Gedan­ken & Soziologie

Die Sozio­lo­gie wäre nicht eine Stun­de Mühe wert, wenn sie ein für Exper­ten reser­vier­tes Wis­sen von Exper­ten wäre. (Pierre Bourdieu)

Neu­es­te Einträge

Was ist bloß mit mir los?

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»Mei­ne Wohl­tä­te­rin Rachel Soko­low«, begann Isma­el, »zähl­te im Col­lege einen jun­gen Mann namens Jef­frey zu ihren Freun­den, des­sen Vater ein rei­cher Chir­urg war. Jef­frey wur­de im Leben vie­ler Men­schen damals und auch spä­ter zu einer…
Eine Hand hält einen positiven Covid-Schnelltest. Im Hintergrund liegt die Packung des Tests.Meda­kit Ltd via Unsplash

Covid gibt es nicht – war­um alle immer nur erkäl­tet sind

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Mei­nen Eltern war es seit Pan­de­mie­be­ginn gelun­gen, sich von Coro­na fern­zu­hal­ten, denn sie waren sehr vor­sich­tig. Sie tru­gen Mas­ken, sie tes­te­ten sich regel­mä­ßig, sie mie­den grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen und schaff­ten es auf die­se Art, sich kein…

Wohin mit den gan­zen Wörtern?

Fragst Du Dich auch manch­mal, was mit den gan­zen Wör­tern pas­siert, die Du im Lau­fe des Tages nicht gespro­chen oder geschrie­ben hast? Ich stel­le mir ger­ne vor, dass ich für man­ches ein täg­li­ches oder wöchent­li­ches Kon­tin­gent habe, z.B. für…

Sozia­le Medi­en als Eindringling

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Vor etwas mehr als acht Mona­ten fand ich dank Twit­ter die tolls­te Frau der Welt. Alles begann mit zwei belang­lo­sen Tweets, auf die der jeweils ande­re reagier­te. Aus Rep­lys wur­den bald Direkt­nach­rich­ten und schließ­lich der Gedan­ke an ein Tref­fen.…

Die Maschi­ne­rie des Staates

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Die moder­ne Geschich­te hat, den­ke ich, hin­rei­chend bewie­sen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen das tut, was man ihm sagt; und, ver­zeiht mir, die Wahr­schein­lich­keit ist gering, dass ihr die Aus­nah­me seid – so…

Schu­le – eine kri­ti­sche Funktionsbetrachtung

Ange­sichts der ernüch­tern­den Ergeb­nis­se der unter den gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Umstän­den durch­ge­führ­ten Bemü­hun­gen, die sozia­len Chan­cen­un­gleich­hei­ten im Bil­dungs­sys­tem abzu­bau­en, ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wel­che Funk­ti­on das Schul­sys­tem…

Bil­dungs­ent­schei­dun­gen als Habitus-Handlungen

„In der Regel feh­len denen, die über Bil­dungs­ka­pi­tal in nen­nens­wer­tem Umfang nicht ver­fü­gen, die ›rich­ti­gen‹ Infor­ma­tio­nen für eine in die höchs­ten Posi­tio­nen füh­ren­de Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on, es fehlt ihnen die Ver­traut­heit mit den Struk­tu­ren…

Bil­dung bekämpft Armut?

„Kin­der aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en gehö­ren zwar zu den größ­ten Bildungsverlierer(inne)n, ihre Armut basiert jedoch sel­ten auf fal­schen oder feh­len­den Schul­ab­schlüs­sen, denn die Letz­te­ren sind höchs­tens Aus­lö­ser und Ver­stär­ker,…
Das Bild besteht aus zwei Panels, die nebeneinander stehen. In beiden Szenen versuchen drei Personen unterschiedlicher Körpergröße, über einen Holzzaun ein Baseballspiel zu verfolgen. Linkes Panel "Equality" (Gleichheit): Die Situation: Jede der drei Personen steht auf genau einer Holzkiste. Die große Person steht weit über dem Zaun und hat eine perfekte Sicht. Die mittelgroße Person kann gerade so über den Zaun schauen. Die kleine Person starrt direkt gegen die Bretter des Zauns und kann nichts vom Spiel sehen. Rechtes Panel "Equity" (Gerechtigkeit ): Die Kisten wurden basierend auf dem individuellen Bedarf verteilt. Die große Person benötigt keine Hilfe und steht nun ohne Kiste auf dem Boden (sie kann immer noch alles sehen). Die mittelgroße Person steht weiterhin auf einer Kiste. Die kleine Person hat nun zwei Kisten übereinander gestapelt bekommen. Alle drei Personen befinden sich nun auf der gleichen Augenhöhe über der Oberkante des Zauns. Jeder kann das Spiel gleichermaßen genießen.Inter­ac­tion Insti­tu­te for Social Chan­ge | Artist: Angus Maguire

Das Mär­chen von der Leistungsgesellschaft

Leis­tungs­ge­sell­schaft oder Meri­to­kra­tie bedeu­tet sinn­ge­mäß eine „Herr­schafts­ord­nung nach Maß­ga­be von Bega­bung und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen“ (Becker & Hadjar, 2011, S. 39), wonach sozia­le Unter­schie­de nicht per se als unge­recht…

Bil­dung – mehr als nur Schulbildung

Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird,…

Öko­no­mi­sches, kul­tu­rel­les und sozia­les Kapital

Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst…

Habi­tus, Her­kunft und Bildungserfolg

(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bil­dungs­sys­tem Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein…

Die kom­men­den Tage (2)

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Vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr habe ich im Bei­trag »Die kom­men­den Tage« die sozia­len Fol­gen der anhal­ten­den Kri­se sowie die auf­kei­men­den Pro­tes­te der Occu­py- als auch ande­rer Bewe­gun­gen skiz­ziert und ver­sucht, deren wei­te­re Ent­wick­lung…

Kri­tik macht einsam

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Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sys­tem und sei­ner Pro­pa­gan­da macht ein­sam. Denn in aller Regel zieht ja das sozia­le Umfeld (Kol­le­gen, Fami­lie, Freun­de, Part­ner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herr­schen­de Ideo­lo­gien in Fra­ge zu stel­len.…

Die kom­men­den Tage

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Wir leben in tur­bu­len­ten Zei­ten. Der Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn heu­te ken­nen, fin­det sein Ende – auf die eine oder auf die ande­re Art. Anstatt die Kri­se aber als Bedro­hung und das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus als Unter­gang der Welt wahr­zu­neh­men,…

Was die Leh­rer für Leis­tung halten

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Die Zeit bis zum Schul­jah­res-Ende ver­geht. Ich bil­de mir ein, ich leis­te in die­ser Zeit etwas. Aber mit Leis­tung kann einer dies und der ande­re das mei­nen. Ich bin der Mei­nung, ich leis­te etwas, was die Leh­rer für Leis­tung hal­ten. Für mei­nen…

Sym­bo­li­sche Gewalt (2)

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Die [gesell­schaft­lich] glei­cher­ma­ßen erfahr­ba­ren For­men struk­tu­rel­ler und sym­bo­li­scher Gewalt wer­den für die Deklas­sier­ten und Dequa­li­fi­zier­ten umso leid­vol­ler und ent­waff­nen­der, als sie unter den Vor­zei­chen und Ver­hei­ßun­gen einer an indi­vi­du­el­ler…

Arbeit ver­höhnt Freiheit

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Arbeit ver­höhnt die Frei­heit. Offi­zi­ell kön­nen wir uns glück­lich schät­zen, von Rechts­staat und Demo­kra­tie umge­ben zu sein. Ande­re arme Unglück­li­che, die nicht so frei sind wie wir, müs­sen in Poli­zei­staa­ten leben. Die­se Opfer fol­gen Befeh­len,…

Mehr des­sel­ben

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der…

Sozia­ler Raum und sozia­le Felder

Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der,…

Habi­tus – Ent­ste­hung und Abgren­zung zum Kon­zept der sozia­len Rolle

Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­tus-Kon­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den…

Habi­tus und Komplizenschaft

„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über…

Legi­ti­mier­ter Schwindel

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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in…

Nor­ma­li­tät

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzep­tie­ren. (Mar­ga­re­te…

Schu­le als Ideologie

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Betrach­tet man die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Bil­dungs­sys­te­men, dann drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Schu­le selbst sozi­al selek­tiv auf die Sozia­li­sa­ti­ons­prak­ti­ken ein­wirkt und sys­te­ma­tisch die Prak­ti­ken bestimm­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen…

Sym­bo­li­sche Gewalt

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Das sym­bo­li­sche Kapi­tal besteht aus einem belie­bi­gen Merk­mal, Kör­per­kraft, Reich­tum, Kampf­erprobt­heit, das wie eine ech­te magi­sche Kraft sym­bo­li­sche Wir­kung ent­fal­tet, sobald es von sozia­len Akteu­ren wahr­ge­nom­men wird, die über die zum Wahr­neh­men,…

Was ist Klassenkampf?

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Wenn vom Klas­sen­kampf die Rede ist, denkt man nie­mals an sei­ne ganz all­täg­li­chen For­men, an die rück­sichts­lo­se gegen­sei­ti­ge Ver­ächt­lich­ma­chung, an die Arro­ganz, an die erdrü­cken­den Prah­le­rei­en mit dem »Erfolg« der Kin­der, mit den Feri­en,…

Ent­hül­len und demaskieren

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Die Wahr­schein­lich­keit einer Hand­lung oder eines Phä­no­mens zu ken­nen, kann auch hei­ßen, die Chan­cen jener Aktio­nen zu ver­grö­ßern, die dar­auf abzie­len, die Rea­li­sie­rung eben die­ses Phä­no­mens zu ver­hin­dern. Aber das ist nicht alles. Vie­le…

Distink­ti­on

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Was »Distink­ti­on« ist, was »Unter­schied« ist, läßt sich, so mei­ne Ansicht, immer nur rela­tiv sagen, in Bezie­hung zu ande­rem. Im Grun­de heißt »distin­gu­iert« sein: »nicht popu­lär« sein – und sonst nichts. Per Defi­ni­ti­on sind die unte­ren…

Poli­ti­scher Aktivismus

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Der poli­ti­sche Akti­vist soll­te nicht jemand sein, der Pla­ka­te klebt oder vor­ge­form­te Paro­len ver­brei­tet. Es soll­te jemand sein, der sei­ne Spra­che spricht, um etwas zu sagen, und der dies dann auch sagt. Der sich aus­drückt und der sich dafür…

Pro­blem­be­wusst­sein

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Mit Mes­sern kann man sich ver­let­zen, daher soll man sie ver­mei­den; Tür­klin­ken sind tat­säch­lich mit Bak­te­ri­en bedeckt. Wer weiß, ob man mit­ten im Sym­pho­nie­kon­zert nicht doch plötz­lich auf die Toi­let­te muß, oder ob man das Schloß beim Nach­prü­fen…

Effi­zi­en­te Herrschaft

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In den Gesell­schaf­ten, die kei­nen »self-regu­la­ting mar­ket« (Karl Pol­anyi), kein Unter­richts­sys­tem und kei­nen juris­ti­schen oder staat­li­chen Appa­rat auf­wei­sen, kön­nen sich die Herr­schafts­be­zie­hun­gen, da sie nicht den objek­ti­ven Struk­tu­ren selbst…

War­um Frei­zeit nicht Frei­heit ist

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Das Gegen­teil von Arbeit ist nicht bloß Faul­heit. (…) So sehr ich das Ver­gnü­gen der Träg­heit schät­ze, ist sie doch wohl am loh­nends­ten, wenn sie ande­ren Genuß und Zeit­ver­treib unter­bricht. Genau­so­we­nig wer­be ich für das gelenk­te und…

Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen…

An die Lieblosen

Ihr seid die lieb­lo­ses­ten Men­schen, die ich ken­ne. Ihr schaut euch Sen­dun­gen an, in denen Ande­re, die in ihrem Leben noch nie eine ernst­haf­te Part­ner­schaft erlebt haben, ein­mal von der Lie­be spre­chen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr,…

Den Tisch umwerfen

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Der [sozia­le] Raum, das sind hier die Spiel­re­geln, denen sich jeder Spie­ler beu­gen muß. Vor sich haben die Spie­ler ver­schie­den­far­bi­ge Chips auf­ge­sta­pelt, Aus­beu­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den. Die unter­schied­lich gefärb­ten Chips stel­len unter­schied­li­che…

Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re…

Weni­ger ist mehr

Sel­ten unter­neh­me ich etwas mit mehr als drei Men­schen auf ein­mal. Viel­leicht mag das unso­zi­al erschei­nen, doch für mich ist es genau das Gegen­teil. Ich mei­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen und blei­be Tref­fen fern, wenn abseh­bar ist, dass am Ende mehr…

Beschleu­nig­tes Leben

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Im Bewusst­sein der Zeit­lich­keit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht iden­ti­fi­ziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwi­der­lau­fen­den Kräf­ten, etwa im Ver­such, sei­ner Arbeit mit einer Beschleu­ni­gung des Lebens­ge­fühls zu begeg­nen. Mach…

In der Wahr­heit leben

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Was heißt das, »in der Wahr­heit leben«? Eine nega­ti­ve Defi­ni­ti­on ist ein­fach: es heißt, nicht zu lügen, sich nicht zu ver­ste­cken, nichts zu ver­heim­li­chen. Seit Franz Sabi­na kennt, lebt er in der Lüge. Er erzählt sei­ner Frau von einem…

Wenn jeder täte, was er für wich­tig hielte

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Wo immer näm­lich die­se Gesell­schaft nicht funk­tio­niert, wo immer sie ver­sagt, wird ihr Ver­sa­gen an den Ärms­ten offen­bar. Jede Ver­än­de­rung im sozia­len Raum, jede Ver­schär­fung des Wett­be­werbs, jede Zunah­me an Gewalt im öffent­li­chen Leben,…

Wenn die Din­ge ihre Besit­zer besitzen

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Die ursprüng­li­che Bezie­hung zu der sozia­len Welt, durch die und für die man geschaf­fen ist, ist ein Besitz­ver­hält­nis, das den Besitz des Besit­zers durch sei­ne Besitz­tü­mer impli­ziert. Wenn das Erbe sich den Erben ange­eig­net hat, wie Marx…

Kampf der Kultur

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In jeder Hin­sicht ist Kul­tur Ergeb­nis eines Kamp­fes. Das ver­steht sich von selbst, weil mit der Idee der Kul­tur auch immer die mensch­li­che Wür­de auf dem Spiel steht. Das bedeu­tet, daß in einer Klas­sen­ge­sell­schaft die­je­ni­gen, die von der Kul­tur…

Deu­tungs­ho­heit

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Der ande­re Trick besteht dar­in, dem Part­ner eben­so hef­ti­ge wie nebel­haf­te Vor­wür­fe zu machen. Wenn er dann wis­sen will, was Sie eigent­lich mei­nen, kön­nen Sie die Fal­le mit dem zusätz­li­chen Hin­weis her­me­tisch schlie­ßen: »Wenn du nicht der…

Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der…

Dunk­le Empathie

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»Aoki war ein sehr guter Schü­ler, er hat­te fast immer die bes­te Note. Ich ging auf eine pri­va­te Jun­gen­schu­le, und Aoki war ziem­lich beliebt. Die Klas­se schätz­te ihn, und er war der Lieb­ling der Leh­rer. Aber ich konn­te sei­ne prag­ma­ti­sche…

Zwi­schen­mensch­li­che Effizienz

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In all den Dis­kus­sio­nen um die Vor- und Nach­tei­le sowie die rea­len oder nur pro­ji­zier­ten Gefah­ren sozia­ler Inter­net-Diens­te ver­mis­se ich bis­lang einen Aspekt, den ich für sehr zen­tral und für mit weit­rei­chen­den Fol­gen ver­bun­den hal­te: Effi­zi­enz. Ver­steht…

Regiert sein heißt…

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Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert…

Indi­vi­dua­li­sier­te Schuld

Ein Over­kill an Infor­ma­tio­nen, das Errei­chen des eige­nen Auf­nahm­eli­mits, Über­for­de­rung am Arbeits­platz, das Ver­zwei­feln an gesell­schaft­li­chen Zumu­tun­gen, phy­si­sche Beschwer­den – all das spielt kei­ne Rol­le, denn man hat sich an den Trott gewöhnt.…

Die Abschaf­fung der Arbeit

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Nie­mand soll­te jemals arbei­ten. Arbeit ist die Ursa­che nahe­zu allen Elends in der Welt. Fast jedes erdenk­li­che Übel geht aufs Arbei­ten oder auf eine fürs Arbei­ten ein­ge­rich­te­te Welt zurück. Um das Lei­den zu been­den, müs­sen wir auf­hö­ren…

Da kann man nichts tun

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In einem sei­ner Fil­me, The Fatal Glass of Beer, zeigt ein Alt­meis­ter der ame­ri­ka­ni­schen Film­ko­mik, W. C. Fields, den erschröck­li­chen, unauf­halt­sa­men Nie­der­gang eines jun­gen Man­nes, der der Ver­su­chung nicht wider­ste­hen kann, sein ers­tes Glas…

Die Ideo­lo­gie natür­li­cher Begabung

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Zu mei­nen, wenn man allen glei­che wirt­schaft­li­che Mit­tel bereit­stel­le, gäbe man auch allen, sofern sie die uner­läß­li­che „Bega­bung“ mit­bräch­ten, glei­che Chan­cen (…), hie­ße in der Ana­ly­se der Hin­der­nis­se auf hal­bem Wege ste­hen­blei­ben…

Wie das Bil­dungs­we­sen Macht verschleiert

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Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht…

Herr­schafts­ge­hil­fen

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Die erns­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie besteht nicht in der Exis­tenz tota­li­tä­rer frem­der Staa­ten. Sie besteht dar­in, daß in unse­ren eige­nen per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen und in unse­ren eige­nen Insti­tu­tio­nen Bedin­gun­gen herr­schen, die der Auto­ri­tät…

Was ist Soziologie?

Ein Mathe­ma­ti­ker, der eini­ge Sozio­lo­gie-Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, resü­mier­te bei­des wie folgt: Wäh­rend ihm die Mathe­ma­tik mehr oder min­der ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten lie­fe­re, zumin­dest aber meist Ant­wor­ten, und ihm gleich­zei­tig als Bezugs­punkt…

Hedo­nis­mus der Not

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Gegen­über der ima­gi­nä­ren Anthro­po­lo­gie der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die sich noch nie der For­mu­lie­rung uni­ver­sel­ler Geset­ze der »zeit­li­chen Prä­fe­renz« ent­schla­gen konn­te, ist dar­an zu erin­nern, daß die jewei­li­ge Geneigt­heit zur Unter­ord­nung…

Die Dop­­pel­stock­­wa­­gen-Gesel­l­­schaft

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In der Regio­nal­bahn, eine wah­re Bege­ben­heit. Zwei älte­re Her­ren betre­ten den Dop­pel­stock­wa­gen und suchen sich einen Sitz­platz im obe­ren Bereich: #1: Das sind doch schö­ne Plät­ze. Ich mag es hier oben. #2: Aber du weißt: Wenn man erst…

Refle­xi­on

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Eines der wich­tigs­ten Prin­zi­pi­en, das man erler­nen soll­te, wenn man sich – ob als Sozio­lo­ge oder ganz all­ge­mein – mit gesell­schaft­li­chen Phä­no­me­nen aus­ein­an­der­setzt und dabei Argu­men­ten, Sta­tis­ti­ken, Erklä­run­gen, Beschrei­bun­gen, Insti­tu­tio­nen,…

Men­schen ändern sich

Wer glaubt, etwas zu sein, hat auf­ge­hört, etwas zu wer­den. (Sokra­tes) In einem Pro­jekt, an dem ich bis vor cir­ca einem Jahr betei­ligt war, fiel einer der Mit­ar­bei­ter wie­der­holt durch Unpünkt­lich­keit, Unzu­ver­läs­sig­keit und man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit…

Die Welt so sehen, wie sie ist

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Ich glau­be, nie­mand möch­te die sozia­le Welt so sehen, wie sie ist; es gibt vie­le Arten, sie zu ver­leug­nen; es gibt die Kunst, natür­lich. Aber es gibt auch eine Form von Sozio­lo­gie, die die­ses bemer­kens­wer­te Ergeb­nis zustan­de­bringt, näm­lich…

For­ma­le Gleich­heit als Herrschaftsinstrument

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Damit die am meis­ten Begüns­tig­ten begüns­tigt und die am meis­ten Benach­tei­lig­ten benach­tei­ligt wer­den, ist es not­wen­dig wie hin­rei­chend, dass die Schu­le beim ver­mit­tel­ten Unter­richts­stoff, bei den Ver­mitt­lungs­me­tho­den und ‑tech­ni­ken und bei…

Über­zeu­gungs­ar­beit

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Wenn ich eine der vie­len Polit- oder Gesell­schafts-Talk­shows sehe, womit nicht deren wenig ernst­zu­neh­men­de nach­mit­täg­li­che Deri­va­te auf den pri­va­ten Sen­dern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist rela­tiv egal, ob die Dis­kus­si­on…

Arbeit­ge­ber­fil­ter

Viel liest man über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die es haben kann, füt­tert man sozia­le Netz­wer­ke, die eige­ne Home­page oder Blogs mit per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen. Wenn­gleich vie­les davon auch zutref­fend ist und die opti­mier­te Selbst­in­sze­nie­rung…

Stö­ren­des Hintergrundrauschen

Seit Jah­ren schon möch­te ich ein Buch über etwas schrei­ben, das mir sehr am Her­zen liegt. Oder wenigs­tens ein PDF mit vie­len Sei­ten. Der Ursprung die­ses Wun­sches liegt in mitt­ler­wei­le schon nicht mehr fass­ba­rer Ver­gan­gen­heit, doch einen ernst­haf­ten…

Spie­ßig­keit

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Man kann im Prenz­lau­er Berg ein­fach im lin­ken Habi­tus wei­ter­le­ben. Das ist ja das Schö­ne. Man kann sich tole­rant füh­len, weil Tole­ranz nicht auf die Pro­be gestellt wird. (…) Der Schrift­stel­ler Maxim Bil­ler nennt den Prenz­lau­er Berg mitt­ler­wei­le…

Selbst­ver­mark­tung mul­ti­pler Persönlichkeiten

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Sie haben sich immer über die bie­de­ren Schlips­trä­ger und Hosen­an­zug­trä­ge­rin­nen lus­tig gemacht, die bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen arbei­ten oder bei ande­ren, genau­so mie­fi­gen wie lang­wei­li­gen Fir­men unter­ge­kom­men sind…

Macht das glücklich?

Für einen Arbeits­platz, den sie has­sen, für eine Aus­bil­dung, die sie gar nicht wol­len, oder sogar nur für ein Prak­ti­kum, das wohl die nie­ders­te Form der Aus­beu­tung dar­stellt, tun sie alles. Sie leug­nen ihre eige­ne Mei­nung. Sie leug­nen…

Kei­ner trägt das Leben allein

Gut ist es, an andern sich zu hal­ten. Denn kei­ner trägt das Leben allein. (Fried­rich Höl­der­lin) Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­men­schen ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Das gilt vor allem, aber nicht exklu­siv, für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den. Kom­mu­ni­ka­ti­on…

Irgend­ei­ne

Das Ende des Jah­res. Mit eini­gen Freun­den und Bekann­ten ging ich auf eine der vie­len Sil­ves­ter­par­tys in die­ser Nacht und die Stim­mung war super. Irgend­wann im Lau­fe des Abends saß ich mit eini­gen Leu­ten her­um und unter­hielt mich mit ihnen.…

Fach­spra­che als Abgrenzung

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Was ist die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Fach­spra­che? Ich habe gesagt, ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on sei Gemein­sam­keit und Ver­än­de­rung. Die Fach­spra­che ist nicht unschul­dig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rol­len und auf der Basis von Wech­sel­be­zie­hun­gen…

Deschoo­ling

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Edu­ca­ti­on… now seems to me per­haps the most aut­ho­ri­ta­ri­an and dan­ge­rous of all the social inven­ti­ons of man­kind. It is the deepest foun­da­ti­on of the modern slave sta­te, in which most peo­p­le feel them­sel­ves to be not­hing but pro­du­cers, con­su­mers,…

Sei doch mal konstruktiv

Wenn man dir linier­tes Papier gibt, schrei­be quer über die Zei­len. (Juan Ramón Jimé­nez) Ich kann die­sen dum­men Spruch nicht mehr hören: Sei doch mal kon­struk­tiv! Wie­so näm­lich soll­te ich kon­struk­tiv sein, mich also irgend­wie an der…

Arbeit ist Scheiße!

