Gedan­ken & Soziologie

Die Sozio­lo­gie wäre nicht eine Stun­de Mühe wert, wenn sie ein für Exper­ten reser­vier­tes Wis­sen von Exper­ten wäre. (Pierre Bourdieu)

Neu­es­te Einträge

Was ist bloß mit mir los?

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»Mei­ne Wohl­tä­te­rin Rachel Soko­low«, begann Isma­el, »zähl­te im Col­lege einen jun­gen Mann namens Jef­frey zu ihren Freun­den, des­sen Vater ein rei­cher Chir­urg war. Jef­frey wur­de im Leben vie­ler Men­schen damals und auch spä­ter zu einer…
Eine Hand hält einen positiven Covid-Schnelltest. Im Hintergrund liegt die Packung des Tests.Meda­kit Ltd via Unsplash

Covid gibt es nicht – war­um alle immer nur erkäl­tet sind

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Mei­nen Eltern war es seit Pan­de­mie­be­ginn gelun­gen, sich von Coro­na fern­zu­hal­ten, denn sie waren sehr vor­sich­tig. Sie tru­gen Mas­ken, sie tes­te­ten sich regel­mä­ßig, sie mie­den grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen und schaff­ten es auf die­se Art, sich kein…

Wohin mit den gan­zen Wörtern?

Fragst Du Dich auch manch­mal, was mit den gan­zen Wör­tern pas­siert, die Du im Lau­fe des Tages nicht gespro­chen oder geschrie­ben hast? Ich stel­le mir ger­ne vor, dass ich für man­ches ein täg­li­ches oder wöchent­li­ches Kon­tin­gent habe, z.B. für…

Sozia­le Medi­en als Eindringling

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Vor etwas mehr als acht Mona­ten fand ich dank Twit­ter die tolls­te Frau der Welt. Alles begann mit zwei belang­lo­sen Tweets, auf die der jeweils ande­re reagier­te. Aus Rep­lys wur­den bald Direkt­nach­rich­ten und schließ­lich der Gedan­ke an ein Tref­fen.…

Die Maschi­ne­rie des Staates

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Die moder­ne Geschich­te hat, den­ke ich, hin­rei­chend bewie­sen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen das tut, was man ihm sagt; und, ver­zeiht mir, die Wahr­schein­lich­keit ist gering, dass ihr die Aus­nah­me seid – so…

Schu­le – eine kri­ti­sche Funktionsbetrachtung

Ange­sichts der ernüch­tern­den Ergeb­nis­se der unter den gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Umstän­den durch­ge­führ­ten Bemü­hun­gen, die sozia­len Chan­cen­un­gleich­hei­ten im Bil­dungs­sys­tem abzu­bau­en, ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wel­che Funk­ti­on das Schul­sys­tem…

Bil­dungs­ent­schei­dun­gen als Habitus-Handlungen

„In der Regel feh­len denen, die über Bil­dungs­ka­pi­tal in nen­nens­wer­tem Umfang nicht ver­fü­gen, die ›rich­ti­gen‹ Infor­ma­tio­nen für eine in die höchs­ten Posi­tio­nen füh­ren­de Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on, es fehlt ihnen die Ver­traut­heit mit den Struk­tu­ren…

Bil­dung bekämpft Armut?

„Kin­der aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en gehö­ren zwar zu den größ­ten Bildungsverlierer(inne)n, ihre Armut basiert jedoch sel­ten auf fal­schen oder feh­len­den Schul­ab­schlüs­sen, denn die Letz­te­ren sind höchs­tens Aus­lö­ser und Ver­stär­ker,…
Das Bild besteht aus zwei Panels, die nebeneinander stehen. In beiden Szenen versuchen drei Personen unterschiedlicher Körpergröße, über einen Holzzaun ein Baseballspiel zu verfolgen. Linkes Panel "Equality" (Gleichheit): Die Situation: Jede der drei Personen steht auf genau einer Holzkiste. Die große Person steht weit über dem Zaun und hat eine perfekte Sicht. Die mittelgroße Person kann gerade so über den Zaun schauen. Die kleine Person starrt direkt gegen die Bretter des Zauns und kann nichts vom Spiel sehen. Rechtes Panel "Equity" (Gerechtigkeit ): Die Kisten wurden basierend auf dem individuellen Bedarf verteilt. Die große Person benötigt keine Hilfe und steht nun ohne Kiste auf dem Boden (sie kann immer noch alles sehen). Die mittelgroße Person steht weiterhin auf einer Kiste. Die kleine Person hat nun zwei Kisten übereinander gestapelt bekommen. Alle drei Personen befinden sich nun auf der gleichen Augenhöhe über der Oberkante des Zauns. Jeder kann das Spiel gleichermaßen genießen.Inter­ac­tion Insti­tu­te for Social Chan­ge | Artist: Angus Maguire

Das Mär­chen von der Leistungsgesellschaft

Leis­tungs­ge­sell­schaft oder Meri­to­kra­tie bedeu­tet sinn­ge­mäß eine „Herr­schafts­ord­nung nach Maß­ga­be von Bega­bung und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen“ (Becker & Hadjar, 2011, S. 39), wonach sozia­le Unter­schie­de nicht per se als unge­recht…

Bil­dung – mehr als nur Schulbildung

Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird,…

Öko­no­mi­sches, kul­tu­rel­les und sozia­les Kapital

Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst…

Habi­tus, Her­kunft und Bildungserfolg

(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bil­dungs­sys­tem Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein…

Die kom­men­den Tage (2)

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Vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr habe ich im Bei­trag »Die kom­men­den Tage« die sozia­len Fol­gen der anhal­ten­den Kri­se sowie die auf­kei­men­den Pro­tes­te der Occu­py- als auch ande­rer Bewe­gun­gen skiz­ziert und ver­sucht, deren wei­te­re Ent­wick­lung…

Kri­tik macht einsam

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Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sys­tem und sei­ner Pro­pa­gan­da macht ein­sam. Denn in aller Regel zieht ja das sozia­le Umfeld (Kol­le­gen, Fami­lie, Freun­de, Part­ner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herr­schen­de Ideo­lo­gien in Fra­ge zu stel­len.…

Die kom­men­den Tage

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Wir leben in tur­bu­len­ten Zei­ten. Der Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn heu­te ken­nen, fin­det sein Ende – auf die eine oder auf die ande­re Art. Anstatt die Kri­se aber als Bedro­hung und das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus als Unter­gang der Welt wahr­zu­neh­men,…

Was die Leh­rer für Leis­tung halten

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Die Zeit bis zum Schul­jah­res-Ende ver­geht. Ich bil­de mir ein, ich leis­te in die­ser Zeit etwas. Aber mit Leis­tung kann einer dies und der ande­re das mei­nen. Ich bin der Mei­nung, ich leis­te etwas, was die Leh­rer für Leis­tung hal­ten. Für mei­nen…

Sym­bo­li­sche Gewalt (2)

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Die [gesell­schaft­lich] glei­cher­ma­ßen erfahr­ba­ren For­men struk­tu­rel­ler und sym­bo­li­scher Gewalt wer­den für die Deklas­sier­ten und Dequa­li­fi­zier­ten umso leid­vol­ler und ent­waff­nen­der, als sie unter den Vor­zei­chen und Ver­hei­ßun­gen einer an indi­vi­du­el­ler…

Arbeit ver­höhnt Freiheit

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Arbeit ver­höhnt die Frei­heit. Offi­zi­ell kön­nen wir uns glück­lich schät­zen, von Rechts­staat und Demo­kra­tie umge­ben zu sein. Ande­re arme Unglück­li­che, die nicht so frei sind wie wir, müs­sen in Poli­zei­staa­ten leben. Die­se Opfer fol­gen Befeh­len,…

Mehr des­sel­ben

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der…

Sozia­ler Raum und sozia­le Felder

Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der,…

Habi­tus – Ent­ste­hung und Abgren­zung zum Kon­zept der sozia­len Rolle

Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­tus-Kon­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den…

Habi­tus und Komplizenschaft

„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über…

Legi­ti­mier­ter Schwindel

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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in…

Nor­ma­li­tät

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzep­tie­ren. (Mar­ga­re­te…

Schu­le als Ideologie

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Betrach­tet man die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Bil­dungs­sys­te­men, dann drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Schu­le selbst sozi­al selek­tiv auf die Sozia­li­sa­ti­ons­prak­ti­ken ein­wirkt und sys­te­ma­tisch die Prak­ti­ken bestimm­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen…

Sym­bo­li­sche Gewalt

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Das sym­bo­li­sche Kapi­tal besteht aus einem belie­bi­gen Merk­mal, Kör­per­kraft, Reich­tum, Kampf­erprobt­heit, das wie eine ech­te magi­sche Kraft sym­bo­li­sche Wir­kung ent­fal­tet, sobald es von sozia­len Akteu­ren wahr­ge­nom­men wird, die über die zum Wahr­neh­men,…

Was ist Klassenkampf?

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Wenn vom Klas­sen­kampf die Rede ist, denkt man nie­mals an sei­ne ganz all­täg­li­chen For­men, an die rück­sichts­lo­se gegen­sei­ti­ge Ver­ächt­lich­ma­chung, an die Arro­ganz, an die erdrü­cken­den Prah­le­rei­en mit dem »Erfolg« der Kin­der, mit den Feri­en,…

Ent­hül­len und demaskieren

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Die Wahr­schein­lich­keit einer Hand­lung oder eines Phä­no­mens zu ken­nen, kann auch hei­ßen, die Chan­cen jener Aktio­nen zu ver­grö­ßern, die dar­auf abzie­len, die Rea­li­sie­rung eben die­ses Phä­no­mens zu ver­hin­dern. Aber das ist nicht alles. Vie­le…

Distink­ti­on

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Was »Distink­ti­on« ist, was »Unter­schied« ist, läßt sich, so mei­ne Ansicht, immer nur rela­tiv sagen, in Bezie­hung zu ande­rem. Im Grun­de heißt »distin­gu­iert« sein: »nicht popu­lär« sein – und sonst nichts. Per Defi­ni­ti­on sind die unte­ren…

Poli­ti­scher Aktivismus

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Der poli­ti­sche Akti­vist soll­te nicht jemand sein, der Pla­ka­te klebt oder vor­ge­form­te Paro­len ver­brei­tet. Es soll­te jemand sein, der sei­ne Spra­che spricht, um etwas zu sagen, und der dies dann auch sagt. Der sich aus­drückt und der sich dafür…

Pro­blem­be­wusst­sein

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Mit Mes­sern kann man sich ver­let­zen, daher soll man sie ver­mei­den; Tür­klin­ken sind tat­säch­lich mit Bak­te­ri­en bedeckt. Wer weiß, ob man mit­ten im Sym­pho­nie­kon­zert nicht doch plötz­lich auf die Toi­let­te muß, oder ob man das Schloß beim Nach­prü­fen…

Effi­zi­en­te Herrschaft

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In den Gesell­schaf­ten, die kei­nen »self-regu­la­ting mar­ket« (Karl Pol­anyi), kein Unter­richts­sys­tem und kei­nen juris­ti­schen oder staat­li­chen Appa­rat auf­wei­sen, kön­nen sich die Herr­schafts­be­zie­hun­gen, da sie nicht den objek­ti­ven Struk­tu­ren selbst…

War­um Frei­zeit nicht Frei­heit ist

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Das Gegen­teil von Arbeit ist nicht bloß Faul­heit. (…) So sehr ich das Ver­gnü­gen der Träg­heit schät­ze, ist sie doch wohl am loh­nends­ten, wenn sie ande­ren Genuß und Zeit­ver­treib unter­bricht. Genau­so­we­nig wer­be ich für das gelenk­te und…

Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen…

An die Lieblosen

Ihr seid die lieb­lo­ses­ten Men­schen, die ich ken­ne. Ihr schaut euch Sen­dun­gen an, in denen Ande­re, die in ihrem Leben noch nie eine ernst­haf­te Part­ner­schaft erlebt haben, ein­mal von der Lie­be spre­chen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr,…

Den Tisch umwerfen

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Der [sozia­le] Raum, das sind hier die Spiel­re­geln, denen sich jeder Spie­ler beu­gen muß. Vor sich haben die Spie­ler ver­schie­den­far­bi­ge Chips auf­ge­sta­pelt, Aus­beu­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den. Die unter­schied­lich gefärb­ten Chips stel­len unter­schied­li­che…

Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re…

Weni­ger ist mehr

Sel­ten unter­neh­me ich etwas mit mehr als drei Men­schen auf ein­mal. Viel­leicht mag das unso­zi­al erschei­nen, doch für mich ist es genau das Gegen­teil. Ich mei­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen und blei­be Tref­fen fern, wenn abseh­bar ist, dass am Ende mehr…

Beschleu­nig­tes Leben

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Im Bewusst­sein der Zeit­lich­keit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht iden­ti­fi­ziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwi­der­lau­fen­den Kräf­ten, etwa im Ver­such, sei­ner Arbeit mit einer Beschleu­ni­gung des Lebens­ge­fühls zu begeg­nen. Mach…

In der Wahr­heit leben

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Was heißt das, »in der Wahr­heit leben«? Eine nega­ti­ve Defi­ni­ti­on ist ein­fach: es heißt, nicht zu lügen, sich nicht zu ver­ste­cken, nichts zu ver­heim­li­chen. Seit Franz Sabi­na kennt, lebt er in der Lüge. Er erzählt sei­ner Frau von einem…

Wenn jeder täte, was er für wich­tig hielte

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Wo immer näm­lich die­se Gesell­schaft nicht funk­tio­niert, wo immer sie ver­sagt, wird ihr Ver­sa­gen an den Ärms­ten offen­bar. Jede Ver­än­de­rung im sozia­len Raum, jede Ver­schär­fung des Wett­be­werbs, jede Zunah­me an Gewalt im öffent­li­chen Leben,…

Wenn die Din­ge ihre Besit­zer besitzen

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Die ursprüng­li­che Bezie­hung zu der sozia­len Welt, durch die und für die man geschaf­fen ist, ist ein Besitz­ver­hält­nis, das den Besitz des Besit­zers durch sei­ne Besitz­tü­mer impli­ziert. Wenn das Erbe sich den Erben ange­eig­net hat, wie Marx…

Kampf der Kultur

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In jeder Hin­sicht ist Kul­tur Ergeb­nis eines Kamp­fes. Das ver­steht sich von selbst, weil mit der Idee der Kul­tur auch immer die mensch­li­che Wür­de auf dem Spiel steht. Das bedeu­tet, daß in einer Klas­sen­ge­sell­schaft die­je­ni­gen, die von der Kul­tur…

Deu­tungs­ho­heit

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Der ande­re Trick besteht dar­in, dem Part­ner eben­so hef­ti­ge wie nebel­haf­te Vor­wür­fe zu machen. Wenn er dann wis­sen will, was Sie eigent­lich mei­nen, kön­nen Sie die Fal­le mit dem zusätz­li­chen Hin­weis her­me­tisch schlie­ßen: »Wenn du nicht der…

Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der…

Dunk­le Empathie

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»Aoki war ein sehr guter Schü­ler, er hat­te fast immer die bes­te Note. Ich ging auf eine pri­va­te Jun­gen­schu­le, und Aoki war ziem­lich beliebt. Die Klas­se schätz­te ihn, und er war der Lieb­ling der Leh­rer. Aber ich konn­te sei­ne prag­ma­ti­sche…

Zwi­schen­mensch­li­che Effizienz

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In all den Dis­kus­sio­nen um die Vor- und Nach­tei­le sowie die rea­len oder nur pro­ji­zier­ten Gefah­ren sozia­ler Inter­net-Diens­te ver­mis­se ich bis­lang einen Aspekt, den ich für sehr zen­tral und für mit weit­rei­chen­den Fol­gen ver­bun­den hal­te: Effi­zi­enz. Ver­steht…

Regiert sein heißt…

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Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert…

Indi­vi­dua­li­sier­te Schuld

Ein Over­kill an Infor­ma­tio­nen, das Errei­chen des eige­nen Auf­nahm­eli­mits, Über­for­de­rung am Arbeits­platz, das Ver­zwei­feln an gesell­schaft­li­chen Zumu­tun­gen, phy­si­sche Beschwer­den – all das spielt kei­ne Rol­le, denn man hat sich an den Trott gewöhnt.…

Die Abschaf­fung der Arbeit

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Nie­mand soll­te jemals arbei­ten. Arbeit ist die Ursa­che nahe­zu allen Elends in der Welt. Fast jedes erdenk­li­che Übel geht aufs Arbei­ten oder auf eine fürs Arbei­ten ein­ge­rich­te­te Welt zurück. Um das Lei­den zu been­den, müs­sen wir auf­hö­ren…

Da kann man nichts tun

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In einem sei­ner Fil­me, The Fatal Glass of Beer, zeigt ein Alt­meis­ter der ame­ri­ka­ni­schen Film­ko­mik, W. C. Fields, den erschröck­li­chen, unauf­halt­sa­men Nie­der­gang eines jun­gen Man­nes, der der Ver­su­chung nicht wider­ste­hen kann, sein ers­tes Glas…

Die Ideo­lo­gie natür­li­cher Begabung

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Zu mei­nen, wenn man allen glei­che wirt­schaft­li­che Mit­tel bereit­stel­le, gäbe man auch allen, sofern sie die uner­läß­li­che „Bega­bung“ mit­bräch­ten, glei­che Chan­cen (…), hie­ße in der Ana­ly­se der Hin­der­nis­se auf hal­bem Wege ste­hen­blei­ben…

Wie das Bil­dungs­we­sen Macht verschleiert

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Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht…

Herr­schafts­ge­hil­fen

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Die erns­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie besteht nicht in der Exis­tenz tota­li­tä­rer frem­der Staa­ten. Sie besteht dar­in, daß in unse­ren eige­nen per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen und in unse­ren eige­nen Insti­tu­tio­nen Bedin­gun­gen herr­schen, die der Auto­ri­tät…

Was ist Soziologie?

Ein Mathe­ma­ti­ker, der eini­ge Sozio­lo­gie-Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, resü­mier­te bei­des wie folgt: Wäh­rend ihm die Mathe­ma­tik mehr oder min­der ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten lie­fe­re, zumin­dest aber meist Ant­wor­ten, und ihm gleich­zei­tig als Bezugs­punkt…

Hedo­nis­mus der Not

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Gegen­über der ima­gi­nä­ren Anthro­po­lo­gie der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die sich noch nie der For­mu­lie­rung uni­ver­sel­ler Geset­ze der »zeit­li­chen Prä­fe­renz« ent­schla­gen konn­te, ist dar­an zu erin­nern, daß die jewei­li­ge Geneigt­heit zur Unter­ord­nung…

Die Dop­­pel­stock­­wa­­gen-Gesel­l­­schaft

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In der Regio­nal­bahn, eine wah­re Bege­ben­heit. Zwei älte­re Her­ren betre­ten den Dop­pel­stock­wa­gen und suchen sich einen Sitz­platz im obe­ren Bereich: #1: Das sind doch schö­ne Plät­ze. Ich mag es hier oben. #2: Aber du weißt: Wenn man erst…

Refle­xi­on

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Eines der wich­tigs­ten Prin­zi­pi­en, das man erler­nen soll­te, wenn man sich – ob als Sozio­lo­ge oder ganz all­ge­mein – mit gesell­schaft­li­chen Phä­no­me­nen aus­ein­an­der­setzt und dabei Argu­men­ten, Sta­tis­ti­ken, Erklä­run­gen, Beschrei­bun­gen, Insti­tu­tio­nen,…

Men­schen ändern sich

Wer glaubt, etwas zu sein, hat auf­ge­hört, etwas zu wer­den. (Sokra­tes) In einem Pro­jekt, an dem ich bis vor cir­ca einem Jahr betei­ligt war, fiel einer der Mit­ar­bei­ter wie­der­holt durch Unpünkt­lich­keit, Unzu­ver­läs­sig­keit und man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit…

Die Welt so sehen, wie sie ist

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Ich glau­be, nie­mand möch­te die sozia­le Welt so sehen, wie sie ist; es gibt vie­le Arten, sie zu ver­leug­nen; es gibt die Kunst, natür­lich. Aber es gibt auch eine Form von Sozio­lo­gie, die die­ses bemer­kens­wer­te Ergeb­nis zustan­de­bringt, näm­lich…

For­ma­le Gleich­heit als Herrschaftsinstrument

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Damit die am meis­ten Begüns­tig­ten begüns­tigt und die am meis­ten Benach­tei­lig­ten benach­tei­ligt wer­den, ist es not­wen­dig wie hin­rei­chend, dass die Schu­le beim ver­mit­tel­ten Unter­richts­stoff, bei den Ver­mitt­lungs­me­tho­den und ‑tech­ni­ken und bei…

Über­zeu­gungs­ar­beit

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Wenn ich eine der vie­len Polit- oder Gesell­schafts-Talk­shows sehe, womit nicht deren wenig ernst­zu­neh­men­de nach­mit­täg­li­che Deri­va­te auf den pri­va­ten Sen­dern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist rela­tiv egal, ob die Dis­kus­si­on…

Arbeit­ge­ber­fil­ter

Viel liest man über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die es haben kann, füt­tert man sozia­le Netz­wer­ke, die eige­ne Home­page oder Blogs mit per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen. Wenn­gleich vie­les davon auch zutref­fend ist und die opti­mier­te Selbst­in­sze­nie­rung…

Stö­ren­des Hintergrundrauschen

Seit Jah­ren schon möch­te ich ein Buch über etwas schrei­ben, das mir sehr am Her­zen liegt. Oder wenigs­tens ein PDF mit vie­len Sei­ten. Der Ursprung die­ses Wun­sches liegt in mitt­ler­wei­le schon nicht mehr fass­ba­rer Ver­gan­gen­heit, doch einen ernst­haf­ten…

Spie­ßig­keit

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Man kann im Prenz­lau­er Berg ein­fach im lin­ken Habi­tus wei­ter­le­ben. Das ist ja das Schö­ne. Man kann sich tole­rant füh­len, weil Tole­ranz nicht auf die Pro­be gestellt wird. (…) Der Schrift­stel­ler Maxim Bil­ler nennt den Prenz­lau­er Berg mitt­ler­wei­le…

Selbst­ver­mark­tung mul­ti­pler Persönlichkeiten

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Sie haben sich immer über die bie­de­ren Schlips­trä­ger und Hosen­an­zug­trä­ge­rin­nen lus­tig gemacht, die bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen arbei­ten oder bei ande­ren, genau­so mie­fi­gen wie lang­wei­li­gen Fir­men unter­ge­kom­men sind…

Macht das glücklich?

Für einen Arbeits­platz, den sie has­sen, für eine Aus­bil­dung, die sie gar nicht wol­len, oder sogar nur für ein Prak­ti­kum, das wohl die nie­ders­te Form der Aus­beu­tung dar­stellt, tun sie alles. Sie leug­nen ihre eige­ne Mei­nung. Sie leug­nen…

Kei­ner trägt das Leben allein

Gut ist es, an andern sich zu hal­ten. Denn kei­ner trägt das Leben allein. (Fried­rich Höl­der­lin) Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­men­schen ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Das gilt vor allem, aber nicht exklu­siv, für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den. Kom­mu­ni­ka­ti­on…

Irgend­ei­ne

Das Ende des Jah­res. Mit eini­gen Freun­den und Bekann­ten ging ich auf eine der vie­len Sil­ves­ter­par­tys in die­ser Nacht und die Stim­mung war super. Irgend­wann im Lau­fe des Abends saß ich mit eini­gen Leu­ten her­um und unter­hielt mich mit ihnen.…

Fach­spra­che als Abgrenzung

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Was ist die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Fach­spra­che? Ich habe gesagt, ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on sei Gemein­sam­keit und Ver­än­de­rung. Die Fach­spra­che ist nicht unschul­dig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rol­len und auf der Basis von Wech­sel­be­zie­hun­gen…

Deschoo­ling

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Edu­ca­ti­on… now seems to me per­haps the most aut­ho­ri­ta­ri­an and dan­ge­rous of all the social inven­ti­ons of man­kind. It is the deepest foun­da­ti­on of the modern slave sta­te, in which most peo­p­le feel them­sel­ves to be not­hing but pro­du­cers, con­su­mers,…

Sei doch mal konstruktiv

Wenn man dir linier­tes Papier gibt, schrei­be quer über die Zei­len. (Juan Ramón Jimé­nez) Ich kann die­sen dum­men Spruch nicht mehr hören: Sei doch mal kon­struk­tiv! Wie­so näm­lich soll­te ich kon­struk­tiv sein, mich also irgend­wie an der…

Arbeit ist Scheiße!

