich in die drei Unter­for­men des inkor­po­rier­ten, objek­ti­vier­ten und insti­tu­tio­na­li­sier­ten Kul­tur­ka­pi­tals differenzieren.

Das inkor­po­rier­te Kul­tur­ka­pi­tal bezeich­net die ver­in­ner­lich­te Form des Kul­tur­ka­pi­tals, es „wird in per­sön­li­cher Bil­dungs­ar­beit erwor­ben und kann am ehes­ten als kogni­ti­ve Kom­pe­tenz und ästhe­ti­scher Geschmack beschrie­ben wer­den“ (Jun­g­­bau­er-Gans, 2004, S. 377). Die Vor­aus­set­zung für jeg­li­che Inkor­po­rie­rung ist eine per­sön­li­che Inves­ti­ti­on von Zeit, die auf­zu­brin­gen sowohl der jewei­li­ge Akteur als auch des­sen Fami­lie (öko­no­misch) in der Lage sein müs­sen, denn die Akku­mu­la­ti­on des kul­tu­rel­len Kapi­tals und damit des­sen indi­vi­du­el­le Effek­ti­vi­tät „hängt viel­mehr auch davon ab, wie­viel nutz­ba­re Zeit (…) in der Fami­lie zur Ver­fü­gung steht, um die Wei­ter­ga­be des Kul­tur­ka­pi­tals zu ermög­li­chen und einen ver­zö­ger­ten Ein­tritt in den Arbeits­markt zu gestat­ten“ (Bour­dieu, 1992b, S. 72), wes­we­gen sich hier Vor­tei­le für öko­no­misch gut­si­tu­ier­te Fami­li­en erge­ben. Als sinn­volls­tes Maß für inkor­po­rier­tes Kul­tur­ka­pi­tal bezeich­net Bour­dieu die gesam­te Dau­er des Bil­dungs­er­werbs, also die­je­ni­ge Zeit, in wel­cher auf dem Wege sozia­ler Ver­er­bung Kul­tur­ka­pi­tal wei­ter­ge­ge­ben wird, wobei hier sehr dar­auf zu ach­ten ist, die­se nicht fälsch­li­cher­wei­se auf die Schul­zeit zu redu­zie­ren, da ansons­ten erneut – wie bei der rein öko­no­mi­schen Betrach­tungs­wei­se – die Trans­mis­si­on des kul­tu­rel­len Kapi­tals in der Fami­lie kom­plett unbe­rück­sich­tigt blie­be (vgl. ebd., S. 56). Da sich die her­kunfts­spe­zi­fi­schen und schul­spe­zi­fi­schen Bil­dungs­in­hal­te aller­dings durch­aus wider­spre­chen kön­nen, ist somit die Zeit der Pri­mär­er­zie­hung, die für die Ver­mitt­lung kul­tu­rel­ler Prak­ti­ken auf­ge­wen­det wur­de, „je nach dem Abstand zu den Erfor­der­nis­sen des schu­li­schen Mark­tes ent­we­der als posi­ti­ver Wert [in Rech­nung zu stel­len], als gewon­ne­ne Zeit und Vor­sprung, oder als nega­ti­ver Fak­tor, als dop­pelt ver­lo­re­ne Zeit, weil zur Kor­rek­tur der nega­ti­ven Fol­gen noch­mals Zeit ein­ge­setzt wer­den muß“ (ebd., S. 56) – für den Schul­erfolg irr­re­le­van­te Pra­xen wer­den somit aus Per­spek­ti­ve der legi­ti­men Kul­tur als Fehl­in­ves­ti­tio­nen betrachtet.

Das ein­mal inkor­po­rier­te Kul­tur­ka­pi­tal wird unwei­ger­lich zum fes­ten Bestand­teil der Per­son und formt ihren Habi­tus, bleibt dabei aber stets von den Umstän­den der ers­ten Aneig­nung geprägt (vgl. ebd., S. 56f), wor­an ersicht­lich wird, wel­chen nach­hal­ti­gen Ein­fluss die her­kunfts­spe­zi­fi­sche Kapi­tal­zu­sam­men­set­zung und die Ver­er­bung die­ses Kapi­tals auf den indi­vi­du­el­len Habi­tus und schließ­lich die schu­li­schen Erfol­ge aufweist.