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Arbeit ist Schei­ße! Bei die­ser Aus­sa­ge han­delt es sich um eine selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che, und wäre spe­zi­ell die deut­sche Gesell­schaft nicht so ver­blö­det, müß­te man sich schä­men, eine sol­che Bana­li­tät zu Papier zu brin­gen. Wie fort­ge­schrit­ten…
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Was ist bloß mit mir los?

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»Mei­ne Wohl­tä­te­rin Rachel Soko­low«, begann Isma­el, »zähl­te im Col­lege einen jun­gen Mann namens Jef­frey zu ihren Freun­den, des­sen Vater ein rei­cher Chir­urg war. Jef­frey wur­de im Leben vie­ler Men­schen damals und auch spä­ter zu einer…
Eine Hand hält einen positiven Covid-Schnelltest. Im Hintergrund liegt die Packung des Tests.Meda­kit Ltd via Unsplash

Covid gibt es nicht – war­um alle immer nur erkäl­tet sind

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Mei­nen Eltern war es seit Pan­de­mie­be­ginn gelun­gen, sich von Coro­na fern­zu­hal­ten, denn sie waren sehr vor­sich­tig. Sie tru­gen Mas­ken, sie tes­te­ten sich regel­mä­ßig, sie mie­den grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen und schaff­ten es auf die­se Art, sich kein…

Wohin mit den gan­zen Wörtern?

Fragst Du Dich auch manch­mal, was mit den gan­zen Wör­tern pas­siert, die Du im Lau­fe des Tages nicht gespro­chen oder geschrie­ben hast? Ich stel­le mir ger­ne vor, dass ich für man­ches ein täg­li­ches oder wöchent­li­ches Kon­tin­gent habe, z.B. für…

Sozia­le Medi­en als Eindringling

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Vor etwas mehr als acht Mona­ten fand ich dank Twit­ter die tolls­te Frau der Welt. Alles begann mit zwei belang­lo­sen Tweets, auf die der jeweils ande­re reagier­te. Aus Rep­lys wur­den bald Direkt­nach­rich­ten und schließ­lich der Gedan­ke an ein Tref­fen.…

Die Maschi­ne­rie des Staates

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Die moder­ne Geschich­te hat, den­ke ich, hin­rei­chend bewie­sen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen das tut, was man ihm sagt; und, ver­zeiht mir, die Wahr­schein­lich­keit ist gering, dass ihr die Aus­nah­me seid – so…

Schu­le – eine kri­ti­sche Funktionsbetrachtung

Ange­sichts der ernüch­tern­den Ergeb­nis­se der unter den gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Umstän­den durch­ge­führ­ten Bemü­hun­gen, die sozia­len Chan­cen­un­gleich­hei­ten im Bil­dungs­sys­tem abzu­bau­en, ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wel­che Funk­ti­on das Schul­sys­tem…

Bil­dungs­ent­schei­dun­gen als Habitus-Handlungen

„In der Regel feh­len denen, die über Bil­dungs­ka­pi­tal in nen­nens­wer­tem Umfang nicht ver­fü­gen, die ›rich­ti­gen‹ Infor­ma­tio­nen für eine in die höchs­ten Posi­tio­nen füh­ren­de Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on, es fehlt ihnen die Ver­traut­heit mit den Struk­tu­ren…

Bil­dung bekämpft Armut?

„Kin­der aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en gehö­ren zwar zu den größ­ten Bildungsverlierer(inne)n, ihre Armut basiert jedoch sel­ten auf fal­schen oder feh­len­den Schul­ab­schlüs­sen, denn die Letz­te­ren sind höchs­tens Aus­lö­ser und Ver­stär­ker,…
Das Bild besteht aus zwei Panels, die nebeneinander stehen. In beiden Szenen versuchen drei Personen unterschiedlicher Körpergröße, über einen Holzzaun ein Baseballspiel zu verfolgen. Linkes Panel "Equality" (Gleichheit): Die Situation: Jede der drei Personen steht auf genau einer Holzkiste. Die große Person steht weit über dem Zaun und hat eine perfekte Sicht. Die mittelgroße Person kann gerade so über den Zaun schauen. Die kleine Person starrt direkt gegen die Bretter des Zauns und kann nichts vom Spiel sehen. Rechtes Panel "Equity" (Gerechtigkeit ): Die Kisten wurden basierend auf dem individuellen Bedarf verteilt. Die große Person benötigt keine Hilfe und steht nun ohne Kiste auf dem Boden (sie kann immer noch alles sehen). Die mittelgroße Person steht weiterhin auf einer Kiste. Die kleine Person hat nun zwei Kisten übereinander gestapelt bekommen. Alle drei Personen befinden sich nun auf der gleichen Augenhöhe über der Oberkante des Zauns. Jeder kann das Spiel gleichermaßen genießen.Inter­ac­tion Insti­tu­te for Social Chan­ge | Artist: Angus Maguire

Das Mär­chen von der Leistungsgesellschaft

Leis­tungs­ge­sell­schaft oder Meri­to­kra­tie bedeu­tet sinn­ge­mäß eine „Herr­schafts­ord­nung nach Maß­ga­be von Bega­bung und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen“ (Becker & Hadjar, 2011, S. 39), wonach sozia­le Unter­schie­de nicht per se als unge­recht…

Bil­dung – mehr als nur Schulbildung

Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird,…

Öko­no­mi­sches, kul­tu­rel­les und sozia­les Kapital

Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst…

Habi­tus, Her­kunft und Bildungserfolg

(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bil­dungs­sys­tem Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein…

Die kom­men­den Tage (2)

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Vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr habe ich im Bei­trag »Die kom­men­den Tage« die sozia­len Fol­gen der anhal­ten­den Kri­se sowie die auf­kei­men­den Pro­tes­te der Occu­py- als auch ande­rer Bewe­gun­gen skiz­ziert und ver­sucht, deren wei­te­re Ent­wick­lung…

Kri­tik macht einsam

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Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sys­tem und sei­ner Pro­pa­gan­da macht ein­sam. Denn in aller Regel zieht ja das sozia­le Umfeld (Kol­le­gen, Fami­lie, Freun­de, Part­ner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herr­schen­de Ideo­lo­gien in Fra­ge zu stel­len.…

Die kom­men­den Tage

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Wir leben in tur­bu­len­ten Zei­ten. Der Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn heu­te ken­nen, fin­det sein Ende – auf die eine oder auf die ande­re Art. Anstatt die Kri­se aber als Bedro­hung und das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus als Unter­gang der Welt wahr­zu­neh­men,…

Was die Leh­rer für Leis­tung halten

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Die Zeit bis zum Schul­jah­res-Ende ver­geht. Ich bil­de mir ein, ich leis­te in die­ser Zeit etwas. Aber mit Leis­tung kann einer dies und der ande­re das mei­nen. Ich bin der Mei­nung, ich leis­te etwas, was die Leh­rer für Leis­tung hal­ten. Für mei­nen…

Sym­bo­li­sche Gewalt (2)

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Die [gesell­schaft­lich] glei­cher­ma­ßen erfahr­ba­ren For­men struk­tu­rel­ler und sym­bo­li­scher Gewalt wer­den für die Deklas­sier­ten und Dequa­li­fi­zier­ten umso leid­vol­ler und ent­waff­nen­der, als sie unter den Vor­zei­chen und Ver­hei­ßun­gen einer an indi­vi­du­el­ler…

Arbeit ver­höhnt Freiheit

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Arbeit ver­höhnt die Frei­heit. Offi­zi­ell kön­nen wir uns glück­lich schät­zen, von Rechts­staat und Demo­kra­tie umge­ben zu sein. Ande­re arme Unglück­li­che, die nicht so frei sind wie wir, müs­sen in Poli­zei­staa­ten leben. Die­se Opfer fol­gen Befeh­len,…

Mehr des­sel­ben

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der…

Sozia­ler Raum und sozia­le Felder

Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der,…

Habi­tus – Ent­ste­hung und Abgren­zung zum Kon­zept der sozia­len Rolle

Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­tus-Kon­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den…

Habi­tus und Komplizenschaft

„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über…

Legi­ti­mier­ter Schwindel

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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in…

Nor­ma­li­tät

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzep­tie­ren. (Mar­ga­re­te…

Schu­le als Ideologie

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Betrach­tet man die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Bil­dungs­sys­te­men, dann drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Schu­le selbst sozi­al selek­tiv auf die Sozia­li­sa­ti­ons­prak­ti­ken ein­wirkt und sys­te­ma­tisch die Prak­ti­ken bestimm­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen…

Sym­bo­li­sche Gewalt

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Das sym­bo­li­sche Kapi­tal besteht aus einem belie­bi­gen Merk­mal, Kör­per­kraft, Reich­tum, Kampf­erprobt­heit, das wie eine ech­te magi­sche Kraft sym­bo­li­sche Wir­kung ent­fal­tet, sobald es von sozia­len Akteu­ren wahr­ge­nom­men wird, die über die zum Wahr­neh­men,…

Was ist Klassenkampf?

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Wenn vom Klas­sen­kampf die Rede ist, denkt man nie­mals an sei­ne ganz all­täg­li­chen For­men, an die rück­sichts­lo­se gegen­sei­ti­ge Ver­ächt­lich­ma­chung, an die Arro­ganz, an die erdrü­cken­den Prah­le­rei­en mit dem »Erfolg« der Kin­der, mit den Feri­en,…

Ent­hül­len und demaskieren

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Die Wahr­schein­lich­keit einer Hand­lung oder eines Phä­no­mens zu ken­nen, kann auch hei­ßen, die Chan­cen jener Aktio­nen zu ver­grö­ßern, die dar­auf abzie­len, die Rea­li­sie­rung eben die­ses Phä­no­mens zu ver­hin­dern. Aber das ist nicht alles. Vie­le…

Distink­ti­on

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Was »Distink­ti­on« ist, was »Unter­schied« ist, läßt sich, so mei­ne Ansicht, immer nur rela­tiv sagen, in Bezie­hung zu ande­rem. Im Grun­de heißt »distin­gu­iert« sein: »nicht popu­lär« sein – und sonst nichts. Per Defi­ni­ti­on sind die unte­ren…

Poli­ti­scher Aktivismus

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Der poli­ti­sche Akti­vist soll­te nicht jemand sein, der Pla­ka­te klebt oder vor­ge­form­te Paro­len ver­brei­tet. Es soll­te jemand sein, der sei­ne Spra­che spricht, um etwas zu sagen, und der dies dann auch sagt. Der sich aus­drückt und der sich dafür…

Pro­blem­be­wusst­sein

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Mit Mes­sern kann man sich ver­let­zen, daher soll man sie ver­mei­den; Tür­klin­ken sind tat­säch­lich mit Bak­te­ri­en bedeckt. Wer weiß, ob man mit­ten im Sym­pho­nie­kon­zert nicht doch plötz­lich auf die Toi­let­te muß, oder ob man das Schloß beim Nach­prü­fen…

Effi­zi­en­te Herrschaft

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In den Gesell­schaf­ten, die kei­nen »self-regu­la­ting mar­ket« (Karl Pol­anyi), kein Unter­richts­sys­tem und kei­nen juris­ti­schen oder staat­li­chen Appa­rat auf­wei­sen, kön­nen sich die Herr­schafts­be­zie­hun­gen, da sie nicht den objek­ti­ven Struk­tu­ren selbst…

War­um Frei­zeit nicht Frei­heit ist

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Das Gegen­teil von Arbeit ist nicht bloß Faul­heit. (…) So sehr ich das Ver­gnü­gen der Träg­heit schät­ze, ist sie doch wohl am loh­nends­ten, wenn sie ande­ren Genuß und Zeit­ver­treib unter­bricht. Genau­so­we­nig wer­be ich für das gelenk­te und…

Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen…

An die Lieblosen

Ihr seid die lieb­lo­ses­ten Men­schen, die ich ken­ne. Ihr schaut euch Sen­dun­gen an, in denen Ande­re, die in ihrem Leben noch nie eine ernst­haf­te Part­ner­schaft erlebt haben, ein­mal von der Lie­be spre­chen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr,…