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Arbeit ist Schei­ße! Bei die­ser Aus­sa­ge han­delt es sich um eine selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che, und wäre spe­zi­ell die deut­sche Gesell­schaft nicht so ver­blö­det, müß­te man sich schä­men, eine sol­che Bana­li­tät zu Papier zu brin­gen. Wie fort­ge­schrit­ten…
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Was ist bloß mit mir los?

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»Mei­ne Wohl­tä­te­rin Rachel Soko­low«, begann Isma­el, »zähl­te im Col­lege einen jun­gen Mann namens Jef­frey zu ihren Freun­den, des­sen Vater ein rei­cher Chir­urg war. Jef­frey wur­de im Leben vie­ler Men­schen damals und auch spä­ter zu einer…
Eine Hand hält einen positiven Covid-Schnelltest. Im Hintergrund liegt die Packung des Tests.Meda­kit Ltd via Unsplash

Covid gibt es nicht – war­um alle immer nur erkäl­tet sind

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Mei­nen Eltern war es seit Pan­de­mie­be­ginn gelun­gen, sich von Coro­na fern­zu­hal­ten, denn sie waren sehr vor­sich­tig. Sie tru­gen Mas­ken, sie tes­te­ten sich regel­mä­ßig, sie mie­den grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen und schaff­ten es auf die­se Art, sich kein…

Wohin mit den gan­zen Wörtern?

Fragst Du Dich auch manch­mal, was mit den gan­zen Wör­tern pas­siert, die Du im Lau­fe des Tages nicht gespro­chen oder geschrie­ben hast? Ich stel­le mir ger­ne vor, dass ich für man­ches ein täg­li­ches oder wöchent­li­ches Kon­tin­gent habe, z.B. für…

Sozia­le Medi­en als Eindringling

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Vor etwas mehr als acht Mona­ten fand ich dank Twit­ter die tolls­te Frau der Welt. Alles begann mit zwei belang­lo­sen Tweets, auf die der jeweils ande­re reagier­te. Aus Rep­lys wur­den bald Direkt­nach­rich­ten und schließ­lich der Gedan­ke an ein Tref­fen.…

Die Maschi­ne­rie des Staates

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Die moder­ne Geschich­te hat, den­ke ich, hin­rei­chend bewie­sen, dass jeder Mensch, oder fast jeder, unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen das tut, was man ihm sagt; und, ver­zeiht mir, die Wahr­schein­lich­keit ist gering, dass ihr die Aus­nah­me seid – so…

Schu­le – eine kri­ti­sche Funktionsbetrachtung

Ange­sichts der ernüch­tern­den Ergeb­nis­se der unter den gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Umstän­den durch­ge­führ­ten Bemü­hun­gen, die sozia­len Chan­cen­un­gleich­hei­ten im Bil­dungs­sys­tem abzu­bau­en, ist der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wel­che Funk­ti­on das Schul­sys­tem…

Bil­dungs­ent­schei­dun­gen als Habitus-Handlungen

„In der Regel feh­len denen, die über Bil­dungs­ka­pi­tal in nen­nens­wer­tem Umfang nicht ver­fü­gen, die ›rich­ti­gen‹ Infor­ma­tio­nen für eine in die höchs­ten Posi­tio­nen füh­ren­de Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on, es fehlt ihnen die Ver­traut­heit mit den Struk­tu­ren…

Bil­dung bekämpft Armut?

„Kin­der aus sozi­al benach­tei­lig­ten Fami­li­en gehö­ren zwar zu den größ­ten Bildungsverlierer(inne)n, ihre Armut basiert jedoch sel­ten auf fal­schen oder feh­len­den Schul­ab­schlüs­sen, denn die Letz­te­ren sind höchs­tens Aus­lö­ser und Ver­stär­ker,…
Das Bild besteht aus zwei Panels, die nebeneinander stehen. In beiden Szenen versuchen drei Personen unterschiedlicher Körpergröße, über einen Holzzaun ein Baseballspiel zu verfolgen. Linkes Panel "Equality" (Gleichheit): Die Situation: Jede der drei Personen steht auf genau einer Holzkiste. Die große Person steht weit über dem Zaun und hat eine perfekte Sicht. Die mittelgroße Person kann gerade so über den Zaun schauen. Die kleine Person starrt direkt gegen die Bretter des Zauns und kann nichts vom Spiel sehen. Rechtes Panel "Equity" (Gerechtigkeit ): Die Kisten wurden basierend auf dem individuellen Bedarf verteilt. Die große Person benötigt keine Hilfe und steht nun ohne Kiste auf dem Boden (sie kann immer noch alles sehen). Die mittelgroße Person steht weiterhin auf einer Kiste. Die kleine Person hat nun zwei Kisten übereinander gestapelt bekommen. Alle drei Personen befinden sich nun auf der gleichen Augenhöhe über der Oberkante des Zauns. Jeder kann das Spiel gleichermaßen genießen.Inter­ac­tion Insti­tu­te for Social Chan­ge | Artist: Angus Maguire

Das Mär­chen von der Leistungsgesellschaft

Leis­tungs­ge­sell­schaft oder Meri­to­kra­tie bedeu­tet sinn­ge­mäß eine „Herr­schafts­ord­nung nach Maß­ga­be von Bega­bung und Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen“ (Becker & Hadjar, 2011, S. 39), wonach sozia­le Unter­schie­de nicht per se als unge­recht…

Bil­dung – mehr als nur Schulbildung

Wäh­rend Bil­dung „im tra­di­tio­nel­len Sin­ne (…) als die erar­bei­ten­de und aneig­nen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt schlecht­hin und Inbe­griff der Selbst­ver­wirk­li­chung des Mensch­li­chen im Men­schen“ (Büch­ner, 2003, S. 7) ver­stan­den wird,…

Öko­no­mi­sches, kul­tu­rel­les und sozia­les Kapital

Im Kon­text des Habi­tus­kon­zepts und der Bour­dieu­schen Milieu­for­schung ist von öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem sowie sozia­lem Kapi­tal die Rede. Um die­se ver­schie­de­nen For­men des Kapi­tals, die bei Bour­dieu zur Spra­che kom­men, zu betrach­ten, ist es zunächst…

Habi­tus, Her­kunft und Bildungserfolg

(Re-)Produktion und Legi­ti­ma­ti­on sozia­ler Ungleich­heit durch das Bil­dungs­sys­tem Obwohl es sich bei Bil­dungs­un­gleich­heit um eines der kon­ti­nu­ier­lich behan­del­ten The­men der sozio­lo­gi­schen For­schung han­delt, fris­te­te es im öffent­li­chen Bewusst­sein…

Die kom­men­den Tage (2)

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Vor etwas mehr als einem hal­ben Jahr habe ich im Bei­trag »Die kom­men­den Tage« die sozia­len Fol­gen der anhal­ten­den Kri­se sowie die auf­kei­men­den Pro­tes­te der Occu­py- als auch ande­rer Bewe­gun­gen skiz­ziert und ver­sucht, deren wei­te­re Ent­wick­lung…

Kri­tik macht einsam

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Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Sys­tem und sei­ner Pro­pa­gan­da macht ein­sam. Denn in aller Regel zieht ja das sozia­le Umfeld (Kol­le­gen, Fami­lie, Freun­de, Part­ner etc.) nicht mit, wenn einer anfängt, herr­schen­de Ideo­lo­gien in Fra­ge zu stel­len.…

Die kom­men­den Tage

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Wir leben in tur­bu­len­ten Zei­ten. Der Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn heu­te ken­nen, fin­det sein Ende – auf die eine oder auf die ande­re Art. Anstatt die Kri­se aber als Bedro­hung und das Schei­tern des Kapi­ta­lis­mus als Unter­gang der Welt wahr­zu­neh­men,…

Was die Leh­rer für Leis­tung halten

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Die Zeit bis zum Schul­jah­res-Ende ver­geht. Ich bil­de mir ein, ich leis­te in die­ser Zeit etwas. Aber mit Leis­tung kann einer dies und der ande­re das mei­nen. Ich bin der Mei­nung, ich leis­te etwas, was die Leh­rer für Leis­tung hal­ten. Für mei­nen…

Sym­bo­li­sche Gewalt (2)

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Die [gesell­schaft­lich] glei­cher­ma­ßen erfahr­ba­ren For­men struk­tu­rel­ler und sym­bo­li­scher Gewalt wer­den für die Deklas­sier­ten und Dequa­li­fi­zier­ten umso leid­vol­ler und ent­waff­nen­der, als sie unter den Vor­zei­chen und Ver­hei­ßun­gen einer an indi­vi­du­el­ler…

Arbeit ver­höhnt Freiheit

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Arbeit ver­höhnt die Frei­heit. Offi­zi­ell kön­nen wir uns glück­lich schät­zen, von Rechts­staat und Demo­kra­tie umge­ben zu sein. Ande­re arme Unglück­li­che, die nicht so frei sind wie wir, müs­sen in Poli­zei­staa­ten leben. Die­se Opfer fol­gen Befeh­len,…

Mehr des­sel­ben

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Unter einer Stra­ßen­la­ter­ne steht ein Betrun­ke­ner und sucht und sucht. Ein Poli­zist kommt daher, fragt ihn, was er ver­lo­ren habe, und der Mann ant­wor­tet: »Mei­nen Schlüs­sel«. Nun suchen bei­de. Schließ­lich will der Poli­zist wis­sen, ob der…

Sozia­ler Raum und sozia­le Felder

Zen­tral für das Kon­zept des sozia­len Raums und der sozia­len Fel­der ist das Begrei­fen der sozia­len Wirk­lich­keit als einer rela­tio­na­len. Jeder Akteur inner­halb der sozia­len Wirk­lich­keit fin­det sich an einem Punkt die­ses sozia­len Rau­mes wie­der,…

Habi­tus – Ent­ste­hung und Abgren­zung zum Kon­zept der sozia­len Rolle

Der Begriff des Habi­tus selbst ist bereits weit­aus älter als Bour­dieus Aus­ar­bei­tung des hier im Fokus ste­hen­den Kon­zepts. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt der Ent­ste­hung des Bour­dieu­schen Habi­tus-Kon­zepts ist aller­dings nicht benenn­bar, führt er den…

Habi­tus und Komplizenschaft

„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über…

Legi­ti­mier­ter Schwindel

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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in…

Nor­ma­li­tät

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzep­tie­ren. (Mar­ga­re­te…

Schu­le als Ideologie

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Betrach­tet man die Ent­wick­lungs­dy­na­mik von Bil­dungs­sys­te­men, dann drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Schu­le selbst sozi­al selek­tiv auf die Sozia­li­sa­ti­ons­prak­ti­ken ein­wirkt und sys­te­ma­tisch die Prak­ti­ken bestimm­ter Bevöl­ke­rungs­grup­pen…

Sym­bo­li­sche Gewalt

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Das sym­bo­li­sche Kapi­tal besteht aus einem belie­bi­gen Merk­mal, Kör­per­kraft, Reich­tum, Kampf­erprobt­heit, das wie eine ech­te magi­sche Kraft sym­bo­li­sche Wir­kung ent­fal­tet, sobald es von sozia­len Akteu­ren wahr­ge­nom­men wird, die über die zum Wahr­neh­men,…

Was ist Klassenkampf?