Dem­ge­gen­über stellt objek­ti­vier­tes Kul­tur­ka­pi­tal, so wie ein Buch, ein Bild, ein Com­pu­ter oder ein Instru­ment, eine auto­no­me, mate­ri­ell über­trag­ba­re Form von Kul­tur­ka­pi­tal dar (vgl. ebd., S. 59). Es kann belie­big unmit­tel­bar wei­ter­ge­ben, ver­schenkt, ver­erbt und gekauft wer­den, wofür ledig­lich eine öko­no­mi­sche Inves­ti­ti­on nötig ist. Durch die­sen Umstand ist das objek­ti­vier­te Kul­tur­ka­pi­tal sehr eng an das öko­no­mi­sche Kapi­tal gebun­den. Die Aneig­nung des objek­ti­vier­ten Kul­tur­ka­pi­tals, die es erst als Kapi­tal wirk­sam wer­den lässt, setzt aller­dings anknüp­fungs­fä­hi­ges inkor­po­rier­tes kul­tu­rel­les Kapi­tal vor­aus – ein Buch bleibt eine blo­ße Blät­ter­samm­lung, solan­ge nicht inkor­po­rier­tes Kul­tur­ka­pi­tal in Form der Lese­fä­hig­keit vorliegt.

Eine gewis­se Objek­ti­vie­rung wie­der­um erfährt das inkor­po­rier­te Kul­tur­ka­pi­tal durch die Form des insti­tu­tio­na­li­sier­ten kul­tu­rel­len Kapi­tals, das in Gestalt von zu ver­ge­be­nen schu­li­schen bzw. aka­de­mi­schen Titeln exis­tiert. Die insti­tu­tio­na­li­sier­te Form des Kul­tur­ka­pi­tals stellt damit eine offi­zi­el­le Aner­ken­nung und Legi­ti­mie­rung des inkor­po­rier­ten Kul­tur­ka­pi­tals dar und ist „ein Zeug­nis für kul­tu­rel­le Kom­pe­tenz, das sei­nem Inha­ber einen dau­er­haf­ten und recht­lich garan­tier­ten kon­ven­tio­nel­len Wert über­trägt“ (ebd., S. 61). Ein der­ar­ti­ges Zeug­nis legi­ti­miert damit nicht nur die fami­liä­re Ver­er­bung kul­tu­rel­len Kapi­tals und die dadurch erzeug­ten sozia­len Ungleich­hei­ten, son­dern beschei­nigt dem Absol­ven­ten einer aner­kann­ten Bil­dungs­ein­rich­tung zudem dau­er­haft, was der Auto­di­dakt stän­dig bewei­sen muss, wobei die ein­zi­ge Dif­fe­renz zwi­schen bei­den Akteu­ren ihre Ent­spre­chung mit und ihre Unter­wer­fung unter die als legi­tim erach­te­ten Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen ist, womit durch insti­tu­tio­nel­le Sank­tio­nen blei­ben­de und für die wei­te­ren Lebens­we­ge höchst rele­van­te Gren­zen pro­du­ziert wer­den, da sie eine wesens­mä­ßi­ge Unter­schei­dung zwi­schen offi­zi­ell aner­kann­tem und durch den Bil­dungs­ti­tel nach­ge­wie­se­nem bzw. garan­tier­tem Kul­tur­ka­pi­tal auf der einen sowie nicht offi­zi­ell aner­kann­tem Kul­tur­ka­pi­tal auf der ande­ren Sei­te voll­zie­hen (vgl. ebd., S. 62; Sol­ga, 2005). An die­ser Stel­le sei erneut auf die damit ein­her­ge­hen­de Abwer­tung all­tags­re­le­van­ter Pra­xen ver­wie­sen, wenn die­se nicht den schu­li­schen (und damit herr­schen­den) Vor­stel­lun­gen legi­ti­mer Kul­tur entsprechen.