Den Tisch umwerfen

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Der [sozia­le] Raum, das sind hier die Spiel­re­geln, denen sich jeder Spie­ler beu­gen muß. Vor sich haben die Spie­ler ver­schie­den­far­bi­ge Chips auf­ge­sta­pelt, Aus­beu­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den. Die unter­schied­lich gefärb­ten Chips stel­len unter­schied­li­che…

Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re…

Weni­ger ist mehr

Sel­ten unter­neh­me ich etwas mit mehr als drei Men­schen auf ein­mal. Viel­leicht mag das unso­zi­al erschei­nen, doch für mich ist es genau das Gegen­teil. Ich mei­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen und blei­be Tref­fen fern, wenn abseh­bar ist, dass am Ende mehr…

Beschleu­nig­tes Leben

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Im Bewusst­sein der Zeit­lich­keit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht iden­ti­fi­ziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwi­der­lau­fen­den Kräf­ten, etwa im Ver­such, sei­ner Arbeit mit einer Beschleu­ni­gung des Lebens­ge­fühls zu begeg­nen. Mach…

In der Wahr­heit leben

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Was heißt das, »in der Wahr­heit leben«? Eine nega­ti­ve Defi­ni­ti­on ist ein­fach: es heißt, nicht zu lügen, sich nicht zu ver­ste­cken, nichts zu ver­heim­li­chen. Seit Franz Sabi­na kennt, lebt er in der Lüge. Er erzählt sei­ner Frau von einem…

Wenn jeder täte, was er für wich­tig hielte

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Wo immer näm­lich die­se Gesell­schaft nicht funk­tio­niert, wo immer sie ver­sagt, wird ihr Ver­sa­gen an den Ärms­ten offen­bar. Jede Ver­än­de­rung im sozia­len Raum, jede Ver­schär­fung des Wett­be­werbs, jede Zunah­me an Gewalt im öffent­li­chen Leben,…

Wenn die Din­ge ihre Besit­zer besitzen

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Die ursprüng­li­che Bezie­hung zu der sozia­len Welt, durch die und für die man geschaf­fen ist, ist ein Besitz­ver­hält­nis, das den Besitz des Besit­zers durch sei­ne Besitz­tü­mer impli­ziert. Wenn das Erbe sich den Erben ange­eig­net hat, wie Marx…

Kampf der Kultur

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In jeder Hin­sicht ist Kul­tur Ergeb­nis eines Kamp­fes. Das ver­steht sich von selbst, weil mit der Idee der Kul­tur auch immer die mensch­li­che Wür­de auf dem Spiel steht. Das bedeu­tet, daß in einer Klas­sen­ge­sell­schaft die­je­ni­gen, die von der Kul­tur…

Deu­tungs­ho­heit

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Der ande­re Trick besteht dar­in, dem Part­ner eben­so hef­ti­ge wie nebel­haf­te Vor­wür­fe zu machen. Wenn er dann wis­sen will, was Sie eigent­lich mei­nen, kön­nen Sie die Fal­le mit dem zusätz­li­chen Hin­weis her­me­tisch schlie­ßen: »Wenn du nicht der…

Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der…

Dunk­le Empathie

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»Aoki war ein sehr guter Schü­ler, er hat­te fast immer die bes­te Note. Ich ging auf eine pri­va­te Jun­gen­schu­le, und Aoki war ziem­lich beliebt. Die Klas­se schätz­te ihn, und er war der Lieb­ling der Leh­rer. Aber ich konn­te sei­ne prag­ma­ti­sche…

Zwi­schen­mensch­li­che Effizienz

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In all den Dis­kus­sio­nen um die Vor- und Nach­tei­le sowie die rea­len oder nur pro­ji­zier­ten Gefah­ren sozia­ler Inter­net-Diens­te ver­mis­se ich bis­lang einen Aspekt, den ich für sehr zen­tral und für mit weit­rei­chen­den Fol­gen ver­bun­den hal­te: Effi­zi­enz. Ver­steht…

Regiert sein heißt…

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Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert…

Indi­vi­dua­li­sier­te Schuld

Ein Over­kill an Infor­ma­tio­nen, das Errei­chen des eige­nen Auf­nahm­eli­mits, Über­for­de­rung am Arbeits­platz, das Ver­zwei­feln an gesell­schaft­li­chen Zumu­tun­gen, phy­si­sche Beschwer­den – all das spielt kei­ne Rol­le, denn man hat sich an den Trott gewöhnt.…

Die Abschaf­fung der Arbeit

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Nie­mand soll­te jemals arbei­ten. Arbeit ist die Ursa­che nahe­zu allen Elends in der Welt. Fast jedes erdenk­li­che Übel geht aufs Arbei­ten oder auf eine fürs Arbei­ten ein­ge­rich­te­te Welt zurück. Um das Lei­den zu been­den, müs­sen wir auf­hö­ren…

Da kann man nichts tun

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In einem sei­ner Fil­me, The Fatal Glass of Beer, zeigt ein Alt­meis­ter der ame­ri­ka­ni­schen Film­ko­mik, W. C. Fields, den erschröck­li­chen, unauf­halt­sa­men Nie­der­gang eines jun­gen Man­nes, der der Ver­su­chung nicht wider­ste­hen kann, sein ers­tes Glas…

Die Ideo­lo­gie natür­li­cher Begabung

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Zu mei­nen, wenn man allen glei­che wirt­schaft­li­che Mit­tel bereit­stel­le, gäbe man auch allen, sofern sie die uner­läß­li­che „Bega­bung“ mit­bräch­ten, glei­che Chan­cen (…), hie­ße in der Ana­ly­se der Hin­der­nis­se auf hal­bem Wege ste­hen­blei­ben…

Wie das Bil­dungs­we­sen Macht verschleiert

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Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht…

Herr­schafts­ge­hil­fen

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Die erns­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie besteht nicht in der Exis­tenz tota­li­tä­rer frem­der Staa­ten. Sie besteht dar­in, daß in unse­ren eige­nen per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen und in unse­ren eige­nen Insti­tu­tio­nen Bedin­gun­gen herr­schen, die der Auto­ri­tät…

Was ist Soziologie?

Ein Mathe­ma­ti­ker, der eini­ge Sozio­lo­gie-Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, resü­mier­te bei­des wie folgt: Wäh­rend ihm die Mathe­ma­tik mehr oder min­der ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten lie­fe­re, zumin­dest aber meist Ant­wor­ten, und ihm gleich­zei­tig als Bezugs­punkt…

Hedo­nis­mus der Not

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Gegen­über der ima­gi­nä­ren Anthro­po­lo­gie der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die sich noch nie der For­mu­lie­rung uni­ver­sel­ler Geset­ze der »zeit­li­chen Prä­fe­renz« ent­schla­gen konn­te, ist dar­an zu erin­nern, daß die jewei­li­ge Geneigt­heit zur Unter­ord­nung…

Die Dop­­pel­stock­­wa­­gen-Gesel­l­­schaft

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In der Regio­nal­bahn, eine wah­re Bege­ben­heit. Zwei älte­re Her­ren betre­ten den Dop­pel­stock­wa­gen und suchen sich einen Sitz­platz im obe­ren Bereich: #1: Das sind doch schö­ne Plät­ze. Ich mag es hier oben. #2: Aber du weißt: Wenn man erst…

Refle­xi­on

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Eines der wich­tigs­ten Prin­zi­pi­en, das man erler­nen soll­te, wenn man sich – ob als Sozio­lo­ge oder ganz all­ge­mein – mit gesell­schaft­li­chen Phä­no­me­nen aus­ein­an­der­setzt und dabei Argu­men­ten, Sta­tis­ti­ken, Erklä­run­gen, Beschrei­bun­gen, Insti­tu­tio­nen,…

Men­schen ändern sich

Wer glaubt, etwas zu sein, hat auf­ge­hört, etwas zu wer­den. (Sokra­tes) In einem Pro­jekt, an dem ich bis vor cir­ca einem Jahr betei­ligt war, fiel einer der Mit­ar­bei­ter wie­der­holt durch Unpünkt­lich­keit, Unzu­ver­läs­sig­keit und man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit…

Die Welt so sehen, wie sie ist

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Ich glau­be, nie­mand möch­te die sozia­le Welt so sehen, wie sie ist; es gibt vie­le Arten, sie zu ver­leug­nen; es gibt die Kunst, natür­lich. Aber es gibt auch eine Form von Sozio­lo­gie, die die­ses bemer­kens­wer­te Ergeb­nis zustan­de­bringt, näm­lich…

For­ma­le Gleich­heit als Herrschaftsinstrument

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Damit die am meis­ten Begüns­tig­ten begüns­tigt und die am meis­ten Benach­tei­lig­ten benach­tei­ligt wer­den, ist es not­wen­dig wie hin­rei­chend, dass die Schu­le beim ver­mit­tel­ten Unter­richts­stoff, bei den Ver­mitt­lungs­me­tho­den und ‑tech­ni­ken und bei…

Über­zeu­gungs­ar­beit

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Wenn ich eine der vie­len Polit- oder Gesell­schafts-Talk­shows sehe, womit nicht deren wenig ernst­zu­neh­men­de nach­mit­täg­li­che Deri­va­te auf den pri­va­ten Sen­dern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist rela­tiv egal, ob die Dis­kus­si­on…

Arbeit­ge­ber­fil­ter

Viel liest man über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die es haben kann, füt­tert man sozia­le Netz­wer­ke, die eige­ne Home­page oder Blogs mit per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen. Wenn­gleich vie­les davon auch zutref­fend ist und die opti­mier­te Selbst­in­sze­nie­rung…

Stö­ren­des Hintergrundrauschen

Seit Jah­ren schon möch­te ich ein Buch über etwas schrei­ben, das mir sehr am Her­zen liegt. Oder wenigs­tens ein PDF mit vie­len Sei­ten. Der Ursprung die­ses Wun­sches liegt in mitt­ler­wei­le schon nicht mehr fass­ba­rer Ver­gan­gen­heit, doch einen ernst­haf­ten…

Spie­ßig­keit

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Man kann im Prenz­lau­er Berg ein­fach im lin­ken Habi­tus wei­ter­le­ben. Das ist ja das Schö­ne. Man kann sich tole­rant füh­len, weil Tole­ranz nicht auf die Pro­be gestellt wird. (…) Der Schrift­stel­ler Maxim Bil­ler nennt den Prenz­lau­er Berg mitt­ler­wei­le…

Selbst­ver­mark­tung mul­ti­pler Persönlichkeiten

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Sie haben sich immer über die bie­de­ren Schlips­trä­ger und Hosen­an­zug­trä­ge­rin­nen lus­tig gemacht, die bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen arbei­ten oder bei ande­ren, genau­so mie­fi­gen wie lang­wei­li­gen Fir­men unter­ge­kom­men sind…

Macht das glücklich?

Für einen Arbeits­platz, den sie has­sen, für eine Aus­bil­dung, die sie gar nicht wol­len, oder sogar nur für ein Prak­ti­kum, das wohl die nie­ders­te Form der Aus­beu­tung dar­stellt, tun sie alles. Sie leug­nen ihre eige­ne Mei­nung. Sie leug­nen…

Kei­ner trägt das Leben allein

Gut ist es, an andern sich zu hal­ten. Denn kei­ner trägt das Leben allein. (Fried­rich Höl­der­lin) Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­men­schen ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Das gilt vor allem, aber nicht exklu­siv, für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den. Kom­mu­ni­ka­ti­on…

Irgend­ei­ne

Das Ende des Jah­res. Mit eini­gen Freun­den und Bekann­ten ging ich auf eine der vie­len Sil­ves­ter­par­tys in die­ser Nacht und die Stim­mung war super. Irgend­wann im Lau­fe des Abends saß ich mit eini­gen Leu­ten her­um und unter­hielt mich mit ihnen.…

Fach­spra­che als Abgrenzung

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Was ist die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Fach­spra­che? Ich habe gesagt, ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on sei Gemein­sam­keit und Ver­än­de­rung. Die Fach­spra­che ist nicht unschul­dig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rol­len und auf der Basis von Wech­sel­be­zie­hun­gen…

Deschoo­ling

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Edu­ca­ti­on… now seems to me per­haps the most aut­ho­ri­ta­ri­an and dan­ge­rous of all the social inven­ti­ons of man­kind. It is the deepest foun­da­ti­on of the modern slave sta­te, in which most peo­p­le feel them­sel­ves to be not­hing but pro­du­cers, con­su­mers,…

Sei doch mal konstruktiv

Wenn man dir linier­tes Papier gibt, schrei­be quer über die Zei­len. (Juan Ramón Jimé­nez) Ich kann die­sen dum­men Spruch nicht mehr hören: Sei doch mal kon­struk­tiv! Wie­so näm­lich soll­te ich kon­struk­tiv sein, mich also irgend­wie an der…

Arbeit ist Scheiße!