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Wenn vom Klas­sen­kampf die Rede ist, denkt man nie­mals an sei­ne ganz all­täg­li­chen For­men, an die rück­sichts­lo­se gegen­sei­ti­ge Ver­ächt­lich­ma­chung, an die Arro­ganz, an die erdrü­cken­den Prah­le­rei­en mit dem »Erfolg« der Kin­der, mit den Feri­en,…

Ent­hül­len und demaskieren

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Die Wahr­schein­lich­keit einer Hand­lung oder eines Phä­no­mens zu ken­nen, kann auch hei­ßen, die Chan­cen jener Aktio­nen zu ver­grö­ßern, die dar­auf abzie­len, die Rea­li­sie­rung eben die­ses Phä­no­mens zu ver­hin­dern. Aber das ist nicht alles. Vie­le…

Distink­ti­on

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Was »Distink­ti­on« ist, was »Unter­schied« ist, läßt sich, so mei­ne Ansicht, immer nur rela­tiv sagen, in Bezie­hung zu ande­rem. Im Grun­de heißt »distin­gu­iert« sein: »nicht popu­lär« sein – und sonst nichts. Per Defi­ni­ti­on sind die unte­ren…

Poli­ti­scher Aktivismus

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Der poli­ti­sche Akti­vist soll­te nicht jemand sein, der Pla­ka­te klebt oder vor­ge­form­te Paro­len ver­brei­tet. Es soll­te jemand sein, der sei­ne Spra­che spricht, um etwas zu sagen, und der dies dann auch sagt. Der sich aus­drückt und der sich dafür…

Pro­blem­be­wusst­sein

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Mit Mes­sern kann man sich ver­let­zen, daher soll man sie ver­mei­den; Tür­klin­ken sind tat­säch­lich mit Bak­te­ri­en bedeckt. Wer weiß, ob man mit­ten im Sym­pho­nie­kon­zert nicht doch plötz­lich auf die Toi­let­te muß, oder ob man das Schloß beim Nach­prü­fen…

Effi­zi­en­te Herrschaft

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In den Gesell­schaf­ten, die kei­nen »self-regu­la­ting mar­ket« (Karl Pol­anyi), kein Unter­richts­sys­tem und kei­nen juris­ti­schen oder staat­li­chen Appa­rat auf­wei­sen, kön­nen sich die Herr­schafts­be­zie­hun­gen, da sie nicht den objek­ti­ven Struk­tu­ren selbst…

War­um Frei­zeit nicht Frei­heit ist

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Das Gegen­teil von Arbeit ist nicht bloß Faul­heit. (…) So sehr ich das Ver­gnü­gen der Träg­heit schät­ze, ist sie doch wohl am loh­nends­ten, wenn sie ande­ren Genuß und Zeit­ver­treib unter­bricht. Genau­so­we­nig wer­be ich für das gelenk­te und…

Umfra­gen und Demokratie

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Vie­le Intel­lek­tu­el­le tun so, als wür­den sie glau­ben, oder glau­ben wirk­lich, daß ich gegen die Demo­kra­tie Posi­ti­on bezie­he, wenn ich sage, die öffent­li­che Mei­nung exis­tiert nicht, die Umfra­gen sind gefähr­lich. Weil, sagen sie, die Umfra­gen…

An die Lieblosen

Ihr seid die lieb­lo­ses­ten Men­schen, die ich ken­ne. Ihr schaut euch Sen­dun­gen an, in denen Ande­re, die in ihrem Leben noch nie eine ernst­haf­te Part­ner­schaft erlebt haben, ein­mal von der Lie­be spre­chen, von dem, was das nun für sie ist, und ihr,…

Den Tisch umwerfen

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Der [sozia­le] Raum, das sind hier die Spiel­re­geln, denen sich jeder Spie­ler beu­gen muß. Vor sich haben die Spie­ler ver­schie­den­far­bi­ge Chips auf­ge­sta­pelt, Aus­beu­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den. Die unter­schied­lich gefärb­ten Chips stel­len unter­schied­li­che…

Eth­no­zen­tris­mus

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Den Kar­ren von mei­ner Hand in die sei­ne wech­selnd, erzähl­te er mir eine lus­ti­ge Geschich­te über den ers­ten Schub­kar­ren, den er je gese­hen. Das war in Sag Har­bor. Die Eig­ner des Schif­fes, so scheint es, hat­ten ihm einen gelie­hen, um sei­ne schwe­re…

Weni­ger ist mehr

Sel­ten unter­neh­me ich etwas mit mehr als drei Men­schen auf ein­mal. Viel­leicht mag das unso­zi­al erschei­nen, doch für mich ist es genau das Gegen­teil. Ich mei­de Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen und blei­be Tref­fen fern, wenn abseh­bar ist, dass am Ende mehr…

Beschleu­nig­tes Leben

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Im Bewusst­sein der Zeit­lich­keit setzt sich der Knacks durch. Auch wo er nicht iden­ti­fi­ziert wird, bricht er sich Bahn in den zuwi­der­lau­fen­den Kräf­ten, etwa im Ver­such, sei­ner Arbeit mit einer Beschleu­ni­gung des Lebens­ge­fühls zu begeg­nen. Mach…

In der Wahr­heit leben

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Was heißt das, »in der Wahr­heit leben«? Eine nega­ti­ve Defi­ni­ti­on ist ein­fach: es heißt, nicht zu lügen, sich nicht zu ver­ste­cken, nichts zu ver­heim­li­chen. Seit Franz Sabi­na kennt, lebt er in der Lüge. Er erzählt sei­ner Frau von einem…

Wenn jeder täte, was er für wich­tig hielte

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Wo immer näm­lich die­se Gesell­schaft nicht funk­tio­niert, wo immer sie ver­sagt, wird ihr Ver­sa­gen an den Ärms­ten offen­bar. Jede Ver­än­de­rung im sozia­len Raum, jede Ver­schär­fung des Wett­be­werbs, jede Zunah­me an Gewalt im öffent­li­chen Leben,…

Wenn die Din­ge ihre Besit­zer besitzen

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Die ursprüng­li­che Bezie­hung zu der sozia­len Welt, durch die und für die man geschaf­fen ist, ist ein Besitz­ver­hält­nis, das den Besitz des Besit­zers durch sei­ne Besitz­tü­mer impli­ziert. Wenn das Erbe sich den Erben ange­eig­net hat, wie Marx…

Kampf der Kultur

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In jeder Hin­sicht ist Kul­tur Ergeb­nis eines Kamp­fes. Das ver­steht sich von selbst, weil mit der Idee der Kul­tur auch immer die mensch­li­che Wür­de auf dem Spiel steht. Das bedeu­tet, daß in einer Klas­sen­ge­sell­schaft die­je­ni­gen, die von der Kul­tur…

Deu­tungs­ho­heit

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Der ande­re Trick besteht dar­in, dem Part­ner eben­so hef­ti­ge wie nebel­haf­te Vor­wür­fe zu machen. Wenn er dann wis­sen will, was Sie eigent­lich mei­nen, kön­nen Sie die Fal­le mit dem zusätz­li­chen Hin­weis her­me­tisch schlie­ßen: »Wenn du nicht der…

Poli­tik und Medienmacht

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Der Jour­na­lis­mus ist tat­säch­lich einer der Orte, an dem die poli­ti­sche Magie ent­steht und bestä­tigt wird. Damit Magie ent­steht (…), braucht es eine Men­ge sozia­ler Vor­aus­set­zun­gen: Zau­be­rer, Assis­ten­ten, Publi­kum usf. Und auch die Welt der…

Dunk­le Empathie

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»Aoki war ein sehr guter Schü­ler, er hat­te fast immer die bes­te Note. Ich ging auf eine pri­va­te Jun­gen­schu­le, und Aoki war ziem­lich beliebt. Die Klas­se schätz­te ihn, und er war der Lieb­ling der Leh­rer. Aber ich konn­te sei­ne prag­ma­ti­sche…

Zwi­schen­mensch­li­che Effizienz

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In all den Dis­kus­sio­nen um die Vor- und Nach­tei­le sowie die rea­len oder nur pro­ji­zier­ten Gefah­ren sozia­ler Inter­net-Diens­te ver­mis­se ich bis­lang einen Aspekt, den ich für sehr zen­tral und für mit weit­rei­chen­den Fol­gen ver­bun­den hal­te: Effi­zi­enz. Ver­steht…

Regiert sein heißt…

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Regiert sein, das heißt unter poli­zei­li­cher Über­wa­chung ste­hen, inspi­ziert, spio­niert, diri­giert, mit Geset­zen über­schüt­tet, regle­men­tiert, ein­ge­pfercht, belehrt, bepre­digt, kon­trol­liert, ein­ge­schätzt, abge­schätzt, zen­siert, kom­man­diert…

Indi­vi­dua­li­sier­te Schuld

Ein Over­kill an Infor­ma­tio­nen, das Errei­chen des eige­nen Auf­nahm­eli­mits, Über­for­de­rung am Arbeits­platz, das Ver­zwei­feln an gesell­schaft­li­chen Zumu­tun­gen, phy­si­sche Beschwer­den – all das spielt kei­ne Rol­le, denn man hat sich an den Trott gewöhnt.…

Die Abschaf­fung der Arbeit

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Nie­mand soll­te jemals arbei­ten. Arbeit ist die Ursa­che nahe­zu allen Elends in der Welt. Fast jedes erdenk­li­che Übel geht aufs Arbei­ten oder auf eine fürs Arbei­ten ein­ge­rich­te­te Welt zurück. Um das Lei­den zu been­den, müs­sen wir auf­hö­ren…

Da kann man nichts tun

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In einem sei­ner Fil­me, The Fatal Glass of Beer, zeigt ein Alt­meis­ter der ame­ri­ka­ni­schen Film­ko­mik, W. C. Fields, den erschröck­li­chen, unauf­halt­sa­men Nie­der­gang eines jun­gen Man­nes, der der Ver­su­chung nicht wider­ste­hen kann, sein ers­tes Glas…

Die Ideo­lo­gie natür­li­cher Begabung

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Zu mei­nen, wenn man allen glei­che wirt­schaft­li­che Mit­tel bereit­stel­le, gäbe man auch allen, sofern sie die uner­läß­li­che „Bega­bung“ mit­bräch­ten, glei­che Chan­cen (…), hie­ße in der Ana­ly­se der Hin­der­nis­se auf hal­bem Wege ste­hen­blei­ben…

Wie das Bil­dungs­we­sen Macht verschleiert

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Will man sich davon über­zeu­gen, daß die ver­bor­gens­te und spe­zi­fischs­te Funk­ti­on des Bil­dungs­sys­tems in der Tar­nung sei­ner objek­ti­ven Funk­ti­on, das heißt der objek­ti­ven Wahr­heit sei­ner Rela­ti­on zur Struk­tur der Klas­sen­be­zie­hun­gen steht, braucht…

Herr­schafts­ge­hil­fen

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Die erns­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie besteht nicht in der Exis­tenz tota­li­tä­rer frem­der Staa­ten. Sie besteht dar­in, daß in unse­ren eige­nen per­sön­li­chen Ein­stel­lun­gen und in unse­ren eige­nen Insti­tu­tio­nen Bedin­gun­gen herr­schen, die der Auto­ri­tät…

Was ist Soziologie?

Ein Mathe­ma­ti­ker, der eini­ge Sozio­lo­gie-Ver­an­stal­tun­gen besuch­te, resü­mier­te bei­des wie folgt: Wäh­rend ihm die Mathe­ma­tik mehr oder min­der ein­deu­ti­ge Ant­wor­ten lie­fe­re, zumin­dest aber meist Ant­wor­ten, und ihm gleich­zei­tig als Bezugs­punkt…

Hedo­nis­mus der Not

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Gegen­über der ima­gi­nä­ren Anthro­po­lo­gie der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, die sich noch nie der For­mu­lie­rung uni­ver­sel­ler Geset­ze der »zeit­li­chen Prä­fe­renz« ent­schla­gen konn­te, ist dar­an zu erin­nern, daß die jewei­li­ge Geneigt­heit zur Unter­ord­nung…

Die Dop­­pel­stock­­wa­­gen-Gesel­l­­schaft

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In der Regio­nal­bahn, eine wah­re Bege­ben­heit. Zwei älte­re Her­ren betre­ten den Dop­pel­stock­wa­gen und suchen sich einen Sitz­platz im obe­ren Bereich: #1: Das sind doch schö­ne Plät­ze. Ich mag es hier oben. #2: Aber du weißt: Wenn man erst…

Refle­xi­on

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Eines der wich­tigs­ten Prin­zi­pi­en, das man erler­nen soll­te, wenn man sich – ob als Sozio­lo­ge oder ganz all­ge­mein – mit gesell­schaft­li­chen Phä­no­me­nen aus­ein­an­der­setzt und dabei Argu­men­ten, Sta­tis­ti­ken, Erklä­run­gen, Beschrei­bun­gen, Insti­tu­tio­nen,…

Men­schen ändern sich

Wer glaubt, etwas zu sein, hat auf­ge­hört, etwas zu wer­den. (Sokra­tes) In einem Pro­jekt, an dem ich bis vor cir­ca einem Jahr betei­ligt war, fiel einer der Mit­ar­bei­ter wie­der­holt durch Unpünkt­lich­keit, Unzu­ver­läs­sig­keit und man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit…

Die Welt so sehen, wie sie ist

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Ich glau­be, nie­mand möch­te die sozia­le Welt so sehen, wie sie ist; es gibt vie­le Arten, sie zu ver­leug­nen; es gibt die Kunst, natür­lich. Aber es gibt auch eine Form von Sozio­lo­gie, die die­ses bemer­kens­wer­te Ergeb­nis zustan­de­bringt, näm­lich…