Sozia­les Kapi­tal wie­der­um defi­niert Bour­dieu als „die Gesamt­heit der aktu­el­len und poten­ti­el­len Res­sour­cen, die mit dem Besitz eines dau­er­haf­ten Net­zes von mehr oder weni­ger insti­tu­tio­na­li­sier­ten Bezie­hun­gen gegen­sei­ti­gen Ken­nens oder Aner­ken­nens ver­bun­den sind“ (Bour­dieu, 1992b, S. 63). Die­se Res­sour­cen, die über das Netz poten­ti­ell erschlos­sen wer­den kön­nen, umfas­sen sowohl öko­no­mi­sches (bei­spiels­wei­se in Form von Kre­di­ten oder ander­wei­ti­ger finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung), kul­tu­rel­les (bei­spiels­wei­se als Zugang zu objek­ti­vier­tem Kul­tur­ka­pi­tal) als auch wei­te­res sozia­les Kapi­tal (‚ein Freund eines Freun­des‘), das „nicht in der direk­ten Ver­fü­gung des Indi­vi­du­ums“, son­dern „an die Exis­tenz ande­rer Per­so­nen gebun­den“ (Holl­stein, 2007, S. 53) ist. Das Netz dient hier­bei als Mul­ti­pli­ka­tor, sodass letzt­lich das für einen Akteur tat­säch­lich ver­füg­ba­re Kapi­tal nicht bloß das direkt zugäng­li­che, son­dern zudem das über das Netz­werk akti­vier­ba­re Kapi­tal ein­schließt (Bour­dieu, 1992b, S. 64). Mit der Grö­ße des jewei­li­gen sozia­len Net­zes und der sozia­len Posi­ti­on der Gegen­über kor­re­liert somit der Umfang des eige­nen Gesamt­ka­pi­tals, wobei qua­li­ta­ti­ve Stär­ke durch­aus Vor­rang vor quan­ti­ta­ti­vem Aus­maß des Net­zes ein­nimmt (vgl. Mewes, 2010).

Die unter­schied­li­chen Kapi­tal­ar­ten sind, wie bereits ange­schnit­ten, unter­ein­an­der kon­ver­tier­bar und stets mit­ein­an­der ver­wo­ben, sodass kei­ne Kapi­tal­art als von den ande­ren Kapi­tal­ar­ten unab­hän­gi­ge ver­stan­den wer­den kann. Kul­tu­rel­le, sozia­le wie öko­no­mi­sche Res­sour­cen der Eltern bei­spiels­wei­se (oder auch der Peers) sind nur nütz­lich, wenn sie ent­spre­chend genutzt wer­den (kön­nen) und sozia­les Kapi­tal in Form von Bezie­hun­gen besteht, die eine sol­che Nut­zung erlau­ben und för­dern (vgl. All­men­din­ger, Ebner, & Niko­lai, 2007, S. 489). Inner­halb der Fami­lie wir­ken sich die Fami­li­en­struk­tur, die phy­si­sche Prä­senz und die För­der­kul­tur auf die schu­li­schen Leis­tun­gen eines Kin­des aus – besteht kein (regel­mä­ßi­ger) Kon­takt zu den Eltern oder fehlt eine sol­che För­der­kul­tur, kann das Kind kaum vom kul­tu­rel­len Kapi­tal der Eltern pro­fi­tie­ren (vgl. ebd.). Außer­halb der Fami­lie ist es die Peer­group und das unmit­tel­ba­re Milieu, das sich auf die Leis­tun­gen aus­wirkt. In- und außer­halb der Fami­lie las­sen sich das kul­tu­rel­le Kapi­tal und die kul­tu­rel­le Pra­xis nicht von den Sozi­al­be­zie­hun­gen und damit dem sozia­len Kapi­tal tren­nen. Bei nied­ri­gem for­ma­lem Bil­dungs­ni­veau kon­zen­trie­ren sich die sozia­len Bezie­hun­gen zudem vor­wie­gend auf Ver­wandt­schaft und Nach­bar­schaft (vgl. Die­wald & Lüdi­cke, 2007; Mewes, 2010), ein Zugriff auf kul­tu­rel­les Kapi­tal über gro­ße sozia­le Netz­wer­ke, wie sie für Milieus mit hoher for­ma­ler Bil­dung cha­rak­te­ris­tisch sind, wird damit erschwert bis unmöglich.