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Arbeit ist Schei­ße! Bei die­ser Aus­sa­ge han­delt es sich um eine selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che, und wäre spe­zi­ell die deut­sche Gesell­schaft nicht so ver­blö­det, müß­te man sich schä­men, eine sol­che Bana­li­tät zu Papier zu brin­gen. Wie fort­ge­schrit­ten…
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Alle Ein­trä­ge

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der Mann sicher ist, den Schlüs­sel gera­de hier ver­lo­ren zu haben, und jener ant­wor­tet: »Nein, nicht hier, son­dern dort hin­ten – aber dort ist es viel zu fins­ter.«
Fin­den Sie das absurd? Wenn ja, suchen auch Sie am fal­schen Ort. Der Vor­teil ist näm­lich, daß eine sol­che Suche zu nichts führt, außer »mehr des­sel­ben«, näm­lich nichts.
(…)
Die Bedeu­tung die­ses Mecha­nis­mus für unser The­ma liegt auf der Hand. Er kann ohne die Not­wen­dig­keit einer Spe­zi­al­aus­bil­dung auch vom Anfän­ger ange­wandt wer­den – ja, er ist so weit ver­brei­tet, daß er seit den Tagen Freuds Gene­ra­tio­nen von Spe­zia­lis­ten ein gutes Ein- und Aus­kom­men bie­tet; wobei aller­dings zu bemer­ken ist, daß sie ihn nicht das Mehr-des­­sel­­ben-Rezept, son­dern Neu­ro­se nen­nen.
Doch nicht auf den Namen soll es uns ankom­men, son­dern auf den Effekt. Die­ser aber ist garan­tiert, solan­ge der Unglücks­aspi­rant sich an zwei ein­fa­che Regeln hält: Ers­tens, es gibt nur eine mög­li­che, erlaub­te, ver­nünf­ti­ge, sinn­vol­le, logi­sche Lösung des Pro­blems, und wenn die­se Anstren­gun­gen noch nicht zum Erfolg geführt haben, so beweist das nur, daß er sich noch nicht genü­gend ange­strengt hat. Zwei­tens, die Annah­me, daß es nur die­se ein­zi­ge Lösung gibt, darf selbst nie in Fra­ge gestellt wer­den; her­um­pro­bie­ren darf man nur an der Anwen­dung die­ser Grundannahme.
(Paul Watz­la­wick – Anlei­tung zum Unglücklichsein)

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Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der, wobei sei­ne Posi­ti­on dabei stets im Ver­hält­nis zur Posi­ti­on der ande­ren Akteu­re steht bezie­hungs­wei­se in Hin­sicht auf die Distanz zu ande­ren Akteu­ren defi­niert wird, was durch die Unter­schie­de im Lebens­stil oder – all­ge­mei­ner – im Habi­tus zur Gel­tung kommt. Der sozia­le Raum ist somit auch ein Raum der sozia­len Unter­schie­de und beinhal­tet durch sein rela­tio­na­les Kon­zept die Bezie­hun­gen der ein­zel­nen Akteu­re zuein­an­der. Die Gesell­schaft kon­sti­tu­iert sich unter stän­di­ger Ver­än­de­rung aus den sym­bo­li­schen Kämp­fen um Macht inner­halb des sozia­len Rau­mes. Ein Akteur sieht dabei die Welt oder bes­ser gesagt den sozia­len Raum stets aus Sicht sei­ner Posi­ti­on, so wie eine Per­son im phy­si­schen Raum ihre geo­gra­phi­sche Umge­bung stets nur gemäß ihrer Posi­ti­on wahrnimmt.

Bour­dieu kon­stru­iert den sozia­len Raum als Drei­ebe­nen­kon­zept, umfas­send die Ebe­ne der sozia­len Posi­tio­nen oder Lagen, die Ebe­ne der Lebens­sti­le sowie die Ebe­ne des Habitus.

Die ers­te Ebe­ne der sozia­len Posi­tio­nen lässt sich als drei­di­men­sio­na­les Gebil­de erklä­ren. Zunächst ent­schei­det das per­sön­li­che Kapi­tal­vo­lu­men, also sowohl kul­tu­rel­les als auch öko­no­mi­sches Kapi­tal, über die ver­ti­ka­le Posi­ti­on im sozia­len Raum; das Kapi­tal­vo­lu­men stellt folg­lich die Y‑Achse eines Ach­sen­kreu­zes dar. Wer über ein hohes Kapi­tal­vo­lu­men ver­fügt, fin­det sich in den obe­ren Berei­chen des sozia­len Rau­mes wie­der. Die zwei­te Ach­se stellt die Kapi­tal­struk­tur des Kapi­tals dar, über das ein Akteur ver­fügt. Ihre Pole sind das kul­tu­rel­le sowie das öko­no­mi­sche Kapi­tal. Ein Akteur, der über viel öko­no­mi­sches Kapi­tal ver­fügt, befin­det sich somit an einer ande­ren Posi­ti­on in den obe­ren Berei­chen des sozia­len Rau­mes als eine Per­son, die über viel kul­tu­rel­les Kapi­tal ver­fügt. Kapi­tal­vo­lu­men und Kapi­tal­zu­sam­men­set­zung sind glei­cher­ma­ßen bedeu­tend. Als drit­te Dimen­si­on spielt schließ­lich neben der aktu­el­len Posi­ti­on auch die Ent­wick­lung im sozia­len Raum eine Rol­le. Ver­gan­gen­heit und Zukunft sind hier als Zeit­fak­to­ren von Bedeu­tung, da die Ent­wick­lung Auf­schluss dar­über gibt, ob es sich bei einem Akteur um einen sozia­len Auf- oder Abstei­ger handelt.

Die zwei­te Ebe­ne der Lebens­sti­le kann als über­la­ger­te Ebe­ne auf dem Raum der sozia­len Posi­tio­nen begrif­fen wer­den. Hier zei­gen sich die Unter­schie­de im Kon­sum­ver­hal­ten, in der Nut­zung von Unter­hal­tungs­an­ge­bo­ten, im Sport oder all­ge­mein in der Frei­zeit­ak­ti­vi­tät der sozia­len Akteu­re, die zwar Posi­tio­nen auf der ers­ten Ebe­ne ent­spre­chen, aber nicht zwangs­wei­se dar­aus abge­lei­tet wer­den kön­nen und daher auch sepa­rat unter­sucht werden.

Wie schon auf der zwei­ten Ebe­ne der Lebens­sti­le zei­gen sich auch auf der drit­ten Ebe­ne der Habi­tus die in der ers­ten Ebe­ne ver­deut­lich­ten Unter­schie­de in der Ver­füg­bar­keit über Kapi­tal und die zuge­hö­ri­gen Posi­tio­nen, die für die Akteu­re nicht unmit­tel­bar erkenn­bar sind, in wirk­li­chen, für die Akteu­re sicht­ba­ren Unter­schie­den. Es sind unter­schied­li­che Lebens­sti­le und Ver­hal­tens­wei­sen, die in die­sen bei­den Ebe­nen die unter­schied­li­chen mate­ri­el­len Bedin­gun­gen als unmit­tel­bar erleb­ba­re sozia­le Unter­schie­de zum Aus­druck brin­gen. Der Habi­tus die­ser drit­ten Ebe­ne, ent­stan­den durch die sozia­len Umstän­de, durch die er geprägt wur­de, zeich­net sich für die Umwand­lung ver­ant­wort­lich, die aus ähn­li­chen mate­ri­el­len Bedin­gun­gen ähn­li­che Ver­hal­tens­mus­ter, Geschmä­cker und Lebens­sti­le formt, die schluss­end­lich die sozia­len Dif­fe­ren­zen repro­du­zie­ren. Jene Ver­hal­tens­mus­ter, Lebens­sti­le und Geschmä­cker, gebil­det danach, in wel­cher öko­no­mi­schen und kul­tu­rel­len Situa­ti­on ein Akteur auf­ge­wach­sen ist, wer­den zu Kenn­zei­chen der sozia­len Posi­ti­on und die­nen damit einer­seits als Zuor­d­­nungs- und gleich­zei­tig als Abgren­zungs­merk­mal. Wer auf­stei­gen will, muss gewis­se Hür­den über­win­den und wird auf Grund sei­nes inkor­po­rier­ten Habi­tus nie voll­kom­men ‚dazu­ge­hö­ren’, fühlt sich also mit­un­ter am fal­schen Ort, genau­so wie legi­ti­me oder distin­gu­ier­te Kul­tur als Kul­tur der obe­ren Posi­tio­nen im Sozi­al­raum als Abgren­zungs­merk­mal benutzt wird, die als unin­ter­es­sant und undis­tin­gu­iert gilt, sobald sie popu­lär gewor­den ist und damit auch brei­te­re Mas­sen aus ande­ren, nied­ri­ge­ren sozia­len Posi­tio­nen über sie verfügen.

Bour­dieu kri­ti­siert mit sei­nem Drei­ebe­nen­kon­zept Marx bzw. Tei­le der dar­auf beru­hen­den Mar­xis­ten, die theo­re­ti­sche sozia­le Klas­sen, die sich durch unter­schied­li­ches Kapi­tal­ver­mö­gen aus­zeich­nen, als wirk­li­che Klas­sen begrif­fen haben. Eine wirk­li­che Klas­sen­la­ge bezie­hungs­wei­se viel­mehr sozia­le Nähe oder sozia­le Distanz ent­steht dem­ge­mäß laut Bour­dieu nur in der sozia­len Pra­xis durch die Akteu­re selbst, die sich durch Unter­schie­de in Habi­tus und Lebens­sti­len abgren­zen und somit selbst gewis­se Gren­zen defi­nie­ren, wel­che aller­dings nicht so klar ver­lau­fen müs­sen wie in der Vor­stel­lung Marx­scher Klas­sen, bei der die kon­stru­ier­ten Klas­sen strikt von­ein­an­der getrennt existieren.

Mit der Vor­stel­lung des Rau­mes geht Bour­dieu den Weg, sozia­le Nähe oder Distanz zu beschrei­ben, wie es vom geo­gra­phi­schen Raum ableit­bar ist. Tat­säch­lich las­sen sich Wech­sel­be­zie­hun­gen zwi­schen sozia­lem Raum und dem geo­gra­phi­schen oder phy­si­schen Raum beob­ach­ten, des­sen Struk­tur Bour­dieu auch als ver­ding­lich­ten Sozi­al­raum bezeich­net. Wie im phy­si­schen Raum hat im sozia­len Raum jeder Akteur eine bestimm­te Posi­ti­on, die er ein­nimmt. Wo Nähen oder Distan­zen im Sozi­al­raum bestehen, bestehen sie meist auch im phy­si­schen Raum, was sich durch phy­sisch vor­han­de­ne Abgren­zung in letz­te­rem äußert: Uner­wünsch­te Per­so­nen wer­den durch Archi­tek­tur, recht­li­che Beschrän­kun­gen, Kon­trol­len etc. auf Distanz gehal­ten. Ein Obdach­lo­ser bei­spiels­wei­se, der im sozia­len Raum über nahe­zu kei­ne Exis­tenz ver­fügt, besitzt auch im phy­si­schen Raum kei­ne wirk­li­che Posi­ti­on oder Aus­brei­tung. Die­se phy­si­sche Ver­wirk­li­chung sozia­ler Abgren­zung ist laut Bour­dieu zudem „ein Teil der Behar­rungs­kraft der Struk­tu­ren des Sozi­al­raums“ (Bour­dieu, 1997, S. 161), weil eine phy­si­sche Rea­li­sie­rung oder schein­ba­re Natu­ra­li­sie­rung sozia­ler Unter­schie­de nur sehr schwie­rig wie­der auf­zu­he­ben ist. Räum­li­che Distan­zen tra­gen somit ihren – sicher­lich gro­ßen – Teil zur Ein­ver­lei­bung der sozia­len Distan­zen bei, die sich damit in den Denk­struk­tu­ren mani­fes­tie­ren: „Genau­er gesagt voll­zieht sich die unmerk­li­che Ein­ver­lei­bung der Struk­tu­ren der Gesell­schafts­ord­nung zwei­fel­los zu einem guten Teil ver­mit­telt durch andau­ern­de und unzäh­li­ge Male wie­der­hol­te Erfah­run­gen räum­li­cher Distanz“ (Bour­dieu, 1997, S. 162).