For­ma­le Gleich­heit als Herrschaftsinstrument

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Damit die am meis­ten Begüns­tig­ten begüns­tigt und die am meis­ten Benach­tei­lig­ten benach­tei­ligt wer­den, ist es not­wen­dig wie hin­rei­chend, dass die Schu­le beim ver­mit­tel­ten Unter­richts­stoff, bei den Ver­mitt­lungs­me­tho­den und ‑tech­ni­ken und bei…

Über­zeu­gungs­ar­beit

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Wenn ich eine der vie­len Polit- oder Gesell­schafts-Talk­shows sehe, womit nicht deren wenig ernst­zu­neh­men­de nach­mit­täg­li­che Deri­va­te auf den pri­va­ten Sen­dern gemeint sind, rege ich mich meist recht schnell auf. Es ist rela­tiv egal, ob die Dis­kus­si­on…

Arbeit­ge­ber­fil­ter

Viel liest man über die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die es haben kann, füt­tert man sozia­le Netz­wer­ke, die eige­ne Home­page oder Blogs mit per­sön­li­chen Infor­ma­tio­nen. Wenn­gleich vie­les davon auch zutref­fend ist und die opti­mier­te Selbst­in­sze­nie­rung…

Stö­ren­des Hintergrundrauschen

Seit Jah­ren schon möch­te ich ein Buch über etwas schrei­ben, das mir sehr am Her­zen liegt. Oder wenigs­tens ein PDF mit vie­len Sei­ten. Der Ursprung die­ses Wun­sches liegt in mitt­ler­wei­le schon nicht mehr fass­ba­rer Ver­gan­gen­heit, doch einen ernst­haf­ten…

Spie­ßig­keit

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Man kann im Prenz­lau­er Berg ein­fach im lin­ken Habi­tus wei­ter­le­ben. Das ist ja das Schö­ne. Man kann sich tole­rant füh­len, weil Tole­ranz nicht auf die Pro­be gestellt wird. (…) Der Schrift­stel­ler Maxim Bil­ler nennt den Prenz­lau­er Berg mitt­ler­wei­le…

Selbst­ver­mark­tung mul­ti­pler Persönlichkeiten

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Sie haben sich immer über die bie­de­ren Schlips­trä­ger und Hosen­an­zug­trä­ge­rin­nen lus­tig gemacht, die bei Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen arbei­ten oder bei ande­ren, genau­so mie­fi­gen wie lang­wei­li­gen Fir­men unter­ge­kom­men sind…

Macht das glücklich?

Für einen Arbeits­platz, den sie has­sen, für eine Aus­bil­dung, die sie gar nicht wol­len, oder sogar nur für ein Prak­ti­kum, das wohl die nie­ders­te Form der Aus­beu­tung dar­stellt, tun sie alles. Sie leug­nen ihre eige­ne Mei­nung. Sie leug­nen…

Kei­ner trägt das Leben allein

Gut ist es, an andern sich zu hal­ten. Denn kei­ner trägt das Leben allein. (Fried­rich Höl­der­lin) Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­men­schen ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße. Das gilt vor allem, aber nicht exklu­siv, für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Freun­den. Kom­mu­ni­ka­ti­on…

Irgend­ei­ne

Das Ende des Jah­res. Mit eini­gen Freun­den und Bekann­ten ging ich auf eine der vie­len Sil­ves­ter­par­tys in die­ser Nacht und die Stim­mung war super. Irgend­wann im Lau­fe des Abends saß ich mit eini­gen Leu­ten her­um und unter­hielt mich mit ihnen.…

Fach­spra­che als Abgrenzung

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Was ist die gesell­schaft­li­che Funk­ti­on der Fach­spra­che? Ich habe gesagt, ech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on sei Gemein­sam­keit und Ver­än­de­rung. Die Fach­spra­che ist nicht unschul­dig. Der Mann, der sie spricht, der vor uns von Rol­len und auf der Basis von Wech­sel­be­zie­hun­gen…

Deschoo­ling

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Edu­ca­ti­on… now seems to me per­haps the most aut­ho­ri­ta­ri­an and dan­ge­rous of all the social inven­ti­ons of man­kind. It is the deepest foun­da­ti­on of the modern slave sta­te, in which most peo­p­le feel them­sel­ves to be not­hing but pro­du­cers, con­su­mers,…

Sei doch mal konstruktiv

Wenn man dir linier­tes Papier gibt, schrei­be quer über die Zei­len. (Juan Ramón Jimé­nez) Ich kann die­sen dum­men Spruch nicht mehr hören: Sei doch mal kon­struk­tiv! Wie­so näm­lich soll­te ich kon­struk­tiv sein, mich also irgend­wie an der…

Arbeit ist Scheiße!

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Arbeit ist Schei­ße! Bei die­ser Aus­sa­ge han­delt es sich um eine selbst­ver­ständ­li­che Tat­sa­che, und wäre spe­zi­ell die deut­sche Gesell­schaft nicht so ver­blö­det, müß­te man sich schä­men, eine sol­che Bana­li­tät zu Papier zu brin­gen. Wie fort­ge­schrit­ten…
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Alle Ein­trä­ge

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„Als Ver­mitt­lungs­glied zwi­schen der Posi­ti­on oder Stel­lung inner­halb des sozia­len Rau­mes und spe­zi­fi­schen Prak­ti­ken, Vor­lie­ben, usw. fun­giert das, was ich »Habi­tus« nen­ne, das ist eine all­ge­mei­ne Grund­hal­tung, eine Dis­po­si­ti­on gegen­über der Welt, die zu sys­te­ma­ti­schen Stel­lung­nah­men führt“ (Bour­dieu, 1992b, S. 31).

Der Begriff »Habi­tus« fin­det nicht nur in der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen For­schung, son­dern auch im all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch rege Ver­wen­dung. Doch was genau ist eigent­lich dar­un­ter zu ver­ste­hen? Wie hän­gen Hand­lun­gen, Sprach- und Klei­dungs­stil, Ges­tik und Gedan­ken von der Stel­lung im sozia­len Gefü­ge ab und war­um? Wie funk­tio­niert Gesell­schaft und ist der Ein­zel­ne Opfer der äuße­ren Umstän­de oder deren Erzeu­ger? Mög­li­che Ant­wor­ten auf die­se und ähn­li­che Fra­gen lie­fert Pierre Bour­dieus Habi­tus­kon­zept, das den zuvor schon gebräuch­li­chen »Habitus«-Begriff auf­ge­grif­fen, die­sen folg­lich nicht erfun­den, aber zu einer eige­nen Theo­rie ent­wi­ckelt hat (zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te vgl. bei­spiels­wei­se Bour­dieu 2000 oder Krais/Gebauer 2002).

Das von Bour­dieu aus­ge­ar­bei­te­te Habi­tus­kon­zept beschreibt ein Sys­tem von Gren­zen und Mög­lich­kei­ten im Ver­hal­ten von Men­schen, das ein Sys­tem von Wahr­­neh­­mungs- und Urteils­sche­ma­ta und dabei „gleich­zei­tig ein Sys­tem von Sche­ma­ta der Pro­duk­ti­on von Prak­ti­ken und ein Sys­tem von Sche­ma­ta der Wahr­neh­mung und Bewer­tung der Prak­ti­ken“ (Bour­dieu 1992a, S. 144) ist. Als sol­ches Sys­tem der Gren­zen und Mög­lich­kei­ten im Ver­hal­ten bringt der Habi­tus bestimm­te For­men des Geschmacks – der durch­aus auch kör­per­lich zu ver­ste­hen ist – sowie des Lebens­stils her­vor: „wie einer spricht, tanzt, lacht, liest, was er liest, was er mag, wel­che Bekann­te und Freun­de er hat usw. – all das ist eng mit­ein­an­der ver­knüpft“ (Bour­dieu 1992b, S. 32). Die­ser indi­vi­du­el­le Geschmack, die­se Vor­lie­ben und Han­d­­lungs- sowie Denk­sche­ma­ta, also die gesam­ten Habi­tus­struk­tu­ren eines Akteurs, sind dabei abhän­gig von der jewei­li­gen sozia­len Situa­ti­on, in der sich ein Akteur wie­der­fin­det, d.h. von des­sen Posi­ti­on im sozia­len Raum und der Aus­stat­tung mit öko­no­mi­schem wie kul­tu­rel­lem Kapi­tal. Wer in einer Arbei­ter­fa­mi­lie auf­ge­wach­sen ist, wird sich in der Regel anders ver­hal­ten als ein Kind aus einer Mana­­ger- oder Künst­ler­fa­mi­lie, um nur eini­ge recht gegen­sätz­li­che Posi­tio­nen des sozia­len Spek­trums her­an­zu­zie­hen. Auf­grund des jewei­li­gen Sozia­li­sa­ti­ons­mi­lieus wird der Mensch einen ande­ren Geschmack ent­wi­ckeln, sowohl in Hin­blick auf Klei­dung, Spei­sen, Ästhe­tik und all­ge­mei­ne Lebens­füh­rung, er wird ande­re Frei­zeit­be­schäf­ti­gun­gen bevor­zu­gen, eine ande­re Spra­che gebrau­chen, einen ande­ren Ein­druck der Welt auf­wei­sen, ande­re Zukunfts­wün­sche hegen und einen ande­ren Freun­des­kreis ent­wi­ckeln, der ihm als sozia­les Kapi­tal die­nen kann. Über die eng mit der sozia­len Lage ver­knüpf­ten Erfah­run­gen, vor allem jene der selbst­ver­ständ­li­chen Ver­füg­bar­keit ver­schie­de­ner Kapi­tal­ar­ten oder im Gegen­teil deren Man­gel, begrün­det sich folg­lich der indi­vi­du­el­le Habi­tus, der dabei zugleich auch eine Ablei­tung eines gene­ra­li­sier­ten Habi­tus einer bestimm­ten sozia­len Lage ist, weil Akteu­re unter ähn­li­chen sozia­len Bedin­gun­gen in der Regel auch ähn­li­che Habi­tus aus­bil­den, da sie kol­lek­ti­ve Erfah­run­gen gemein haben: „Wer in der Wohl­ha­ben­heit, in öko­no­mi­schem und kul­tu­rel­lem Reich­tum, in der damit gege­be­nen Sicher­heit und Frei­heit auf­ge­wach­sen ist, ent­wi­ckelt nicht nur einen ande­ren Geschmack, son­dern auch ein ande­res Ver­hält­nis zur Welt als jemand, der von frü­hes­ter Kind­heit an mit Not und Not­wen­dig­keit (…) kon­fron­tiert war“ (Krais/Gebauer 2002, S. 43). Die mit der indi­vi­du­el­len sozia­len Lage ver­bun­de­nen unglei­chen Sozia­li­sa­ti­ons­er­fah­run­gen füh­ren dabei zu unter­schied­li­chen Denk­sche­ma­ta des jewei­li­gen Akteurs, zu „Gren­zen sei­nes Hirns, die er nicht über­schrei­ten kann“, wes­we­gen „für ihn bestimm­te Din­ge ein­fach undenk­bar“ (Bour­dieu 1992b, S. 33) sind, sodass der ein­zel­ne Akteur „eher abhän­gig von Bedin­gun­gen und Zufäl­len als von eige­nen Ent­schei­dun­gen und Plä­nen [ist] – bzw. genau­er: sich auch in sei­nen Ent­schei­dun­gen und Plä­nen an den ihm je zugäng­li­chen Mög­lich­keits­räu­men“ (Liebau 2009, S. 49) orientiert.