Anhand der Akku­mu­la­ti­on kul­tu­rel­len Kapi­tals in inkor­po­rier­ter Form wur­de bereits im Ansatz deut­lich, wie essen­ti­ell die Ver­füg­bar­keit öko­no­mi­schen Kapi­tals sich auf die zur Inkor­po­rie­rung ver­füg­ba­re Zeit aus­wirkt, da „ein Indi­vi­du­um die Zeit für die Akku­mu­la­ti­on kul­tu­rel­len Kapi­tals nur so lan­ge aus­deh­nen kann, wie ihm sei­ne Fami­lie freie, von öko­no­mi­schen Zwän­gen befrei­te Zeit garan­tie­ren kann“ (Bour­dieu, 1992b, S. 59), und auch Zeit, sich mit dem Kind zu beschäf­ti­gen, bedarf öko­no­mi­scher Sicher­heit, sich die­se Zeit ‚leis­ten‘ zu kön­nen. Das öko­no­mi­sche Kapi­tal erzeugt neben den unmit­tel­ba­ren öko­no­mi­schen Vor­tei­len ein Gefühl mate­ri­el­ler Sicher­heit und erlaubt den Zugriff auf und die Akku­mu­la­ti­on kul­tu­rel­len Kapi­tals, ist folg­lich sowohl direkt als auch indi­rekt für die Habi­tus­bil­dung ver­ant­wort­lich. Es liegt daher sowohl allen ande­ren Kapi­tal­ar­ten zugrun­de, muss aber gleich­zei­tig Trans­for­ma­tio­nen erfah­ren, wo die direk­te Ver­er­bung öko­no­mi­schen Kapi­tals als ille­gi­tim erschei­nen könn­te, um die­se Ver­er­bung zu ver­schlei­ern und zu legi­ti­mie­ren (vgl. ebd., S. 70ff) – eben als Ver­er­bung kul­tu­rel­len Kapi­tals. Wäh­rend die Ver­füg­bar­keit über öko­no­mi­sches Kapi­tal ver­gleich­bar offen­sicht­lich und quan­ti­fi­zier­bar ist, die Effek­te des kul­tu­rel­len Kapi­tals und des­sen Ver­er­bung aber ver­bor­ge­ner von­stat­ten­ge­hen und es häu­fig als Kapi­tal ver­kannt wird – so wird nicht sel­ten das inkor­po­rier­te kul­tu­rel­le Kapi­tal natu­ra­li­siert und als Intel­li­genz, Bega­bung, Talent dekla­riert – , muss fest­ge­hal­ten wer­den, „daß die Über­tra­gung von Kul­tur­ka­pi­tal zwei­fel­los die am bes­ten ver­schlei­er­te Form erb­li­cher Über­tra­gung von Kapi­tal ist“ (ebd., S. 58), denn „[d]er Umstand, daß kul­tu­rel­le Erschei­nun­gen immer auch als sinn­lich faß­ba­re Äuße­run­gen von Per­so­nen in Erschei­nung tre­ten, erweckt den Ein­druck, als sei Kul­tur die natür­lichs­te und die per­sön­lichs­te und damit also auch die legi­tims­te Form des Eigen­tums“ (Bour­dieu, 1992a, S. 27). Infol­ge­des­sen müs­sen auf­grund der Ungleich­ver­tei­lung des kul­tu­rel­len Kapi­tals und der gene­rel­len Hier­ar­chi­sie­rung von Kul­tur die „spe­zi­fi­schen Stra­te­gien, mit denen die ver­schie­de­nen sozia­len Klas­sen und deren Teil­frak­tio­nen ihre sozia­le Stel­lung erhal­ten oder zu ver­bes­sern stre­ben“ (Ves­ter, 2004, S. 27), genau­so wie die schu­li­sche Defi­ni­ti­on legi­ti­mer Kul­tur und die Abwer­tung davon abwei­chen­der sozia­ler Pra­xen als sozia­le Kämp­fe ver­stan­den werden.