Sozia­le Felder

Das Kon­zept der sozia­len Fel­der trägt der Tat­sa­che Rech­nung, dass sich inner­halb des sozia­len Raums ihrer­seits wei­te­re sozia­le Räu­me vor­fin­den las­sen. Die­se Räu­me oder Uni­ver­sen inner­halb des sozia­len Raums, bezeich­net als Fel­der, ver­fü­gen jeweils über eine feld­spe­zi­fi­sche Form von Kapi­tal, die inner­halb die­ser Fel­der im sym­bo­li­schen Kampf um Macht und sozia­le Posi­ti­on als cha­rak­te­ris­ti­sche sym­bo­li­sche Waf­fe ein­ge­setzt wird. Um sie geht es inner­halb des Fel­des. Im Feld der Lite­ra­tur bei­spiels­wei­se stellt eine Form des kul­tu­rel­len Kapi­tals die feld­spe­zi­fi­sche Kapi­tal­art dar, mit der sym­bo­lisch dar­um gekämpft wird, was als legi­ti­me Kul­tur Aner­ken­nung fin­det und was als popu­lä­re Kul­tur undis­tin­gu­iert ist und damit an Bedeu­tung ver­liert. Im Feld der Wis­sen­schaft hin­ge­gen wird mit der Kapi­tal­art ‚For­schung’ dar­um gekämpft, wes­sen Theo­rie, For­schung oder Erfin­dung am inno­va­tivs­ten oder am exklu­sivs­ten ist und damit die Vor­rang­stel­lung über­nimmt, um sich inner­halb des Fel­des gut zu posi­tio­nie­ren, wäh­rend im Feld der Öko­no­mie das öko­no­mi­sche Kapi­tal dar­über ent­schei­det, wer inner­halb des Fel­des Macht­po­si­tio­nen ein­neh­men kann, wohin­ge­gen im Feld der Reli­gi­on wie­der­um eine ganz ande­re Kapi­tal­art von zen­tra­ler Bedeu­tung ist, usw.

Inner­halb jedes die­ser Fel­der im sozia­len Raum fin­den somit sym­bo­li­sche Kämp­fe um die Posi­tio­nie­rung und die sozia­le Exis­tenz mit dem Ziel der Vor­macht­stel­lung im jewei­li­gen Feld statt, die den Kämp­fen auf gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Ebe­ne ähneln und mit­un­ter auch fälsch­li­cher­wei­se als sol­che wahr­ge­nom­men wer­den, aber feld­spe­zi­fi­sche sym­bo­li­sche Kämp­fe beschrei­ben. Die Fel­der ihrer­seits befin­den sich an Posi­tio­nen des sozia­len Rau­mes und stel­len dadurch folg­lich auch die Posi­tio­nen der im Feld befind­li­chen Akteu­re dar.

Wich­tig für das Kon­zept der sozia­len Fel­der ist die Dyna­mik eben die­ser. Sozia­le Fel­der sind kei­ne star­ren Gebil­de, in die ein Akteur wie in ein Getrie­be ein­ge­bun­den wird, son­dern stel­len hoch­dy­na­mi­sche sozia­le Ver­bin­dun­gen dar, die sich ver­än­dern, wenn sich die ‚Beset­zung’ ändert, also ein Akteur hin­zu­kommt oder das Feld ver­lässt. Bour­dieu ver­wen­det hier wie schon beim Habi­tus, der von zen­tra­ler Bedeu­tung für das Kon­zept der sozia­len Fel­der und des sozia­len Rau­mes ist, die Meta­pher des Spiels: Jedes sozia­le Feld ist wie ein Spiel, das mit einer eige­nen, feld­spe­zi­fi­schen Dyna­mik und eige­nen Logik aus­ge­stat­tet ist, und sobald ein neu­er Spie­ler in das Spiel auf­ge­nom­men wird, ver­än­dert sich die­ses Spiel und wird von den Akteu­ren nun auf eine abge­wan­del­te Art gespielt. Erneut fällt auf, dass ent­ge­gen den sys­tem­theo­re­ti­schen Vor­stel­lun­gen die Akteu­re nicht in ihre Rol­len oder Posi­tio­nen gedrängt wer­den, son­dern dass das Sub­jekt als sol­ches selbst das Spiel, also den sym­bo­li­schen Kampf, inner­halb der Fel­der bestimmt. Der Habi­tus als struk­tu­rier­te und struk­tu­rie­ren­de Struk­tur wird unter den gege­be­nen ‚Spiel­re­geln’ des Fel­des, die hier kei­nes­wegs als star­re Regeln miss­ver­stan­den wer­den soll­ten, und durch die Geschich­te des Fel­des beein­flusst bezie­hungs­wei­se geprägt, aber gleich­zei­tig bestimmt der Akteur, der eine Posi­ti­on inner­halb eines Fel­des ein­nimmt, wel­che wie­der­um rela­tiv zu den Posi­tio­nen der ande­ren Akteu­re im Feld ist, des­sen ‚Spiel­re­geln’. Die sozia­len Posi­tio­nen sowie die sym­bo­li­schen Kämp­fe inner­halb der sozia­len Fel­der sind folg­lich sozia­le Kon­struk­te ihrer Akteu­re, die die jewei­li­gen Fel­der mit ihren cha­rak­te­ris­ti­schen ‚Spiel­re­geln’ und sym­bo­li­schen Kämp­fen reproduzieren.

Das Aner­ken­nen der ‚Spiel­re­geln’ eines Fel­des ist somit eine der Bedin­gung oder der ‚Ein­tritts­preis’, um eine Posi­ti­on in die­sem ein­neh­men zu kön­nen; eine wei­te­re Bedin­gung ist ein spe­zi­fi­scher Habi­tus, aus dem und auf den ein Feld besteht, und ohne den der Zugang zu einem Feld meist sehr schwer fällt oder gar ver­wehrt wird. Wei­ter­hin muss der Akteur selbst­ver­ständ­lich über das cha­rak­te­ris­ti­sche Kapi­tal ver­fü­gen, das inner­halb des Fel­des als spe­zi­fi­sches Kapi­tal von Bedeu­tung ist, da er ansons­ten in eben die­sem Feld sozi­al nicht exis­tent ist.

Die sozia­len Fel­der sind infol­ge­des­sen sozu­sa­gen die ‚Orte des Lebens’, wo tat­säch­lich agiert wird und der Habi­tus der Akteu­re nicht bloß zur Gel­tung kommt, son­dern von immenser Wich­tig­keit für die Zuge­hö­rig­keit zu und die Posi­tio­nie­rung in Fel­dern ist, wohin­ge­gen der sozia­le Raum eher ein abs­trak­tes Gebil­de dar­stellt und sämt­li­che sozia­len Fel­der umfasst.

Bour­dieu lie­fert zur Ana­ly­se von sozia­len Fel­dern, deren Gren­zen nur empi­risch bestimmt wer­den kön­nen, drei Unter­su­chungs­kri­te­ri­en: Zum ers­ten die Posi­ti­on des Fel­des im Ver­hält­nis zur Macht, also wo sich das Feld inner­halb des sozia­len Rau­mes befin­det, zwei­tens die Posi­tio­nen der Akteu­re inner­halb des Fel­des sowie des­sen Insti­tu­tio­nen, und drit­tens die Habi­tus der Akteure.

Wenn sozia­le Fel­der Räu­me im Raum sind, las­sen sich auch für sozia­le Fel­der gut die Zusam­men­hän­ge mit dem phy­si­schen Raum dar­stel­len oder ver­deut­li­chen. Das Muse­um bei­spiels­wei­se als Ort des phy­sisch objek­ti­vier­ten sozia­len Fel­des der Kunst setzt beim Besu­cher einen bestimm­ten Habi­tus und einen dadurch gebil­de­ten Geschmack als auch ein bestimm­tes Ver­hal­ten und einen bestimm­ten Lebens­stil vor­aus. Der Besu­cher oder Akteur muss also, wenn er in die­sen Raum ‚ein­dringt’, die „still­schwei­gend vor­aus­ge­setz­ten Bedin­gun­gen erfül­len“ (Bour­dieu, 1997, S. 165). Uner­wünsch­te Per­so­nen sind nicht ger­ne gese­hen, was ihnen beim Auf­ent­halt auch aktiv (Kon­trol­len oder Aus­schluss) oder pas­siv (sym­bo­lisch) ent­geg­net wird oder wes­we­gen sie von Anfang an gar kei­nen Zugang bekom­men oder sich den Zugang selbst ver­weh­ren, weil sie nicht über das nöti­ge öko­no­mi­sche, kul­tu­rel­le und/oder sozia­le Kapi­tal ver­fü­gen. Wie im sozia­len Raum kön­nen sich auch im phy­si­schen Raum ver­schie­de­ne Fel­der über­la­gern, wenn sich zum Bei­spiel in Stra­ßen, Vier­teln, Orten etc. die posi­ti­ven oder nega­ti­ven Pole ver­schie­dens­ter Fel­der kon­zen­trie­ren und exklu­si­ve Orte hohen Kapi­tal­vo­lu­mens wie Nobel­ein­kaufs­mei­len oder Clubs sowie Orte nied­ri­gen Kapi­tal­vo­lu­mens wie Ghet­tos entstehen.

Lite­ra­tur

  1. Bour­dieu, Pierre. 1981. „Klas­sen­schick­sal, indi­vi­du­el­les Han­deln und das Gesetz der Wahr­schein­lich­keit“. In: Pierre Bourdieu/Luc Boltanski/Monique de Saint Martin/Pascale Mal­di­dier: Titel und Stel­le. Über die Repro­duk­ti­on sozia­ler Macht. Frankfurt/M.: Euro­päi­sche Ver­lags­an­stalt, S. 169–226
  2. Bour­dieu, Pierre. 1992. „Die fei­nen Unter­schie­de“. In: Die ver­bor­ge­nen Mecha­nis­men der Macht. Ham­burg: VSA-Ver­­lag, S. 31–47
  3. Bour­dieu, Pierre. 1997. „Orts­ef­fek­te“. In: ­Das Elend der Welt. Kon­stanz. S. 159–167
  4. Bour­dieu, Pierre. 2001b. „Habi­tus und Ein­ver­lei­bung“. In: Medi­ta­tio­nen. Zur Kri­tik der scho­las­ti­schen Ver­nunft. Frankfurt/M.: Suhr­kamp, S. 177–188
  5. Krais, Bea­te. 2004. „Habi­tus und sozia­le Pra­xis“. In: Stein­rü­cke, Mar­ga­re­ta (Hrsg.) (2004): Pierre Bour­dieu. Poli­ti­sches For­schen, Den­ken und Ein­grei­fen. Ham­burg: VSA-Ver­­lag, S. 91–106

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Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­­tus-Kon­­­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den Begriff und ein grund­le­gen­des Kon­zept des Habi­tus doch bereits in sei­nen frü­hes­ten Wer­ken zur Ana­ly­se ein, lässt ihn in spä­te­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen immer wie­der zur Erwäh­nung kom­men und benutzt ihn als Grund­la­ge zur Aus­ar­bei­tung wei­te­rer gesell­schafts­ana­ly­ti­scher Kon­zep­te, wodurch das Habi­­tus-Kon­­­zept in sei­nen Arbei­ten ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt wird.