Das Habi­tus­kon­zept erklärt das Zustan­de­kom­men mensch­li­cher Dis­po­si­tio­nen, Ver­hal­tens­wei­sen und Geschmä­cker mit einer dop­pel­ten Geschicht­lich­keit, die im jewei­li­gen indi­vi­du­el­len Habi­tus inkor­po­riert, also ein­ver­leibt wird. Dies ist zum einen die per­sön­li­che Geschich­te, auch Erfah­rung genannt, und zum ande­ren die Geschich­te der gesell­schaft­li­chen Wirk­lich­keit, ver­mit­telt über die per­sön­li­che Geschich­te, was bedeu­tet, dass „Lern­pro­zes­se nicht anders denn als Erfah­run­gen in der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt begrif­fen wer­den“ (Krais/Gebauer 2002, S. 61) kön­nen. Die­se Inkor­po­rie­rung der dop­pel­ten Geschicht­lich­keit – die tat­säch­lich auch im wört­li­chen Sin­ne kör­per­lich statt­fin­det, sich also bei­spiels­wei­se in Hal­tung, Sprech­wei­se, Geschmack und Ges­tik mani­fes­tiert – erzeugt inner­halb der­je­ni­gen sozia­len Ver­hält­nis­se, die die­sen Habi­tus (aus)bilden, das Gefühl von Selbst­ver­ständ­lich­keit und gegen­sei­ti­gem Ver­ste­hen beim Han­deln, da die im Habi­tus inkor­po­rier­te sozia­le Wirk­lich­keit mit der umge­ben­den sozia­len Wirk­lich­keit über­ein­stimmt, denn „[d]ie sozia­le Rea­li­tät exis­tiert sozu­sa­gen zwei­mal, in den Sachen und in den Köp­fen, in den Fel­dern und in den Habi­tus, inner­halb und außer­halb der Akteu­re“ (Bour­dieu & Wac­quant 1996, S. 161). Eine gesell­schaft­li­che Klas­se bei­spiels­wei­se als kon­kre­te Form ähn­li­cher sozia­ler Ver­hält­nis­se ist „untrenn­bar zugleich eine Klas­se von bio­lo­gi­schen Indi­vi­du­en mit dem­sel­ben Habi­tus als einem Sys­tem von Dis­po­si­tio­nen, das alle mit­ein­an­der gemein haben, die die­sel­ben Kon­di­tio­nie­run­gen durch­ge­macht haben“ (Bour­dieu 1987a, S. 112). Der indi­vi­du­el­le Habi­tus stellt dabei eine Vari­an­te, eine Teil­men­ge eines sol­chen Klas­sen­ha­bi­tus dar, „das heißt, das Indi­vi­du­um hat wesent­li­che Ele­men­te sei­nes Habi­tus mit dem sei­ner Klas­sen­ge­nos­sen gemein­sam“ (Krais/Gebauer 2002, S. 37; vgl. Liebau 2009), da sie durch ähn­li­che Exis­tenz­be­din­gun­gen geprägt wur­den und wei­ter­hin geprägt wer­den (vgl. Bour­dieu 2011b), wobei der indi­vi­du­el­le Habi­tus die grund­le­gen­den Struk­tu­ren und Dis­po­si­tio­nen des Klas­sen­ha­bi­tus beinhal­tet, aber auf­grund der Viel­fäl­tig­keit mög­li­cher Lebens­er­fah­run­gen und sozia­ler Stel­lun­gen sowie der damit ein­her­ge­hen­den Beson­der­heit der spe­zi­fi­schen per­sön­li­chen Lebens­läu­fe indi­vi­du­ell ver­schie­den ist: „[J]edes Sys­tem indi­vi­du­el­ler Dis­po­si­tio­nen ist eine struk­tu­ra­le Vari­an­te der ande­ren Sys­te­me, in der die Ein­zig­ar­tig­keit der Stel­lung inner­halb der Klas­se und des Lebens­laufs zum Aus­druck kommt“ (Bour­dieu 1987a, S. 113). Die­ses Prin­zip der struk­tu­ra­len Vari­an­te eines grund­le­gen­den Grup­pen­ha­bi­tus kann ana­log für das ana­ly­ti­sche Kon­strukt objek­ti­ver sozia­ler Milieus her­an­ge­zo­gen wer­den, sofern deren Akteu­re jeweils unter ähn­li­chen Exis­tenz­be­din­gun­gen leben und ent­spre­chen­de Erfah­run­gen durch­lau­fen haben.

Ent­spre­chend las­sen sich sche­ma­tisch drei grund­le­gen­de Habi­tus­struk­tu­ren iden­ti­fi­zie­ren, die unter­schied­li­chen Posi­tio­nen im sozia­len Raum zuge­ord­net wer­den kön­nen, näm­lich zum einen der Habi­tus der Distink­ti­on, der Habi­tus des Stre­bens sowie der Habi­tus der Not(wendigkeit) (vgl. Hart­mann 2004, S. 90; Bour­dieu 1992b).

In den unte­ren Milieus lässt sich auf­grund feh­len­der öko­no­mi­scher Res­sour­cen und einer ent­spre­chend ein­ge­schränk­ten Zukunfts­si­cher­heit vor allem der Habi­tus der Not vor­fin­den, auch als ‚prak­ti­scher Mate­ria­lis­mus‘ bezeich­net, der aus der Not gebo­ren, infol­ge­des­sen dar­an ange­passt und auf das Hier und Jetzt aus­rich­tet ist, auf das „Gegen­wär­tig­sein im Gegen­wär­ti­gen“ (Bour­dieu 1982, S. 297; vgl. Krais/Gebauer 2002): „Aus der Not her­aus ent­steht ein Not-Geschmack, der eine Art Anpas­sung an den Man­gel ein­schließt und damit ein Sich-in-das-Not­­wen­­di­­ge-fügen, ein Resi­gnie­ren vorm Unaus­weich­li­chen“ (Bour­dieu 1982, S. 585).

Dem­ge­gen­über ist in den klein­bür­ger­li­chen Milieus der Mit­te der Habi­tus des Stre­bens vor­herr­schend. Er ist auf Auf­stieg fokus­siert und daher in Kon­trast zum Habi­tus der Not nicht auf den Augen­blick, son­dern viel­mehr auf die Zukunft aus­ge­rich­tet, was gegen­wär­ti­gen Ver­zicht bis hin zur Aske­se zuguns­ten zukünf­ti­ger Erträ­ge und Befrie­di­gun­gen im Sin­ne der Rea­li­sie­rung der Auf­stiegs­aspi­ra­tio­nen ein­schließt. Der im Ver­gleich mit den obe­ren Milieus rela­ti­ve Man­gel an Res­sour­cen wird durch Habi­tus­dis­po­si­tio­nen wie Ehr­geiz zu kom­pen­sie­ren ver­sucht: „[V]erhältnismäßig arm an öko­no­mi­schem, kul­tu­rel­lem und sozia­lem Kapi­tal, kann sie [die klein­bür­ger­li­che Mit­tel­schicht; MM] ihre ›Ansprü­che‹ nur ›nach­wei­sen‹ und sich damit Aus­sich­ten auf deren Rea­li­sie­rung eröff­nen, wenn sie bereit ist, dafür durch Opfer, Ver­zicht, Ent­sa­gung, Eifer, Dank­bar­keit — kurz: durch Tugend zu zah­len“ (Bour­dieu 1982, S. 528). Dies führt sowohl zu oft­mals sehr bemüh­ten und daher unsi­che­ren Anknüp­fungs­ver­su­chen an die Pra­xen obe­rer Milieus als auch zu Abgren­zungs­be­stre­bun­gen gegen­über unte­ren sozia­len Lagen.

Der Habi­tus der Distink­ti­on wie­der­um ist in der Regel den Milieus der Ober­schicht vor­be­hal­ten. Er ist geprägt durch und prägt sei­ner­seits die herr­schen­de Kul­tur, was sich in strik­ter Abgren­zung und ent­spre­chen­dem Abstand nach unten mani­fes­tiert (vgl. Bour­dieu 1992b, S. 39). Im Gegen­satz zu den Anknüp­fungs­be­mü­hun­gen der mitt­le­ren Milieus, die gera­de durch ihr Stre­ben nach Zuge­hö­rig­keit zur herr­schen­den Kul­tur ihre Nicht­zu­ge­hö­rig­keit offen­ba­ren, zeich­nen sich die Habi­tus der obe­ren Milieus durch eine Selbst­ver­ständ­lich­keit und Selbst­si­cher­heit im Umgang mit Hoch- bzw. legi­ti­mer Kul­tur aus: „Die­se Sou­ve­rä­ni­tät, die den spie­le­ri­schen Umgang mit den gül­ti­gen Regeln beinhal­tet, macht die ent­schei­den­de Dif­fe­renz aus zwi­schen denen, die dazu gehö­ren, und denen, die nur dazu­ge­hö­ren möch­ten“ (Hart­mann 2004, S. 142). Distink­ti­on ent­steht hier nicht durch Distink­ti­ons­be­mü­hen, son­dern – in Anleh­nung an die sozia­le Magie der sym­bo­li­schen Wirk­sam­keit die­ses selbst­ver­ständ­li­chen Ver­hal­tens – ‚auto­ma­gisch‘ durch den Umstand, dass „man nicht auf Distink­ti­on, auf Sich-unter­­schei­­den-wol­­len aus ist: die ›wirk­lich distin­gu­ier­ten‹ Leu­te sind die, die sich nicht dar­um küm­mern, es zu sein“ (Bour­dieu 1989, S. 18), da ihr Habi­tus milieu­s­pe­­zi­­fisch-selb­st­­ver­­­stän­d­­li­che Pra­xen her­vor­bringt, die ohne bewuss­tes Abgren­zungs­be­mü­hen des Akteurs Distink­ti­on bewirken.

Ein Akteur han­delt folg­lich inner­halb jener sozia­len Ver­hält­nis­se, die sei­nem Habi­tus ent­spre­chen und des­sen Struk­tu­ren strukturier(t)en, inner­halb sei­nes Milieus oder sei­ner Klas­se voll­kom­men intui­tiv und gene­ra­tiv krea­tiv gemäß der ent­spre­chen­den Logik der gesell­schaft­li­chen Pra­xis und kann sich ohne bewuss­ten Rück­griff auf bestimm­te Regeln oder Nor­men „wie ein Fisch im Was­ser“ (Bourdieu/Wacquant 1996, S. 161) in die­ser Umge­bung bewe­gen, auf die er objek­tiv abge­stimmt ist, ohne dass jedoch eine expli­zi­te Abspra­che oder direk­te Inter­ak­ti­on zwi­schen den Akteu­ren (vgl. Bour­dieu 1987a, S. 109) noch eine sub­jek­ti­ve Zweck­aus­rich­tung statt­fän­de: „Dies kann in dem Gefühl zum Aus­druck kom­men, genau »am rich­ti­gen Platz« zu sein, genau das zu tun, was man zu tun hat, und es auf glück­li­che Wei­se – im objek­ti­ven wie im sub­jek­ti­ven Sin­ne – zu tun oder in der resi­gnier­ten Über­zeu­gung, nichts ande­res tun zu kön­nen, auch eine frei­lich weni­ger glück­li­che Wei­se, sich für das, was man tut, geschaf­fen zu füh­len“ (Bour­dieu 2011a, S. 31f). Der jewei­li­ge Akteur als Inha­ber eines bestimm­ten Habi­tus fühlt sich dem­zu­fol­ge gemäß einer Art „sen­se of one’s place“ (Goff­man zitiert nach Bour­dieu 1992a, S. 141) in einer Umwelt am bes­ten auf­ge­ho­ben und zuge­hö­rig, die in ihrem kol­lek­ti­ven Habi­tus am ehes­ten sei­nem indi­vi­du­el­len Habi­tus ent­spricht, d.h. der Habi­tus „bewirkt, daß man hat, was man mag, weil man mag, was man hat“ (Bour­dieu 1982, S. 286) — „einen Umstand, den Bour­dieu auch als »amor fati« bezeich­net, als Wahl oder Anneh­men des Schick­sals“ (Krais/Gebauer 2002, 43). Durch die­ses Gespür für den »rich­ti­gen« Platz, die damit ver­bun­de­ne Akzep­tanz des eige­nen »Schick­sals« und die unbe­wuss­te »Wahl« einer dem per­sön­li­chen Habi­tus ent­spre­chen­den Umwelt „schützt sich der Habi­tus vor Kri­sen und kri­ti­scher Befra­gung, indem er sich ein Milieu schafft, an das er so weit wie mög­lich vor­an­ge­paßt ist, also eine rela­tiv kon­stan­te Welt von Situa­tio­nen, die geeig­net sind, sei­ne Dis­po­si­tio­nen dadurch zu ver­stär­ken, daß sie sei­nen Erzeug­nis­sen den auf­nah­me­be­rei­tes­ten Markt bie­ten“ (Bour­dieu 1987a, S. 114). Es wird dadurch ein sozia­ler Zusam­men­hang her­ge­stellt, der unbe­wusst ver­bin­det, d.h. „[d]er sozia­le Zusam­men­halt wird immer wie­der gestif­tet durch die Wahl­ver­wandt­schaf­ten, die sich aus einem gemein­sa­men Habi­tus und Geschmack erge­ben und die sich in (…) Hand­lungs­ge­mein­schaf­ten ver­kör­pern“ (Ves­ter et al. 2001, S. 169).