In der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Bil­dungs­for­schung fris­ten auf Bour­dieu und des­sen Kapi­­tal- sowie Habi­tus­kon­zept auf­bau­en­de Ansät­ze bis­lang jedoch ein Schat­ten­da­sein (vgl. Kalt­hoff, 2004) oder wer­den bis­wei­len in einer Form umge­setzt, die kul­tu­rel­les Kapi­tal defi­ni­to­risch auf Hoch­kul­tur ver­kürzt (vgl. de Graaf & de Graaf, 2006; dazu kri­tisch Jun­g­­bau­er-Gans, 2006). Zwar fin­det das Kon­zept des kul­tu­rel­len und sozia­len Kapi­tals in den die öffent­li­chen Debat­ten über Bil­dungs­chan­cen immer wie­der her­vor­ru­fen­den PISA-Stu­­di­en durch­aus Anwen­dung, aller­dings wur­de in die­sen Ansät­zen die kul­tu­rel­le Pra­xis ledig­lich im Kon­text von PISA 2000 über Fra­gen nach Besitz von Kul­tur­gü­tern, zum kul­tu­rel­len Leben in der Fami­lie und zur Teil­ha­be der Schü­ler an For­men der Kul­tur bzw. der kom­mu­ni­ka­ti­ven Pra­xis ermit­telt (vgl. Bau­mert & Maaz, 2006; Bau­mert, 2001; Water­mann & Bau­mert, 2006). In der Fol­ge­stu­die aus dem Jahr 2003 wur­den zunächst sämt­li­che Fra­gen zur Ver­hal­tens­di­men­si­on des kul­tu­rel­len Kapi­tals gestri­chen, sodass als Indi­ka­tor für kul­tu­rel­les Kapi­tal ein­zig der Besitz von Kul­tur­gü­tern erfasst wird, der eher Rück­schlüs­se auf den finan­zi­el­len als auf den kul­tu­rel­len Hin­ter­grund der Fami­li­en erlaubt (vgl. Jun­g­­bau­er-Gans, 2004), bis schließ­lich PISA 2006 jeg­li­chen Bezug auf Bour­dieu ver­mis­sen ließ (vgl. Kra­mer & Hel­sper, 2010). Selbst zu Beginn der PISA-Stu­­di­en wur­den die theo­re­ti­schen Annah­men Bour­dieus nur begrenzt metho­disch umge­setzt, „ohne aller­dings – und das mar­kiert die ent­schei­den­de Dif­fe­renz zu kri­ti­scher Bil­dungs­for­schung – des­sen radi­ka­le, also auf den Grund gehen­de, Ein­schät­zun­gen, die in der Klas­sen­struk­tu­riert­heit der bür­­ger­­lich-kapi­­ta­­lis­­ti­­schen Gesell­schafts­for­ma­ti­on grün­den, zu tei­len bzw. auf­zu­neh­men“ (Sün­ker, 2008, S. 224). Im Gegen­teil fin­det sich dort viel­mehr „eine Abwehr, die teil­wei­se mit einer unvoll­stän­di­gen und ein­sei­ti­gen Rezep­ti­on Bour­dieus ein­her­geht“ (Ves­ter, 2006, S. 23). Mit die­ser Abkehr von der Erfas­sung der Pro­zess­merk­ma­le kul­tu­rel­ler Pra­xis beschrän­ken sich die PISA-Stu­­di­en auf rein objek­ti­vis­ti­sche Merk­ma­le zur Defi­ni­ti­on der sozia­len Her­kunft, wes­halb der Bei­trag zur Erklä­rung sozia­ler Chan­cen- und Bil­dungs­un­gleich­hei­ten unbe­frie­di­gend blei­ben muss: „Auf die­se Wei­se kön­nen zwar sta­tis­ti­sche Kor­re­la­tio­nen zwi­schen spe­zi­fi­schen Indi­ka­to­ren wie zum Bei­spiel zwi­schen der sozia­len Her­kunft und der indi­vi­du­el­len schu­li­schen Leis­tungs­fä­hig­keit her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den; ver­stan­den sind die sozia­len Pro­zes­se und Mecha­nis­men, die zu die­sen Kor­re­la­tio­nen füh­ren, damit aber noch nicht“ (Grund­mann, Bitt­ling­may­er, Dra­ven­au, & Edel­stein, 2006, S. 15).