Jene frü­hes­ten Wer­ke Bour­dieus (die­ser Abschnitt bezieht sich haupt­säch­lich auf Bour­dieu (2000): Die zwei Gesich­ter der Arbeit), die das Habi­­tus-Kon­­­zept ein­führ­ten, ent­stan­den zur Zeit sei­nes Auf­ent­halts in Alge­ri­en, das sich mit­ten im gesell­schaft­li­chen Wan­del von der vor­ka­pi­ta­lis­ti­schen Welt der kaby­li­schen Bau­ern zur von der Kolo­nia­li­sie­rung auf­ge­zwun­ge­nen kapi­ta­lis­ti­schen Welt der moder­nen Öko­no­mie befand. Für uns selbst­ver­ständ­li­che Pro­zes­se, näm­lich die dem kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tem ent­spre­chen­den Pro­zes­se des öko­­­no­­misch-ratio­na­­len Han­delns, waren, wie Bour­dieu fest­stell­te, für die kaby­li­schen Bau­ern kei­nes­wegs ver­traut oder selbst­ver­ständ­lich, das öko­­­no­­misch-ratio­na­­le Han­deln somit als Vor­aus­set­zung der kapi­ta­lis­ti­schen Welt kei­nes­wegs uni­ver­sell ausgeprägt.

Das Wirt­schafts­sys­tem der kaby­li­schen Bau­ern stell­te sich als ein Sys­tem der Tausch­pro­zes­se dar, das auf der Logik von Gabe und Gegen­ga­be sowie Treu und Glau­ben auf­bau­te und sein Funk­tio­nie­ren durch die dahin­ter­ste­hen­de Ehre regel­te. Die­ses wie­der­um für die kaby­li­schen Bau­ern selbst­ver­ständ­li­che Sys­tem der Rezi­pro­zi­tät und Unent­gelt­lich­keit, das zur Siche­rung der Ehre finan­zi­ell und mate­ri­ell unöko­no­mi­sche Hand­lun­gen in Kauf nahm und durch­aus auch vor­aus­setz­te, stand nun in kras­sem Gegen­satz zum für kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaf­ten selbst­ver­ständ­li­chen Sys­tem des öko­­­no­­misch-ratio­na­­len Han­delns, das eben jene finan­zi­ell und mate­ri­ell schein­bar unver­nünf­ti­gen Hand­lun­gen der kaby­li­schen Bau­ern als sol­che ver­kann­te, ohne das dahin­ter­lie­gen­de öko­no­mi­sche Sys­tem der Kaby­lei oder die Vor­aus­set­zun­gen zur Ent­ste­hung des eige­nen, kapi­ta­lis­ti­schen öko­no­mi­schen Sys­tems zu erkennen.

Erhiel­ten die Men­schen der Kaby­lei nun finan­zi­el­len Lohn für ihre Arbeit, die vor­her stets ihr gewohn­tes Wirt­schafts­sys­tem von Tausch und Gegen­tausch gewohnt waren, so gaben sie die­ses Geld meist sofort aus, ohne es sich für län­ge­re Zeit ein­zu­tei­len. Sie ver­füg­ten folg­lich nicht über das Ver­ständ­nis im Umgang mit dem Geld, han­del­ten also schein­bar öko­no­misch unver­nünf­tig, waren aber kei­nes­wegs unfä­hig im Ein­tei­len, Vor­rat hal­ten oder Auf­spa­ren gene­rell, son­dern besa­ßen ganz im Gegen­teil durch­dach­te und für sie selbst­ver­ständ­li­che Sys­te­me zum Ein­tei­len ihrer Vor­rä­te an Natu­ra­li­en, waren nun aber auf ein­mal einem Wirt­schafts­sys­tem des Gel­des gegen­über­ge­stellt, das voll­kom­men anders funktionierte.

Die kaby­li­schen Bau­ern ver­füg­ten ergo zwar über die Erfah­rung und das Ver­ständ­nis ihres eige­nen Wirt­schafts­sys­tems, hat­ten jedoch kein Ver­ständ­nis von öko­no­mi­scher Ratio­na­li­tät, wie sie für kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaf­ten selbst­ver­ständ­lich ist, wel­ches ihnen im Kon­text des durch die Kolo­nia­li­sie­rung auf­ge­zwun­ge­nen kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tem aller­dings als selbst­ver­ständ­lich und uni­ver­sell ver­brei­tet unter­stellt wurde.

Jenes Feh­len des moder­nen Ver­ständ­nis­ses der öko­no­mi­schen Ratio­na­li­tät und die damit ein­her­ge­hen­de schein­ba­re „Unver­nünf­tig­keit“ im Umgang mit dem kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tem erweck­te Bour­dieus Inter­es­se zur Ana­ly­se der Ent­ste­hung die­ser Situa­ti­on, wobei er sich kei­nes­wegs von der ver­lo­cken­den, weil ein­fa­chen, eth­no­zen­tris­ti­schen Con­clu­sio ver­lei­ten ließ, die­sen Men­schen vor­schnell ein­fach all­ge­mei­ne oder öko­no­mi­sche Unfä­hig­keit oder Unver­nünf­tig­keit zu attes­tie­ren. Er woll­te viel­mehr her­aus­fin­den, war­um die­se Men­schen nicht über das der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft zugrun­de lie­gen­de und doch als uni­ver­sell geglaub­te Ver­ständ­nis öko­no­mi­scher Ratio­na­li­tät ver­füg­ten; wie­so sie so han­del­ten, wie sie han­del­ten, eben öko­no­misch schein­bar „unver­nünf­tig“.

Der ers­te als auch grund­le­gen­de Schluss sei­ner Erkennt­nis­se und deren Ana­ly­se stell­te dabei dem im kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tem selbst­ver­ständ­li­chen Prin­zip des öko­­­no­­misch-ratio­na­­len Han­delns selbst gewis­se sozia­le Vor­aus­set­zun­gen zugrun­de. Zum einen stellt die Struk­tur des kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­sys­tems an sich eine sozia­le Vor­aus­set­zung für die Aus­bil­dung des ent­spre­chen­den öko­­­no­­misch-ratio­na­­len Han­delns dar, des­sen es bedarf, doch wei­ter­hin sind auch bestimm­te sozia­le Insti­tu­tio­nen, bestimm­te Sicht­wei­sen der Welt, bestimm­te Dis­po­si­tio­nen als Vor­aus­set­zun­gen zu nen­nen. Dem Anspruch der Uni­ver­sa­li­tät des öko­no­mi­schen Den­kens, wie es in kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten ver­stan­den wird, oder gar der Vor­stel­lung eines ent­spre­chen­den uni­ver­sel­len homo oeco­no­mic­us, der die Regeln jenes öko­no­mi­schen Han­delns ganz selbst­ver­ständ­lich beherrscht, erteilt Bour­dieu damit eine kla­re Absa­ge, indem er anführt, dass die­se öko­no­mi­sche Denk­wei­se, wie sie für die kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten cha­rak­te­ris­tisch ist, nur unter bestimm­ten sozia­len Vor­aus­set­zun­gen gebil­det wird und über­haupt nur gebil­det wer­den kann, die aber ihrer­seits nicht uni­ver­sell gel­ten. Wenn­gleich die Men­schen der Kaby­lei nicht über das den kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten ent­spre­chen­de Ver­ständ­nis der öko­no­mi­schen Ratio­na­li­tät ver­füg­ten, waren sie also kei­nes­wegs ‚dumm‘ oder ‚zurück­ge­blie­ben‘, son­dern ledig­lich geprägt durch diver­gie­ren­de sozia­le Vor­aus­set­zun­gen, eben jene der kaby­li­schen vor­ka­pi­ta­lis­ti­schen Welt, die wie­der­um zu einer eige­nen Logik, zu einem eige­nen Wirt­schafts­sys­tem und damit auch zu einer eige­nen öko­no­mi­schen Ratio­na­li­tät führ­ten, was sich auch als Logik der Pra­xis oder prak­ti­sche Ver­nunft bezeich­nen lässt, die eine Logik oder Ver­nunft dar­stellt, die der umge­ben­den gesell­schaft­li­chen Pra­xis ent­spricht. Das Han­deln der Kaby­len war folg­lich zwar öko­no­misch unver­nünf­tig in dem Sin­ne, der der Öko­no­mie­theo­rie der kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten zugrun­de liegt, die mit ihrem Ver­ständ­nis von öko­no­mi­schem Han­deln aller­dings nur einen beson­de­ren Fall der all­ge­mei­nen Öko­no­mie von Hand­lun­gen abdeckt und damit jedem Han­deln abseits des mate­ri­el­len Öko­no­mis­mus impli­zit eine öko­no­mi­sche Dimen­si­on abspricht, folg­te aller­dings nichts­des­to­trotz einer eige­nen Logik und einer Ratio­na­li­tät der Pra­xis ihrer vor­ka­pi­ta­lis­ti­schen Welt, die in sich ihren eige­nen öko­no­mi­schen Regeln folgte.

Das Habi­­tus-Kon­­­zept geht genau auf die­sen Umstand ein und liegt des­sen Erklä­rung zugrun­de: Die Men­schen der Kaby­lei hat­ten die für sie selbst­ver­ständ­li­chen Sicht­wei­sen und Hand­lungs­wei­sen durch ihre Pri­mär­er­zie­hung inkor­po­riert, so wie die Men­schen aus den kapi­ta­lis­ti­schen Kolo­ni­al­mäch­ten das ihrer­seits selbst­ver­ständ­li­che Han­deln und die für sie gewohn­ten Sicht­wei­sen inkor­po­riert hat­ten. Die neu­en Bedin­gun­gen, die nun den kaby­li­schen Men­schen auf­er­legt wur­den, waren voll­kom­men neu und ent­spra­chen nicht län­ger den inkor­po­rier­ten Han­d­­lungs- und Sicht­wei­sen ihres durch die vor­ka­pi­ta­lis­ti­sche Welt der Kaby­lei gepräg­ten Habi­tus. Ihre zwei­te Natur, ihr inkor­po­rier­ter Habi­tus war also mit einem Mal Ver­hält­nis­sen aus­ge­setzt, denen er nicht län­ger ent­sprach – sie waren sozu­sa­gen ‚Gefan­ge­ne‘ ihres Habi­tus, der von gänz­lich ande­ren und damit auch für gänz­lich ande­re gesell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se geprägt wur­de. Bour­dieu bezeich­net die­sen Effekt als hys­te­re­sis, also als eine Art Träg­heit im Habi­tus, die sich gegen­über neu­en Ver­hält­nis­sen äußert (hier sei zum Bei­spiel auf das zuvor erwähn­te Ver­hal­ten im Umgang mit Geld verwiesen).

Habi­tus als Alter­na­ti­ve zur sozia­len Rolle

Ein kon­tro­ver­ser Aspekt bei der Betrach­tung von Indi­vi­du­um und Gesell­schaft ist die Bezie­hung zwi­schen bei­den: „Die Sozio­lo­gie muss die Men­schen als ver­ge­sell­schaf­te­te Indi­vi­du­en den­ken kön­nen“ (Krais 2004, S. 93). Es muss folg­lich ein Kon­strukt gefun­den wer­den, das den objek­ti­ven Sinn, eben dass Gesell­schaft über­haupt besteht bzw. ent­steht, und die sub­jek­ti­ve Absicht der dar­in befind­li­chen Akteu­re, die ja nicht expli­zit lau­tet, nun irgend­wie Gesell­schaft ‚zu machen‘, auf eine rea­lis­ti­sche Wei­se ver­bin­det (vgl. Krais/Gebauer 2002, S. 65f).

Ein sozio­lo­gisch ein­fluss­rei­ches Kon­strukt die­ser Art ist das der sozia­len Rol­le, das aller­dings eini­ge Defi­zi­te auf­weist, die als sol­che mehr oder weni­ger an Beach­tung ver­lo­ren haben, aber selbst fort­be­stehen. Die sozia­le Rol­le zen­triert sich in ihrer Betrach­tung und Erklä­rung der sozia­len Welt auf Nor­men und Regeln, sodass das Indi­vi­du­um gemäß die­ser Denk­art als der Gesell­schaft ent­ge­gen­ge­setz­tes betrach­tet wird und sich an einer bestimm­ten Men­ge von star­ren Regeln und Nor­men zu ori­en­tie­ren hat, um ver­ge­sell­schaf­tet und in sei­ne jewei­li­ge Rol­le gedrängt zu wer­den, wäh­rend hin­ge­gen Bour­dieus Habi­­tus-Kon­­­zept das Indi­vi­du­um von Anfang an als ver­ge­sell­schaf­te­tes Indi­vi­du­um begreift. Eine solch radi­ka­le Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen und Ent­ge­gen­set­zung von Indi­vi­du­um und Gesell­schaft, wie sie das Para­dig­ma der Rol­­len-Theo­rie pos­tu­liert, erscheint wenig rea­li­täts­nah und wird von Bour­dieu daher zuguns­ten des von Beginn an ver­ge­sell­schaf­te­ten, gesell­schaft­lich gepräg­ten Indi­vi­du­ums aufgegeben.