Das Habi­tus­kon­zept und dar­auf auf­bau­en­de Kon­zep­te begrei­fen „die Indi­vi­du­en weder als blo­ße Objek­te vor­ge­ge­be­ner objek­ti­ver Struk­tu­ren noch als völ­lig freie Sub­jek­te, son­dern in der Wech­sel­wir­kung ihrer Bezie­hun­gen, in denen sie bei­des sind“ (Ves­ter et al. 2001, S. 150). Gleich­zei­tig wird das Indi­vi­du­um als ein von Geburt an ver­ge­sell­schaf­te­ter Akteur betrach­tet, womit das Habi­tus­kon­zept die künst­li­che Ent­ge­gen­set­zung von Indi­vi­du­um und Gesell­schaft über­win­det: „Man wird nicht Mit­glied einer Gesell­schaft, son­dern ist es von Geburt an (…) und von Geburt an befin­det man sich in einer akti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit der Welt“ (Krais/Gebauer 2002, S. 61). Auf die­se Wei­se wird eine Brü­cke zwi­schen Indi­vi­du­um und Gesell­schaft, zwi­schen Struk­tu­ra­lis­mus und Kon­struk­ti­vis­mus geschla­gen, die eine gegen­sei­ti­ge Beein­flus­sung bedingt sowie die unbe­wuss­te und objek­tiv auf­ein­an­der abge­stimmt erschei­nen­de Ver­hal­tens­grund­la­ge für das völ­lig selbst­ver­ständ­li­che und ange­pass­te Inter­agie­ren zwi­schen Akteu­ren mit mehr oder weni­ger homo­ge­nen Habi­tus erlaubt, die auf eben­so mehr oder weni­ger homo­ge­nen Exis­tenz­be­din­gun­gen basie­ren. Der Habi­tus ist dem­zu­fol­ge struk­tu­rier­te und struk­tu­rie­ren­de Struk­tur zugleich, die „kon­stant auf prak­ti­sche Funk­tio­nen aus­ge­rich­tet ist“ (Bourdieu/Wacquant 1996, S. 154), denn „[m]it dem Habi­tus sind wir in der Welt und haben die Welt in uns“ (Krais/Gebauer 2002, S. 61) — wäh­rend »die Welt in uns«, ver­stan­den als weit­ge­hend selbst­ver­ständ­li­che Inkor­po­rie­rung der dop­pel­ten Geschicht­lich­keit, die Struk­tu­ren des Habi­tus struk­tu­riert, mit dem wir in der Welt sind, also „zur Aus­bil­dung einer situa­ti­ons­an­ge­pass­ten Ratio­na­li­tät, eines prak­ti­schen Sinns [führt], der ‚weiß‘, was in wel­cher Situa­ti­on zu tun und was zu las­sen ist“ (Liebau 2009, S. 47), struk­tu­riert der Habi­tus wie­der­um auf die­ser Grund­la­ge das Han­deln und damit letzt­lich die gesell­schaft­li­che Welt. Mit­tels der struk­tu­rier­ten und struk­tu­rie­ren­den Struk­tur des Habi­tus erklärt sich, wie Gesell­schaft über­haupt zustan­de kommt, ohne dass sämt­li­che betei­lig­te Akteu­re bewusst oder ziel­ge­rich­tet auf das Her­stel­len einer gesell­schaft­li­chen Ord­nung oder das gesell­schaft­li­che Funk­tio­nie­ren an sich hin­ar­bei­ten, wie Gesell­schaft dem­nach ganz bei­läu­fig ent­steht, indem die Akteu­re ihren all­täg­li­chen Hand­lun­gen nach­ge­hen und damit „unun­ter­bro­chen dazu bei[tragen], die sozia­le Struk­tur zu repro­du­zie­ren“ (Bourdieu/Wacquant 1996, S. 174), denn der Habi­tus stellt

„struk­tu­rier­te Struk­tu­ren [dar], die wie geschaf­fen sind, als struk­tu­rie­ren­de Struk­tu­ren zu fun­gie­ren, d.h. als Erzeu­­gungs- und Ord­nungs­grund­la­gen für Prak­ti­ken und Vor­stel­lun­gen, die objek­tiv an ihr Ziel ange­paßt sein kön­nen, ohne jedoch bewuß­tes Anstre­ben von Zwe­cken (…) vor­aus­zu­set­zen, die objek­tiv »gere­gelt« und »regel­mä­ßig« sind, ohne irgend­wie das Ergeb­nis der Ein­hal­tung von Regeln zu sein, und genau des­we­gen kol­lek­tiv auf­ein­an­der abge­stimmt sind, ohne aus dem ord­nen­den Han­deln eines Diri­gen­ten her­vor­ge­gan­gen zu sein“ (Bour­dieu 1987a, S. 98).

Der Habi­tus wird all­ge­mein durch die gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen und im Spe­zi­el­len durch eine bestimm­te, indi­vi­du­el­le Kom­po­si­ti­on objek­­tiv-rea­­ler Exis­tenz­be­din­gun­gen sowie ent­spre­chen­der Sozia­li­sa­ti­ons­er­fah­run­gen geformt und formt sei­ner­seits wie­der­um die Gesell­schaft, wobei er „jener Ver­ket­tung von »Zügen« zugrun­de [liegt], die objek­tiv wie Stra­te­gien orga­ni­siert sind, ohne das Ergeb­nis einer ech­ten stra­te­gi­schen Absicht zu sein“ (ebd., S. 116).

Die vom Habi­tus her­vor­ge­brach­ten Hand­lun­gen sind dem­zu­fol­ge nicht „intel­lek­tu­ello­zen­trisch“ (Bourdieu/Wacquant 1996, S. 153) als rein ratio­na­le Stra­te­gien zu ver­ste­hen, denen eine exak­te Bewer­tung von Erfolgs­chan­cen zugrun­de liegt, son­dern funk­tio­nie­ren „nach einer dem leben­den Orga­nis­mus eige­nen, das heißt nach einer sys­te­ma­ti­schen, fle­xi­blen, nicht mecha­nis­ti­schen Logik“ (Krais/Gebauer 2002, S. 34), die auf­grund der Prä­gung des Akteurs die objek­tiv unwahr­schein­lichs­ten Prak­ti­ken als undenk­ba­re aus­sor­tiert (vgl. Bour­dieu 1987a, S. 100), womit der schar­fen Tren­nung zwi­schen Kör­per und Geist sowie der Vor­stel­lung vom Kör­per als ledig­lich pas­si­vem Spei­cher der Erfah­run­gen wider­spro­chen wird, da der Kör­per viel­mehr „als akti­ves [und sozia­les; MM] ›Ding‹ bei der Erzeu­gung jener spon­ta­nen, immer wie­der vari­ier­ten und krea­tiv neu erfun­de­nen Akte der Indi­vi­du­en“ (Krais/Gebauer 2002, S. 34; vgl. Kalt­hoff 2004) auf­tritt: „Weil die Han­deln­den nie ganz genau wis­sen, was sie tun, hat ihr Tun mehr Sinn, als sie sel­ber wis­sen“ (Bour­dieu 1987b, S. 127).

In den Habi­tus gehen die Denk- und Sicht­wei­sen, die Wahr­neh­mung, Welt­an­schau­ung etc. einer Gesell­schaft bzw. einer gesell­schaft­li­chen Lage ein, wer­den somit zur zwei­ten Natur des Akteurs, der nun auf­grund die­ser Inkor­po­rie­rung der sozia­len Ver­hält­nis­se voll­kom­men selbst­ver­ständ­lich gemäß die­sen han­delt und dadurch die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se, die sei­nen Habi­tus her­vor­ge­bracht haben, wie­der­um repro­du­ziert. Sowohl die per­sön­li­che als auch die gesell­schaft­li­che Ver­gan­gen­heit wir­ken in ihm in der Gegen­wart fort und bestim­men sein Ver­hal­ten, aller­dings „um den Preis des Ver­ges­sens“ (Krais 2004, S. 91) sei­ner Ent­ste­hung aus bestimm­ten sozia­len Ver­hält­nis­sen. Das Äuße­re der gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se wird dem­entspre­chend inkor­po­riert und zum Inne­ren, zum Kör­per gewor­de­nen Sozia­len (vgl. Bourdieu/Wacquant 1996, S. 161), und repro­du­ziert auf die Wei­se des Ver­äu­ßer­li­chens die­ses Inne­ren wie­der­um objek­ti­ve gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren. In einer sozia­len Umwelt, die mit dem per­sön­li­chen Habi­tus der Akteu­re über­ein­stimmt, wer­den die­se auf­grund der in ihrem Habi­tus inkor­po­rier­ten Erfah­rung rein intui­tiv han­deln und müs­sen in einer für sie neu­en Situa­ti­on nicht erst bewusst dar­über nach­den­ken, was nun zu tun sei.

Je nach sozia­ler Lage bie­ten sich den ein­zel­nen Akteu­ren unzäh­li­ge Zukunfts­mög­lich­kei­ten, aller­dings mit unter­schied­li­cher Ein­­tritts- oder Rea­li­sie­rungs­wahr­schein­lich­keit, d.h. „die Viel­zahl mög­li­cher Wel­ten [ist] zu jedem Zeit­punkt durch die jeweils wirk­li­che Welt, durch die gege­be­nen sozia­len Ver­hält­nis­se begrenzt“ (Krais/Gebauer 2002, S. 46), so wie es für man­che sozia­le Grup­pen wahr­schein­li­cher ist als für ande­re, bei­spiels­wei­se sozi­al auf­zu­stei­gen oder eine Stu­di­en­lauf­bahn ein­zu­schla­gen. Über den Habi­tus und die dar­in inkor­po­rier­ten Erfah­run­gen, die die sozia­len Wahr­schein­lich­kei­ten und damit auch die eige­ne wahr­schein­li­che Zukunft mit­ein­schlie­ßen, rich­ten die Akteu­re schließ­lich ihre Hand­lun­gen auf die­je­ni­ge Zukunft aus, die objek­tiv am wahr­schein­lichs­ten ist, und las­sen sie dadurch in einer Art „Kau­sa­li­tät des Wahr­schein­li­chen“ (ebd.) Wirk­lich­keit wer­den, denn „[a]uch wenn [die sozia­len Deter­mi­nan­ten] nicht bewußt wahr­ge­nom­men wer­den, zwin­gen sie den ein­zel­nen, sich nach ihnen, das heißt nach der objek­ti­ven Zukunft der betref­fen­den gesell­schaft­li­chen Klas­se aus­zu­rich­ten“ (Bourdieu/Passeron 1971, S. 44). Der indi­vi­du­el­le Habi­tus leis­tet also inner­halb homo­lo­ger gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nis­se auch die Vor­weg­nah­me und gleich­zei­ti­ge Her­bei­füh­rung einer wahr­schein­li­chen Zukunft, da die Hand­lun­gen und unbe­wuss­ten Stra­te­gien des Habi­tus „stets die objek­ti­ven Struk­tu­ren zu repro­du­zie­ren trach­ten, aus denen sie her­vor­ge­gan­gen sind“ (Bour­dieu 1987a, S. 114). Die wahr­schein­li­che Zukunft kann über den Habi­tus aus Erfah­rung, „d.h. durch die bereits ein­ge­tre­te­ne Zukunft frü­he­rer Prak­ti­ken“ (ebd.), als eben sol­che anti­zi­piert wer­den, weil die im Habi­tus inkor­po­rier­te Geschicht­lich­keit oder Erfah­rung mit den Bedin­gun­gen und der Geschicht­lich­keit der sozia­len Ver­hält­nis­se über­ein­stimmt, wor­aus sich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit des Han­delns ergibt.