Lite­ra­tur:

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  10. Holl­stein, B. (2007). Sozi­al­ka­pi­tal und Sta­tus­pas­sa­gen – Die Rol­le von insti­tu­tio­nel­len Gate­kee­pern bei der Akti­vie­rung von Netz­werk­res­sour­cen. In J. Lüdi­cke, & M. Die­wald (Hrsg.), Sozia­le Netz­wer­ke und sozia­le Ungleich­heit (S. 53–83). Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozialwissenschaften.
  11. Jun­g­­bau­er-Gans, M. (2004). Ein­fluss des sozia­len und kul­tu­rel­len Kapi­tals auf die Lese­kom­pe­tenz. Zeit­schrift für Sozio­lo­gie, 33. Jahrg. (Heft 5), S. 375–397.
  12. Jun­g­­bau­er-Gans, M. (2006). Kul­tu­rel­les Kapi­tal und Mathe­ma­tik­leis­tun­gen – eine Ana­ly­se der PISA 2003-Daten für Deutsch­land. In W. Georg (Hrsg.), Sozia­le Ungleich­heit im Bil­dungs­sys­tem (S. 175–198). Kon­stanz: UVK.
  13. Kalt­hoff, H. (2004). Schu­le als Per­for­manz. In S. Eng­ler, & B. Krais (Hrsg.), Das kul­tu­rel­le Kapi­tal und die Macht der Klas­sen­struk­tu­ren (S. 115–140). Wein­heim und Mün­chen: Juventa.
  14. Krais, B. (2004). Zur Ein­füh­rung in den The­men­schwer­punkt ‚Die Repro­duk­ti­on sozia­ler Ungleich­heit und die Rol­le der Schu­le‘. Zeit­schrift für Sozio­lo­gie der Erzie­hung und Sozia­li­sa­ti­on, 24. Jahrg. (Heft 2), S. 115–123.
  15. Kra­mer, R.-T., & Hel­sper, W. (2010). Kul­tu­rel­le Pas­sung und Bil­dungs­un­gleich­heit – Poten­tia­le einer an Bour­dieu ori­en­tier­ten Ana­ly­se der Bil­dungs­un­gleich­heit. In H.-H. Krü­ger, U. Rabe-Kle­­berg, R.-T. Kra­mer, & J. Bud­de (Hrsg.), Bil­dungs­un­gleich­heit revi­si­ted (S. 103–125). Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozialwissenschaften.
  16. Mewes, J. (2010). Unglei­che Netz­wer­ke – Ver­netz­te Ungleich­heit. Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozialwissenschaften.
  17. Sol­ga, H. (2005). Meri­to­kra­tie – die moder­ne Legi­ti­ma­ti­on unglei­cher Bil­dungs­chan­cen. In P. A. Ber­ger, & H. Kah­lert (Hrsg.), Insti­tu­tio­na­li­sier­te Ungleich­hei­ten. Wie das Bil­dungs­we­sen Chan­cen blo­ckiert (S. 19–38). Wein­heim und Mün­chen: Juventa.
  18. Sün­ker, H. (2008). Bil­dungs­po­li­tik, Bil­dung und sozia­le Gerech­tig­keit. PISA und die Fol­gen. In H.-U. Otto, & T. Rau­schen­bach (Hrsg.), Die ande­re Sei­te der Bil­dung. Zum Ver­hält­nis von for­mel­len und infor­mel­len Bil­dungs­pro­zes­sen (2. Auf­la­ge) (S. 223–236). Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozialwissenschaften.
  19. Ves­ter, M. (2004). Die Illu­si­on der Bil­dungs­expan­si­on. In S. Eng­ler, & B. Krais (Hrsg.), Das kul­tu­rel­le Kapi­tal und die Macht der Klas­sen­struk­tu­ren (S. 13–53). Wein­heim und Mün­chen: Juventa.
  20. Ves­ter, M. (2006). Die stän­di­sche Kana­li­sie­rung der Bil­dungs­chan­cen. In W. Georg (Hrsg.), Sozia­le Ungleich­heit im Bil­dungs­sys­tem (S. 13–54). Kon­stanz: UVK.
  21. Water­mann, R., & Bau­mert, J. (2006). Ent­wick­lung eines Struk­tur­mo­dells zum Zusam­men­hang zwi­schen sozia­ler Her­kunft und fach­li­chen und über­fach­li­chen Kom­pe­ten­zen: Befun­de natio­nal und inter­na­tio­nal ver­glei­chen­der Ana­ly­sen. In J. Bau­mert, P. Sta­nat, & R. Water­mann (Hrsg.), Her­kunfts­be­ding­te Dis­pa­ri­tä­ten im Bil­dungs­we­sen (S. 61–94). Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozialwissenschaften.