Ein zen­tra­ler Kri­tik­punkt am Kon­zept der sozia­len Rol­le ist wei­ter­hin die Abwe­sen­heit eines zen­tra­len Ichs, die Abwe­sen­heit einer Iden­ti­tät der sozia­len Sub­jek­te. Das Kon­zept der sozia­len Rol­le begreift das Han­deln der Men­schen in einer Form, die unter­stellt, dass die­se unter­schied­li­che sozia­le Rol­len spie­len, je nach Situa­ti­on, in der sie sich befin­den. Die­se Rol­len unter­schei­den sich gemäß des Rol­­len-Kon­­­zepts recht deut­lich von­ein­an­der und über­la­gern sich nicht oder nur sehr gering, sind also von­ein­an­der fein säu­ber­lich getrennt, ver­gleich­bar mit dem Begriff des Spiels („play“) im Sin­ne Meads Iden­ti­täts­theo­rie (vgl. Mead 1978), bei dem ver­schie­de­ne Rol­len zeit­lich von­ein­an­der getrennt über­nom­men wer­den. Eine zen­tra­le Iden­ti­tät als Struk­tur diver­ser Dis­po­si­tio­nen, in der die­se unter­schied­li­chen Rol­len ver­eint sind und die sich gegen­sei­tig beein­flus­sen oder zu denen das Sub­jekt in einer gewis­sen Wei­se steht, wird im Rol­len­kon­zept als sol­che gar nicht vor­ge­se­hen (vgl. Krais 2004, S.94).

Das durch das Rol­len­mo­dell prak­ti­zier­te Abspre­chen des Bestehens einer sol­chen per­sön­li­chen Iden­ti­tät ist jedoch äußerst frag­lich, liegt es doch viel­mehr nahe, ganz im Gegen­teil fest­zu­hal­ten, dass eine der­ar­ti­ge sau­be­re Tren­nung ver­schie­de­ner Rol­len nicht exis­tiert. Bour­dieu führt hier zur Ver­an­schau­li­chung das Bei­spiel der indi­­vi­­du­ell-cha­rak­­te­ris­­ti­­schen Schrift an, die auf jed­we­der Unter­la­ge und mit jed­we­dem Schreib­ge­rät eine per­sön­li­che Prä­gung auf­weist. Mei­nes Erach­tens lässt sich dies in Bezug auf eine zen­tra­le Iden­ti­tät sogar direkt auf den Begriff der Rol­le über­tra­gen, wenn bei­spiels­wei­se eine Thea­ter­auf­füh­rung betrach­tet wird: Zwar kann ein Thea­ter­schau­spie­ler unter­schied­lichs­te Rol­len über­neh­men, die hier, im Thea­ter­schau­spiel, natür­lich noch radi­ka­ler, noch wech­sel­haf­ter und noch gegen­sätz­li­cher sein kön­nen als beim all­täg­li­chen sozia­len Han­deln, aber es wird stets auch eine cha­rak­te­ris­ti­sche Note des Schau­spie­lers erkenn­bar sein. Kurz: „Der Habi­tus ist das ver­ei­ni­gen­de Prin­zip, das den ver­schie­de­nen Hand­lun­gen des Indi­vi­du­ums ihre Kohä­renz, ihre Sys­te­ma­tik und ihren Zusam­men­hang gibt“ (Krais 2004, S. 95).

Das Rol­len­kon­zept beschreibt zusätz­lich zur Ent­ge­gen­set­zung von Indi­vi­du­um und Gesell­schaft eine Ent­ge­gen­set­zung von Kör­per und Geist. Die sozia­le Rol­le ist hier als rein geis­ti­ges Kon­zept zu sehen, das den Kör­per „außer­halb des Sozia­len“ (ebd.) posi­tio­niert, wohin­ge­gen der Begriff des Habi­tus Geist und Kör­per in der sozia­len Pra­xis ver­bin­det, indem der Habi­tus von inkor­po­rier­ter Struk­tur und inkor­po­rier­ter Geschich­te oder inkor­po­rier­ter Erfah­rung aus­geht, wobei die­se Inkor­po­rie­rung durch­aus auch wört­lich zu ver­ste­hen ist, da der spe­zi­fi­sche Habi­tus auch den Kör­per einer Per­son prägt, zum Bei­spiel durch bestimm­te Ver­hal­tens­wei­sen, Bewe­gun­gen oder Sprach­sti­le, und sich dadurch wie­der­um pro­du­ziert und repro­du­ziert. Der Kör­per ist dabei aller­dings nicht bloß Medi­um zur Aus­füh­rung geis­ti­ger Ope­ra­tio­nen, „in dem sich der Habi­tus aus­drückt“ (ebd., S. 96), also blo­ßes mecha­ni­sches Auf­tre­ten des Habi­tus, son­dern selbst Bestand­teil und akti­ver Spei­cher des­sel­ben (vgl. bei­spiels­wei­se Bour­dieu 2001).

Das bewuss­te oder unbe­wuss­te Wis­sen um die Erwar­tun­gen der jeweils ande­ren Men­schen, das bewuss­te oder unbe­wuss­te Anti­zi­pie­ren, stellt einen wei­te­ren wich­ti­gen Unter­schei­dungs­punkt zwi­schen Habi­­tus- und Rol­­len-Kon­­­zept dar. Wäh­rend das Rol­­len-Kon­­­zept in ratio­na­lis­ti­scher Manier vor­aus­setzt, stets bewusst die Erwar­tun­gen der ande­ren Akteu­re in Bezug auf bestimm­te Situa­tio­nen oder Anfor­de­run­gen zu anti­zi­pie­ren und es die Erfah­rung und Geschicht­lich­keit aus­blen­det, geht das Habi­­tus-Kon­­­zept Bour­dieus, wie bereits zuvor beschrie­ben, von einer „objektive[n] Zweck­be­stimmt­heit“ aus, ohne dass das sozia­le Han­deln des Ein­zel­nen sub­jek­tiv „bewusst auf einen expli­zit for­mu­lier­ten Zweck bezo­gen wäre“ (Bour­dieu 1981 zitiert nach Krais 2004, S. 96). Viel­mehr wird hier mit einer Selbst­ver­ständ­lich­keit und Unmit­tel­bar­keit agiert, die aus der inkor­po­rier­ten Geschich­te oder Erfah­rung resul­tiert. Bour­dieu ver­wen­det hier­für zur Dar­le­gung die Meta­pher des Spiels (vgl. ebd., S. 97): Die im Habi­tus inkor­po­rier­ten Erfah­run­gen, die inkor­po­rier­te Geschich­te, ermög­licht ein unbe­wuss­tes und intui­ti­ves Han­deln, das sub­jek­tiv nicht expli­zit struk­tur­funk­tio­na­lis­tisch auf einen bestimm­ten Zweck aus­ge­rich­tet sein muss und dabei äußerst krea­tiv zu Wer­ke geht. Es ist also, um die Meta­pher des Spiels auf das Fuß­ball­spiel zu kon­kre­ti­sie­ren, nicht so, dass die Spie­ler in Hin­blick auf einen objek­ti­ven Sinn oder Zweck ihre Hand­lun­gen dem­ge­mäß sub­jek­tiv voll­stän­dig in mecha­nis­ti­scher Art wie in einem Uhr­werk auf­ein­an­der abstim­men, folg­lich eine von außen ange­tra­ge­ne Rol­le erfül­len, zum Bei­spiel anhand bestimm­ter Regeln alle fünf Schrit­te einen Pass spie­len zu müs­sen, son­dern dass sie viel­mehr ein­fach auf Basis ihrer Spiel­erfah­rung spie­len, dabei krea­tiv sind und dar­aus das objek­tiv nach­voll­zieh­ba­re Spiel an sich mit sei­nen von den Spie­lern zuvor erlern­ten Struk­tu­ren, als Meta­pher für Gesell­schaft, erneut ent­steht. Ohne sub­jek­tiv bewusst Bezug auf eine der­ar­ti­ge Norm des Pass­spie­lens zu neh­men, wer­den sich die Spie­ler rein intui­tiv auf Basis des­sen, was sie gelernt haben, den Ball ange­mes­sen zupas­sen und u.a. durch die­ses Pass­spiel ent­steht stets das objek­ti­ve Fuß­ball­spiel, an dem sie teil­ha­ben, das sich und sei­ne Struk­tu­ren auf die­se Wei­se repro­du­ziert. Die Men­schen als Spie­ler im Gesell­schafts­spiel rich­ten ihre Hand­lun­gen folg­lich nicht bewusst dar­auf aus, die­se Gesell­schaft her­zu­stel­len oder Struk­tu­ren zu erhal­ten und wer­den dabei nicht von außen in ihre Rol­len gedrängt, son­dern las­sen durch die unter­schied­lichs­ten (unbe­wuss­ten) all­täg­li­chen Hand­lungs­wei­sen Gesell­schaft ent­ste­hen, die ihrer­seits wie­der­um durch die im Habi­tus ver­in­ner­lich­ten und als selbst­ver­ständ­lich erlern­ten Ver­hal­tens­wei­sen ihre Struk­tur repro­du­ziert: „Die Men­schen ver­hal­ten sich so, wie sie es gelernt haben und wie sie es kön­nen, und Gesell­schaft funk­tio­niert trotz­dem“ (Krais 2004, S. 104). Die Struk­tur der Gesell­schaft und ihre Insti­tu­tio­nen wer­den also nicht durch eine bestimm­te Men­ge star­rer Regeln auf rein geis­ti­ger Ebe­ne rea­li­siert, die den Men­schen im- oder expli­zit auf­ge­zwun­gen wird und die sie ver­in­ner­li­chen müs­sen, damit sie auf die­se oder jene Art inner­halb der gesell­schaft­li­chen Struk­tur zu funk­tio­nie­ren haben, son­dern durch den Habi­tus als Kör­per gewor­de­nes Sozia­les, der die gesell­schaft­li­che Pra­xis regelt und dabei Raum für Spon­ta­nei­tät und Krea­ti­vi­tät bie­tet: „Die Regel­haf­tig­keit der Gesell­schaft und der sozia­len Sub­jek­te ent­steht im kör­per­li­chen Han­deln, und der prak­ti­sche Sinn ist die mit dem Habi­tus gege­be­ne Fähig­keit, Hand­lungs­wei­sen zu erzeu­gen, die mit den sozia­len Ord­nun­gen über­ein­stim­men“ (ebd., S. 95).

In dem­je­ni­gen Spiel, mit dem der per­sön­li­che Habi­tus der Spie­ler über­ein­stimmt, wer­den die Spie­ler nun auf­grund der in ihrem Habi­tus inkor­po­rier­ten Spiel­erfah­rung rein intui­tiv han­deln und müs­sen in einer neu­en Situa­ti­on die­ses Spiels, die noch nie zuvor da gewe­sen ist, nicht erst bewusst dar­über nach­den­ken, was nun zu tun sei. Der Habi­tus ist also inner­halb der Gren­zen die­ses Spiels als Meta­pher für die sozia­len Ver­hält­nis­se und der in ihm inkor­po­rier­ten Spiel­erfah­rung äußerst vari­an­ten­reich und krea­tiv und damit kei­ne blo­ße Ver­in­ner­li­chung einer gewis­sen Anzahl star­rer Regeln, son­dern auch die Vor­weg­nah­me und gleich­zei­ti­ge Her­bei­füh­rung einer wahr­schein­li­chen Zukunft.

Lite­ra­tur:

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  4. Krais, Bea­te / Gun­ter Gebau­er (2002). Habi­tus. Bie­le­feld: transcript.
  5. Mead, Geor­ge Her­bert (1978). Iden­ti­tät. In Charles W. Mor­ris (Hrsg.), Geist, Iden­ti­tät und Gesell­schaft aus der Sicht des Sozi­al­be­ha­vio­ris­mus (S. 187–253). Frankfurt/M.: Suhrkamp.