Die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit des Han­delns geht jedoch ver­lo­ren, sobald die sozia­len Ver­hält­nis­se nicht län­ger dem Habi­tus eines Akteurs ent­spre­chen, sprich wenn die in den sozia­len Insti­tu­tio­nen objek­ti­vier­te Geschicht­lich­keit nicht län­ger mit der inkor­po­rier­ten Geschicht­lich­keit über­ein­stimmt, denn die bestehen­de Struk­tu­rie­rung des Habi­tus „schließt aus, dass er alles ver­ar­bei­tet, was in der Welt ist“, also „nur Din­ge auf­neh­men und ein­bau­en kann, für die er bereits eine Art ›Ankopp­lungs­stel­le‹ hat“ (Krais/Gebauer 2002, S. 64). Fin­det sich ein Akteur in einem sozia­len Umfeld mit hoch­gra­dig abwei­chen­den sozia­len Bedin­gun­gen vor, ent­spricht sei­ne ein­ver­leib­te Geschich­te oder Erfah­rung nicht län­ger der insti­tu­tio­na­li­sier­ten Geschich­te sei­ner Umge­bung, sein per­sön­li­cher Habi­tus ent­spricht also nicht län­ger den sozia­len Ver­hält­nis­sen und zeich­net sich durch eine Träg­heit aus, da er für die Gege­ben­hei­ten der neu­en sozia­len Umwelt kaum Ankopp­lungs­stel­len auf­weist. Da der Habi­tus zwar durch­aus ver­än­der­bar ist und die ihm zugrun­de lie­gen­de Inkor­po­rie­rung ein Leben lang statt­fin­det (vgl. Krais/Gebauer 2002), er aber stets von sei­ner ursprüng­li­chen Struk­tu­rie­rung durch die Pri­mär­so­zia­li­sa­ti­on in einer Art anhaf­ten­dem »Stall­ge­ruch« geprägt blei­ben wird, tritt auf, was Bour­dieu als hys­te­re­sis-Effekt bezeich­net (vgl. Bour­dieu 1982, S. 238f), näm­lich eine Träg­heit des Habi­tus, der nun in einer völ­lig neu­en Situa­ti­on unter ande­ren sozia­len Bedin­gun­gen nicht mehr ange­mes­sen ist, infol­ge­des­sen der Akteur sich nicht län­ger ange­mes­sen ver­hal­ten kann: „Sei­nen Habi­tus, der ja die per­sön­li­che und sozia­le Iden­ti­tät eines Indi­vi­du­ums aus­macht, kann man nun, wenn sich die indi­vi­du­el­len Lebens­ver­hält­nis­se ver­än­dern, nicht ein­fach wech­seln wie ein Kleid“ (Krais/Gebauer 2002, S. 46). Über län­ge­re Zeit wird sich der Habi­tus des Akteurs den neu­en sozia­len Ver­hält­nis­sen zwar annä­hern, sei­nen »Stall­ge­ruch« der Pri­mär­so­zia­li­sa­ti­on durch das vor­her­ge­hen­de Milieu aller­dings nicht voll­stän­dig able­gen kön­nen (vgl. Bour­dieu 2000; Hart­mann 2004, S. 92f; Krais 2004, S. 99f).

Zen­tral ist für Bour­dieu die selbst­ver­ständ­li­che Kom­pli­zen­schaft zwi­schen Indi­vi­du­um und sozia­len Ver­hält­nis­sen oder Insti­tu­tio­nen, die auch gesell­schaft­li­che Zwän­ge dar­stel­len kön­nen und in der Regel sol­che sind: „Wir sind über die­sen Habi­tus (…) immer ver­sucht, Kom­pli­zen der Zwän­ge zu sein, die auf uns wir­ken, mit unse­rer eige­nen Beherr­schung zu kol­la­bo­rie­ren“ (Bour­dieu 2001a, S. 166). Die­se Kom­pli­zen­schaft zwi­schen Akteur und den ihn umge­ben­den Struk­tu­ren wird durch eine ent­spre­chen­de Sozia­li­sa­ti­on inner­halb die­ser Struk­tu­ren, also durch den jewei­li­gen Habi­tus her­ge­stellt, der es den Akteu­ren erlaubt, gesell­schaft­li­che „Insti­tu­tio­nen zu bewoh­nen (habi­ter)“ (Bour­dieu 1987a, S.107). Dies bedeu­tet, dass jene objek­ti­ven Struk­tu­ren nur Bestand haben kön­nen, indem sie in den Akteu­ren wir­ken und von die­sen ver­in­ner­licht, bewohnt, ange­eig­net wer­den, die sie dadurch wie­der­um repro­du­zie­ren; folg­lich wird die „objek­ti­vier­te, insti­tu­ier­te Geschich­te nur dann geschicht­li­che Akti­on, d.h. akti­vier­te, akti­ve Geschich­te, wenn sie von Akteu­ren auf­ge­nom­men wird, die ihre eige­ne Geschich­te dazu prä­dis­po­niert, sie auf sich zu neh­men“ (Bour­dieu 2011a, S. 27). So kön­nen gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren wie z.B. Staat oder Schu­le nur funk­tio­nie­ren, indem die Akteu­re in gewis­ser Wei­se an sie glau­ben (vgl. prak­ti­scher Glau­be und prak­ti­scher Sinn in Bour­dieu 1987b), durch Sozia­li­sa­ti­on in die­sen Struk­tu­ren deren Funk­ti­ons­wei­se inkor­po­rie­ren und über Habi­tus und prak­ti­schen Sinn mit ihnen in Kom­pli­zen­schaft tre­ten. Alle betref­fen­den Akteu­re tei­len daher den ihnen habi­tu­ell inkor­po­rier­ten Glau­ben an die insti­tu­tio­nel­len Struk­tu­ren, was sich in der Aner­ken­nung die­ser Struk­tu­ren und der ent­spre­chen­den Teil­nah­me mani­fes­tiert, wobei sich die­ses Teil­neh­men aller­dings nicht bewusst mit einer struk­tur­funk­tio­na­lis­ti­schen Absicht voll­zieht, son­dern auf­grund der ent­spre­chen­den Habi­tus völ­lig selbst­ver­ständ­lich, intui­tiv und größ­ten­teils unbe­wusst, so wie man bei­spiels­wei­se sei­ne Kin­der ganz selbst­ver­ständ­lich auf die Schu­le schickt. Auf die­se Wei­se wer­den Prak­ti­ken und Regel­mä­ßig­kei­ten der gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen und Struk­tu­ren im Habi­tus der Indi­vi­du­en ver­an­kert, was ihnen das Bewoh­nen die­ser gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren ermög­licht, aber auf­grund der selbst­ver­ständ­li­chen habi­tu­el­len Ver­in­ner­li­chung der sozia­len Ord­nung auch Macht- und Herr­schafts­ver­hält­nis­se repro­du­ziert. Durch die­se Beto­nung der habi­tu­el­len Kom­pli­zen­schaft wird zudem deut­lich, dass per se kei­ne ant­ago­nis­ti­sche Gegen­über­stel­lung zwi­schen Indi­vi­du­um und Gesell­schaft besteht und nicht Gesell­schaft an sich als Zwang gegen­über den Indi­vi­du­en auf­tritt, son­dern bestimm­te Prak­ti­ken, Ord­nun­gen, Struk­tu­ren, Insti­tu­tio­nen und letzt­lich der eige­ne, vor­wie­gend unbe­wuss­te Glau­be dar­an: „Nicht Gesell­schaft als sol­che ist eine ›Zumu­tung‹, pro­ble­ma­tisch ist viel­mehr Herr­schaft. Und Herr­schaft tritt nicht ein­fach von außen an das Indi­vi­du­um her­an, sie ist, über den Habi­tus, immer auch in das Indi­vi­du­um selbst ein­ge­la­gert“ (Krais/Gebauer 2002, S. 79).

Eine Absa­ge etwa an gesell­schaft­li­che Zwän­ge kann sich also nicht auf die objek­tiv erkenn­ba­ren Struk­tu­ren beschrän­ken, son­dern muss beim Sub­jekt begin­nen, das die­se objek­ti­ven Struk­tu­ren durch sei­nen Habi­tus, durch sei­ne sub­jek­ti­ven Struk­tu­ren, repro­du­ziert. Dies erfor­dert zunächst das Erken­nen der Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der auf­grund der Inkor­po­rie­rung der dop­pel­ten Geschicht­lich­keit und – dar­in ent­hal­ten – der gesell­schaft­li­chen Denk- und Sicht­wei­sen gehan­delt wird, und damit das Erken­nen der Gren­zen des eige­nen Habi­tus. Bour­dieu leis­tet genau dies, indem er den „Mecha­nis­mus der kul­tu­rel­len Repro­duk­ti­on“ offen nach­zeich­net und in Ent­geg­nung auf den Vor­wurf des Deter­mi­nis­mus erklärt, „daß die Inten­ti­on der Auf­de­ckung gesell­schaft­li­cher Zwän­ge eman­zi­pa­to­risch ist. Das heißt nichts ande­res, als daß man – getreu der alten Regel – auf die Welt nur ein­zu­wir­ken ver­mag, wenn man sie kennt: Jeder neue Bestim­mungs­fak­tor, der erkannt wird, eröff­net einen wei­te­ren Frei­heits­spiel­raum“ (Bour­dieu 1992b, S. 46).

Ein sol­cher Frei­heits­spiel­raum gegen­über den gesell­schaft­li­chen Zwän­gen, die als unhin­ter­frag­te Not­wen­dig­kei­ten in den sozia­len Gebil­den und Denk­sche­ma­ta wir­ken, kann dem­zu­fol­ge nur durch ihr Erken­nen her­ge­stellt wer­den (das nicht mit Aner­ken­nung gleich­zu­set­zen ist), denn „[d]ie wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis der Not­wen­dig­keit schließt die Mög­lich­keit einer Akti­on ein, die dar­auf abzielt, sie zu neu­tra­li­sie­ren, und mit­hin eine mög­li­che Frei­heit, wäh­rend das Nicht­er­ken­nen der Not­wen­dig­keit deren Aner­ken­nung in unein­ge­schränk­ter Form impli­ziert: Solan­ge das Gesetz uner­kannt ist, erscheint das Resul­tat des lais­­ser-fai­­re, des Kom­pli­zen des Wahr­schein­li­chen [somit das, was gemäß die­ses uner­kann­ten Geset­zes schein­bar »ein­fach so« pas­siert, was nicht hin­ter­fragt und was als selbst­ver­ständ­lich erach­tet wird; MM], als Schick­sal, sobald es erkannt ist, als Gewalt“ (Bour­dieu 2011a, S. 53f).


Lite­ra­tur:

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  4. Bour­dieu, Pierre (1989). Satz und Gegen­satz. Über die Ver­ant­wor­tung des Intel­lek­tu­el­len. Ber­lin: Wagenbach.
  5. Bour­dieu, Pierre (1992a). Sozia­ler Raum und sym­bo­li­sche Macht. In Pierre Bour­dieu, Rede und Ant­wort (S. 135–154). Frankfurt/M: Suhrkamp.
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Die sym­bo­li­sche Macht ist eine Macht, die in dem Maße exis­tiert, wie es ihr gelingt, sich aner­ken­nen zu las­sen, sich Aner­ken­nung zu ver­schaf­fen; d.h. eine (öko­no­mi­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le oder ande­re) Macht, die die Macht hat, sich in ihrer Wahr­heit als Macht, als Gewalt, als Will­kür ver­ken­nen zu las­sen. (…) Die sozia­len Akteu­re und auch die Beherrsch­ten selbst sind in der sozia­len Welt (selbst der absto­ßends­ten und empö­rends­ten) durch eine Bezie­hung hin­ge­nom­me­ner Kom­pli­zen­schaft ver­bun­den, die bewirkt, daß bestimm­te Aspek­te die­ser Welt stets jen­seits oder dies­seits kri­ti­scher Infra­ge­stel­lung stehen.

Was ist schließ­lich ein Papst, ein Prä­si­dent oder ein Gene­ral­se­kre­tär ande­res als jemand, der sich für einen Papst oder einen Gene­ral­se­kre­tär oder genau­er: für die Kir­che, den Staat, die Par­tei oder die Nati­on hält? Das ein­zi­ge, was ihn von der Figur in der Komö­die oder vom Grö­ßen­wahn­sin­ni­gen unter­schei­det, ist, daß man ihn im all­ge­mei­nen ernst nimmt und ihm damit das Recht auf die­se Art von »legi­ti­mem Schwin­del«, wie Aus­tin sagt, zuer­kennt. Glau­ben Sie mir, die Welt so betrach­tet, d.h. so wie sie ist, ist ziem­lich komisch. Aber man hat ja oft gesagt, daß das Komi­sche und das Tra­gi­sche sich berühren.
(Pierre Bour­dieu – Die ver­bor­ge­nen Mecha­nis­men der Macht ent­hül­len, in: Die ver­bor­ge­nen Mecha­nis­men der Macht)

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Noch die inhu­mans­ten Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen kön­nen als sinn­haft und attrak­tiv erlebt wer­den durch das still­schwei­gen­de Ein­ver­ständ­nis von Men­schen, die durch inhu­ma­ne Exis­tenz­be­din­gun­gen dar­auf vor­be­rei­tet wor­den sind, sie zu akzeptieren.
(Mar­ga­re­te Stein­rü­cke, in: Pierre Bour­dieu – Der Tote packt den Lebenden)