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(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bildungssystem

Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein nach der ers­ten Hoch­pha­se der Bil­dungs­un­gleich­heits­for­schung und anschlie­ßen­der Bil­dungs­expan­si­on ein Schat­ten­da­sein. Erst mit Erschei­nen der ursprüng­li­chen PISA-Stu­­die ist Bil­­dungs- und Chan­cen­un­gleich­heit wie­der ins öffent­li­che und auch poli­ti­sche Bewusst­sein gerückt. Wie jede der nach­fol­gen­den PISA-Stu­­di­en und die sie beglei­ten­den Debat­ten offen­ba­ren, weist das Pro­blem der Bil­­dungs- und Chan­cen­un­gleich­heit eine erheb­li­che Per­sis­tenz auf. Im Zuge der Bil­dungs­expan­si­on konn­te zwar die gene­rel­le Bil­dungs­be­tei­li­gung gestei­gert und der Zugang zu höhe­ren Bil­dungs­ab­schlüs­sen erwei­tert wer­den, doch sind sowohl die­se Zugangs­chan­cen als auch die Chan­cen inner­halb der Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen wei­ter­hin sozi­al ungleich ver­teilt, denn es hat ledig­lich eine quan­ti­ta­ti­ve Annä­he­rung statt­ge­fun­den, die das Pro­blem als sol­ches aller­dings nicht neu­tra­li­siert hat. Im Anschluss an die Bil­dungs­expan­si­on sind gar neue sozia­le Schlie­ßungs­me­cha­nis­men zu beob­ach­ten, die die erziel­ten Erfol­ge rela­ti­vie­ren und die sozia­len Bil­dungs­un­gleich­hei­ten wie­der anstei­gen lassen.

Zen­tra­les Anlie­gen der hier zum Down­load bereit­ge­stell­ten Arbeit ist es, das Zustan­de­kom­men von Bil­dungs­un­gleich­hei­ten und deren Per­sis­tenz unter Zuhil­fe­nah­me des Habi­tus­kon­zepts und dar­auf auf­bau­en­der Milieu- und Pas­sungs­theo­rien nach­zu­zeich­nen, um dar­aus schließ­lich gesamt­ge­sell­schaft­li­che Beob­ach­tun­gen und Kon­se­quen­zen in Bezug auf den Abbau oder die Ver­mei­dung von Bil­dungs­un­gleich­hei­ten abzu­lei­ten. Im Mit­tel­punkt steht dabei der Begriff des milieu­spe­zi­fi­schen Habi­tus und einer ent­spre­chen­den Kul­tur, die je nach sozia­ler Posi­ti­on diver­gie­ren­de Inhal­te und Pra­xen umfasst und die auf­grund die­ser imma­nen­ten Dif­fe­ren­zen unter­schied­li­ches Poten­ti­al zur Anknüp­fung an und Iden­ti­fi­ka­ti­on mit schu­li­schen Bil­dungs­in­hal­ten auf­weist. Anders aus­ge­drückt: All­tags­welt­li­che Bil­dung und schu­li­sche Bil­dung zeich­nen sich je nach sozia­ler Her­kunft durch einen unter­schied­li­chen Grad an Kom­pa­ti­bi­li­tät aus.

Down­load: Habi­tus, Her­kunft und Bil­dungs­er­folg (PDF – 97 Sei­ten – 1,4 MB)